Ökonomie in der Corona-Krise: Renaissance der Planwirtschaft

Die staatliche Wirtschaftsplanung wurde verteufelt und auf den Kehrichthaufen der Geschichte verbannt. Nun feiert sie ein verdientes Comeback.

Wandmalerei auf der Menschen Bahngleise herstellen.

Wandgemälde am Bundesfinanzministerium in Berlin Foto: imago

Mit einem weltweiten Donner­grollen verabschiedete sich die staatliche Planwirtschaft vor 30 Jahren von der Bühne. Mit den nominell sozialistischen Ostblockstaaten verschwand auch deren ausufernde Bürokratie. Der Markt hatte gewonnen und lockte mit bunten Werbetafeln, parfümierter Schokolade und Bananen. Der staatliche Plan wurde nur noch gelegentlich zu Demonstrationszwecken vom Dachboden gezerrt. Ausgemergelt und gespenstisch bleich stand er dann da, um zu illustrieren, wie schlecht es den Menschen gehen würde, wenn andere als die kapitalistischen Marktkräfte Produktion und Konsum mit­ein­ander in Einklang brächten.

Zweifel an diesem Schauerbild oder doch zumindest der quasireligiösen Verehrung des heiligen Marktes aber werden in Krisenzeiten lauter. Denn tatsächlich darf man nicht erst seit dem Kollaps von 2007 fragen, warum der Kapitalismus, wenn er denn so grandios überlegen ist, ständig mit staatlichen Eingriffen gerettet werden muss.

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Die hochspekulativen Mechanismen der Börsen mal beiseite: Der Markt beschert uns doch alle Arten von Konsumgütern in rauen Mengen und zu günstigen Preisen. Angebot und Nachfrage pendeln sich präzise, fast in Echtzeit, aufeinander ein.

Außer bei plötzlich steigendem Bedarf an Klopapier. Oder Mehl. Oder Hefe. Oder Nudeln. Immerhin, das mit den flexiblen Angebotspreisen bei sich ändernder Nachfrage scheint ganz gut zu funktionieren. Der Zwischenhandel für Gesichtsmasken wird das bestätigen können. Und spätestens genau da, wo es an die grundlegendste Daseinsvorsorge geht, drängt sich der Schluss auf, dass eine staatliche Produktions- und Preiskontrolle vielleicht doch nicht so doof ist.

Als wäre es das Natürlichste der Welt, gibt es ja auch keine Probleme, staatlich systemrelevante Berufe zu definieren und deren Arbeitsschutz im Interesse aller aufzuweichen. Warum sollen solche Eingriffe nicht auch auf der Profitseite möglich sein? Und warum nicht auf Dauer? Die Produktivität würde es zulassen, dass im Normalbetrieb bei großflächiger Steuerung, staatlicher Planung also, Arbeitszeiten verkürzt statt ausgedehnt werden könnten. Fallen die Dividenden halt etwas schmaler aus. Dafür gibt’s Klopapier, wenn man es braucht, DDR-Krepp – rau und reißfest.

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Jahrgang 1976, Redakteur für die tageszeitung 2006-2020, unter anderem im Berlinteil, dem Onlineressort und bei taz zwei. Public key: https://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=vindex&search=0xC1FF0214F07A5DF4

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