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Streit um Palästina-Statements Von wegen unpolitischer Hedonismus

Daniel Bax

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Daniel Bax

Nach dem Macklemore-Rauswurf behauptet Ed Sheeran, es ginge ihm nur um Musik, nicht um Politik. Das ist unglaubwürdig, wie die Vergangenheit zeigt.

D as „Land of the free“ ist doch nicht so frei wie gedacht. Das muss der irische Popstar Ed Sheeran jetzt schmerzhaft erfahren. Anfang Januar startete der 35-jährige Musiker seine aktuelle „Loop“-Tour in Australien, seit Monaten ist er weltweit und in den USA unterwegs. Doch weil der ebenfalls irischstämmige US-Rapper Macklemore bei einem gemeinsamen Konzert im US-Bundesstaat New Jersey auf der Bühne „Free Palestine“ rief und zu seinem Song „Hind’s Hall“ Bilder der Zerstörung aus dem Gazastreifen zeigte, hat Sheeran ein Problem.

Der Tourveranstalter schloss Macklemore von weiteren Auftritten der Tournee aus – und aus Protest gegen diese Form der Zensur sprangen Ed Sheeran daraufhin alle anderen Vorbands ab. Ed Sheeran steht nun allein da und die Fortsetzung seiner Tour ist ungewiss.

Der Rapper Macklemore ist für seine pro-palästinensische Haltung bekannt. Er schrieb Protestsongs wie „Hind’s Hall“ und solidarisierte sich mit den Gaza-Protesten an US-amerikanischen Universitäten. Ed Sheeran wusste, wen er da in sein Vorprogramm lud, und nennt den 43-jährigen Macklemore ausdrücklich seinen Freund.

Nahost-Debatten

Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.

Ed Sheeran zeigte sich mit der Ukraine solidarisch

Er hat ihn auch nicht aus eigenem Antrieb von seiner Tour ausgeladen, sondern dem massiven Druck nachgegeben, den Konzerthallenbesitzer auf ihn ausgeübt haben. Angeführt vom US-Milliardär Robert Kraft, dem unter anderem das Football-Team New England Patriots gehört, haben sie Ed Sheeran unmissverständlich klargemacht, dass sie Macklemores Haltung in ihren Räumen nicht dulden würden. Sie setzten Ed Sheeran die Pistole auf die Brust.

In einem ausführlichen Instagram-Post erklärte Ed Sheeran nun, er bedauere es, Macklemore von der Tour auszuschließen. Er schreibt aber auch, dass er seine politische Haltung nicht nach außen tragen wolle, seine Konzerte sollten Orte des unpolitischen Hedonismus sein. Nun halten ihm Kritiker vor, dass er in der Vergangenheit durchaus politische Haltung gezeigt hat. Nämlich, als es um Russlands Krieg gegen die Ukraine ging.

So trat Ed Sheeran 2022 bei einem großen TV-Benefizkonzert für die Ukraine auf, nahm Antikriegssongs mit ukrainischen Musikern auf und sammelte damit Spenden für humanitäre Hilfe in dem kriegsgebeutelten Land. Es kommt also immer darauf an, welche politische Haltung gerade als akzeptabel gilt und welche nicht.

Durchsichtiger „Antisemitismus“-Vorwurf

Den Vorwurf des „Antisemitismus“, den der US-Milliardär Kraft und pro-israelische Gruppen gegen Macklemore erheben, weist dieser entschieden zurück. Dass es darum nicht geht, sondern ihnen vielmehr Macklemores Kritik an Israel ein Dorn im Auge ist, lässt sich auch daran ablesen, dass der Rapper Kanye West alias Ye in den USA zuletzt in mehreren großen Stadien wie in Los Angeles oder Chicago aufgetreten ist.

Nennenswerten Protest gab es dagegen bisher nicht – und dass, obwohl der 49-Jährige offen mit Nazi-Symbolik gespielt und antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitet hat. So viel Freiheit herrscht in den USA dann doch immer noch.

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Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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7 Kommentare

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  • Thomas Müller

    Interessante Auffälligkeit, dass die politische Positionierung bei der Ukraine erlaubt wurde und bei Palästina nicht... Danke für den Artikel und schade, dass er mir nicht im Feed empfohlen wurde.

  • Zippism

    Herr Bax, bei Ihrer Darstellung von Macklemore als mutigem Opfer einer angeblichen „Antisemitismuskeule“ fehlt auffällig viel Kontext. Die Kontroverse dreht sich nämlich nicht bloß um zwei Worte wie Free Palestine.

    Macklemore hat Israel wiederholt des „Genozids“ beschuldigt und in seinem Video „Fucked Up“ ein Bild aus dem Warschauer Ghetto einem palästinensischen Jungen gegenübergestellt – eine Bildsprache, die unter anderem von Felix Klein als antisemitisch bzw. Holocaust-relativierend kritisiert wurde.

    In Seattle trat Macklemore mit großer künstlicher Hakennase, schwarzer Perücke und Bart auf einer Darstellung, die von zahlreichen Kritikern als antisemitische jüdische Karikatur wahrgenommen wurde. Macklemore bestritt zwar jede entsprechende Absicht und entschuldigte sich später. Dass der Vorfall stattgefunden hat und die Ähnlichkeit mit klassischen antisemitischen Stereotypen massive Kritik auslöste, ist allerdings bestens dokumentiert.

    Sie müssen Macklemore deshalb nicht zum Antisemiten erklären. Aber vielleicht könnten Sie umgekehrt darauf verzichten, jeden Antisemitismusvorwurf gegen ihn als durchschaubaren Versuch darzustellen, einen unbequemen Aktivisten mundtot zu machen

  • Thomas O´Connolly

    Was ist bloß in der Welt passiert, dass sich ernsthaft 2026 denkende Menschen hier im Land nicht mehr dafür schämen sich für einen Antisemiten einzusetzen der bereits 2014 mit angeklebter Hakennase und Marionettenhänden über die Bühne getanzt ist! (Quelle: Einfach ma googel Bildersuche.)

    Selbst das ZDF hat ihn in ihrer Berichterstattung um das Deichbrand vor einem Jahr noch ganz klar als Antisemiten bezeichnet und auch die Hakennase gezeigt und andere Passagen aus seinem Schaffen die eindeutig zeigen wie er denkt.



    (Q: Öffentlich rechtliche, ZDF, 2025, Beitrag auf Youtube zu finden.)

    Wer sowas heute rechtfertigt oder in der eigenen Berichterstattung ausblendet hat jede Glaubwürdigkeit in der politischen Berichterstattung verspielt.

    • max e.

      @Thomas O´Connolly:

      Sehr gut. Danke!



      Ich muss so kotzen hier.

  • Pawel_ko

    "Den Vorwurf des „Antisemitismus“, den der US-Milliardär Kraft und pro-israelische Gruppen gegen Macklemore erheben, weist dieser entschieden zurück."

    Macklemore verhält sich wie ein Antisemit. Eine Schande, dass er zunächst überhaupt hätte auftreten dürfen.

    Bei einem überraschenden Auftritt in Seattle im Mai 2014 trug Macklemore ein Kostüm bestehend aus einer großen künstlichen Hakennase, einer schwarzen Perücke und einem langen Bart. Kultur- und jüdische Verbände kritisierten das Erscheinungsbild scharf als antisemitische Karikatur, die an historische, judenfeindliche Darstellungen (wie im NS-Hetzblatt Der Stürmer) erinnert.

    Oder der Song „Fucked Up“...Kritiker werfen dem Rapper vor, in diesem Song klassische antisemitische Chiffren zu bedienen, indem er über „geheime Kontrolle“ von Feeds und Informationen rappt. Sowohl der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung als auch der Landesbeauftragte für Niedersachsen forderten ein Auftrittsverbot für den Rapper beim Deichbrand Festival.

    Davon hier aber kein Wort. Diese Skandale hat Herr Bax wieder einmal erfolgreich verschwiegen.

  • vieldenker

    Nun ja, über den auch durchaus öffentlich gepflegten „Antisemitismus“ des ausgeladenen „Macklemore“ gäbe es schon noch das eine oder andere zu schreiben. Aber das kann man von Herrn Bax wohl nicht erwarten. Da ist es gut, dass es auch noch andere engagierte Medienmacher in diesem Land gibt.

  • Chaos-NRW

    Ed Sheeran wird das Abspringen der anderen Vorbands überleben. Karten für ein Ed Sheeran-Konzert werden wohl nicht wegen der Vorbands verkauft, sondern wegen Ed Sheeran. Abgesehen davon würde ich mal die Behauptung wagen, dass unzählige Bands und Künstler sehr gerne als Ersatz einspringen werden.