Moskaus Propagandaparade am 9. Mai: Von Luftangriffen ist abzuraten
Putin bietet der Ukraine für den 8. und 9. Mai einen Waffenstillstand an. Kyjiw wird das Angebot wohl ablehnen – das ist verständlich, aber unklug.
R ussland hat für den 8. und 9. Mai eine zweitägige Waffenruhe in seinem Krieg gegen die Ukraine angekündigt – die Tage, an denen des Endes des Hitler-Faschismus gedacht wird. Allem Anschein nach wird die Ukraine dieses Angebot nicht erwidern. Warum auch, fragt man sich in der ukrainischen Führung. Schließlich hatte Putin ja auch die für den 6. Mai angekündigte einseitige ukrainische Waffenruhe ignoriert. Wie du mir, so ich dir.
Nachvollziehbar ist die ukrainische Ablehnung also. Kommt hinzu, dass die Ukraine Putins Show am 9. Mai nicht einfach ungestört zusehen will. Denn in Moskau wird man am 9. Mai nicht nur des Endes des Hitler-Faschismus gedenken. Russlands Führung setzt den Kampf gegen Hitler mit seinem Überfall auf die Ukraine gleich.
Nun überbieten sich beide Seiten mit Drohungen. Sollte die Ukraine die Paraden zum 9. Mai stören, werde man Kyjiw mit Raketen angreifen, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Und Serhi Sternenko, Berater im ukrainischen Verteidigungsministerium, tut auf seinem Telegram-Kanal kund, dass Russen kein Recht auf Leben haben, sie Leiden und Tod verdient haben.
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Sternenkos Drohungen sollte man ernst nehmen. Der frühere Chef des Rechten Sektors von Odessa, der immer wieder mal politische Gegner in Müllcontainer geworfen hat, ist im ukrainischen Verteidigungsministerium für Drohnen zuständig.
Russland wird Angriffe propagandistisch nutzen
Gleichwohl ist der Ukraine von Luftangriffen auf die Paraden des 9. Mai in Russland abzuraten. Und dies aus mehreren Gründen: Russland wird diese ukrainischen Angriffe nutzen, um die ukrainische Führung als Faschisten hinzustellen, die das Andenken an den Sieg über Hitler schmälern wollen.
Dazu kommt: Sollte es der Ukraine gelingen, mit Drohnen eine russische Militärparade zu stören, dann nur unter der Voraussetzung, dass viele Drohnen eingesetzt werden. Denn nur wenige werden durchkommen. Die anderen werden abgeschossen. Und abgeschossene Drohnen über Wohngebieten könnten den Tod von Zivilisten bedeuten.
Außerdem hat die ukrainische Führung jetzt schon ihr Ziel erreicht. Zahlreiche russische Städte haben die für den 9. Mai geplanten Veranstaltungen aus Angst vor ukrainischen Drohen ganz abgesagt.
Leider ist auch die Drohung von Frau Sacharowa, man werde das Zentrum von Kyjiw mit Raketen beschießen, sollte die Ukraine am 8. oder 9. Mai Russland angreifen, ernst zu nehmen. Warum aber das Leben von Kyjiwer Zivilisten riskieren? Ein hoher Preis dafür, Putins Parade die Schau zu stehlen.
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