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Ticket für Gelegenheitsfahrer Es könnte ganz schnell gehen, wenn die Politik wollte

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Ein bundesweites ÖPNV-Ticket für Ge­le­gen­heits­fah­re­r:in­nen ist eine tolle Sache. Nur gibt es dafür leider keinen breiten politischen Willen.

C hance vertan: Die Ver­kehrs­mi­nis­te­r:in­nen haben bei ihrer regulären Konferenz den Antrag auf ein bundesweites digitales ÖPNV-Ticket für Leute, die nur manchmal Bus oder Bahn nehmen, von der Tagesordnung genommen. Dabei haben die grünen Verkehrsminister aus Hamburg und NRW eine gute Idee vorgelegt: Ge­le­gen­heits­fah­re­r:in­nen sollen mit einem Smartphoneticket den öffentlichen Nahverkehr ohne langes Suchen nach dem richtigen Tarif nutzen können. Abgerechnet werden soll nach gefahrener Strecke, und zwar mit dem günstigsten Tarif. Technisch ist das kein Problem.

Vorbild ist ein Angebot, das in NRW sehr gut angenommen wird. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: An Rhein und Ruhr hat die Fahrkarte für gelegentliche Nut­ze­r:in­nen einen Preisdeckel. Sie müssen maximal so viel zahlen, wie das Deutschlandticket kostet. Das soll bei dem bundesweiten Gelegenheitsticket ausdrücklich nicht so sein, damit Kun­d:in­nen mit Deutschlandticket nicht umsteigen. Das nimmt der Idee einigen Charme.

Trotzdem wäre das Gelegenheitsticket ein attraktives Angebot. Gerade angesichts hoher Spritpreise sind heute viele zum Umstieg vom Auto bereit. Aber hohe Preise und vor allem komplizierte Tarifsysteme schrecken ab. Wer Bus und Bahn nicht nutzt, wird es absurd finden, das Deutschlandticket zu kaufen. Das Gelegenheitsticket wäre eine ideale Möglichkeit für Nahverkehrsskeptiker:innen, die unkomplizierte Nutzung von Bussen und Bahnen einfach mal auszuprobieren – und vielleicht Gefallen daran zu finden.

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Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sollte den Impuls aus NRW und Hamburg aufgreifen. Damit könnte er sich profilieren, ohne dass er Geld ausgeben muss. Weil das Gelegenheitsticket keinen Preisdeckel hat, verursacht es auch keine zusätzlichen Kosten. Es gibt also nichts, was einer raschen Einführung im Wege steht – außer der politische Wille.

Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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10 Kommentare

  • Vigoleis

    Ich (als notorischer Bahnfahrer seit Jahrzehnten) gönne jedem Gelegenheitsbahnfahrer natürlich auch einmal das Mehr an Lebenserfahrung (hier auch im wörtlichen Sinn).



    Das Problem dabei ist nicht die Einführung eines entsprechenden Tickets (auf welcher finanziellen Basis auch immer), sondern sind die ohnehin schon vollen bis überfüllten Züge auf vielen Regionalstrecken.



    Das heißt, immer mehr Menschen zum Bahnfahren zu animieren, ist höchstens der zweite Schritt der "Verkehrswende". Zunächst müssten mehr Kapazitäten geschaffen werden. Da rede ich noch nicht einmal über reaktivierte Strecken oder Verdichtung der aktuellen Fahrpläne. Zwei, drei Wagen mehr (möglichst mit Fahrradabteilen) wären schon eine "kleine" Lösung. Doch das scheitert oft an zu kurzen Bahnsteigen oder Überhol- und Kreuzungsgleisen, falsch platzierten Signalen u.s.w., dies auch auf erst kürzlich sanierten Strecken, weil irgendwo nicht vorausgedacht wurde oder jemand noch ein paar Euro sparen wollte. Diese baulichen Mängel zu beseitigen, kostet bekanntlich weiter Jahr um Jahr.



    Das "Gelegenheitsticket" nutzen jene, die sonst Auto fahren. Alle anderen, die auf das Auto verzichten, werden dadurch zusätzlich "belastet".

  • Don Geraldo

    Ich kenne einige, die bei Bedarf das Deutschlandticket gebucht und sofort wieder gekündigt haben, weil sie nur einen Monat benötigt haben.



    Warum kann man nicht gleich einzelne Monate oder besser noch Wochen buchen.



    Wäre viel einfacher zu machen und würde alle Gelegenheitsnutzer abdecken.



    Aber für die Politik wohl zu einf

  • Gothograecus

    Abgesehen von dem hier angesprochenen Modell frage ich mich offen gestanden schon seit längerem, warum es nicht auch so etwas wie ein (touristisches) Deutschland-Wochenticket gibt, Familienangebote inklusive. Das kann dann ja auch als Einzelfahrschein gerne mal 35 Euro kosten. Für die Touristen lohnt es sich immer noch, und es bringt zusätzliches Geld in das Schema.

    • Johannes Schweitzer

      @Gothograecus:

      Das gilt auch für alle ausländischen Touristen. Da sollte vielleicht mal die Touristiklobby aktiv werden!

  • Xanyd

    Für ein 4 Wochen Gelegenheitsticket würde ich auch 80-100€ zahlen, das sollte wie ein Länderticket buchbar sein, und auch digitalfrei erhältlich sein. Ein D-Ticket besitze ich nur aufgrund der Unzuverlässigkeit der Bahn hier im Weserbergland nicht.

  • Janix

    Pendler mit Bundeslandtickets beglücken, das zahlen dann die Länder. Ggf. können RhP und Saarland, Berlin und Brandenburg zusammenlegen o.ä.



    Der Gegennutzen sind weniger schweineteure Straßenbauereien und dreckige Autofahrten.

    Bundesweit hingegen müssen die RE-Züge eigentlich nicht auch noch vollgestopft werden, während die Fernzüge sehr locker besetzt sind. Da wäre eine Einschränkung auf Nicht-Rush-Hour, etwas höhere Preise denkbar oder Ähnliches, dass die Züge einfach nur normal voll sind, nicht brechend.

    Wo aber in jedem Fall die Axt hin gehört, sind die versteckten Zuschüsse an Autohersteller und -nutzers, an Fluglinien und -nutzers. Umweltkosten sind Kosten - die verursachergerecht.

    So können die Bahnlinien auch wieder beharrlich renoviert werden und Großraumumfahrungen für Güterzüge o.ä. geschaffen werden (macht die Strecken dort frei für S-Bahnen etc.). Wir brauchen Redundanzen, wir brauchen die Umkehr der McKinsey-Idiotie mit Ansage.

    • Oleg Fedotov

      @Janix:

      "So können die Bahnlinien auch wieder beharrlich renoviert werden" -vergessen Sie es.



      Aktuelles Beispiel wäre die bereits im Güterverkehr betriebene Strecke Münster-Sendenhorst. Eine erste Klage von 15(!) Anwohner gegen die Reaktivierung wurde jetzt vom OLG als Eilantrag abgewiesen. Und dann sind da noch mehr Anwohner, welche gegen eine Reaktivierung des Personenverkehrs (teils mit hirnrissigen Argumenten) klagen. Und hier ist noch nicht mal ein erster Termin festgelegt. Also ist absehbar, das dies auch die nächsten Jahre noch nichts wird.

  • Mustardman

    Ohne Preisdeckel ist das die reinste Kostenfalle, will man ja erst hinterher weiß, was die Fahrt denn gekostet hat.

    Mit Preisdeckel wäre es einfach ein zusätzliches Angebot für Gelegenheitsbenutzer, die sich so keine Einzeltickets ziehen müssten. Wer häufiger als nur gelegentlich fährt, kommt eh sehr schnell an die Grenze.

    Kurz: das Deutschlandticket sollte prinzipiell genau so funktionieren, mit den anfallenden Kosten über der Grenze als Förderung vom Staat, der sie den Verkehrsbetrieben so ersetzt. Damit bekämen sie letztlich jeden km jeder Fahrt bezahlt und wären auch motiviert, dass mehr und häufiger gefahren wird, was wiederum nur mit besserer Qualität ginge. So hätten alle was davon.

  • DiMa

    So ein Gelegenheitsticket kann doch einfach jeder Verkehrsverbund selbst einführen. Den in der Regel nutzt man das zu erwartenden Weise ja eher regional. Vorteil einer regionalen Einführung wäre der geringere bürokratische Aufwand, den eine Zwischenabrechnung über einen einheitlichen Vertriebspartner entfällt.

  • Sole Mio

    Eine Bahnfahrt kann ich kurzfristig über die App buchen.

    Es gibt genügend schlaue und einfache Systeme die man von unseren Nachbarländern übernehmen kann. Beispielsweise ein Lesegerät für EC- Kredit- oder Prepaidkarten für Bus, U- und S-Bahn. Einfach beim Ein- und Aussteigen hinhalten und es wird die Strecke abgebucht, dazu gibt es einen Höchstbetrag, ab welchem man den Rest des Tages nutzen umsonst fährt