piwik no script img

Neuer Coup der Wirtschaftsministerin Reiche ist der Redispatch der Regierung

Nick Reimer

Kommentar von

Nick Reimer

Wirtschaftsministerin Reiche tut alles dafür, die Wirtschaft zu bremsen. Ihr neuester Coup: keine Entschädigung für nicht eingespeiste Windenergie.

E ine Lehre aus dem Fachbuch für politische Kommunikation lautet: Denk dir einen möglichst komplizierten Fachbegriff aus, wenn du willst, dass die Leute nicht verstehen, worum es geht. Schließlich wird im politischen Raum nur über das gesprochen, was dem Wahlvolk diskussionswürdig erscheint. Darin ist Katherina Reiche (CDU) Meisterin: Sie erfand den Begriff „Redispatch-Vorbehalt“. Den hat die Bundeswirtschaftsministerin in ihren ersten Entwurf zum neuen Netzgesetz geschrieben.

Das ist schlau, denn bevor man diese Politik kommentieren kann, muss man sie erst erklären: Weil die Bundesrepublik in vier Jahren 80 Prozent ihres Stromes aus Erneuerbaren produzieren will, haben Windräder, Solaranlagen, Biomassekraftwerke einen Vorrang beim Einspeisen. Ihr Strom darf immer zuerst ins Netz, die Netzwirtschaft nennt diese Abfertigung „Dispatch“. Weil es aber immer häufiger passiert, dass Sonne, Wind und Co mehr Strom produzieren, als das Netz aufnehmen kann, müssen mancherorts Kraftwerke abgeschaltet werden – die Netzbetreiber ordnen Redispatch an.

Betreiber von Solarparks und Windrädern können nichts für diesen Stillstand. Denn nicht sie, sondern die Besitzer der Netze tragen Schuld daran, dass sie nicht liefern können. Deshalb erhalten die Betreiber eine Entschädigung für jenen Strom, den sie nicht liefern konnten. Unter dem Stichwort „Redispatch“ sieht Katherina Reiches Gesetzentwurf vor, diese Entschädigung ganz oder teilweise zu streichen. Grundlage jeder Investition ist die Kalkulation der Refinanzierung. Wer nicht weiß, wie oft sein Windrad entschädigungslos abgeschaltet wird, der investiert nicht mehr.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Union von Friedrich Merz war angetreten, das Wirtschaftswachstum in Deutschland anzuschieben, dafür muss investiert werden. Doch statt sich ins Zeug zu legen und ein Investitionsfeuerwerk bei den Erneuerbaren zu kreieren, bremst die „Fachfrau für den Aufschwung“. Bemerkenswert ist dabei, dass der Begriff Redispatch nicht einmal Reiches Erfindung ist: Er stammt von Eon, jenem Konzern, bei dem Reiche bis zu ihrem Amtsantritt Managerin war. Kein anderer Energiekonzern findet die Pläne gut, Energiekonzerne wie EnBW, Leag und RWE haben in einem gemeinsamen Aufruf Änderungen angemahnt.

Reiche ist in den Umfragen Deutschlands unbeliebteste Ministerin, selbst unter den Unionsanhängern sind 75 Prozent mit ihr „nicht zufrieden“. Bislang gibt es kein einziges Gesetz aus Reiches Haus, das geeignet wäre, Wachstum zu kreieren. Die Wirtschaftsministerin schafft es nicht, Aufbruchstimmung in der Wirtschaft zu erzeugen. Sie liefert nicht, sie ist der Redispatch im Kabinett.

Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
Mehr zum Thema

28 Kommentare

  • Chaos-NRW

    Warum sollte jemand entschädigt werden, dessen Leistung zu dem Zeitpunkt nicht gebraucht wird? Das ist doch nun wirklich eine absolute Anomalie. Das so etwas bisher schulterzuckend hingenommen wurde ist das Problem, nicht, dass man diesen Unfug abschafft.

  • Jalella

    Um das Problem im Kern zu lösen, müsste man erstmal klären, wie es dazu kommen konnte, dass eine solche Regierung gewählt wird. Dass MinisterInnen generell keine Ahnung von dem haben, was sie machen, ist natürlich nicht hilfreich. Aber dass die WählerInnen offenbar keine Ahnung davon haben, was sie wählen, ist ein Desaster.

    Welche "Informationen" führen also zur Wahlentscheidung? Da muss man sich die Medienlandschaft ansehen, die zum Teil aus offen rechten Hetz- und Lügenmedien besteht - wir kennen die BILD-Zeitung schon viel zu lange, gefolgt sind NIUS und Konsorten. Aber auch der andere Teil wählt und formuliert Nachrichten und Headlines nach nur einem Prinzip: wie bekomme ich einen möglichst großen Profit. Nicht maßgeblich ist die Frage, ob die Nachricht wichtig ist, ob sie im richtigen angemessenen Kontext beschrieben wird etc.



    So haben wir also gerne Nachrichten mit reißerischen Headlines (Clickbait), die man leider sogar auch in der TAZ findet, mit reißerischen Inhalt etc. Und wenn es sich für ein Medium "gut klickt", ziehen die anderen nach und schalten sich damit automatisch gleich.

    Ich würde sagen, wir müssten unser Mediensystem gründlich renovieren!

  • Thomas Koll

    Man kann nur hoffen dass die Besitzer trotzig sind und größere Solar- und Windkraftanlagen nicht nur beim Neubau Batteriespeicher einplanen sondern auch alte Anlagen nachrüsten damit sie den überschüssigen Strom für die Nachstunden speichern können und die fossilen dann erst recht still stehen.

    • Chaos-NRW

      @Thomas Koll:

      1. Die großen Anlagenbetreiber sind die gleichen, die auch die fossilen Anlagen betreiben. Denen ist im Zweifel egal, wo das Geld reinkommt.



      2. Und Ihnen kommt nicht in den Sinn, dass dieses Speicherthema genau der Sinn und Zweck hinter der Neuregelung ist? Warum soll man Strom bezahlen, der nicht produziert wird, wenn man die Betreiber dazu bringen kann diesen zu speichern für die Zeit, wenn er gebraucht wird.

    • Axel Berger

      @Thomas Koll:

      Das ist genau die gewünschte Wirkung. Das Speichern einer Kilowattstunde ist derzeit teurer als die Erzeugung. Bis jetzt muß ich als Kunde sowohl den nicht gelieferten Strom subventionieren als auch die Folgekosten der Ersatzlieferung tragen. Wenn die Anbieter für einen fairen Preis tatsächlich auch eine Leistung erbringen, bin ich zufrieden.



      Mein gerade angeschaffter Akku wird sich nach meiner Modellrechnung nie rentieren. Gekauft habe ich ihn wegen der Notstromfähigkeit. Wenn mein Benzinaggregat mit 3/4-Leistung in anderthalb Stunden den Akku lädt, kostet die Kilowattstunde allein an Treibstoff immer noch 2 Euro. Es stundenlang in unterster Teillast für die Kühlgeräte laufen zu lassen wäre astronomisch. Da rächen sich die modernen stromsparenden Geräte mit kleinem Kompressor und 50 % Einschaltdauer.

  • Axel Berger

    > Darin ist Katherina Reiche (CDU) Meisterin: Sie erfand den Begriff „Redispatch“.



    Das ist ohne jede auch nur im Ansatz mögliche Einschränkung eine glatte Lüge.

    • Christian Götz

      @Axel Berger:

      Guten Tag Axel Berger.



      Bitte kommentieren Sie nur das, was im Artikel steht:



      Redispatch: Erfindung von EON



      Redispatch-Vorbehalt: Erfindung von Frau Reiche.



      Danke.

  • lars_fi

    Sie macht leider genau das, was sie soll.



    Koste es, was es wolle.

  • Elite123

    Ich sehe das anders.



    Ein Produzent ist in der Pflicht zu schauen, dass auf der anderen Seite auch eine Nachfrage existiert.

    Einfach alles ins System zu ballern und dafür entschädigt zu werden, hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun.

    Das ist so wie wenn der Supermarkt alle Menschen zwangsbeliefert und dann die Hand aufhält.

    Die Großproduzenten müssen sich überlegen, wie sie Energie speichern können und dann anbieten, wenn der Bedarf da ist. Jetzt haben sie ein Incentive dazu.

    • Thomas Koll

      @Elite123:

      Die Nachfrage gibt es doch! Nur der Weg dorthin ist vielerorts zu eng und die großen Energie Konzerne haben kein Interesse das Netz zu verbessern weil dann ihr fossilen Kraftwerke überflüssig werden. Auch Batteriespeicher haben das Problem dass sie von den großen Konzernen davon abgehalten werden produktiv zu sein www1.wdr.de/wirtsc...espeicher-100.html

      • Axel Berger

        @Thomas Koll:

        Ja und? Das ist doch völlig normal. Antiquarische Bücher finde ich auch oft günstiger in den USA, aber bei Versandkosten von mehr als 10 € kaufe ich in der Regel doch aus Europa. Wollen Sie auch bei südafrikanischen frischen Erdbeeren zu Weihnachten, daß andere für Sie die 2 kg Kerosin pro kg Erdbeeren tragen? Die Regel "kaufe lieber aus der Region" gilt beim Strom genauso.

    • Moby Dick

      @Elite123:

      Hier geht es um Redispatch. Das Angebot existiert und die Nachfrage, aber der Marktmechanismus wird dadurch unterbunden, daß der Transport von Anbieter zu Konsument nicht möglich ist. Die Redispatchentschädigung soll die Störung der Marktwirtschaft durch fehlende Infrastruktur kompensieren. Für den Fall, daß das Angebot die Nachfrage übersteigt (negative Strompreise) gibt es keine Redispatch-Entschädigung.

    • Kahlschlagbauer

      @Elite123:

      Die Nachfrage ist ja da. Nur die Übertragungskapazität fehlt. Und indem die Netzbetreiber nicht die Produzenten sind, haben die keinen Anreiz, genug Übertragungskapazität zur Verfügung zu stellen.

    • nutzer

      @Elite123:

      Ein Stromnetz ist aber kein Markt, ein Stromnetz funktioniert nach physikalischen Regeln. Das Stromnetz lässt sich in gewissem Maße hoch und runterregeln, aber ein Stromnetz braucht Kontinuität, das war früher auch schon so, nicht umsonst gab es Nachtspeicheröfen.



      Es fehlen Speicherkapazitäten, das ist der Punkt und es fehlen Übertragungskapazitäten vom Norden mit Überschuß in den Süden mit Bedarf. Das ließe sich alles ändern, wenn man wöllte, stattdessen wird geklagt, wie unsinnig doch alles ist und früher war eh alles besser.



      Kann man machen, aber so verliert man den Anschluß. Wenn eine Wirtschaft darauf beharrt das Optimum sei schon erreicht, die anderen haben es nur nicht verstanden... tja, dann ist das der Abgesang dieser Wirtschaft, das wird so nichts mehr. Dann bleibt irgendwann nur noch wehklagen...

      • Elite123

        @nutzer:

        Natürlich funktioniert ein Stromnetz nach physikalischen Regeln. Dennoch kann ein Output auch bedarfsgerecht gesteuert werden, nichts anderes macht ein Markt.

        Über die physikalischen Basics wurde leider nie gesprochen bei der Energiewende.



        Über die Zusatzkosten wurde gelogen ("Kugel Eis").

        Es sind strukturell gesehen Kosten on top entstanden, die China oder die USA, oder selbst Frankreich nicht haben.

        Es war die große Lüge der Grünen, dass man eine Energiewende kostenlos bekommt.

      • Zippism

        @nutzer:

        Das Problem ist: Sie tun so, als würde ein Windparkbetreiber seinen Strom einfach „ins System ballern“, obwohl niemand ihn braucht. Ein erheblicher Teil der Abregelung entsteht aber gerade wegen Netzengpässen: Der Strom wird gebraucht, kann aber vom Erzeugungsort nicht dorthin transportiert werden, wo er gerade benötigt wird.

        Und „dann sollen die Großproduzenten eben speichern“ ist ebenfalls etwas zu bequem. Speicher sind sinnvoll und werden wichtiger – die Bundesnetzagentur nennt sie ausdrücklich als Teil der Lösung. Sie sagt aber genauso ausdrücklich, dass der notwendige Netzausbau dadurch nicht ersetzt wird.

        Der finanzielle Ausgleich beim Redispatch ist übrigens keine Belohnung dafür, dass jemand wahllos produziert. Er soll den Anlagenbetreiber wirtschaftlich so stellen, als wäre die angeordnete Abregelung nicht erfolgt. Genau deshalb gibt es gesetzliche Ausgleichsregeln.

    • Sonnenhaus

      @Elite123:

      Der Vergleich ist wohl nicht ganz korrekt. Der Supermarkt hat gerade Lagerfläche, weil er es nicht schafft alles an einem Tag oder in der Stunde an seine Kunden zu bekommen. Daher sollten auch die Stromversorger mehr Batteriespeicher bauen, statt abhängig machende Gaskraftwerke. Diese Branche entwickelt sich immer mehr zur energetischen "Drogenszene". Sie können nicht mehr ablassen, von den uns zerstörenden Quellen ihres monetären Glücks.

  • Oskar Muster

    Kann denn niemand diese unsägliche Person aus dem Amt befördern, bevor sie die Wirtschaft gänzlich ruiniert? In jedem freiwirtschaftlichem Unternehmen wäre sie schon vor Monaten wegen Geschäftsschädigung entlassen worden

  • nutzer

    Reiche ist die personifizierte Bremse, das Konzentrat der Misepetrigkeit, Rückwärts immer, vorwärts nimmer. So wie die politische Grundstimmung bei der Mehrheit im politischen Betrieb.



    Ganz nebenbei ist sie auch noch Lobbyistin für die Gesterntechnologien, die, die den Nicht-Anschluß an moderne Technolohien garantieren.



    Mit Reiche sitzen wir auf der Titanic und sinken, aber kein Grund irgendetwas zu ändern, unsere Füße sind doch noch trocken.... und das Schiff ist doch so schön groß und mächtig, so wie die dt Wirtschaft.

  • Thüringer

    Tja, irgendwoher muß ja das Geld kommen, das Frau Reiche den Betreibern der noch zu bauenden Gaskraftwerke für die Zeiten deren Stillstandes (wenn Sonne und Wind genügend Strom liefern) zahlen will (muß) !



    Gas hat halt die stärkere Lobby !

    • ZTUC

      @Thüringer:

      Sind das die Gaskraftwerke, die schon Habeck geplant hat?

    • Gerald Müller

      @Thüringer:

      Ja, nämlich die Realität. Gestern um diese Zeit (die Werte von heute liegen noch nicht vor):



      Wind onshore: 2.4 GWh/h



      Wind offshore: 0.7 GWh/h



      Solar: 1.9 GW/h



      Wasser, Bio etc: 7.0 GWh/h



      Konventionell: 32.9 GWh/h



      Import: 13.1 GWh/h

      Gesamtverbrauch: 58 GWh/h



      Wir haben also mehr importiert als alle erneuerbaren Quellen zusammen. Die Erneuerbaren lieferten 21% des Gesamtbedarfs

      Man sollte doch die Zahlen berücksichtigen und die Tatsache dass Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit entsprechend des Bedarfs geliefert werden MUSS. Nennt sich Versorgungssicherheit.

      • nutzer

        @Gerald Müller:

        wenn Sie mit Zahlen argumentieren wollen, müssen Sie auch aussagekräftige Zahlen benutzen, das wahllose Herauspicken, der zu einer gewissen Uhrzeit erzeugten Strommengen , besonders wenn sie gerade zur eigenen Meinung passen, ist kein faktenbasiertes Argumentieren. Nehmen Sie eine andere Uhrzeit und Sie könnten genau das Gegenteil belegen.



        Es ist eine Binse, dass die Grundlast durch etwas abgesichert werden muß, genauso wie das Erneuerbare schwanken. Genau deshalb gibt es eben ein Stromnetz, sogar ein europäisches, um genau diese Schwankungen auszugleichen. Das wird sich auch nie ändern.



        Dass Strom Grenzen überschreitet zu dramatisieren, ist einfach stumpf.



        Es ist nicht alles in Butter, aber die Tatsache, dass Stromnetze bedarfsgerecht verteilen, ist nun wirklich kein Aufreger! Genau dafür sind sie da, sonst könnte sich jeder seine eigene Inselanlage aufstellen und gut ist und wenn der Akku mal leer ist, tja, Pech gehabt, dafür hat man aber nie Strom exportiert und nie importiert. Dafür kann die Prepperseele sich dann freuen.

        • Gerald Müller

          @nutzer:

          Das ist kein "wahlloses herauspicken", sondern das Aufzeigen von Schwachstellen an denen bekanntlich die Kette bricht. Die Uhrzeit ist wichtig, denn wir müssen die Versorgungssicherheit garantieren. Wenn nachts nur 20% des Bedarfs vorhanden wären, dann müssten Fabriken ihre Produktion runterfahren, Krankenhäuser die Dieselaggregate anwerfen, Straßenbeleuchtungen abgeschaltet werden usw.

          auch das europäische Stromnetz kann die durch erneuerbare Energien verursachten starken Schwankungen nicht ausgleichen, dafür müssten enorme Zusatzkapazitäten geschaffen werden. Siehe black-out in Spanien letzthin, den scheinen viele Leute zu schnell vergessen zu haben. Das Stromnetz ist nur ein Verteiler, der Strom muss irgendwo erzeugt werden. Was sie vorschlagen ist, das Problem auf andere Länder abzuwälzen. Aber, die Sonne scheint auch in ganz Europa nachts nicht und wenn es in in Deutschland keinen Wind gibt dann ist das auch in NL, BE, F, PL usw so. Nach Ihrer Argumentation müssten dann Spanien und Portugal ganz Europa versorgen. Geht das? Die bräuchten dann enorme Zusatzkapazitäten, und würden sich das sehr gut bezahlen lassen...

        • Zippism

          @nutzer:

          Gerade die „andere Uhrzeit“ ist doch der Punkt: Das Stromsystem muss nicht nur dann funktionieren, wenn Wind und Sonne gerade ordentlich liefern. Es muss auch bei Dunkelflaute funktionieren. Und dafür reicht der Hinweis „wir haben ein europäisches Netz“ eben nicht.

          Die Bundesnetzagentur bestätigt für den Winter 2026/27 einen Bedarf von 7,4 GW Netzreserve; rund 2,7 GW davon müssen sogar durch Kraftwerke im Ausland abgesichert werden.

          Und nein, Importe sind nicht „stumpf dramatisch“. Sie sind ein völlig normaler Bestandteil des europäischen Strommarkts – aber sie ersetzen keine gesicherte Leistung, wenn gleichzeitig mehrere Länder knapp versorgt sind. Genau deshalb spricht die Bundesnetzagentur von der notwendigen Vorhaltung von Reservekraftwerken.

          Übrigens: Im 1. Quartal 2026 war Deutschland sogar wieder Nettoexporteur. Das zeigt gerade, warum eine einzelne Momentaufnahme wenig über die Versorgungssicherheit aussagt.

          • Axel Berger

            @Zippism:

            Wobei man da genauer hinsehen muß. Im "Nettoexport" sind die Mengen enthalten, die zu negativem Preis kostenpflichtig verklappt werden mußten. Die werden bei allen Erfolgsmeldungen über den großen Anteil Erneuerbarer immer mitgerechnet.

        • ZTUC

          @nutzer:

          Die Stromversorgung muss zu jeder beliebigen Uhrzeit gewährleistet werden.

      • Sonnenhaus

        @Gerald Müller:

        Aber Gerald, nur weil die CEO`s der EON, (und Frau Reiche) wie unsere Autobauer es versäumt haben rechtzeitig ihre Gassparte auf erneuerbare umzustellen und die Gaskraftwerke gegen Batteriespeicher umzubauen, tragen auch Sie die Mehrkosten beim Strom. Ich tue es schon seit längerem nicht mehr, da ich rechtzeitig, bereits vor Frau Reiches Anstellung bei Herrn Altmaier meinen Netzabschied gestartet habe. Diese Zeilen schreibe ich möglicherweise gerade in der sog. "Dunkelflaute", denn meine Speicher sind voll. Ein Geschenk des Himmels und wirtschaftliche Prosperität für das Handwerk und die Hersteller die mir dabei geholfen haben. Haben damals alle überlebt, trotz der negativen Markteinwirkungen von Frau Reiche und Herrn Altmaier.