Verkauf von WM-Anteilen : Die Gier im Profifußball ist grenzenlos
Die Pläne von Fifa-Präsident Infantino, Anteile der WM an Investoren zu verkaufen, sind desaströs. Die Empörung der Uefa ist sympathisch, aber scheinheilig.
W ann, oh wann stößt die Gier im Fußball an eine Grenze? Aktuell sorgt der angeschlagene Fifa-Präsident Infantino für neue Empörung: Er möchte Fifa-Turniere wie die WM teils privatisieren. Ein Unternehmen soll die kommerziellen Rechte halten, private Investoren können Anteile erwerben. Beteiligt ist die US-Investmentbank J.P. Morgan, größter Investor die Firma Thrive Capital von Joshua Kushner, Bruder des Trump-Schwiegersohns. Die rivalisierende Uefa schäumt und droht mit Boykott. Das wird spannend. Bloß sollte niemand an einen Ethikstreit glauben.
Die Fifa-Pläne sind desaströs. Der Verband würde sich noch abhängiger von US-Überreichen und vom Trump-Clan machen, die handfesten Druck ausüben könnten. Infantino will mit Geldversprechen seine Macht sichern und liebäugelt wohl mit einer Nachkarriere als CEO. Mehr Geld, mehr Korruption, mehr Oligarchie!
Die Wut der Uefa ist also sympathisch, aber natürlich große Heuchelei. Denn die Pioniere beim Ausverkauf an Privatinvestoren waren die Großklubs der Uefa. Auch die Deutsche Fußball-Liga wollte so einen Deal. Es waren Europas Klubs und die Uefa, die sich von Staatsfonds und Herrschern etwa in Katar und Saudi-Arabien abhängig machten. Und von US-Geld: Schon 2023 war ein Drittel der Klubs aus Europas Top-5-Ligen ganz oder teils in US-Besitz.
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Europas Fans haben vor allem das Geld vom Golf kritisiert, auch mit rassistischen Untertönen. Und dabei übersehen, wie US-Überreiche zum größten Machtblock wurden. Der Uefa indes geht es nicht um Moral, sondern um die drohende größere Finanzmacht der Fifa mit noch mehr Turnieren und Infantinos Nähe zu Trump. Ist die Uefa geopolitisch klug, verabschiedet sie sich endlich aus der Fifa. Oder trommelt viel mutiger zum Widerstand als bisher.
Aber egal, wie der Showdown ausgeht, ein viel ethischerer Fußball wird in der kapitalistischen Oligarchie nicht herauskommen. Das Grundproblem ist nicht, dass die Männer ihre Finanzmacht missbrauchen – sondern, dass sie sie haben. Wann all das an Grenzen stößt? Viele Menschen vor Ort konnten sich kein WM-Ticket leisten. Und feierten das Turnier dennoch.
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