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Schwedische Renaissance des BargeldsDigital reicht nicht immer

Kommentar von

Svenja Bergt

Seit Mittwoch müssen Schwe­d:in­nen in Lebensmittelläden und Apotheken wieder bar bezahlen können. Ein bemerkenswerter Schritt – und sinnvoll.

W as für eine Kehrtwende: In Schweden sind Lebensmittelgeschäfte und Apotheken mit einem in dieser Woche in Kraft tretenden Gesetz dazu verpflichtet, Bargeld anzunehmen – Ausnahmen gelten etwa, wenn ein Laden keine Kasse mit Personal hat. Für ein Land, das sich viele Jahre damit rühmte, beim Bezahlen möglichst digital aufgestellt zu sein, ist das durchaus ein bemerkenswerter Schritt. Dass er kommt, ist dennoch folgerichtig.

Denn in Teilen von Bevölkerung und Politik – bei einigen schneller, bei anderen langsamer – kommt die Erkenntnis an, dass Digitalisierung ohne Back-up vielleicht keine so gute Idee ist. Back-up meint hier: einen Plan B, wenn die digitale Lösung mal ausfällt. Schweden hat da schon seine Erfahrungen gemacht: Vor fünf Jahren legte ein Angriff auf einen US-amerikanischen IT-Dienstleister in der Folge zahlreiche Bezahlsysteme lahm.

In Schweden mussten unter anderem diverse Supermärkte und Apotheken ihre Dienste einstellen. Zwar waren im konkreten Fall auch Barzahlungen betroffen. Doch bei einem länger andauernden Ausfall wäre es eher möglich, außerhalb der üblichen Systeme eine Bargeldkasse einzurichten, als mal schnell einen alternativen digitalen Weg aufzubauen.

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Natürlich löst Bargeld nicht alle Abhängigkeiten. Fällt der Strom aus, liegen auch die Geldautomaten lahm. Und es gibt ja noch so viele andere Bereiche, in denen ein Plan B nötig wäre – auch in Deutschland. Was macht das Gesundheitssystem, wenn dessen digitale Infrastruktur ausfällt? Was eine Behörde, die von einem Hackerangriff getroffen wird? Oder wenn einer der zahlreichen US-IT-Dienste, die in der Verwaltung genutzt werden, auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump seinen Dienst in Europa einstellen muss?

So hilfreich Digitalisierung auch ist, weil sie zum Beispiel Abläufe schneller, einfacher und komfortabler machen kann – so problematisch können die Effekte sein, wenn Resilienz nicht mitgedacht ist und ein Ausfall oder Angriff alles stoppt. Zeit, dass auch Deutschland seinen Nachholbedarf begreift.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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5 Kommentare

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  • Nur Bares ist Wahres!



    Digitales erzeugt Liquiditätsabhängigkeiten und begrenzt die finanzielle Unabhängigkeit durch Dritte.

  • Das ist ein bemerkenswerter Schritt, vor allem, wenn man sieht, wie Schweden von Digital-Fanatikern gerne mal als Vorbild genommen wird, um das Bargeld gerne ganz abzuschaffen.



    Gleichzeitig sollte es aber auch nicht als Signal für Bargeld-Fanatiker genommen werden, um nun für eine Abschaffung der digitalen Bezahloption zu wettern.



    Beides hat seine Berechtigung.

  • Wer elektronisch mit Karte zahlt, der erzählt dem System nicht nur was er kauft, sondern auch an welchem Ort er sich in dem Moment aufgehalten hat. Wir alle kennen die Dokus über China und wie dort die Bürger überwacht werden, aber keiner macht sich Gedanken was bargeldloser Zahlungsverkehr auf Dauer für die Freiheit und die Privatsphäre des Bürgers bedeutet. Dass der Staat - oder andere daran "interessierte Leute" - gerne an sämtliche Daten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs kommen möchten, geht anscheinend nicht mehr in die Köpfe der Bürger hinein.

    • @Ricky-13:

      @Ricky-13



      Genau, und dann wundern sich die Leute immer über die, eine Woche nach ihrem letztem Einkauf - wie auf sie zugeschnitten Angebote auf ihren Smartphones 😂🤣😂

  • :-) die waren uns schon immer Jahrzehnte voraus.



    Das mit dem Bargeld ist dort eine sinnvolle Notfalloption, aber bei uns sind die ja so weit zurück, die müssen erst mal die Digitalisierung überhaupt ernsthaft angehen.



    Aber das ist typisch, in Schweden und anderen fortschrittlichen Ländern wird gerne mal was evaluiert und dann nachjustiert, hier geht es auch auf der schiefen Bahn fröhlich vorwärts, bis man vor die Wand fährt und dann werden Schuldige gesucht und Jahre später überlegt man wie es weitergehen könnte.