Privatjets am Hamburger Flughafen: Mal schnell nach Sylt
Der Umweltverband Robin Wood legt Studie zur Klimabelastung von Privatjets vor. Die Luxusmobilität auf Kosten der Allgemeinheit müsse gestoppt werden.
Wohin fliegen Leute im Privatflugzeug von Hamburg aus am häufigsten? Nach Palma de Mallorca, und gleich danach kommt Sylt. Aus Sicht der Umweltorganisation Robin Wood ist das ein starkes Indiz dafür, dass die vielen Tausend Privatflüge von und zum Hamburger Flughafen sehr viel mit Luxus zu tun haben – einem Luxus, den sich die Stadt im Lichte ihres Klimaschutzziels nicht leisten kann.
„Die Luxus-Mobilität sehr weniger sehr wohlhabender Menschen geht zulasten der Allgemeinheit und des Klimas“, sagt Merle Riebandt von Robin Wood. „Wir wollen Hamburg zu einer gerechteren Stadt machen und fordern daher als Sofortmaßnahme ein Start- und Landeverbot für Privatjets am Hamburger Airport.“
Einer Studie zufolge, die die Umweltschutzorganisation bei dem niederländischen Forschungsinstitut CE Delft in Auftrag gegeben hat, sind in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich rund 7.000 Privatjets in Hamburg gestartet oder gelandet. „Hamburg liegt damit konstant auf Platz drei der von Privatfliegern meistgenutzten Airports innerhalb Deutschlands“, heißt es in einer Pressemitteilung von Robin Wood.
In den Jahren 2023 bis 2025 gab es 448 Abflüge nach Palma de Mallorca, 441 nach Sylt, 333 nach München sowie 308 nach Berlin, um die Top-Destinationen zu benennen. Nach Palma zu fliegen, mag naheliegend sein, nach München schon weniger. Sylt ist mit der Bahn von Hamburg aus in drei Stunden zu erreichen, Berlin in weniger als zwei Stunden. Fragt sich also, ob es solche Ziele rechtfertigen, die Mengen an CO₂ rauszuballern, die die Delfter Forscher ermittelt haben.
370.000 Mal mit dem Auto nach Berlin
Die in Hamburg startenden und landenden Privatjets haben pro Jahr jeweils rund 40.000 Tonnen klimaschädliche Aquivalente erzeugt. Fast ein Viertel dieser Menge entstand dabei nicht direkt durch Verbrennung oder Lieferung von Kraftstoff, sondern aus den indirekten Effekten des Flugverkehrs – also der Klimawirkung von Kondensstreifen, Ruß und Stickoxiden.
Zwar sind die 7.000 Starts und Landungen von Privatflugzeugen nur ein kleiner Teil der zuletzt insgesamt 127.000 Starts und Landungen vom Hamburger Flughafen. Dass sie gleichwohl relevant sind, illustrieren die Delfter Studienautoren mit einer Reihe von Vergleichen.
Für die 20.000 Tonnen CO₂-Äquivalent, die 3.000 Flüge im Privatjet erzeugen, könnte man 370.000 Mal von Hamburg nach Berlin fahren. Einen durchschnittlichen Privatflug setzten die Studienautoren mit sechs Tonnen CO₂-Äquivalent an – so viel wie ein durchschnittlicher EU-Bürger in acht Monaten ausstoße.
Angesichts dieses nicht ganz unbeträchtlichen Outputs sieht Robin Wood den Hamburger Senat und die Bürgerschaft in der Pflicht, zu handeln. „In Zeiten der Klimakrise ist die Frage, wo am ehesten Emissionen eingespart werden können“, sagt Campaignerin Riebandt – und das ist bei den aus ihrer Sicht unnötigen Privatflügen.
Das gelte umso mehr, als das Hamburger Wahlvolk ja vor einem Jahr Hamburgs Klimaziel verschärft hat: Statt 2045 soll die Stadt schon 2040 klimaneutral sein. Nach der Schätzbilanz für 2025 sind die Emissionen zuletzt jedoch noch einmal gestiegen. Der Handlungsdruck ist also groß.
Martin Mosel, BIG Fluglärm
Dazu kommt konstanter Druck von anderer Seite – derjenigen, die sich durch Fluglärm belastet fühlen. „Privatjets sind nicht nur ein Klimaproblem, sondern auch ein Fluglärmproblem“, sagt Martin Mose, Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BIG Fluglärm) in Hamburg. „Die Belastung tragen die Menschen in den An- und Abfluggebieten, während von diesen Flügen nur wenige profitieren.“
Mosel zufolge fehlt bisher eine transparente Darstellung, welchen Anteil Geschäftsflüge im Privatjet an den Flugbewegungen und der Lärmbelastung in Hamburg hat. Diese Flüge müssten gesondert erfasst werden, einschließlich der Flugzeiten.
Der Hamburger Flughafen weist darauf hin, dass der Begriff Privatjet häufig sehr pauschal verwendet werde. „Eine eigene Kategorie Privatjet gibt es nicht“, teilte eine Sprecherin mit. Die Flüge der Allgemeinen Luftfahrt würden am General Aviation Terminal (GAT), also dem Geschäftsfliegerzentrum abgefertigt. Wirtschaftlich gesehen sei das im Verhältnis zum Gesamtbetrieb ein sehr kleiner Bereich.
Unter die Allgemeine Luftfahrt fallen der Sprecherin zufolge neben den Flügen für Unternehmen und Institutionen auch Organtransporte, Rettungsflüge, Militär- oder Schulungsflüge. Im laufenden Jahr seien abzüglich medizinischer Flügel lediglich 85 solcher Flüge im lärmkritischen Zeitraum von 22 bis 23 Uhr abgewickelt worden. Später darf in Hamburg nur ausnahmsweise gelandet werden.
Die Delfter Studie ermittelte die Privatflüge über die Portale Flight Radar 24 und Private Jets Tracker, der vom Institute for Policy Studies und dem Projekt Tax Private Jets erstellt wird. Die Jets sind dabei einfach Flugzeuge, nicht unbedingt mit Düsenantrieb, wie der Begriff suggeriert. Die Wirtschaftsbehörde war am Donnerstagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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