Studie über EU-Klimaziele: Europa kann abspecken
Um bis 2050 klimaneutral zu sein, muss Europa schnell aus der Kohle aussteigen und viel weniger Fleisch essen. Wie das geht, verrät eine neue Studie.

Denn um Europa – wie mehrfach beschworen – bis 2050 „klimaneutral“ zu machen, müssten die EU-Emissionen bis 2030 um 68 Prozent sinken, zeigen Rechenmodelle. Bisher heißt der Plan: minus 40 Prozent. Die EU-Kommission und auch Merkel haben minus 50 bis 55 Prozent versprochen, das EU-Parlament will minus 65 Prozent.
Jetzt zeigt die ECF mit ihrer Studie, wie das gehen könnte. Demnach sind drei Szenarien denkbar: 55 Prozent sind „technologie-fokussiert“ oder mit einem Mix aus mehr Technik und anderem Konsum machbar. 65 Prozent gehen auch – dafür muss aber alles schneller gehen.
Einige Maßnahmen lesen sich wie eine Giftliste politischer No-gos: Den Verkehr nicht wachsen lassen oder um 10 Prozent zu reduzieren, ab 2030 sollten 60 bis 93 Prozent aller Neuwagen keine Abgase mehr ausstoßen, die Sanierungsrate von Gebäuden müsste sich auf 2,5 bis 3,5 Prozent jährlich verdoppeln.
Raus der Kohle bis 2040
Die Verbrennung von Kohle müsste sich bis 2030 um etwa 90 Prozent reduzieren und 2040 bei null sein, der jährliche Zubau von Wind- und Solaranlagen müsste sich verdoppeln bis verdreifachen. Auch das umstrittene CCS (Einfangen und Speichern von CO2) steht mit 7 bis 24 Millionen Tonnen jährlich auf der Rechnung. In der Landwirtschaft sollten die EuropäerInnen für die Klimaziele von 11 bis 32 Prozent weniger Fleisch essen.
Wie dieses Szenario mitten in der Grillsaison ankommt, steht nicht im Gutachten. Auch fehlen genaue Kosten für mehr Erneuerbare, mehr Effizienz in der Industrie oder mehr gedämmte Häuser. Da die Szenarien vor Corona gerechnet wurden, ist auch unklar, welchen Einfluss der aktuelle Absturz der Wirtschaft hat – und wie alles mit dem EU-„Green Deal“ und den Milliarden Hilfseuros zusammengehen soll.
Die Studie bietet einen kleinen Trost: Die „Wirkung einer CO2-Reduktion um 55 oder 65 Prozent auf die gesamte Wirtschaft und die Beschäftigung sind klein“, heißt es, „verglichen mit größeren Trends wie Digitalisierung oder Automation oder den finanziellen und menschlichen Kosten des Klimawandels.“
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