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Streusalzdebatte in BerlinStreit um Streusalz

Nach Kritik am Winterdienst greift Berlin zu Streusalz. Grüne fordern eine zentrale Räumung von Gehwegen. Die BSR wird die Bezirke nun unterstützen.

Streusalz: zu spät, zu umweltschädlich Foto: Markus Lenhardt/dpa

dpa | In der Diskussion um den Einsatz von Streusalz auf eisglatten Berliner Gehwegen gibt es weiterhin Kritik am schwarz-roten Senat. „CDU und SPD haben erst das Problem nicht erkannt und dann nur Chaos angerichtet. Zum Leidwesen der Berliner, die durch Berlin schlittern und sich dabei schwer verletzen“, sagte Grünen-Fraktionschef Werner Graf am Wochenende.

Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hatte am Freitag überraschend entgegen ihrer früheren Argumentation angekündigt, dass eine von ihr erlassene Allgemeinverfügung den Einsatz von Taumitteln wie Streusalz auf Gehwegen in Berlin nun doch ermöglichen solle.

Salz gilt als besonders effektives Streumittel. Umweltschützer warnen allerdings vor der Verwendung. Nach Ansicht der Umweltorganisation BUND schadet Salz den Böden, Pflanzen, Tieren und Gewässern. Während das Land Berlin inzwischen auch auf Streusalz setzt, entscheiden in Brandenburg die Kommunen über die Verwendung. In Potsdam ist der Einsatz nur in Ausnahmefällen wie bei Eisregen und an besonders gefährlichen Stellen erlaubt, etwa sehr steilen Wegen.

Grünen-Politiker Graf kritisiert des Weiteren, es sei längst klar, dass die bestehenden Regelungen zum Winterdienst nicht funktionierten. „Wir haben bereits vor einem Monat gefordert, dass die Geh- und Radwege bei Schnee und Glatteis künftig zentral geräumt werden müssen“, sagte Graf. Die Grünen hatten vorgeschlagen, die Berliner Stadtreinigung (BSR) solle schrittweise auch den Winterdienst auf Gehwegen übernehmen. Die BSR hatte das allerdings abgelehnt.

BSR unterstützt die Bezirke nun doch

Nun teilte die Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt jedoch mit, dass die BSR die Bezirke angesichts des anhaltenden Winterwetters doch beim Räumen von Schnee und Eis unterstützen wird. Unter anderem werde die BSR den Straßen- und Grünflächenämtern Streugut wie Splitt zur Verfügung stellen und bei Bedarf auch entsprechendes Räumwerkzeug.

Die Verkehrs- und Umweltverwaltung und die BSR haben den Bezirksämtern außerdem angeboten, dass die BSR beauftragt wird, die Ordnungsämter an ausgewählten Orten bei der Beseitigung von Eisglätte zu unterstützen. Das gilt insbesondere an Schulen, Kitas und Senioreneinrichtungen, Arztpraxen, Kliniken und Apotheken, Nahversorgungsstandorten wie Supermärkten und Einkaufszentren sowie Zuwegungen zu Haltestellen von U-Bahn, Tram, S-Bahn und Bus.

Darüber hinaus sollen Mitarbeiter aus den Straßen- und Grünflächenämtern, die sonst für andere Tätigkeiten zuständig sind, in diesen Tagen ihre jeweiligen Bezirke bei der von der Eisglätte ausgehenden Gefahr für Leib und Leben unterstützen. Dafür sollen die personalrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, so die Verkehrsverwaltung.

Auf diese Maßnahmen haben sich den Angaben zufolge Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und Vertreter ihrer Verwaltung am Freitag mit den Straßen- und Grünflächenämtern der Bezirke, der BSR, den Wasserbetrieben und den Berliner Forsten vereinbart. Eine weitere Abstimmungsrunde zum gemeinsamen Vorgehen ist für Montag geplant.

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bleibt es in Berlin und Brandenburg auch in den nächsten Tagen frostig und winterlich: In den beiden Nächten zu Sonntag und Montag sind demnach sogar Temperaturen im zweistelligen Minusbereich möglich.

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61 Kommentare

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  • Es kommt auch drauf an, welches Streusalz eingesetzt wird. Ammoniumsulfat etwa taut zuverlässig auf und ist weniger aggressiv materialschädigend mit der Ausnahme Zinkoberflächen. Es sollte aber nur zusammen mit Sicherheitsdatenblatt verkauft werden dürfen. Bei einem Markenprodukt steht noch nichtmal die Substanzbezeichnung auf dem Eimer und ein Text, der suggeriert, es wäre Salzersatz. Es ist aber ein Salz, nur milder in den Nebenwirkungen als Chloridsalze.

  • Bin heute morgen an mindestens drei Streusalzkästen in Bamberg vorbei gelaufen.



    Alle hatten einen riesen Haufen (also wirklich ein Hügel - Warum auch immer...) davon vor der Kiste liegen obgleich kein Schnee mehr lag. Also in Bayern (ok Franken...) ist das mit den Salz kein Problem. Außer auf dem Land wo es nötig wäre und die Kommunen mit der Ausgabe geizen.



    Was genau soll denn übrigens in den fast vollständig verschlossenen (zubetonierten) Städten vergiftet werden? Das Ungeziefer in den Kanälen oder was?



    Das passiert wenn man Bundesweite Statistiken die eben auch die gestreute Landstraße beinhalten wo es direkt in den Boden geht mit Berlin vergleicht - Unglaubwürdig. Doch wie soll man sonst die Straße frei bekommen? Ist eben ein notwendiges Übel.



    Kümmert euch erst mal um vielen unnötigen Umweltübel die zudem das ganze Jahr verübt werden und das ohne die Not der paar gefrorenen Tage die wir in Deutschland haben.

    • @Das B:

      Berlin ist nicht vollständig zubetoniert, sondern die grünste Stadt Deutschlands mit den meisten Waldflächen, Parks, Grünanlagen, Straßenbäumen und Straßenrandbepflanzungen. Und mit einer großen Artenvielfalt, insbesondere bei den Vögeln und Insekten. Trotzdem ist das Überleben in Städten für Pflanzen besonders schwierig, weil wenig Boden zur Verfügung steht, dieser verdichtet ist, Schadstoffe eingetragen werden und im Sommer kommt Hitze- und Trockenstress dazu. Das Salz ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Stressfaktor und in der Stadt schädlicher, da letztlich mehr Salz pro Grünstreifen oder Baum in den Boden gelangt.

  • Als vor einer Woche der Blizzard über die halben USA hereingebrochen ist, haben die schon 3 Tage vorher (!) damit begonnen, tonnenweise Salz auf den Straßen zu verteilen, um die Mobilität zumindest grundlegend aufrecht erhalten zu können.



    Bei uns schneit es 10 Zentimeter über ein paar Tage verteilt und halb Deutschland versinkt im Chaos.



    Schüler sollen zuhause bleiben, Trambahnen werden ins Depot gerufen, Autofahrer rutschen über kaum geräumte Straßen, Radfahrer sind völlig auf verlorenem Posten und Fußgänger, gerade in Städten, stapfen über größtenteils ungeräumte Wege vor den Mietshäusern, weil aus der Anonymität heraus sich niemand berufen fühlt zu räumen.



    So kommts das nach ein paar Tagen spiegelglatt getrampelte Fußwege und Seitenstraßen alle Verkehrsteilmehmer zur Weißglut treiben.



    Und da wo geräumt wurde stecken Autos hinterher in Parklücken fest...



    Grandios.



    An der Prioritätensetzung sieht man was falsch läuft. Wir opfern die Knochen unzähliger Bürger und legen Schulen und Wirtschaft lahm, um am Ende ein paar tausend Tonnen Salz der Umwelt erspart zu haben.



    Was ein grotesker Irrsinn.

    • @Antje1971:

      Völlig richtig. Ich bin nun wirklich für Naturschutz. Aber erstens sind früher nun auch nicht massenweise Straßenbäume eingegangen, und zweitens ist kein Straßenbaum ein Menschenleben wert. Davon mal abgesehen, dass ein künstliches Hüftgelenk nach komplizierter Fraktur die Gesellschaft auch nicht billiger kommt als der Erwerb eines neuen Baums.

    • @Antje1971:

      Umweltschutz hat leider keine Priorität, sonst wären wir heute nicht mit dieser Extremwetterlage konfrontiert, bei der eine Blitzeisepisode auf die andere folgt und es zu dieser extremen Glatteisproblematik kommt. Denn nicht der Schnee ist das Problem, sondern das Eis, das durch Feuchtigkeit in der Luft immer neu gebildet wird. Gleichzeitig gibt es zu wenig Niederschlag - Schnee - , eine Schneedecke wäre für Fußgänger viel ungefährlicher. So ein Ereignis ist eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung nirgendwo Priorität hat, wenn man in der Folge dafür ist, auch weiterhin durch Salz der Umwelt zu schaden, weil, hey, die autos müssen rollen, dann ist das nur konsequent und führt weiterhin in den Abgrund.

      • @Kolyma:

        Das die Umwelt zu wenig geschützt wird - da stimme ich Ihnen zu.



        Das zu wenig gegen den Klimawandel getan wird - hm, ich sage die Prioritäten sollten anders gesetzt werden. Überhaupt sollten mal flächendeckend und ohne Deckel Förderungen her für Elektromobilität, erneuerbare Energien und Speicher. Dem Klima ists egal ob auch Reiche davon profitieren, Hauptsache es geht voran. Aber das ist Geschmackssache.



        Wo ich aber komplett anderer Meinung bin, ist das Salz. Am Streusalz geht die Umwelt nun wirklich nicht zu Grunde. Da haben wir deutlich schädlicheres das wir täglich raushauen.



        Streusalz nur ein paar Tage im Jahr. Streusalz ist ein typisches Beispiel falscher Prioritätensetzung.



        Und ja der Verkehr muss rollen, vom Auto über den LKW bis zum Bus, Tram, Fahrrad und Fußgänger.



        Die Wirtschaft ist es die uns Sozialstaat, Rente und Energiewende erwirtschaften muss - und unsere Wirtschaft ist nun mal in hohem Maße von Mobilität abhängig. Genauso wie wir Menschen.



        Die Mobilität und Verkehrssicherheit ein paar tausend Tonnen eingespartem Streusalz zu opfern ist ökonomischer Blödsinn.

  • Tausende Menschen haben durch das Glatteis Knochenbrüche und andere schwere Verletzungen erlitten. Dass sich noch niemand den Schädel gebrochen hat und gestorben ist, ist reines Glück.

    Ein Gemeinwesen, dass es nicht einmal in einer solchen Situation, in der unabweisbar Gefahr für Leib und Leben herrscht, schafft, sofort für Abhilfe zu sorgen, hat eigentlich keine große Legitimation mehr. Wozu ein Bundesland Berlin, wenn es nicht einmal hinbekommt, auch nur zu versuchen (!!!), die Gesundheit seiner Bürger zu schützen?



    Manchmal ist es einfach so, dass das Gesetz bewusst missachtet werden muss. Frühere Generationen von Politikern, nämlich die, die noch den Krieg erlebt und die Erfahrung gemacht hatten, dass nichts in Stein gemeißelt ist, wussten das noch. Heutige betrachten Politik als Exekution von Gesetzen und Verwaltungsvorschriften und sind völlig überfordert, wenn es eine Notsituation gibt, in der die Beachtung der bestehenden Regeln schadet, anstatt zu nutzen. Das war in der Pandemie so, es ist im Zuge von Russlands Krieg gegen die Ukraine und den Westen so, und es in Berlin bei Glatteis so.

    • @Suryo:

      @Suryo



      Wie gut ist es doch wenn der Spezialeinsatz von Russland, in der Ukraine, nicht unseren Frieden tangiert.



      Was hat jetzt Russland mit unserem Winter zu schaffen ?

      • @Alex_der_Wunderer:

        Es geht darum, dass wir mittlerweile fast nur noch Politiker haben, die nicht mehr dazu in der Lage sind, auf Ausnahmesituationen auch mit Ausnahmemaßnahmen zu reagieren. Keiner will noch ein Risiko eingehen und jeder versteckt sich hinter Gesetzen und Vorschriften. Auch, wenn gerade das die Situation verschlimmert. Die “Besonnenheit” von Scholz hat ja nun wirklich nicht viel gebracht, oder?

        Man stelle sich mal vor, wie dieser Berliner Senat anstelle von Helmut Schmidt 1962 reagiert hätte. “Tut uns leid, aber der Einsatz der Bundeswehr im



        Inneren ist verboten. Uns sind die Hände gebunden. Die Leute müssen sich schon selbst retten.”

        Man stelle sich mal vor

    • @Suryo:

      "Ein Gemeinwesen, dass es nicht einmal in einer solchen Situation, in der unabweisbar Gefahr für Leib und Leben herrscht, schafft, sofort für Abhilfe zu sorgen, hat eigentlich keine große Legitimation mehr." Geht es nicht eine Nummer kleiner?

      • @Chris McZott:

        Tatsache ist: der Schutz des Lebens seiner Angehörigen ist der Grund schlechthin, warum es überhaupt Gemeinwesen gibt. Jede Gruppe basiert letztlich auf dem Bestreben, die Angehörigen der Gruppe vor Gefahren zu schützen. Wenn die Führung eines Gemeinwesens nicht mal mehr in einer akuten Notlage tätig wird, dann verfehlt sie wohl oder übel ihren Zweck.

      • @Chris McZott:

        Demokratische Gemeinwesen zu delegitimieren, ist gerade modern...

      • @Chris McZott:

        Okay, gerne:

        Wenn über Tage hinweg tausende Bürger schwere Verletzungen erleiden, darf man erwarten, dass die Regierung schnell reagiert und wenigstens versucht, die Gefahr abzuwenden. Dass so eine Notsituation in Berlin nicht mal mehr als Notsituation behandelt wird, lässt einen nichts Gutes ahnen für den Fall, dass es mal noch viel schlimmer kommt.

    • @Suryo:

      "Entscheidend ist, was hinten rauskommt." Frei nach Helmut Kohl.

  • Es sind keine Extremwetterlagen, wenn bei moderaten Temperaturen ein paar Schneeflocken zu erwarten sind, wir haben hier keine sibirischen Verhältnisse, nur eine mal wieder beklagenswerte Infrastruktur mit einer löchrigen Personaldecke. Wie unschwer an überquellenden Mülleimern zu erkennen ist, wenn die BSR ein paar Räumfahrzeuge schicken muss. Rollsplitt, Sand ua. sind dringend Salzen und anderen Auftaumitteln vorzuziehen aus bekannten umweltschutztechnischen Gründen, die Schäden durch Salz sind weit höher als die eingegangene Pappel, das lagert sich im Boden ab, wird mit dem Schmelzwasser in die Kläranlage transportiert kann aber auch dort nicht gefiltert werden, also grundlegende Boden- und Wasserverseuchung die unnötig ist. Daneben die Verletzung von Tierpfoten, Schäden an Bauwerken, Erosion an Fahrzeugen… Deswegen stehen zu Recht Bußgelder von bis zu 10.000 € auf den privaten Einsatz von Salzen.

    • @John Stuart Mill:

      Sibirische Verhältnisse sind auch nicht das Problem, sondern Temperaturen um 0 Grad herum.

      • @Francesco:

        Im Winter überrascht sein vom Temperaturen um den Nullpunkt gelingt nur einem Tor.

    • @John Stuart Mill:

      Das problem ist das leute die gegen Steeusalz sind denjenigen die sich die knochen brechen kein Schmerzensgeld zahlen müssen.

      Der Mensch muss immer zu erst kommen! Immer immer immer!

      Pfoten sind in der Stadt optional. Menschen nicht!

      • @Tim Hartmann:

        Dass sich die selbsternannte Krone der Schöpfung allgegenwärtig voranstellt ist ursächlich für den Zustand der Welt, dass sich der Mensch sogar wichtiger nimmt als die nachfolgenden Generationen, ist das Armutszeugnis mit dem ihm der Thron (wahlweise das Podest) unter den Füßen weggezogen werden sollte… und das schleunigst, Wertester, wenn er sich weigert zu begreifen, dass sein Handeln von Verantwortung und Nachhaltigkeit geprägt sein sollte.

      • @Tim Hartmann:

        Man kann sich auch Schneeschuhe kaufen oder Wollsocken über die Schuhe ziehen, wenn man scheinbar derart unsicher zu Fuß ist bei ein bisschen Glätte. Das ist mal ein Thema wo ich ein bisschen Eigenverantwortung unterstütze, statt den Boden zu vergiften.

        • @Maxime Musterfrau:

          Da kann ich nur und vor allem uneingeschränkt zustimmen. Warum fällt es den Menschen immer schwerer, mal eine Elle über die eigenen Befindlichkeiten hinwegzudenken um das wirklich Richtige zu tun.

        • @Maxime Musterfrau:

          Ein bißchen Glätte? Sie waren wohl die letzten Wochen nicht in Berlin. Wenn nahezu JEDER Bürgersteig, insgesamt also hunderte Kilometer Strecke, von einem ungelogen spiegelglatten, zentimeterdicken Eispanzer überzogen sind, dann ist das nicht mehr nur "ein bißchen Glätte". Und dass tausende (!) Menschen mit teils schweren Knochenbrüchen ins Krankenhaus mussten, ist ja wohl auch keine normale Situation.

          Wie viele Menschen dürfen denn wie schwer verletzt werden, bevor man bei der Güterabwägung zum Schluss kommt, dass ausnahmsweise der Einsatz von Tausalz auf Bürgersteigen gestattet wird? Wie viele?

          • @Suryo:

            „Nahezu JEDER Bürgersteig“ „spiegelglatte Eispanzer“…

            Auf dem Trottoir in Gefahr,

            ist er hin und gleich wieder weg.

            Dabei entbehrt er der Reflektion,

            dass es ist Winter schon…

            Ich bitte um Verzeihung, hanebüchene Neigungen ins Übertriebene treiben mich immer zum fabulieren an. Mit Verlaub, ich bin ebenfalls in Berlin unterwegs und noch müssen keine Hilfsgüter eingeflogen oder Menschen ausgeflogen werden, die Kirche darf gern im Dorf bleiben. Was die tausenden Verletzten anbelangt, nun ja, bedauerlich, selbstredend da kann man nur gute Genesung wünschen. Aber es zeigt sich eben auch das Ausmaß der Eselei, wenn es wirklich so vielen Menschen nicht gelingt, sich witterungsbedingt zu schützen und auszurüsten. Meine Großmutter sagte immer, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

            • @John Stuart Mill:

              Mit Verlaub, es haben sich halt nur mehrere tausend Menschen die Knochen gebrochen. Und das eben nahezu nur in Berlin und nirgendwo sonst, obwohl sich das Wetter nicht auf die Hauptstadt beschränkt. Sie scheinen zu glauben, dass diese Leute eben zu dumm waren und man dem Land Berlin keinerlei Vorwurf machen darf. Ich halte das für absurd. Weder sind Berliner dümmer als andere Deutsche, noch hat die Berliner Verwaltung/Regierung nichts anderes getan als die Verwaltungen anderer Städte. Bzw.: sie hat etwas anderes getan, nämlich nichts.

    • @John Stuart Mill:

      Und wenn interessiert das? Wenn es gefriert kommt Salz drauf.

      • @charly_paganini:

        Stimmt, wen interessiert schon die Umwelt. 😅

        Das zentrale Motto der Menschheit.

      • @charly_paganini:

        Menschen mit Kindern und einem Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein, Sinn für Nachhaltigkeit und etwas weniger Selbstbezogenheit.

  • Ich musste dieses Jahr schon dreimal Streusalz benutzen, weil sich unter dem Schnee Eis gebildet hatte. Sand oder anderes Streugut hilft da nicht weiter - zumal ich tagsüber arbeiten muss und keinen Schnee räumen kann.

  • Der beste Umweltschutz sind lebenswerte Städte. Sie wirken der Zersiedelung der Landschaft entgegen, benötigen kein Automobil und die Menschen haben weniger Heizkosten.



    Gebt den Menschen in der Stadt die Möglichkeit zu radeln.



    Also Salz auch und vor allem für Fußgänger und Radfahrer.

    • @Dieter Schütt:

      Bei Minusgrade ist die Anzahl der Radfahrer recht übersichtlich.

  • Grüne und Umweltverbände kritisieren nun Wegner wegen Politikversagen und schlechtem Management. Das eigentliche Problem ist aber der vorauseilende Gehorsam Wegners vor Grünen, Nabu usw. wegen Klimaversagen durch Streusalz. Der rot-grüne Hamburger Senat liess sich davon nicht anstecken und handelte ohne Zögern sachgemäß.

    • @Eckhard Hanseat52:

      Stimmt absolut. Der Mensch muss im zweifel vorrang haben!

  • PKW-Verkehr braucht weder einen Räum- noch einen Streudienst, weil die die größten Umweltsünder sind. Lediglich Busspuren, sowie Fuß- und Radwege sollten geräumt und gestreut werden. Haben die Grünen recht.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Kommunen sind u.a. auch für die Verkehrssicherheit ihrer Straßen verantwortlich und haften dafür. Was Sie fordern dürfte unter Fahrlässigkeit, wenn nicht gar vorsätzliche Gefährdung fallen, d.h. die Kommune ist für dadurch entstehende Personen- und Sachschäden voll haftbar.

      • @Josef 123:

        Mit Winterreifen kann man durchaus auf Schnee fahren. Nur Glatteis ist ein Problem.

        • @Francesco:

          Das Problem ist nicht unbedingt die Schneefahrbahn, da haben Sie recht. Aber wenn genügend Autos drübergefahren sind wird der Schnee zu Eis verpresst und es wird spiegelglatt. Das kann in der Stadt oder auf viel befahrenen Landstraßen recht schnell gehen.

    • 8G
      836849 (Profil gelöscht)

      @Troll Eulenspiegel:

      Klar. Straßen nicht mehr räumen, damit der PKW-Verkehr „umerzogen“ wird.



      Busse schweben dann vermutlich über Eisflächen, Rettungswagen teleportieren sich, Lieferverkehr fällt unter Luxusproblem.

      Verkehrssicherheit als Erziehungsmaßnahme zu verstehen, ist kein Umweltschutz – das ist schlicht Realitätsverweigerung.

      • @836849 (Profil gelöscht):

        Stimmt....das ist die leider immer wieder sehr eingeengte Sichtweise von einem Troll.

      • @836849 (Profil gelöscht):

        Einsatzfahrzeuge kommen auch per Allradantrieb zu entlegenen Stellen. Siehe THW oder wenn ein Waldarbeiter verletzt wurde, muss ein Krankenwagen ja irgendwie über Waldwege fahren können, um die verletzte Person zu retten.

        Wenn aber der Räumdienst mit großen Schneemassen überfordert ist, weil zuviel Schnee gefallen ist, helfen dann wirklich nur noch Rettungswagen, die sich teleportieren. Dann steht wirklich alles still, und nicht nur der Umweltsünder PKW.

        Wir sollten halt wirklich Strategien überlegen, wie der PKW-Verkehr benachteiligt werden kann, ohne dass Einsatzfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger beeinträchtigt werden. Ein anderes Straßen-Layout könnte noch helfen, wie es vermehrt in den Niederlanden oder einigen italienischen Städten (ZTL) geschieht, zum Teil auch mit Verbotszonen für PKW. Als Radfahr- und Umweltaktivist ist das schließlich ein wichtiges Belangen.

        • 8G
          836849 (Profil gelöscht)

          @Troll Eulenspiegel:

          PKW-Verkehr lässt sich sinnvoll über Stadtplanung, ÖPNV-Ausbau und Regeln steuern – nicht über fehlenden Winterdienst. Schnee und Eis unterscheiden nicht zwischen Auto, Bus oder Fahrrad. Ohne geräumte Straßen leidet zuerst die Verkehrssicherheit, dann der ÖPNV und am Ende auch Einsatzfahrzeuge.

          Modelle aus den Niederlanden oder ZTL-Zonen funktionieren, weil dort trotzdem geräumt wird. Winterdienst ist keine Verkehrspolitik, sondern Gefahrenabwehr. Wer ihn als Druckmittel einsetzt, riskiert Unfälle statt Umweltfortschritt.

          PKW-Reduktion ja – aber durch kluge Planung, nicht durch bewusst in Kauf genommene Unsicherheit.

          • @836849 (Profil gelöscht):

            Das war nicht mein Punkt. Du hast dich zu sehr auf die Idee fixiert, wie ein PKW-Verkehr effektiv benachteiligt werden kann.

            Ich mache es mal anders: Du hast doch bestimmt schonmal erlebt, wie Bergauf manche Busse nicht mehr den Berg hinaufgekommen sind, PKWs aber langsam hochgeschlittert sind. Nachdem der Räumdienst einfach nicht mehr hinterher kommt.

            Die Fahrgäste denken sich: Hätte ich doch ein Auto! Oder hätte ich doch lieber den PKW genommen! Der Bus steht erstmal 20 Minuten oder länger bis es besser wird, oder der Betrieb wird vorher ganz eingestellt.

            Ich frage dich also nochmal: Wie wirst du den PKW-Verkehr benachteiligen? Sollten wir nicht wie in Island Fernwärmerohre verlegen? Nur entlang Busspuren und Straßenbahngleise, sowie entlang Fahrradwegen?



            Oder in Japan gibt es viele Warmwasseranlagen bzw. Taumittelsprühanlagen. Leider eben nur für die normale Straße, womit die PKW-Fahrer sorgenfrei über den Asphalt fegen. Bedenke, deine Aufgabe ist es, dass PKW-Fahrer zum ÖPNV wechseln und Fahrgäste niemals auf die Idee kommen, auf den PKW zu wechseln. So dass der Räumdienst weniger überlastet ist, und für die wahren Helden der Straße räumt: Den Fußgängern und Radfahrern.

            • @Troll Eulenspiegel:

              Ich beneide Sie.

              In Ihrer Welt gibt es keine Streiks im ÖPNV, keine Vereisungsprobleme an den Oberleitungen der Straßenbahnen etc.

              In meiner Welt leider schon.

              Heute zum Beispiel.

              Was glauben Sie, was die meisten Leute heute gefahren sind?

              • @rero:

                Wenn der ÖPNV richtig benutzt wird, dann ja.

                Im tiefsten Sibirien fahren die Oberleitungsbusse und Straßenbahnen, die bestimmte Werke bedienen, Samstags und Sonntags nicht. In Berlin müssen aber leere Straßenbahnen trotz Streik fahren, damit die Oberleitung bei -5°C nicht gefriert.

                Und auch wie Bernd Simon schreibt, bei ihm in Österreich fährt der ÖPNV auch im tiefsten Schnee. Bedeutet halt leider trotzdem, der PKW kommt durch.

                Ich biete hier allerdings Ideen an, neben Räumdienst nur für Radwege und Busspuren auch z.B. Fernwärmeleitungen unter Schienen und weil das Modell ja Erfolg zeigt, siehe Island nur für den Autoverkehr, wird dann das nächste Thema aufgemacht, Hauptsache der arme PKW-Pendler bleibt nicht im Schnee stecken.

                Ich dachte, wir wollten hier das Auto zum Feind erklären. Offenbar sind aber Radfahrer oder ÖPNV-Nutzer ein Dorn im Auge.

                • @Troll Eulenspiegel:

                  Ich wollte niemanden zum Feind erklären.

                  Ich finde es nur traurig, dass der ÖPNV in Berlin so dermaßen schlecht ist, dass jeder mit Auto sich glücklich schätzt.

                  Müsste so nicht sein. Also so theoretisch.

            • @Troll Eulenspiegel:

              Klasse, wenn ich Abends nach der Arbeit 3 Stunden zufuss nach Hause auf glatten Gehwegen schlittern soll weil der ÖPNV wegen etwas Schnee im flachen Berlin zum erliegen kommt. In Östereich gibt es bei ganz anderen Schneehöhen und Bergen kein Problem mit dem ÖPNV, Und das ganze dann noch als Erziehung verkaufen. Da fragt man sich schon wann haben sie das letzte mal das Haus verlassen um zur Arbeit zu kommen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Na ja…das ist ja eine sehr spezielle Sicht der Dinge, Umweltthemen mit Verkehrssicherheit zu verbinden.

  • Ditte is Berlin!



    Im Rest der Republik scheint es kein Problem damit zu geben. Ist ja eigentlich auch ganz einfach, wenn man sich als Zivilgesellschaft a die allgemeine Räum- und Streupflicht hält, die in aller Regel auch Optionen für Streusalz bei Extremwetterlagen erlaubt.

    • @Flocke:

      Ich kann Ihnen versichern es war auch in vielen anderen Teilen der Republik ein Problem, auch dort wurde gefühlt nicht geräumt oder viel zu spät, sodass der Raumdienst eigentlich mindestens 2 mal hätte fahren müssen.

      • @FancyBeard:

        Es gibt keine andere Stadt, in der das Problem in dieser Form bestand und besteht. In Potsdam sind z.B. die Straßenbahnen weitergefahren. Es lag wohl kaum daran, dass die Wetterlage eine andere war.

      • @FancyBeard:

        In Berlin ist die Situation seit mehreren Tagen gleichgeblieben.

        Zum Teil seit über einer Woche.

        Es soll auch Städte geben, da fahren selbst bei Eis und Schnee die Straßenbahnen.

  • Bei uns im Dorf streut fast jeder, jede mit Salz, was letztendlich auch Sinn macht. Ich streue immer bei Eis mit Salz. Wenn jemand ausrutscht und sich ggfs. schwer verletzt steht das in keinem Verhältnis zu ein paar eventuell eingegangenen Bäumen. Die können ersetzt werden.

    • @maestroblanco:

      Noch mehr Sinn würde es machen den Schnee zu räumen bevor er zu Eis wird. Das macht aber halt leider mehr Arbeit. Also lieber die Natur schädigen.



      Und nur weil es jeder, jede im Dorf macht heißt sowieso nicht, dass es Sinn macht.

      • @Petros:

        Von ein paar mal salzen im Jahr geht die Natur nicht hopps. Klar wär ohne besser, aber z.B. wird in den Alpen auf Hauptstrecken teilweise ein halbes Jahr durchgesalzt und das geht auch.

      • @Petros:

        Komplett Schwarzräumen ist in der Praxis einfach nicht möglich. Und bei ständig schwankenden Temperaturen bspw. zw. +3 und -3 Grad schmilzt und gefriert der Restschnee. Da bleibt nur das Salz als Lösung für den Vorplatz und Bürgersteig. Die paar Kilos sind im Vergleich zu den hunderten Tonnen verteiltem Salz auf den Strassen sowieso nur Peanuts.

        • @Micha.Khn:

          Wenn der Restschnee schmilzt, kann man ihn wegräumen.

        • @Micha.Khn:

          Bei mir in der Straße - in Berlin - gibt es ein einziges Haus das Schnee- und Eisfrei ist. Der kleine rürkische Einzelhändler der sich kümmert und sorgt , dass seine Kunden sich nicht verletzen. Es scheint also zu gehen. Man muss sich halt etwas mehr bewegen als beim Salzstreuen. Die meisten Häuser haben nicht mal Split gestreut. Den Hausbesitzern ist es schlichtweg ob es Menschen vor ihren Häusern auf die Fresse haut.

        • @Micha.Khn:

          "Die paar Kilos" entwässern allerdings direkt in den Boden, währen die "Tonnen" über das Abwassernetz entwässern.



          Insofern eben nicht vergleichbar,

          • @Life is Life:

            Bei uns entwässern die Gehwege auf die Straße und damit ins Abwassernetz. Ist das in Berlin anders?

        • @Micha.Khn:

          Im Berliner Ring gibt es alleine ca 600.000 - 800.000 Wohngebäude alleine. Alles andere nicht mitgerechnet. Multiplizieren Sie das mit Ihren "paar Kilos" - dann erkennen Sie vielleicht selbst das Problem.



          Zu meinen Studizeiten (90ern) habe ich, und viele andere Studenten im Winterdienst gearbeitet. Da waren die Mieten einen Bruchteil so hoch wie jetzt und trotzdem haben es die Hausbesitzer geschafft dafür zu bezahlen. Wenn ich mir jetzt meine Miete anschaue und vors Haus gehe - da wurde seit Beginn des Schneefalls nichts, absolut nicht geräumt. Kein Wunder, dass da jetzt zentimerdick Eis liegt. Trotzdem wird in der Betriebskostenabrechnung wieder der Winterdienst auftauchen.



          Vielleicht sollte das Ordnungsamt mal einen Tag durch die Straßen laufen und alle Hausbesitzer anzeigen die Ihren Pflichten nicht nachkommen. Und alle die Leute die gestürzt sind die Hausbesitzer anzeigen vor deren Häusern sie gestürzt sind.



          In Finnland werden übrigens zu erst die Bürgersteige und Fahrradwege geräumt - um die alten und schwachen zu schützen.

          • @Petros:

            Anderswo müssen die Mieter räumen.