Ticket für Gelegenheitsfahrer : Es könnte ganz schnell gehen, wenn die Politik wollte
Ein bundesweites ÖPNV-Ticket für Gelegenheitsfahrer:innen ist eine tolle Sache. Nur gibt es dafür leider keinen breiten politischen Willen.
Foto: Jens Büttner/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa
C hance vertan: Die Verkehrsminister:innen haben bei ihrer regulären Konferenz den Antrag auf ein bundesweites digitales ÖPNV-Ticket für Leute, die nur manchmal Bus oder Bahn nehmen, von der Tagesordnung genommen. Dabei haben die grünen Verkehrsminister aus Hamburg und NRW eine gute Idee vorgelegt: Gelegenheitsfahrer:innen sollen mit einem Smartphoneticket den öffentlichen Nahverkehr ohne langes Suchen nach dem richtigen Tarif nutzen können. Abgerechnet werden soll nach gefahrener Strecke, und zwar mit dem günstigsten Tarif. Technisch ist das kein Problem.
Vorbild ist ein Angebot, das in NRW sehr gut angenommen wird. Es gibt allerdings einen großen Unterschied: An Rhein und Ruhr hat die Fahrkarte für gelegentliche Nutzer:innen einen Preisdeckel. Sie müssen maximal so viel zahlen, wie das Deutschlandticket kostet. Das soll bei dem bundesweiten Gelegenheitsticket ausdrücklich nicht so sein, damit Kund:innen mit Deutschlandticket nicht umsteigen. Das nimmt der Idee einigen Charme.
Trotzdem wäre das Gelegenheitsticket ein attraktives Angebot. Gerade angesichts hoher Spritpreise sind heute viele zum Umstieg vom Auto bereit. Aber hohe Preise und vor allem komplizierte Tarifsysteme schrecken ab. Wer Bus und Bahn nicht nutzt, wird es absurd finden, das Deutschlandticket zu kaufen. Das Gelegenheitsticket wäre eine ideale Möglichkeit für Nahverkehrsskeptiker:innen, die unkomplizierte Nutzung von Bussen und Bahnen einfach mal auszuprobieren – und vielleicht Gefallen daran zu finden.
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Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sollte den Impuls aus NRW und Hamburg aufgreifen. Damit könnte er sich profilieren, ohne dass er Geld ausgeben muss. Weil das Gelegenheitsticket keinen Preisdeckel hat, verursacht es auch keine zusätzlichen Kosten. Es gibt also nichts, was einer raschen Einführung im Wege steht – außer der politische Wille.
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