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Software PalantirDas Prinzip wird sich durchsetzen

Gastkommentar von

Aya Jaff

Justizministerin Hubig hat der Software Palantir für Bundesbehörden eine Absage erteilt. Das Innenministerium prüft dennoch eine ähnliche Technologie.

Hat erstmal ‚Palantir‘ eine Absage erteilt: Stefanie Hubig (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Foto: Sebastian Gollnow/dpa

D ie Software Palantir für die Bundesbehörden komme sicher nicht. So jedenfalls sagte es Justizministerin Stefanie Hubig in der Rheinischen Post. Klingt nach Rückgrat, nach Positionierung gegen die Union, gegen den Druck aus vier Bundesländern, die Palantirs Software „Gotham“ bereits im Einsatz haben. Sechs Wochen später legte Hubigs Haus den Gesetzentwurf zur „Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse“ vor. Der ist ein Lehrstück darüber, wie man ein Versprechen politisch einhält und es inhaltlich bricht.

Was ist konkret geplant? Erstens: Biometrische Daten aus Strafverfahren sollen automatisiert mit öffentlich verfügbaren Bildern im Internet abgeglichen werden. Zweitens: Bisher getrennte Polizeidatenbanken sollen zusammengeführt und mittels KI-gestützter Software durchsuchbar gemacht werden. Beide Maßnahmen betreffen laut Justizministerium ausschließlich schwere Straftaten. Das ist die offizielle Lesart. Die ehrlichere: Es entsteht eine Superdatenbank, die neben Beschuldigten auch Opfer, Zeugen und unbeteiligte Personen erfasst. Das erlaubt die Erzeugung tiefgreifender Persönlichkeitsprofile und ermöglicht Schlussfolgerungen, die weit über die ursprünglichen Erhebungszwecke der analysierten Daten hinausgehen.

Bild: imago
Aya Jaff

ist Tech-Unternehmerin und analysiert die Machtstrukturen der digitalen Ökonomie. Ihr Buch „Broligarchie“ über die neue Macht der Tech-Elite ist gerade bei Econ erschienen.

Hubig hat eine Palantir-Absage erteilt – aber das Innenministerium prüft weiterhin „produkt- und technologieoffen“ verschiedene Lösungen, darunter ausdrücklich Palantir. So schafft dieser Gesetzentwurf also die Infrastruktur. Wer sie am Ende befüllt, entscheidet möglicherweise eine andere Regierung, ein anderer Minister, ein anderes politisches Klima.

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2023 hat das Bundesverfassungsgericht exakt diese Konstruktion für verfassungswidrig erklärt. Die Bundesregierung kennt dieses Urteil. Diesmal sei es anders, argumentiert sie. Die Eingriffschwellen seien höher, die Grenzen klarer. Doch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen sehen das anders und fordern die Rücknahme beider Gesetzesentwürfe. Wer recht hat, wird vermutlich wieder ein Gericht klären müssen.

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9 Kommentare

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  • Ich bin mir sicher wir müssen uns da keine Sorgen machen. Sowas macht man nur in Russland und China!

    • @Görk74:

      Du hast vergessen:



      N-Korea



      Weissrussland



      USA

  • Danke für Artikel zu diesem Thema! Es ist ja längst nicht der erste Versuch, den größten Teil der Bevölkerung zu überwachen. Das geht so, seit die Neuland-Fraktion begriffen hat, was sie mit IT alles anstellen kann. Feindbild ist dabei die Bevölkerung und eben nicht die "Broligarchen", die mehrheitlich antidemokratisch unterwegs sind und sich gerade eine neue, noch viel größere Grundlage schaffen, das im globalen Maßstab umzusetzen. Insbesondere mit "KI".

    Während auf der anderen Seite die Steuerfahndung, wenn es gegen die dicken Fische geht, ausgebremst wird. Oder Datenschutzbeauftragte, die ihren Job machen, keine zweite Amtszeit erleben.

  • Hubig ist eh eine ziemlich gute Politikerin

  • Gibt es eigentlich Strafen dafür, mit Vorsatz grundgesetzwidrige Gesetze einzubringen?

    • @Arne Babenhauserheide:

      Nein, Abgeordnete sind in ihren Entscheidungen nur sich selbst verantwortlich. Der Bundestag hingegen, als gsetzgebendes Organ, ist hingegen an die verfassungsmäßige Ordnung gebunden.

  • Was Viele nicht verstehen: Diese Firma, die uns Palantir andrehen will, hat damit die Firmen und Behörden in der Hand, wenn diese zuviele bequeme Optionen von Palantir dazubuchen.



    Es wird eine Art "Schattenfirma" parallel im Computer von Rechtsradikalen Querdenkern aufgebaut, Prozesse und Inhalte werden gespiegelt...



    Das WILL man NICHT! Vor Allem nicht wenn man unabhängig sein will, als Bürger und als Land!

    Diese "Absage" klingt erstmal nett, aber auch ein ähnliches Ding kann ähnlich gefährlich sein für uns. Außerdem gibt es schon an einigen Stellen (Behörden und Firmen!) Verträge mit dem Konzern.

    Wer über den rechtslastigen Chef nachlesen will findet viele Infos in der Presse, manches ist eklig zu lesen. Unter anderem hier:



    en.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel

  • Wozu brauchen wir die AgD?? Gesetzesverstöße kann Dobrindt auch alleine, auch gegen höchstrichterliche Entscheidungen. Er hat Übung, denn es ist keine Premiere. Aber wehe Du parkst Dein Auto 10Min zu lange an der Parkuhr - die Verfolgung ist gnadenlos....

    • @Perkele:

      Tja, Geld ist wohl doch Macht. Siehe Epstein und die Markt-Lobbyisten in den politischen Zentren. Wenn die politische Elite erstmal angefüttert ist, fressen sie einem alle aus der Hand. Und wenn sie meinen sie müssen frech werden, dann machst du auf durchgeknallten unberechenbaren Trump.