Prämien für ökologische Wälder: Geld fürs Wachsen

Waldbesitzer sollen für Ökosystemleistungen ihrer Forste belohnt werden. Doch die Pläne von Union und SPD haben Lücken, warnen Umweltverbände.

Ein Förster markiert mit roter Farbe einen kranken Baum

Kranke Bäume, die durch die Trockenheit von einem Pilz befallen sind, werden markiert Foto: Julian Stratenschulte/dpa

BERLIN taz | Waldbesitzer sollen künftig eine Prämie für die Ökosystemleistungen ihrer Forste bekommen. Das will der Bundestag am Donnerstagabend auf Antrag der Regierungsfraktionen beschließen. Dafür soll die Bundesregierung Modelle entwickeln, mit denen die Leistungen der Wälder etwa für die Stabilisierung des Klimas und des Wasserhaushalts oder den Erhalt der Artenvielfalt berechnet werden können.

Der Antrag fordert die Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt auf, gemeinsam Standards zu entwickeln, an die ein staatliches Honorierungssystem gebunden werden könnte. Dabei sei zu prüfen, ob Standards bestehender Zertifizierungssysteme (wie etwa des FSC oder des PEFC) angewendet werden könnten, heißt es in dem Papier.

Damit kommen Union und SPD einer Forderung der Waldbesitzer nach, die diese seit Beginn der Waldkrise durch die Dürren der vergangenen Jahre zunehmend laut erheben. Nach drei Jahren Dürre mit Stürmen und Befall durch Borkenkäfer und andere Insekten ist der Zustand des Waldes so schlecht wie noch nie seit Beginn der Erhebungen 1984.

Die Schäden für die Forstbesitzer gehen in die Milliarden, rund 290.000 Hektar – etwas mehr als die Fläche des Saarlands – müssen wieder bewaldet werden. Zudem haben die großen Mengen an Schadholz die Holzpreise ruiniert; obwohl sie sich zuletzt leicht erholten, liegen sie noch immer unter dem üblichen Niveau. Die Waldbesitzer betonen, keine Flächenprämien wie die Landwirte oder Entschädigungen für entgangene Gewinne erhalten zu wollen.

112,50 Euro pro Jahr und Hektar

„Wir wollen, dass die gebeutelten Waldbesitzer die Möglichkeit bekommen, klimastabile Wälder aufzubauen“, sagt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst. Bezahlen will er die Zuschüsse nicht aus dem Bundeshaushalt, sondern aus dem Energie- und Klimafonds. Dieses Sondervermögen des Bundes speist sich unter anderem aus dem Emissionshandel aus dem Wärme- und Energiesektor.

Waldbesitzer sollen 112,50 Euro pro Jahr und Hektar für die Klimaleistungen ihrer Wälder bekommen, schwebt den Waldbesitzerverbänden vor. „Wenn die Emittenten von Treibhausgasen für den Ausstoß von Kohlendioxid bezahlen, ist es nur logisch, dass die CO2-Senken entlohnt werden“, so Elverfeldt.

„Wir sind dafür, Wald­be­sit­ze­r:in­nen zu unterstützen, die ihre Wälder besonders ökologisch verträglich im Sinne des Gemeinwohls bewirtschaften“, sagt Nicola Uhde, Waldexpertin der Umweltorganisation BUND. Dabei müsse aber immer der Grundsatz gelten „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“, so Uhde.

Daher sei es wichtig, ökologische Mindeststandards im Bundeswaldgesetz zu verankern – „bislang fehlen sie dort“. Wichtig sei auch, bei den Ökosystemleistungen nicht nur auf den Klimaschutz zu schauen, sondern auch das Thema Biodiversität zu berücksichtigen. „Der Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt heimischer Wälder bedarf eigener Kriterien bei der Entwicklung eines Honorierungsmodells“, so Uhde.

Vor einer unerwünschten Nebenwirkung der Prämien warnt indes Marcus Knauf, Experte für die Klimaschutzleistung von Forst- und Holzwirtschaft. „Je nachdem, wie sich der CO2-Preis entwickelt, könnte es für die Forstbetriebe lukrativer sein, das Holz im Wald zu lassen, als es zu verkaufen“, sagt Knauf. Und: „Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, ob wir uns aus der Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz verabschieden“.

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