Waldlobbyisten fordern mehr Geld: Mehr Milliarden für den Forst
Die Wälder in Deutschland leiden. Deshalb fordern die WaldbesitzerInnen mehr Geld vom Staat. Das stört wiederum Umweltverbände.
Die Forderung der Forstwirtschaft lautete erneut vor allem: viel mehr Steuergeld. „Alle Waldbesitzenden müssen eine Honorierung erhalten für die Leistungen, die sie bisher unentgeltlich erbracht haben“, sagte Georg Schirmbeck, der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, am Donnerstag in Berlin.
Das Hilfsprogramm für die Waldbesitzer im Wert von einer halben Milliarde Euro, das Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im vergangenen November aufgelegt hat, sei zwar bereits eine Hilfe. Doch die Regierung müsse es erweitern und verlängern, damit der Wald in Deutschland seine gesellschaftliche und ökologische Funktion weiter erfüllen könne.
Tatsächlich wurden die Waldbesitzer:innen und die Forstwirtschaft in den vergangenen Jahren von einem Schlag nach dem anderen getroffen. Die Dürrejahre 2018 bis 2020 haben Teile des Walds schlichtweg zerstört. Der Forstökonom Bernhard Möhring von der Universität Göttingen schätzt die Schäden durch Trockenheit auf 13 Milliarden Euro.
Die Coronakrise hat nun zusätzlich die Holzpreise einbrechen lassen. Schirmbeck weist darauf hin, dass ein Baum, der 120 Jahre wachsen müsse, derzeit nur gut 60 Euro einbringe. Der Wald soll nun jedoch so wieder aufgebaut werden, dass er den Klimaveränderungen besser widersteht. Das koste zusätzliches Geld.
Wälder nicht mehr so intensiv bewirtschaften
Doch andere Akteure ziehen aus dem Dilemma ganz andere Schlussfolgerungen als die Waldbesitzerlobby. Die Umweltorganisation BUND fordert, die Wälder nicht mehr so intensiv zu bewirtschaften. Stattdessen könnten auf 10 Prozent der Flächen die „Urwälder von morgen“ entstehen. Die restlichen Flächen sollten mehr Totholz enthalten. Statt flächendeckender Zahlungen an die Waldindustrie will auch Greenpeace Anreize für eine „naturnahe Waldnutzung“.
Die Betreiber von Forstbetrieben halten dem entgegen, dass sie schon seit Jahrzehnten an einem nachhaltigeren Waldumbau arbeiten. Es handele sich jedoch um ein Projekt für mehrere Generationen, sagt Johannes Röhl, Leiter der „Wittgenstein-Berleburgschen Rentkammer“. Noch sei unklar, welche Baumarten den veränderten Bedingungen am besten standhalten werden.
Die Waldbesitzerlobby und die Umweltverbände sind sich in zahlreichen Punkten durchaus einig. Doch während erste Umweltverbände schon einen Verbrennungsstopp für Kaminholz fordern, hält Schirmbeck die Einnahmen aus dessen Verkauf für unverzichtbar.
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