Neue Musik aus Berlin: Rhythmen der Zukunft
Auf „New Environments & Rhythm Studies“ spielt sich Andrew Pekler in Sci-Fi-Sounds hinein und würdigt dabei Elektro-Größen wie Delia Derbyshire.
N achdem Andrew Pekler beim Vorgängeralbum „For Lovers Only / Rain Suite“ neben E-Gitarre und Effektpedalen lediglich den Regen als Klangquelle genutzt hat, kehrt er mit „New Environments & Rhythm Studies“ zu Themen zurück, die ihn schon auf den Alben „Tristes Tropiques“ (2016) oder „Sounds from Phantom Islands“ (2019) umtrieben: ethnographische Forschungen, die nicht auf reale Traditionen zurückgreifen, sondern auf Gedankenspiele. Man könnte das Ganze auch Fantasy-Weltmusik nennen. Essenzialistische Konzepte führt Pekler damit mit Nonchalance ad absurdum.
Auf seinem neuen Album nimmt er Bezug auf musikalischen Traditionen, mit denen weniger eine Vergangenheit herbei imaginiert wurde, sondern die Zukunft. So bezieht er sich etwa auf Delia Derbyshire, einer zentralen Figur beim legendären Radiophonic Workshop der BBC – bekannt vor allem für ihre Interpretation der Titelmelodie von Doctor Who. Oder auch auf Arbeiten des US-amerikanischen Elektronikpioniers Raymond Scott. Zwischen Peklers elektroakustischen Tracks mit Sogwirkung stehen kurze „Rhythm Studies“.
Geboren in Usbekistan, aufgewachsen in den USA und seit 1995 in Deutschland zuhause – anfangs in Heidelberg, seit über zwei Jahrzehnten in Berlin – hatte Pekler eine wechselvolle Sozialisation zwischen Noise Rock und Electronica.
Foto: Artwork by Morgan Cuinet
Andrew Pekler: „New Environment and Rhythm Studies“ (Faitiche/ Morr Music); Im Dezember live beim Faitiche-Abend im silent green (Datum wird im August bekannt gegeben)
Mit seinem Solodebüt „Station to Station“ brachte der Soundtüftler 2002 den Geist jazziger Improvisation in die Welt. Bis heute verwandelt er theoretische Konzepte in wohlige Klangkokons – in denen es aber oft unterschwellig gärt.
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