Vergleich von Bayer mit US-Krebsopfern: Keine Absolution für Glyphosat
Trotz des Vergleichs bleiben Zweifel an der Sicherheit von Glyphosat. Lebensmittel lassen sich auch ohne den Pestizidbestseller erzeugen.
D er geplante Sammelvergleich zu Glyphosat des Chemiekonzerns Bayer mit Krebspatienten in den USA ist keine Absolution des Pestizids. Die Anwälte der Kläger haben nicht etwa eingelenkt, weil ihnen die Belege dafür ausgehen würden, dass der Unkrautvernichter Krebs auslöst. Vielmehr befürchten sie, dass die Bewegung von US-Präsident Donald Trump Bayer zu Hilfe kommt und die Rechte der Kläger aushöhlt.
Die konservative Mehrheit des Obersten US-Gerichtshofs hat gerade einen Fall zur Entscheidung angenommen, der auf Betreiben Bayers den Klagen die Rechtsgrundlage entziehen könnte. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Glyphosat Krebs erregt oder nicht. Sondern ob die Betroffenen sich auf das Verbraucherrecht von Bundesstaaten berufen dürfen, obwohl die US-Umweltschutzbehörde EPA den Stoff unter Trump als unbedenklich eingestuft hat.
An dieser Entwarnung gibt es berechtigte Zweifel. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Denn mit der Chemikalie gefütterte Säugetiere hatten Tumore entwickelt. Die Agentur steht nicht so stark unter dem Einfluss der Industrie wie manche Zulassungsbehörde. Erst vergangenes Jahr veröffentlichte das italienische Ramazzini-Institut eine Studie, wonach Glyphosat bei Laborratten Krebs verursacht.
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Deshalb ist es unverantwortlich, dass zum Beispiel Bayer das weltweit meist genutzte Pestizid immer noch verkauft. Anders als der Konzern suggeriert, ist Glyphosat nicht nötig, um Lebensmittel zu erzeugen. Das beweisen unzählige Biolandwirte jeden Tag. Sie verhindern, dass sich Unkraut überhaupt so stark auf ihren Feldern ausbreiten kann, indem sie besonders viele Fruchtarten auf jedem Acker abwechseln. Vielfältige Fruchtfolgen reduzieren den Unkrautbefall. Zwar fällt die Ernte ohne chemisch-synthetische Pestizide mitunter kleiner aus, aber diese Defizite lassen sich durch eine Reduktion des Fleischkonsums kompensieren. Schließlich ernährt eine pflanzliche Kalorie mehr Menschen, wenn sie direkt gegessen statt erst verfüttert wird.
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