Waffenstillstand im Libanon : „Gelbe Linie“ heißt Todeszone
Israel verstößt gegen den Waffenstillstand. Eine militärisch besetzte Todeszone im Südlibanon steht einer nachhaltigen friedlichen Lösung im Weg.
Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
I srael hat eine „gelbe Linie“ im Südlibanon ausgerufen. Die imaginäre Linie im Südlibanon trennt Grenzdörfer vom Rest des Landes ab. In dieser Zone ist israelisches Militär weiterhin stationiert. Das heißt de facto: 55 besetzte Grenzdörfer.
Die „gelbe Zone“ ist ein Bruch der zehntägigen Waffenruhe, weil sich Israel dort das Recht vorbehält, selbst definierte „Bedrohungen“ zu beschießen und weiterhin militärisch am Boden aktiv ist. Innerhalb weniger Stunden nach der Waffenruhe sprengte das israelische Militär dort Häuser, schoss aus Panzern und führte Räumungsaktionen durch. Die systematische Zerstörung geht weiter. Medien berichten von israelischem Artilleriefeuer und Maschinengewehrangriffen in Ortschaften innerhalb und nahe an der Frontlinie, die Israel gezogen hat.
Der Ausdruck der „gelben Linie“ wurde von Israels Regierung und Militär auch im Gazastreifen verwendet. In Gaza bedeutet das eine militärische Besatzung, in der israelische Soldaten routinemäßig auf jeden schießen, der sich der „Linie“ auch nur nähert. Die gelbe Zone in Gaza ist eine Todeszone. Jetzt wird dasselbe Konzept im Südlibanon angewendet.
Eine solche militärisch besetzte Todeszone im Südlibanon steht jeder nachhaltigen friedlichen Lösung im Weg. Zivilist*innen dürfen laut Israels Militär nicht in diese Dörfer zurückkehren. Israel bedroht ihr Leben, falls sie zurückkehren. Die meisten Grenzdörfer liegen vollständig in Schutt, eine schnelle Rückkehr ist nicht möglich.
Alles deutet darauf hin, dass die ausgerufene gelbe Zone nicht temporär sein wird. Israels Regierung hatte zuvor angekündigt, eine „Pufferzone“ im Libanon zu schaffen, in der israelisches Militär auch nach einem ausgerufenen Waffenstillstand aktiv ist. „Gelbe Linie“ und „Pufferzone“ sind Euphemismen für Vertreibung und militärische Besatzung. Mit israelischer Besatzung kann es keinen Waffenstillstand geben, geschweige denn ein nachhaltiges Friedensabkommen.
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