Steigender CO₂-Preis : Klimaschützer ADAC
Der ADAC wird kritisiert, weil er CO₂-Preise für sinnvoll hält. Dabei ist es ein gutes Zeichen, wenn er die Gefahr des Klimawandels anerkennt.
Foto: Marijan Murat/dpa
D er ADAC – mit 22,2 Millionen Mitgliedern größer als die evangelische oder katholische Kirche und der mitgliederstärkste Verein Deutschlands – steht hinter dem Klimaschutz: Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident des Autofahrer*innen-Clubs, sagte im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, „der ADAC hält die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Die Überschrift des Interviews: „ADAC hält teureren Sprit für sinnvoll“.
Autofahrer*innen reagieren traditionell allergisch auf Forderungen nach höheren Spritpreisen. Der ADAC musste ein beruhigendes Schreiben verschicken: „Wir verstehen, dass die Berichterstattung zum Thema CO₂‑Preis bei vielen Menschen Fragen und Sorgen ausgelöst hat“, steht darin. Obwohl Hillebrand es im Interview bereits erwähnt hatte, betonte der Club im Schreiben erneut, dass Alternativen wie E-Autos und CO₂-freie Kraftstoffe bezahlbar sein müssten, bevor der CO₂-Preis steigt.
Das ist für den ADAC keine neue Position, aber selten erhielt sie so viel Aufmerksamkeit. Beweise für eine „Austrittswelle“, wie sie die BILD-Zeitung vermutet, gibt es keine. Dass sich der ADAC zu dem Beruhigungsschreiben genötigt fühlte, zeigt allerdings die Vorsicht, mit der in Deutschland über Klimaschutz diskutiert wird. Sie ist nachvollziehbar, schließlich geht es hier ums Geld. Aber dass sich der ADAC klar positioniert und auch im Schreiben nur erklärt und nicht zurückrudert, sollte Klimaschützer*innen etwas ermutigen: Die Debatte ist keineswegs verloren.
Natürlich tritt der ADAC nicht für eine Verkehrswende weg vom Auto hin zu ÖPNV und Fahrrad ein. Aber im Interview sagte Hillebrand sogar, Europa müsse an ehrgeizigen CO₂-Minderungszielen festhalten, „denn wir müssen die Erderwärmung begrenzen“ und ergänzt: „So zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht, wäre ein fataler Irrweg.“ Das ist schlicht wahr, wird aber gerade in der Verbrenner-Diskussion zugunsten wirtschaftlicher Argumente gelegentlich vergessen. Schön, dass auch der ADAC daran erinnert.
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