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Sexarbeit an Berliner KurfürstenstraßeSkandal um Olga

Lilly Schröder

Kommentar von

Lilly Schröder

Im Kurfürstenkiez in Berlin eskaliert der Streit um Sexarbeit. An­woh­ne­r*in­nen und die CDU fordern Sperrbezirke, während ein Frauentreff schließen muss.

D iese Gründerzeitfassaden und die breiten Straßen und die sorgfältig bepflanzten Grünflächen sowieso: Der Kurfürstenkiez in Berlin-Mitte könnte so schön sein, wären da nicht die Sex­ar­bei­te­r*in­nen und mit ihnen die Freier und auch die obdachlosen und suchtkranken Menschen. Dieser Meinung sind zunehmend Anwohner*innen, die den Kiez, in dem Sex­ar­bei­te­r*in­nen seit einem Jahrhundert arbeiten, im letzten Jahrzehnt radikal gentrifiziert haben. Und sie verfügen – anders als viele Sex­ar­bei­te­r*in­nen – über Netzwerk, Geld und Wissen, wie man Interessen vertritt.

Nachdem der Versuch, Huren mit primitiven Maßnahmen wie dem Bewerfen mit Pizza oder dem Überschütten mit Wasser zu verdrängen, scheiterte, setzen An­woh­ne­r*in­nen nun auf politischen Druck. Für Ende Juni haben sie eine Demo unter dem Motto „Unser Kiez, unser Zuhause“ angemeldet. Gefordert werden ein härteres Vorgehen gegen Drogenkriminalität und ein Sperrgebiet in der Nähe von Kitas, Schulen und Seniorenheimen. Damit wäre die Straßenprostitution dort illegal, Verstöße könnten mit Bußgeldern geahndet werden.

Verbündete finden An­woh­ne­r*in­nen in der Berliner CDU. Die Partei fordert ein stadtweites Verbot von Straßenprostitution, das zunächst rund um den Nollendorfplatz und im Kurfürstenkiez umgesetzt werden soll. Zudem wollen sie den Kurfürstenkiez als kriminalitätsbelasteten Ort einstufen, was Kontrollen ohne Tatverdacht ermöglichen würde.

wochentaz

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Hilfsangebote vor dem Aus

Unter dem politischen Druck ziehen sich nun auch Vermieter zurück, die bislang Anlaufstellen für Sex­ar­bei­te­r*in­nen beherbergten. Der Vermieter des Cafés Neustart, einer christlichen Organisation mit Fokus auf Ausstiegshilfe, und des Frauentreffs Olga lässt beide Mietverträge auslaufen. Das Café Neustart hat bereits neue Räume gefunden, mit Olga geht nach 40 Jahren eine der wichtigsten Anlauf- und Beratungsstellen für konsumierende Sex­ar­bei­te­r*in­nen verloren.

Der Vermieter begründete die Entscheidung gegenüber dem Frauentreff damit, dass er die Hilfsangebote aufgrund der Zustände rund um die Kurfürstenstraße nicht länger mittragen wolle. Nur werden sich die Zustände kaum verbessern, wenn Hilfseinrichtungen schließen. Im Gegenteil: Sex­ar­bei­te­r*in­nen werden nicht mehr aufgefangen, wenn sie einen Schlafplatz, sauberes Drogenbesteck oder Kondome brauchen. Sie werden nicht mehr beraten zu Suchthilfe- und Ausstiegsangeboten. Streetworker sind sich einig: Einige könnten auf der Straße sterben.

Auch den An­woh­ne­r*in­nen ist kaum geholfen. Sie dürften zunächst mehr Probleme mit den Sex­ar­bei­te­r*in­nen haben, weil Vermittlungs- und Deeskalationsstrukturen, die Konflikte abfederten, verloren gehen. Zudem wird es keine Anlaufstelle mehr geben, an die sich An­woh­ne­r*in­nen mit Anliegen wenden können.

Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Sperrbezirke lösen das Problem nicht, sie verdrängen es bestenfalls. Hilfsorganisationen warnen, dass Sperrbezirke Sex­ar­bei­te­r*in­nen in abgelegene Außenbezirke oder Industriegebiete drängen, was das Risiko für Gewalt und Ausbeutung erhöht.

Die CDU betreibt mit der Forderung nach einem Sperrbezirk vor allem Wahlkampf und greift damit auf ein altbekanntes symbolpolitisches Muster zurück: Verdrängen statt lösen. Was es wirklich braucht, ist bessere Gesundheitsversorgung für Sexarbeiter*innen, einen wirksamen Gewaltschutz, Ausbau von Streetwork und Notübernachtungen, die 24/7 offen haben. Das dürfte auch der CDU bekannt sein – generiert aber offenbar weniger Stimmen als die symbolträchtige Forderung „Sperrbezirk!“.

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Lilly Schröder

Lilly Schröder

Redakteurin für Feminismus & Gesellschaft im Berlin-Ressort Schreibt über intersektionalen Feminismus, Popkultur und gesellschaftliche Themen in Berlin. Studium der Soziologie und Politik.
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26 Kommentare

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  • "Hilfsorganisationen warnen, dass Sperrbezirke Sex­ar­bei­te­r*in­nen in abgelegene Außenbezirke oder Industriegebiete drängen, was das Risiko für Gewalt und Ausbeutung erhöht." heißt es im Artikel.

    Diese Hilfsorganisationen reden sich das System der Prostitution schön und suggerieren, es könne eine gewalt- und ausbeutungsfreie Prostitution geben. Das ist falsch. Prostitution beruht auf Gewalt und Ausbeutung. Daran ändert es nichts, wenn sie gut sichtbar in der Öffentlichkeit angeboten wird. Sobald die Prostituierte mit dem Freier allein ist, kann keine Hilfsorganisation sie vor dessen Gewalt schützen. Und wenn die Tageseinnahmen abkassiert werden, sind auch keine Hilfsorganisationen anwesend.

    Und die im Artikel aufgestellte Behauptung "Auch den An­woh­ne­r*in­nen ist kaum geholfen. Sie dürften zunächst mehr Probleme mit den Sex­ar­bei­te­r*in­nen haben, weil Vermittlungs- und Deeskalationsstrukturen, die Konflikte abfederten, verloren gehen." ist lebensfremd. Wenn es den Straßenstrich dort nicht mehr gäbe, hätten die Anwohner damit auch keine Probleme mehr, wie jeder weiß, der in einer Gegend ohne Straßenstrich lebt.

  • Ich checke hier, ehrlich gesagt, die Grundlage der Debatte überhaupt nicht. Können sich mal bitte alle TAZ-Mitarbeiter mit Kindern im KITA-Alter melden, die es richtig und wichtig fänden, wenn in deren Kiez ein Straßenstrich bestehen würde und die Kleinen morgens an mehreren Prostituierten, Drogensüchtigen und Freiern vorbei in ihre Kindergartengruppen laufen?! Richtig, da findet sich keiner. Das die Anwohner da ein Problem mit haben, ist wohl selbstverständlich, der CDU (wie einige Kommentare es benennen) „Law-and-Order“-Politik im negativen Sinne auszulegen mindestens mal mutig. ICH hätte auch keinen Bock auf einen Straßenstrich vor der Haustür, ich würde da auch versuchen als Anwohner gegen vorzugehen. Ich habe überhaupt kein Problem mit Laufhäusern etc., scheinbar muss es sowas geben und die Politik kann sich offensichtlich auf kein Verbot einigen. Aber vor KITAS, Schulen etc. muss es ja wohl nicht stattfinden. Wenn wir Zigarettenautomaten im Umkreis von 50m vor Grundschulen verbieten, dann klappt das wohl auch mit Sexarbeit und Drogen... (oder es sollte zumindest nicht so viel Gegenwind herrschen)

    • @MarsiFuckinMoto:

      Die neuen Anwohner, die die Gentrifizierung vorantreiben und jetzt in Wohnblocks wohnen, die gated Communities ähneln. So sehen Teile von Schöneberg inzwischen aus. Man will alles bitte schön bunt, aber ohne Armut und Elend, das möchte man gerne an den Stadtrand abschieben. Vielleicht sollten die Menschen lieber in gediegene Außenbezirke ziehen, als in das Stadtinnere mit der Erwartungshaltung, es müsse sich jetzt alles ihren Bedürfnissen anpassen.

    • @MarsiFuckinMoto:

      Andersherum wird ein Schuh draus - wer baut denn bitte Kitas, Schulen, etc auf einem hundert Jahre alten Straßenstrich?

      • @ANonnyMouse:

        Der „hundert Jahre alte Straßenstrich“ als Totschlagargument ist schon bequem. Als ob Geschichte automatisch Legitimation wäre und Stadtentwicklung gefälligst stillzustehen hätte. Nach der Logik müssten wir heute noch Schlachthöfe neben Wohnhäusern und Kohlebunker vor Schulen akzeptieren – war ja früher auch so.

        Städte verändern sich. Kieze verändern sich. Und ja: Prioritäten verändern sich. Wenn heute Familien dort wohnen, Kitas entstehen und öffentlicher Raum neu genutzt wird, dann ist es kein Skandal, darauf zu reagieren – sondern genau das, was Politik und Verwaltung tun sollen.

        Der eigentliche Zynismus liegt doch darin, Probleme einzufrieren und dann zu sagen: „War halt immer so.“ Das hilft weder den Anwohnern noch den Kindern – und übrigens auch nicht den Sexarbeiterinnen, die man damit dauerhaft in ein Elendsmilieu einzementiert.

        • @Zippism:

          Diese neuen Zugezogenen verstecken sich hinter riesigen Stahltoren in ihren Neubauten in Schöneberg. Denen geht es nur um die Ästhetik, und nebenbei interessieren die sich null für die betroffenen Personen, die keine Lobby haben.

          • @Moritz Pierwoss:

            Das ist eine bequeme Unterstellung, ersetzt aber keine inhaltliche Auseinandersetzung. „Die Neuzugezogenen“ pauschal als ästhetisch empfindliche Wohlstandsbürger abzustempeln, mag sich gut anfühlen – erklärt aber weder die realen Nutzungskonflikte noch entkräftet es sie.

            Selbst wenn man unterstellt, dass einige Anwohner primär Ruhe und Ordnung wollen: Das macht die Frage nach öffentlichem Raum, Kinderwegen, Sicherheit und Gewaltprävention nicht illegitim. Ein Straßenstrich ist kein denkmalgeschütztes Kulturgut, sondern ein Ausdruck sozialer Notlagen, die niemand romantisieren sollte – weder aus historischer Nostalgie noch aus politischer Bequemlichkeit.

            Und gerade wenn man sich für die betroffenen Sexarbeiterinnen interessiert, reicht es nicht, sie dauerhaft im öffentlichen Raum zwischen Verkehr, Drogenhandel und Gewalt zu belassen. Verbesserte Arbeitsbedingungen, Schutzräume, medizinische Versorgung und legale, sichere Orte sind kein Angriff auf ihre Existenz, sondern eine Voraussetzung für Selbstbestimmung.

  • "Gefordert werden ein härteres Vorgehen gegen Drogenkriminalität und ein Sperrgebiet in der Nähe von Kitas, Schulen und Seniorenheimen"

    Das sind doch vollkommen vernünftige und nachvollziehbare Forderungen von Anwohnern. Was ist die Gegenposition? Alles lassen wie es ist oder gar mehr Drogenkriminalität und Straßenprostitution? Das scheint mir keine mehrheitsfähige Meinung zu sein.



    Ich habe mal in einem Stadtteil gelebt, in dem Straßenprostitution normal war und ich kann nur sagen, das macht keinen Spaß. Weder als Frau, wenn ein Auto langsam neben einem herfährt noch für Männer, die ständig "Angebote" bekommen.



    Sicherlich muss Prostituierten geholfen werden - den Begriff Sexarbeiterinnen lehne ich kategorisch ab, da er impliziert, Prostituierte sei ein normaler Beruf - aber dass Anwohner das nicht vor ihrer Haustür oder auf dem Schulweg ihrer Kinder haben möchten, ist vollkommen nachvollziehbar. Kritik an dieser Position ist wohlfeil.

    • @Katharina Reichenhall:

      Wieso ziehen dann die Menschen in exakt diese Nachbarschaft und haben die Erwartungshaltung, dass die Nachbarschaft sich an ihre Ansprüche anpasst? Übrigens ist der Gleisdreieckpark um die Ecke jetzt voll mit Junkies, weil der Bürgermeister Wegner alle Konsumräume am Kottbusser Tor hat schließen lassen. Es geht also nur darum Menschen weiter zu verdrängen und auszuschließen, aber was interessiert das gutbürgerliche Familien. Fritz und Frida gehen vor.

  • Naja, einen Straßenstrich wollen die wenigstens vor der Tür haben. Es braucht Beratungs- und Anlaufstellen, ggf. kommunale Läufhäuser - aber einen Stassenstrich? Nee, ganz ehrlich, weder die Sexarbeitenden müssen vor der Tür rumhüpfen, und erst recht nicht Straßenstrichfreier. Und wo ich noch Solidarität und Mitgefühl mit Sexarbeitenden habe, sind mir Strassenfreier unbegreiflich…

    • @Andi S:

      Und wo sollen die hin? An den Autobahnstrich? Zum Zuhälter ins Laufhaus? Vielleicht sollte man nicht an den Straßenstrich ziehen, wenn man kein Bock darauf hat.

  • Es sind demnächst Wahlen in Berlin. Da muss sich die CDU mal wieder als law-and-order Partei gerieren. Und auf die Schwächsten zu hauen ist halt am Einfachsten, Merz macht es ja regelmäßig vor.

    Wurde das Artemis in Berlin 2016 nicht auch auf Betreiben von CDU-Senatoren kurz vor der damaligen Berlin-Wahl durchsucht? Also das Bordell in Berlin, was seit Eröffnung mit Polizei und Staatsanwaltschaft stets kooperiert hat und "Bordell-Compliance" betrieben hat und damals so ziemlich den wenigsten Anlass zur Durchsuchung gegeben hat? Aber war halt von der Avus zu sehen, da musste was getan werden.

    Am Ende kostete es Berlin 250.000 € Entschädigung an die Betreiber. Hätte man m.E. der CDU in Rechnung stellen sollen.

    Immerhin wird es diesmal wohl nicht so teuer werden.



    Wobei, ist ja noch Zeit für eine ähnliche Aktion. Die CDU stellt ja aktuell die Justizsenatorin.

    Es reicht laut Umfragen weder für Schwarz-Rot noch Schwarz-braun. Allerdings für Rot-Rot-Grün.

    Wir wissen ja, wie die CDU drauf ist, wenn es knapp ist, siehe BaWü-Wahl...

    • @Holger Kaempf:

      Fehlt eigentlich nur noch „Neoliberalismus“ und „Faschismus“, dann ist der linke Kommentar-Bingoabend komplett.

      Dass an der Kurfürstenstraße seit Jahren massive Probleme mit Menschenhandel, Zwangsprostitution, Gewalt und organisierter Kriminalität dokumentiert sind, wird elegant ignoriert. Stattdessen wird so getan, als würde die Polizei dort aus purer Lust an Repression Jagd auf „die Schwächsten“ machen – ein Zerrbild, das mit der Realität ungefähr so viel zu tun hat wie Telegram mit Journalismus.

      Und das Artemis-Narrativ? Ein Klassiker. Ein einzelner juristischer Ausgang wird zur ewigen CDU-Erbsünde aufgeblasen, während man geflissentlich unterschlägt, dass Rechtsstaat eben auch bedeutet: Maßnahmen dürfen überprüft werden – und ja, das kostet Geld. Willkommen in der Demokratie.

      Besonders amüsant wird es, wenn ausgerechnet jene, die sonst jede „law and order“-Forderung reflexhaft als autoritär verdammen, plötzlich keinerlei Problem damit haben, real existierende Ausbeutung kleinzureden Hauptsache, man kann gegen die CDU polemisieren.

      Und der obligatorische Verweis auf BaWü? Auch nett. Wenn Argumente fehlen, hilft immer ein ominöses „Wir wissen ja, wie die drauf sind“.

      • @Zippism:

        Wurden deswegen die Konsumräume am Kottbusser Tor geschlossen? Die Junkies sind jetzt in den Gleisdreieckpark weitergezogen, so geht CDU. Ausgrenzen und nicht lösen.

        • @Moritz Pierwoss:

          Der Vergleich hinkt – und zwar deutlich. Die Schließung von Konsumräumen am Kottbusser Tor war kein Selbstzweck, sondern Teil eines (zugegeben unvollständigen) Maßnahmenpakets, das Sicherheits-, Gesundheits- und Anwohnerinteressen gleichzeitig berücksichtigen sollte. Dass Verdrängung allein kein Problem löst, ist unstrittig – daraus folgt aber nicht, dass staatliches Eingreifen per se „Ausgrenzen“ ist.

          Genau das ist der blinde Fleck vieler Kommentare: Jede Maßnahme, die nicht ausschließlich auf Duldung setzt, wird reflexhaft als Repression gelesen. Dass es an Orten wie der Kurfürstenstraße oder zuvor am Kotti reale Probleme mit Gewalt, Ausbeutung und organisierter Kriminalität gibt, verschwindet dann vollständig aus dem Bild. Hilfeangebote und Ordnungspolitik werden künstlich gegeneinander ausgespielt, obwohl beides notwendig ist.

          Und nein: Probleme „wandern“ nicht, weil Politik böse ist, sondern weil Lösungen komplex sind und mehrere Ebenen brauchen – soziale Arbeit, Wohnpolitik, Strafverfolgung, Gesundheitsangebote. Wer daraus ein simples CDU-Narrativ macht, tut so, als gäbe es eine magische, folgenlose Alternative des Nicht-Handelns.

  • Sich mal wieder vor der eigenen Wahrheit verstecken, was.



    Die wohlhabende Gesellschaft schafft es mal wieder nicht vor der eigenen Tür zu konsumieren. Und wie sang schon die Spyder murphy gang,



    "Doch Freudenhäuser müssen raus



    Damit in dieser schönen Stadt



    Das Laster keine Chance hat



    Doch jeder ist gut informiert



    Weil Rosi täglich inseriert



    Und wenn dich deine Frau nicht liebt



    Wie gut, dass es die Rosi gibt!"

    wie zeitlos das in unserem Land doch ist. Aber noch lange nicht traditionell.



    Es wird höchste Zeit nach nur wenigen Monaten mal wieder eine andere Politik in diesem Land zu bekomen.

  • Eine Metropole wie Berlin wird das Phänomen an sich nicht loswerden. Man wird es durch mehr Überwachung und Reglementierung evtl. zurückdrängen und in unbewachte Ecken Berlins verlagern. Davon gibt es ja genug. Wem genau wird das aber nützen, außer vielleicht den (relativ wohlhabenden) Bewohnern des Kurfürstenkiezes?

  • Warum muss in der taz immer alles gleich skandaliert werden. Beide Seiten bringen wie auch immer geartete legitime Argumente vor. Diese gilt es zu diskutieren. Aus meiner Sicht überwiegen die Argumente für einen Sperrbezirk. Ich bin grundsätzlich gegen Straßenprostitution, insbesondere in der Nähe von Kitas oder Schulen. Und aus meiner Sicht ermöglicht ein Straßenstrich Zwangsprostitution und Menschenhandel.



    Dann doch lieber vernünftige Bordelle.

  • Ich kann die Argumentation einerseits verstehen.



    Mir kommt es aber zu kurz, dass die Forderung, einen Sperrbezirk um Kitas, Seniorenheime und Schulen zu errichten, doch wohl mehr als nachvollziehbar ist.

    Ich finde es auch zu kurz gegriffen, so zu tun, als wären Hilfsangebote die einzige Lösung. Oder auch auszusparen, dass Prostitution vielleicht eben doch nicht ein Beruf wie jeder andere ist. Und das das Problem nicht vor allem die Anwohner sind, die vielleicht ihre Ruhe haben wollen. Sondern die Freier. Frauen kaufen ist nun mal verwerflich.



    Und die Begründung "das war schon immer so", in diesem Kiez, zieht nun gar nicht.

  • Seid ihr jetzt eigentlich für ein Verbot der Prostitution (wie in vielen Artikeln über Skandinavien, insbesondere Schweden) oder gegen ein Verbot wie in diesem Artikel?

    • @Offebacher:

      Für ein Verbot der Inanspruchnahme der Prostitution wie in Skandinavien.

      • @Suchender:

        Wie wollen sie Straßenstrich erlauben, aber deren Inanspruchnahme verbieten?

        • @Offebacher:

          Straßenstrich gibt es wohl auch beim "Nordischen Modell" findet aber eher im Verborgenen statt. Es ist den Frauen nicht verboten sich öffentlich anzubieten aber den Männern die Dienste in Anspruch zu nehmen.



          Klar ist das erstmal widersprüchlich und ich weiß auch für mich selber noch nicht ob ich das gut oder schlecht finde.

          • @Suchender:

            Danke für ihre Antwort. Vielleicht bin ich zu sehr Logiker, aber über den Widerspruch, dass erwachsene Menschen etwas legal zum Verkauf anbieten dürfen, aber der Käufer dann theoretisch bestraft werden kann, komme ich nicht hinweg. Wie es die Schweden in der Praxis halten, weiss ich nicht. Und wenn es im Verborgenen stattfindet, sehe ich den Schutz der Prostituierten noch kleiner, als er jetzt schon ist.



            Zwangsprostitution, Prostitution MInderjähriger etc... ist was ganz anderes, hier durchzugreifen und die Kunden und die Zuhälter zu bestrafen, ist völlig richtig.

            • @Offebacher:

              Ziel des Nordischen Modells ist es, das gewaltvolle und ausbeuterische System der Prostitution abzuschaffen, ohne die von Gewalt und Ausbeutung Betroffenen zu kriminalisieren. Ich sehe da keinen Widerspruch. Durch das Verbot der Sklaverei werden ja auch nicht die Sklaven bestraft.