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Fußball soll nicht mehr „Soccer“ heißenRaus aus der Nische

Trump will, dass Soccer in den USA jetzt Football heißt. Damit will er den NFL-Bossen eins auswischen. Aber die WM könnte tatsächlich was verändern.

E s gab eine Zeit, da wollte Trump nichts lieber, als Teil des US-amerikanischen Nationalsports American Football zu sein. Über Jahrzehnte versuchte der damalige New Yorker Immobilientycoon, Team-Besitzer in der Profiliga NFL zu werden. Doch seine Gebote wurden stets abgelehnt. Die Erfahrung prägt bis heute Trumps Verhältnis zum Football. Als sich 2017 immer mehr Spieler aus Protest gegen rassistische Polizeigewalt weigerten, zur Nationalhymne strammzustehen, mahnte Trump, mittlerweile Präsident, die Besitzer dazu, die unpatriotischen Gesellen doch vor die Tür zu setzen. Die Besitzer, mehrheitlich eigentlich Trumps Politik gewogen, zeigten ihm jedoch erneut die kalte Schulter.

Das Verhältnis zwischen Trump und dem Football blieb angespannt. Als er im vergangenen Jahr in der Hoffnung, bejubelt zu werden, die Superbowl besuchte, erntete er vorwiegend Buhrufe. Je mehr Trump vom Football geliebt werden möchte, desto mehr, so scheint es, kehrt der Sport ihm den Rücken zu.

Doch jetzt hat Trump eine Alternative gefunden. Anders als die NFL-Besitzer überschüttet Fifa-Präsident Infantino Trump mit Schmeicheleien. Infantino hat zudem in New York in einer Trump-Immobilie Büroraum gemietet. Im Gegenzug wurde er mehrfach nach Mar-a-Lago eingeladen und durfte sogar als Zaungast zu den Friedensverhandlungen zwischen Israel und der Hamas nach Ägypten mitfahren.

Bromance auf dem Höhepunkt

Die Bromance erreichte ihren Höhepunkt, als die beiden sich in Washington zur Auslosung der WM-Gruppen trafen. Infantino verlieh Trump den „Friedenspreis der Fifa“, den er eigens als Nobelpreisersatz für Trump erfunden hatte. Trump revanchierte sich, indem er in Erwägung zog, den Sport in den USA von „Soccer“ in „Football“ umzubenennen.

Dafür nahm Trump in Kauf, sich mit dem American Football anzulegen, der im Fall einer Umsetzung von Trumps Vorschlag ein Identitätsproblem bekäme. Schließlich grenzt sich der American Football so vom US-Nischensport Soccer ab. Gewiss hatte Trump bei dem nicht ausschließlich spaßig gemeinten Vorschlag auch im Sinn, die NFL zu provozieren. Nicht umsonst hob er direkt im Anschluss die Vorverkaufszahlen für die Fußball-WM hervor, von denen die NFL nur träumen könne. Infantino bestärkte ihn, indem er die WM als das Äquivalent von „104 Superbowls“ bezeichnete.

Gewiss wird die NFL nicht so einfach ihren Anspruch auf den Namen ihres Sportes aufgeben. Aber vielleicht kommt ja tatsächlich rund um die WM der amerikanische Exzeptionalismus bei der Benennung des Weltsports in Wanken. Wenn das Land von Fútbol-Fans aus aller Welt überrannt und täglich von allem anderen als von Soccer gesprochen wird, dann wird es amerikanischen Enthusiasten schwerfallen, bei ihren Sprechgewohnheiten zu bleiben.

Fußball aus dem Abseits befreien

Damit wären die USA das letzte Land der Erde, das den Sport nach dem Körperteil umbenennt, mit dem er vorwiegend ausgeübt wird. Ein Triumph, der noch vor 50 Jahren nicht absehbar war. Denn selbst in England wurde damals noch von Soccer gesprochen, der Abkürzung für „Association Football“.

Der „Association Football“ war ironischerweise auch der Ursprung des American Football. Doch als dieser sich vom Fußball weg entwickelte und an Popularität gewann, beanspruchte er den Namen zunehmend für sich. So blieb Soccer als Bezeichnung für den amerikanischen Fußball immer auch Stempel für eine Randsportart.

Dass die WM dazu beiträgt, in den USA den Soccer aus diesem Abseits zu befreien, wünschen sich freilich sowohl Infantino als auch Trump. Infantino, weil die USA der letzte große Wachstumsmarkt für den Fußball sind. Trump, weil er damit den Football-Besitzern eins auswischen könnte.

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Sebastian Moll

Sebastian Moll USA Korrespondent

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3 Kommentare

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  • Spricht klar für den (American) Football, Go Bills :)

    Für den Fußball eigentlich nur eine logische Entwicklung, wer Geld hat und Geld verspricht wird infantinosiert, Trump ist ein einfaches und höchst dankbares "Opfer".

  • Wenn man das Verhalten vieler "Fans" betrachtet, ist das Interesse Trumps für diesen ehemaligen Volkssport eigentlich logisch.

  • Heißt es nicht -



    Sock it to me, baby?