Reisen zu Ostern: Ferienfahrt ins Krankenhaus

Rasant steigende Zahlen von Neuinfektionen, die Intensivstationen füllen sich wieder. Jetzt in den Urlaub zu fahren, ist unverantwortlich.

Zwei Reisende auf dem Bahnsteig neben einem ICE - auf dem Boden liegt eine Gesichtsmaske

Viele Reisende werden in den Osterferien vermutlich den Zug nehmen Foto: Ralph Peters/imago

Was ist dagegen einzuwenden, wenn Familien, Paare oder Einzelne zu Ostern in einer abgelegenen Ferienwohnung nächtigen, ausgedehnte Waldspaziergänge unternehmen und unterwegs in einem Biergarten einkehren, in dem nur jeder vierte Tisch belegt ist? Unter Coronagesichtspunkten: nichts. Nur ist es allerdings nicht zu erwarten ist, dass Millionen Bundesbürger über Ostern nur durch den Wald laufen. Sie werden Freunde und Verwandte treffen wollen.

Sie werden vor dem Biergarten in Grüppchen zusammenstehen. Sie werden die Bewohner der benachbarten Ferienwohnung einladen, einkaufen gehen, Eis essen, ihren Wagen auftanken, den Bus oder Zug nehmen … Deshalb ist der Wunsch nach einem Osterurlaub zwar verständlich, aber doch eine schlechte Idee. Merkwürdig ist dabei nicht das Verlangen nach Abwechslung und Entspannung nach Monaten des gefühlten Hausarrests. Ebenso verständlich ist es, dass die Gastronomie wieder ihre Türen aufsperren möchte.

Merkwürdig ist einzig, dass es verantwortliche Politiker gibt, die ernsthaft darüber nachdenken, diesem Begehren nachzugeben, nur weil gerade ein christliches Fest bevorsteht und Reisen nach Mallorca nicht länger unmöglich sind. Denn die Infektionszahlen sinken nicht, sie steigen, und zwar massiv. Die Belegung von Intensivbetten geht nicht länger zurück, sie erhöht sich. Einzig die Zahl der Covid-Toten ist in jüngster Zeit gesunken, weil viele der ganz Alten mittlerweile geimpft sind.

Aber das kann sich ganz schnell wieder drehen, denn wer 60 oder 65 Jahre alt ist, hat noch kein Impfzentrum von innen gesehen. Deshalb ist es nicht das Problem, dass die Biergärten in Deutschland geschlossen sind, sondern dass die Hotels auf Mallorca geöffnet haben. In einer solchen Situation die Pandemie auch noch mutwillig zu beschleunigen gleicht dem Versuch, ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen, weil es so ein wenig wärmer wird. Das funktioniert garantiert, nur ist das Haus anschließend abgebrannt.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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