piwik no script img

Palästinensische KommunalwahlenTestlauf für die Parlamentswahl

Felix Wellisch

Kommentar von

Felix Wellisch

Die Kommunalwahlen im Westjordanland und im Gazastreifen sind nicht mehr als ein Pilotprojekt. Ändern wird sich vorläufig nichts.

Beim Urnengang in palästinensischen Kommunen bleibt die Wahlbeteiligung vor allem in Deir al-Balah, im Gazastreifen, niedrig Foto: Mahmoud Illean/ap/dpa

K ommunalwahlen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten ändern politisch wenig. Das ist der Grund, weshalb sie im Gegensatz zu Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die zum letzten Mal vor 20 Jahren stattfanden, überhaupt abgehalten werden konnten. Dass dennoch mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten im Westjordanland ihre Stimme abgegeben, zeigt: Für viele Palästinenser sind sie trotz allem ein Hoffnungsschimmer.

Dabei ist vieles an dieser Wahl weder ermutigend noch demokratisch: In den wichtigsten Städten im Westjordanland traten nur Listen der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas an. Systematische Vertreibungen durch Siedlerangriffe und mehr als 800 israelische Checkpoints erschweren die Wahl zusätzlich.

Von den rund zwei Millionen Bewohnern des weitgehend zerstörten Gazastreifens durften nur 70.000 in der Stadt Deir al-Balah abstimmen. Es ist ein Testlauf. Offiziell trat die radikalislamische Hamas nicht an. Eine der Listen bestand aber de facto weitgehend aus Hamas-Leuten.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

An der andauernden massiven Gewalt durch israelische Siedler und Soldaten können die kommunalen Gremien ohnehin wenig ändern. Die Täter müssen sogar bei schwerer Gewalt und Mord kaum eine Strafe fürchten, denn zu Gerichtsverfahren oder gar Verurteilungen kommt es fast nie. Auch gegen den illegalen Siedlungsbau und die Besetzung im Gazastreifen haben die palästinensischen Behörden nichts in der Hand.

Eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus

Die Palästinensische Autonomiebehörde hatte bei der Kommunalwahl nichts zu verlieren. Sie zeigt sich reformwillig, ohne politische Veränderung befürchten zu müssen. Der Testlauf ist insofern positiv verlaufen, als die Hamas mit einem starken Ergebnis ihrer Liste demonstriert hätte, dass sie noch Unterstützung in der Bevölkerung genießt. Stattdessen kamen nur 20 Prozent der Wahlberechtigten in Deir al-Balah an die Urnen.

Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht aus: Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, ohne Einschränkungen durch Israel, Fatah oder die Hamas.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Felix Wellisch
Korrespondent
berichtet für die taz aus Israel und den palästinensischen Gebieten. Geboren 1989. Er hat Politik- und Sozialwissenschaften in Jena, Dresden und Kairo studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Ernst Cramer & Teddy Kollek-Fellow.
Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Es ist schon seit langem überfällig, dass Die Besetzung des Westjordanlands durch Israel beendet wird. Ich weiß, das ist ein "frommer Wunsch", aber solange der autonome Status des Palästinensergebiets nicht - international abgesichert - hergestellt wird, wird es in der Region keinen Frieden geben.

    Übrigens halte ich es für falsch im Westjordanland von Israelischer "Siedlungspolitik" zu sprechen. Was dort seit Jahren geschieht ist rechtswidrige Inbesitznahme von Palästinensischem Eigentum.

    In diesem Sinn sind die sogenannten "Siedler" illegale Besatzer und aggressive Landräuber. So sollten sie m.E. auch (z.B. in der Presse ) genannt werden. Alles andere ist verharmlosend und irreführend.

    Für den in Schutt und Asche gelegten Gaza Streifen gilt vergleichbares. Ohne den Abzug des Israelischen Militärs, abgesichert durch internationale Friedenstruppen und internationale (nicht Amerikanische) Unterstützung beim Wiederaufbau, wird vermutlich die destruktive Macht der Hamas nicht zu brechen sein.

    Alles angesichts der unterschiedlichen Interessenlagen nicht sehr einfach umzusetzen, aber Ich schrieb ja schon - es ist ein "frommer Wunsch"...die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.

    • @Bürger L.:

      ......was war denn gleich mal am 7. Oktober. Ich komme gar nicht drauf, vielleicht helfen Sie mir mal.

      • @Leningrad:

        Wenn sie nicht darauf kommen.... ich habe den barbarischen Terrorangriff der Hamas und deren Massaker in Israel sicher nicht vergessen.

        Vielleicht gelingt es trotzdem auch ihnen, aus dem unendlichen Leid, dass sowohl bei einem Teil der Palästinenser als auch bei radikalen Israelis seit Generationen Hass schürt, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

        Druck, Gewalt und Vertreibung sind nicht die Mittel, die langfristig zu einer friedlichen Entwicklung in der Region führen.....



        Ich gehe doch mal davon aus, dass auch sie sich nichts mehr wünschen, als dass Israelis und Palästinenser*innen irgendwann friedlich neben- und miteinander leben können. Ich hoffe dass ich ihnen weiterhelfen Konnte.