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US-Angriff gegen VenezuelaWir teilen uns die Welt, wie es uns gefällt

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Trump und Putin wollen mit Gewalt die Welt umkrempeln. Die Ukrainer machen da aber nicht mit, und auch die Venezolaner wollen selbstbestimmt sein.

First you take Kyjiw, then I take Caracas Foto: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

N ur wenige Menschen auf der Welt werden Nicolás Maduro eine Träne nachweinen. Der gestürzte Autokrat von Venezuela hat sein Land ruiniert, Bürgerrechte mit Füßen getreten, seine Bevölkerung ins Elend gestürzt, eine der größten Auswanderungs- und Fluchtwellen der Welt produziert. Ein Regimewechsel in Venezuela könnte eine Chance für die Menschen dort sein – theoretisch. Aber was die USA in Venezuela anrichten, ist das genaue Gegenteil. Nicht das Volk hat den Diktator gestürzt, sondern US-Kommandos haben Venezuelas Präsidenten gekidnappt.

Nun hofft US-Präsident Donald Trump auf einen „Deal“ zu Venezuelas Öl, das in seiner Weltsicht den USA gehört. Es liegt auf der Hand, hier den Vorboten einer neuen Weltordnung zu sehen, einer Aufteilung der Welt zwischen imperialen Mächten. Entsprechend würde Trump Venezuela und vielleicht Kuba einsacken, dafür bekommt Russlands Präsident Wladimir Putin die Ukraine und am Ende das Baltikum. Xi Jinpings Taiwan-Ambitionen sind auch kein Geheimnis.

Trump darf sich momentan als Gewinner fühlen – er hat am 3. Januar 2026 in Caracas erreicht, was Putin am 24. Februar 2022 in Kyjiw nicht gelang: einen widerborstigen Präsidenten beseitigen. Russlands Hinnahme des Umsturzes in Venezuela kann als Gegenleistung dafür gesehen werden, dass die USA Putins ständige Angriffe auf die Ukraine tolerieren. Die imperialen Rivalen sind auch Geschäftspartner.

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Trump will mit Putin die Ukraine wiederaufbauen – Russlands Bomben als Wegbereiter für US-Investoren – und die Rohstoffe der Arktis ausbeuten, wo Grönland als Nächstes auf dem Menü steht. China könnte vom Machtwechsel in Caracas profitieren, wenn der eine Rückzahlung seiner Milliardenkredite ermöglicht. Aber die Welt des 21. Jahrhunderts tickt nicht nur imperial. Dass Venezuela, die Ukraine und bald vielleicht Taiwan im Visier der alten Autokraten stehen, ist kein Zufall.

Der Widerstand der Ukraine gegen Putins Vernichtungskrieg steht für einen ungebrochenen Freiheitsgedanken, der den gesamten postsowjetischen Raum inspiriert. Er zeigt, dass ein anderes Russland und ein anderes China möglich sind. Die Revolutionen in Venezuela und Kuba standen anfangs, bevor sie in Diktatur und Willkür abdrifteten, für die Selbstbehauptung Lateinamerikas; der plumpe US-Staatsstreich jetzt könnte diesen verschütteten Gedanken wiederbeleben.

Trump, Putin und Xi wollen die brutale Welt von gestern. Venezolaner, Ukrainer und Taiwanesen wollen die selbstbestimmte Welt von morgen. Gegner imperialer Machtpolitik wissen, auf wessen Seite man da steht.

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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2 Kommentare

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  • Ob Trump jetzt wirklich Venezuela beherrscht wie er es behauptet ist wohl unklar, oft kommt es ganz anders als geplant!



    Im Irak war es doch damals ein Debakel, Hussein zwar weg, aber der der IS wurde Stark, die Irakische Armee hatte fast Kampflos gegen den IS Kapituliert und der IS konnte die Waffen übernehmen und der Einfluss vom Iran ist heute sehr groß.



    Aus den Ölgeschäften wurde dann auch nichts, also alles anders als geplant.



    Das Madura vor Gericht steht ist zwar gut, aber wohin sich jetzt Venezuela bewegt, denn auch Russland, China und andere Autokratische Staaten werden versuchen mitzumischen, also ob es für die Menschen besser wird in Venezuela steht auf einem ganz anderem Blatt.



    Ob das mit den Ölgeschäften was wird, na, da wird Russland und China wohl noch mitreden.

  • Danke für die klaren Worte, Herr Johnson. Volle Zustimmung!