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Zerwürfnis zwischen Meloni und TrumpFrontfrau der Rechten auch weiter rechts

Michael Braun

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Michael Braun

Der US-Präsident und Italiens Regierungschefin haben sich nicht mehr lieb. Doch an der ideologischen Nähe zwischen den beiden ändert sich nichts.

Die Flitterwochen sind vorbei: Meloni und Trump im Oktober 2025 Foto: Michael Kappeler/dpa

W as ist in Giorgia Meloni gefahren? Erst erlaubt sie es sich, den US-Präsidenten Donald Trump offen zu kritisieren und dessen Verbalattacken gegen Papst Leo einfach „inakzeptabel“ zu nennen. Und als Trump dann zurückgibt, „inakzeptabel“ sei doch Meloni selbst, rudert die italienische Ministerpräsidentin nicht etwa zurück, sondern legt nach, „verbündet zu sein heißt nicht, dass es keine roten Linien gibt, sicher heißt es nicht, Vasallen oder Untertanen zu sein“.

Genau so allerdings war Meloni in der Vergangenheit erschienen – als neben Viktor Orbán Trumps treueste Bündnispartnerin in Europa. Ob beim Kampf gegen die „Wokeness“, bei der Abschottung gegen unerwünschte Migrant*innen, beim Feldzug gegen „Gender-Wahnsinn“ ebenso wie den genauso beklagenswerten „Wahnsinn des Green Deal“ – nie passte ein Blatt zwischen Donald und Giorgia.

Dennoch konnte sich Meloni in Europa den Ruf erarbeiten, sie sei doch eigentlich recht gemäßigt. In der Tat, anders als Orbán torpedierte sie die EU nicht. Doch mit Kritik an Trumps internationalem Wirken fiel sie nicht auf – egal ob bei Grönland, den Zöllen, Venezuela oder auch dem Irankrieg, zu dem ihr nur einfiel, sie könne diesen Krieg „weder teilen noch verdammen“. Schließlich theoretisierte Meloni für sich selbst die Rolle der Brückenbauerin zwischen den USA und Europa herbei.

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So fiktiv diese Brücke immer war, so ist mit Trumps Wutausbruch gegen die italienische „Freundin“ dieses Scheingebilde mit einem lauten Knall eingestürzt. Verbündete wie Meloni, die seine Kriege „nicht teilen“, die dazu noch an seinen Papstattacken rummäkeln, braucht der US-Präsident nicht.

An der ideologischen Nähe zwischen den beiden ändert dies jedoch nichts. Wer glaubt, Meloni könne sich jetzt mäßigen, dürfte sich getäuscht haben. Auch in ihren nächsten Wahlkampf wird die Frontfrau der italienischen Rechten mit der alten „Gott, Vaterland, Familie“-Rhetorik ziehen, mit den immergleichen Versprechen, sie werde der „illegalen Immigration“ ein Ende bereiten.

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Michael Braun
Auslandskorrespondent Italien
Promovierter Politologe, 1985-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Unis Duisburg und Essen, seit 1996 als Journalist in Rom, seit 2000 taz-Korrespondent, daneben tätig für deutsche Rundfunkanstalten, das italienische Wochenmagazin „Internazionale“ und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Büro Rom der Friedrich-Ebert-Stiftung.
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7 Kommentare

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  • Aehnlich wie Merz. Beide haben versucht sich mit Trump gut zu stellen. Warum auch nicht? Beide sind gewaehlt worden, um Schaden von ihrem Land abzuhalten. Ein Wedeln mit dem moralischen Zeigefinger kommt da einem Bruchs des Amtseids gleich.



    Und in beiden Faellen hatte dies ein Ende, als es darum ging einen groesseren Schaden abzuhalten, eine Kriegsbeteiligung.

    Was viele immer vergessen, ob das nun die USA oder Israel betrifft. Wir haben diplomatische Beziehungen mit Staaten, nicht mit Regierungsvertretern. Diplomatische Beziehungen wegen eines unliebsamen Praesidenten aufs Spiel zu setzen ist der allerletzte Schritt, bei Staaten wie den USA oder Israel ist es nicht mal das.

    Ich finde beide haben sich hier richtig verhalten.

  • ""Dennoch konnte sich Meloni in Europa den Ruf erarbeiten, sie sei doch eigentlich recht gemäßigt. In der Tat, anders als Orbán torpedierte sie die EU nicht.""



    ==



    Orban hat am Anfang seiner Amtszeit auch nicht die EU torpediert - das geschah von dem Zeitpunkt an als Orban von Trump zum autoritären reaktionären Rollenmodell gekrönt wurde und er uneingeschränkte zunehmende Bewunderung von der sich entwickelnden Front der irrsinnigen Rechtspopulisten Europas erfuhr.



    =



    Das selbst die Unterstützung des reaktionären eher rechtsradikal agierenden Nordamerikas Orban nicht im Sattel halten konnte unterstreicht das Trumps Einflussnahme seinen Zenith längst überschritten hat.



    =



    Pack schlägt sich - Pack verträgt sich - sich momentan politisch an Trump zu hängen zu einem Zeitpunkt an dem er deutlich sichtbar anfängt zu schwächeln wäre eher ungünstig für Meloni.



    =



    Die EU sollte die Gunst der Stunde nutzen und ihr Einstimmigkeitsprinzip hin zu eienem neuen Konsensmodell transformieren. Orban hat die EU an den Rand der Handlungsunfähigkeit gedrängt - mit der Unterstützung Ficos, Putins und Trump. Das sollte Meloni nie gelingen.

    • @zartbitter:

      Fuer die Abschaffungs des Einstimmigskeitsprinzip brauchts Einstimmigkeit ;-)



      Solang die EU die bekannten Legitimationsprobleme und Luecken bei Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung hat, sowie immer oefter Verantwortlichkeiten an sich zieht, die sie aufgrund der Vertraege nicht hat, sehe ich die Abschaffungs des Einstimmigkeitsprinzips ebenfalls kritisch.



      Wenn die EU irgendwann ein Staat ist, kann sie gerne Mehrheitsentscheidungen der Laender einfuehren.

      Ich faende eine Stellungsnahme des Verfassungsgerichts zu dieser Frage interessant. Eventuell darf die deutsche Regierung die Entscheidungshoheit garnicht outsourcen.

  • Nach Aussen moderat und pragmatisch, nach Innen kalt, unsozial und rassistisch.



    Meloni hat keine Probleme diesen Spagat zu zelebrieren. Nächstes Jahr sind Wahlen, da wird sich zeigen, welcher Teil ihres Doppellebens besser funktioniert. Die Schlappe beim Referendum lässt hoffen, dass es dann weder die eine noch die andere Meloni mehr gibt.

  • Dio mio - das immergleiche Versprechen, sie werde der „illegalen Immigration“ ein Ende bereiten, teilt sie ja wohl mit den meisten europäischen Staatenlenkern!

  • "Der US-Präsident und Italiens Regierungschefin haben sich nicht mehr lieb. Doch an der ideologischen Nähe zwischen den beiden ändert sich nichts. "



    Logische Konsequenz bei Nationalisten unterschiedlicher Nationalitäten. Irgendwann kollidieren ihre jeweiligen Interessen zwangsläufig.

  • Rechte Italiener, die es sich ernsthaft mit der katholischen Kirche verscherzen wollen: Noch in Jahrzehnten nicht.



    Da wird es nie mehr als Geplänkel zu Migration geben. Denn das ist das große Wähler(innen)potenzial.