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VfL Wolfsburg steigt abBitte nur wohldosiert

Kommentar von

Gunnar Hinck

Ein Underdog kickt den Konzernverein aus der Ersten Liga. Genau solche Geschichten sind nötig, um die Illusion von Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten.

Ein Underdog steigt auf: Zuschauer des SC Paderborn 07 feiern und halten Schals in die Höhe Foto: Swen Pförtner/dpa

D ie Schadenfreude dürfte groß sein bei den Fußballfans, außer bei den Anhängern des VfL Wolfsburg. Die Männermannschaft des VfL, der ein reines Tochterunternehmen von VW ist, muss ab der nächsten Saison in der Zweiten Liga spielen. Die gängige Lesart: Man kann mit Geld doch nicht alles kaufen im hyperkapitalistischen Spitzenfußball, der kleine Underdog SC Paderborn aus der ostwestfälischen Provinz hat den Konzernverein, der jährlich mit 70 bis 80 Millionen Euro vom Mutterunternehmen subventioniert wird, aus der Bundesliga gekickt – ein Triumph des ehrlichen Fußballs gegen die Konzerne. Oder?

Klar erfreut die Nachricht Fußballdeutschland, sind doch die meisten Fans den Konzernen mit angeschlossenem Fußballverein (Leverkusen, Hoffenheim, RB Leipzig und eben Wolfsburg) in herzlicher Abneigung verbunden.

Aber man sollte sich nichts vormachen: Das System braucht in Wahrheit solche Geschichten, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass es im (Männer-)Spitzenfußball irgendwie gerecht zugehe, dass es doch Überraschungen oder, wie es dann immer heißt, „Fußball-Sensationen“ gibt. Das Fernsehen, das viel Geld für die Übertragungsrechte zahlt, braucht solche Überraschungen, damit sich die GelegenheitszuschauerInnen nicht gelangweilt abwenden – sie sind wichtig für die Quote. DFB und Deutsche Fußball-Liga brauchen sie zwecks Markenpflege natürlich auch.

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Aber diese Überraschungen soll es aus deren Sicht natürlich nicht zu oft geben, denn nur die großen und finanziell gepamperten Vereine können im europäischen Wettbewerb mithalten. Paderborn und Elversberg in der Europa League? Die hätten gegen die europäischen Klubs keine Chance, und das wäre nicht gut für das eigene Geschäftsmodell. So gesehen bedeutet der Abstieg Wolfsburgs (übrigens: Deren Frauen-Team spielt in der Bundesliga ziemlich gut und hat in der abgelaufenen Saison Platz 2 erlangt) eine geduldete Abweichung von der Regel – die aber bitteschön wohldosiert passieren soll.

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ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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2 Kommentare

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  • DFB und DFL wie wohl auch die meisten Fans haben ein Interesse daran, dass in ihrem Sport Spannung und Unvorhersehbarkeit erhalten bleiben. "Gerechtigkeit" ist was anderes - und gar nicht so illusorisch.

    So ist es nämlich auch im Interesse von DFB und DFL, wenn die Vereine mit den meisten Fans in den hohen Ligen spielen. Stattdessen erleben wir seit Jahren, dass Dorfklubs große Traditionsvereine ablösen. Mag zwar gerecht sein, erhöht aber nicht die Attraktivität der Ligen, sodass ich mich als Gelegenheitszuschauer schon lange gelangweilt abgewendet habe...

  • "Illusion von Gerechtigkeit"



    Ich kann mich an Diskussionen um Darmstadt 98 erinnern, als Anhänger*innen sich im Abstiegskampf benachteiligt fühlten, weil sie Underdog sind u. "bleiben sollten".



    In Elversberg ist das Wunder auch gut finanziell "unterfüttert".



    "Paderborn und Elversberg in der Europa League? Die hätten gegen die europäischen Klubs keine Chance, und das wäre nicht gut für das eigene Geschäftsmodell."



    Ein Gegenbeispiel:



    "Die Überraschungsmannschaft aus Norwegen bejubelt den nächsten Coup: Der FK Bodö/Glimt hat Serie-A-Spitzenreiter Inter Mailand auch im Rückspiel der Champions-League-Playoffs geschlagen. Der krasse Außenseiter gewann im San Siro mit 2:1 (0:0) und zog sensationell ins Achtelfinale der Königsklasse ein."



    bei sportschau.de



    Vielleicht wurden Wunder auch früher kreiert:



    "Die Legende vom dänischen Barbecue



    Eigentlich war Dänemark nicht für die EM 1992 qualifiziert. Doch weil Jugoslawien wegen des Bürgerkrieges ausgeschlossen wurde, rückten die Skandinavier nach und gewannen überraschend den Titel. Bis heute hält sich die Mär vom Hamburger verschlingenden Erfolgsteam."



    spiegel.de



    "immerhin hatten sich die meisten Spieler ohnehin versammelt..."



    v. Strand weg???