Steigende Zahl der Corona-Impfungen: Aufstand der Anstehenden

Während die Demos der Impf­geg­ne­r:in­nen Schlagzeilen machen, geht die Massenbewegung der Impfwilligen fast unter. Täglich 900.000 kriegen den Piks.

Schlangestehen vorm Impfzentrum am Nikolaustag in Düsseldorf Foto: Martin Meissner/ap

Rund 3.500 Menschen gingen am Montagabend in Magdeburg auf die Straße, fast noch mal so viele wurden in Rostock gezählt. In Mannheim wurde bei Protesten ein halbes Dutzend Po­li­zis­t:in­nen verletzt. Und natürlich demonstrierten auch an vielen Orten in Sachsen wieder Menschen gegen die angeblich harten Coronamaßnahmen. Hier ein paar hundert, da ein paar hundert. Es ist ihr gutes Recht, ihre mehr oder – meist – weniger sinnvollen Argumente vorzutragen.

Aber auch wenn sie noch so krawallig auftreten, es besteht kein Grund, sich von ihnen den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen zu lassen. Und schon gar nicht sollten die In­nen­po­li­ti­ke­r:in­nen ins Schlottern geraten, die über das Für und Wider einer Impfpflicht grübeln. Denn da sind ja auch immer noch die anderen. Die, die durch freiwillige Zurückhaltung dafür gesorgt haben, dass die exorbitant hohe Zahl der Neuinfektionen wieder sinkt.

Vor allem aber die, die nicht rumkrakeelen, sondern sich gut gelaunt in die Schlangen vor den Impfzentren einreihen oder in die Wartezimmer der Ärzte hocken. Die Impfwilligen. Oder präziser formuliert: die Impfgierigen. Die, die es gar nicht abwarten können und lieber heute als morgen den dritten Piks in den Arm bekommen. Sie haben sich längst zur Massenbewegung gemausert. Im Durchschnitt 900.000 Menschen lassen sich derzeit bereitwillig impfen. Tag für Tag.

Es ist die größte Coronademo des Landes und wird doch leider zu oft übersehen, zu selten thematisiert. Die meisten sind bereits echte Profis. Sie kommen zum Boostern. Sei es, weil sie irgendwie hoffen, an den Weihnachtsfeiertagen ohne allzu große Sorgen Freun­d:in­nen und Verwandte zu treffen. Sei es, weil sie sich als aktiver Teil einer großen Solidargemeinschaft sehen. Sei es, weil sie schlichtweg Angst vor Krankheit oder Tod haben. Die Gründe sind persönlich wichtig. In der Bilanz zählt nur eins:

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Die Bewegung erreicht die Menschen. Am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut, dass jetzt mehr als 20 Millionen Menschen eine Drittimpfung erhalten haben. Weltmeister ist Deutschland mit seiner Dritt­impfungsquote von rund 25 Prozent zwar nicht. Da liegen Israel, Island, aber auch Chile mit Quoten um die 50 Prozent weit vorn. Es könnten, ja müssten auch hierzulande mehr sein. Denn die Omikron-Welle steht ins Haus.

Und bei allen Unwägbarkeiten sind sich die Ex­per­t:in­nen einig: Boostern ist auch hier besser als nicht boostern. Dennoch gilt schon jetzt: Dieser Aufstand der Anstehenden, dieser massive Auftritt von Ratio, ist überwältigend. Jede noch so große Querdenkerdemo erscheint dagegen wie ein Vogelschiss.

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Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz als Autor, CvD und ab 2005 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Twittert zurzeit vor allem Analysen der Corona-Zahlen. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Trägt auf diesem Foto deserteur.eu. Mehr unter gereonasmuth.de.

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