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Rote-Karte-Skandal bei der WM Mit Fußball hat das nichts zu tun

Martin Krauss

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Martin Krauss

Nach einem Anruf von Donald Trump nimmt Fifa-Präsident Infantino die Rotsperre für einen US-Spieler zurück. Dabei geht es um viel mehr als Sport.

V ertraut nie dem ersten Eindruck! Dafür hat der Fußball den Videobeweis erfunden. Durch dessen Nachhilfe musste der US-Stürmer Folarin Balogun im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina mit Roter Karte den Platz verlassen. Er hatte einem Gegenspieler in die Hacken getreten, mit den Stollen zuerst. Unstrittig ein Foul.

Weil Balogun nun im Achtelfinale seines Teams gegen Belgien in der Nacht zu Dienstag gesperrt gewesen wäre, schritt die US-Administration zur Tat. Außenminister Marco Rubio verlangte ein „Einspruchsverfahren“, das Weiße Haus beauftragte Anwälte, und US-Präsident Donald Trump himself telefonierte mit Fifa-Boss Gianni Infantino. Ergebnis dieser höchst ungewöhnlichen Staatsintervention: Balogun darf spielen.

Der Anschein legt nahe, der Fifa-Boss sei zum Befehlsempfänger des mächtigen US-Präsidenten geworden. Aber kann das sein? Ist nicht der erste der falsche Eindruck? Warum sollte der mächtige Fußballverband, der gerade das größte Turnier seiner Geschichte abhält und dem es bei den meisten Weltmeisterschaften gelungen ist, gastgebende Staaten zur Abtretung hoheitlicher Rechte und zu Steuerfreiheit für sich und seine Sponsoren zu zwingen, ausgerechnet in seinem Kernbereich, dem Fußballregelwerk, zur Marionette eines Donald Trump schrumpfen?

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Trumps Interesse an der Intervention ist klar: Er will seiner Klientel zeigen, dass er das, was er für amerikanische Interessen hält, brutal und effizient durchsetzen kann. Doch auch Infantino hat Interessen an Nordamerika, dessen Fußballmarkt im Fifa-Sinne noch keineswegs voll erschlossen ist. Was TV-Rechte und andere Vermarktungsoptionen angeht, haben die Fifa-Strategen mit den USA große Pläne.

Da kommt ihnen Trump entgegen, der seinen Kulturkampf ja auch gegen die hegemonialen Sportarten der USA führt: Die Basketballer der NBA hasst er, weil sie sich für die Rechte von Schwarzen starkmachen, und die Football-Liga NFL hat er wissen lassen, sie solle sich einen neuen Namen überlegen, der bisherige werde für den europäischen Fußball gebraucht. Der will auch in Amerika Number One werden.

Gianni Infantino ist also nicht bei Trumps bizarrem Anruf eingeknickt, sondern die beiden üben sich in einem Schulterschluss: Jeder verfolgt erfolgreich seine Interessen, und dass sie dabei manchmal recht lächerlich aussehen, ist der Preis der Macht.

Mit Fußball, den Milliarden Menschen lieben, hat das selbstverständlich nichts zu tun. Wie das Spiel der USA gegen Belgien ausgehen wird, ist dabei nicht von Belang. Leider.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Martin Krauss

Martin Krauss

Jahrgang 1964, freier Mitarbeiter des taz-Sports seit 1989
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18 Kommentare

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  • Matt Olie

    Profisport ist halt erbärmlich. Keine Ahnung, wieso man sich solchen Betrug freiwillig ansehen sollte,

  • miri

    Hey Leute, habt ihr's immer noch nicht geschnallt? Das hier ist nicht die Fußball-WM, sondern die FIFA-WM!!! Sie zeigen ein Spiel namens FIFA, nicht Fußball. Sieht ähnlich aus, aber is nich. Im Fußball gelten Fairness und Regeln, im FIFA -- na das sieht man ja...



    Fazit: Zitat Kaiser Franz: "Geht's raus und spuit's Fußball! Nicht FIFA!"

    • Alex_der_Wunderer

      @miri:

      @ miri



      GENAU , wir wollen unsere elf mehrfach Millionäre hinter' m Balla hinterher rennen sehen, bißchen Verletzungen oder gar etwas Blut zu den Mitternachtsschnitchen, Mutti's lecker Bochwurscht & Flasch Bier...🥸 🥳 🤡 🤠

      • miri

        @Alex_der_Wunderer:

        Nein, kein Bier bitte für mich. Und kein Blut. Schnittchen sind okay.

  • snowgoose

    Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, welche Farce diese ganze Veranstaltung ist, dann ist er jetzt da.



    Eine Organisation, die sich jedes politische Statement (unter Strafe gestellt) verbittet, selbst Trauerflorarmbinden untersagt ect., lässt einen Präsidenten über rote Karten bestimmen.



    Der Wahnwitz auf diesem Erdball bekommt ständig neue Kuminationspunkte.



    Na wenigstens hat die belgische Mannschaft die Antwort auf dem Platz gegeben.

  • Dietmar Rauter

    Schon wieder hat das Trumpeltier verloren, das sich anschickte, die Welt zu erobern und jetzt an seinem eigenen Versagen untergeht. Wie lange müssen wir Donald noch ertragen ?

  • Klabauta

    Ein Land, das mit Fußball wenig am Hut hat und den Pokal nur gewinnen wollte, weil: MAGA, fliegt verdientermaßen raus.



    Kleine Sünden bestraft der Fußballgott sofort, heißt es, und ich stelle fest: große manchmal auch ;-)

  • Jürgen aus Nürnberg

    Belgien hat die richtige Antwort gegeben.

    Bye bye Trumpino!

  • c. F

    Natürlich hat das viel mit Fußball zu tun. Wir reden hier nicht vom Bolzplatz. Der Fußball auf diesem Niveau ist durch Kommerzialisierung bestimmt und sie hat Einfluss auf das Spiel oder ist das Spiel.



    Jetzt, auch nach dem Spiel, wissen wir, dass die US-Fans, das US-Team und viele ehemalige Spieler (weltweit) diese politische Einflussnahme gutheißen. Und genau das, ist der eigentliche Skandal. Ihre Argumentation funktioniert also nicht. Die US-Fans, aber auch das US-Team (insbesondere Trainer und der betroffene Spieler) haben ja Macht. Sie hätten diese Korruption wenigstens unterbinden können. Haben sie aber nicht! Deshalb ist es auch ein Teil des Fußballs (Kultur).

  • Altbayer

    Jetzt noch Ägypten raus - dann sind die politischen Festspiele endlich beendet.

    Normalerweise freu ich mich über jeden Underdog.

    Aber weder die Rote Karte, noch die Pressekonferenz des ägyptischen Trainers haben im Sport auch nur irgendetwas verloren!

  • Helmut van der Buchholz

    Mann kann auch die Meinung vertreten, dass diesem Fussball zu viel Beachtung geschenkt wird.

  • Leo Onlin

    Das ist echt krass, was sich Trump und Infantino da erlauben, ist so unterirdisch, dass man eigentlich gar nicht darüber reden mag. Schade um den Fußball.

  • Doro

    Alle, denen dieser Sport etwas bedeutet, sollten jetzt endgültig die Reissleine ziehen, die Teams und Fans sofort abreisen und alle zu Hause den Fernseher ausschalten!

  • Jutta57

    Hauptsache, die Abseitsregel hat noch Bestand, nachdem der Ball nicht mehr Leder trägt, die Tore ohne Holz auskommen müssen und Beckenbauer für eine Millionen zu Cosmos wechselte.

  • Kawabunga

    Wer hat denn Infantino ein „Einknicken“ unterstellt? Das würde ja voraussetzen, dass es Infantino originär noch um den Sport/Sportlichkeit gegangen wäre, er sich dann aber doch gefügt hätte. So ein positives Bild von ihm hat wohl kaum jemand.

  • Josef 123

    "... schritt die US-Administration zur Tat. Außenminister Marco Rubio verlangte ein „Einspruchsverfahren“, das Weiße Haus beauftragte Anwälte, und US-Präsident Donald Trump himself telefonierte mit Fifa-Boss Gianni Infantino.":



    Das ist doch Wahnsinn, eigentlich nur von Diktaturen erwartbar. Berlin 1936, Sotschi 2014 usw.

    Aber auch so kann man innenpolitisch vom Komplettversagen im großkotzig vom Zaun gebrochenen Irankrieg ablenken. America first; wenn es schon sonst nicht hinhaut, dann wenigstens im Ballsport. Brot und Spiele, hat ja zu Zeiten, in denen auch Triumphbögen gebaut wurden (allerdings nur für Erfolgreiche) auch funktioniert.

    "Der Anschein legt nahe, der Fifa-Boss sei zum Befehlsempfänger des mächtigen US-Präsidenten geworden.":



    Das war zum jetztige Zeitpunkt garnicht mehr nötig. Infantino hatte sich vorher schon bei Trump muggelich eingenistet, man denke nur an den unsäglichen Infantino-Friedenspreis.

    • Matt Olie

      @Josef 123:

      Die USA sind selbst ohne Trump eine 2-Parteien-Diktatur. Was will man von denen schon erwarten...

  • Filou

    Die Fifa interessiert nur Geld, Geld, Geld und dafür tut sie alles.