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Medien in IsraelPropaganda für den Krieg und für Netanjahu

Kommentar von

Tamar Ziff

Immer weiter nach rechts driftet die Berichterstattung im israelischen Rundfunk. Wer kritisch berichtet, riskiert Ächtung und Sanktionen.

Kommt in der israelischen Berichterstattung zu kurz: das Schicksal der Menschen auf der gegnerischen Seite – hier im Gazastreifen Foto: Abdel Kareem Hana/ap

G ut eine Woche nach Kriegsbeginn strahlte Israels beliebtester Nachrichtensender, Kanal 12, ein Interview mit einem Psychiater aus, der Israelis kritisierte, die aufgrund des Konflikts psychische Probleme äußerten. Der renommierte Professor und Buchautor sprach von einer „Bande Primadonnen“. Anstatt sich zu beklagen, sollten sie den israelischen Kampfpiloten dankbar sein. Derselbe Sender strahlte auch Interviews aus mit Familien, die in zu Schutzbunkern umfunktionierten Tiefgaragen Zuflucht gesucht hatten und heldenhaft darauf bestanden, dass ihre Kinder weiterhin Spaß haben.

Seit dem 7. Oktober 2023 sendet das israelische Fernsehen keine kritischen Analysen mehr zu den politischen Entwicklungen und der Regierung. Mit einer Ausnahme: Kanal 13. Das Unternehmen wurde kürzlich von einer Gruppe linksorientierter israelischer Technologieunternehmer übernommen und vertritt seither eine distanzierte Haltung gegenüber der israelischen Regierung, auch und vor allem mit Blick auf den jüdischen Terror im Westjordanland.

Die große Mehrheit der Bevölkerung konsumiert eine unkritische Berichterstattung. So ist es wenig verwunderlich, dass laut einer Mitte März vorgenommenen Umfrage 93 Prozent der jüdischen Israelis den Krieg gegen Iran befürworten. 74 Prozent gaben an, die Entscheidungen von Premierminister Benjamin Netanjahu zu unterstützen. Die jüdischen Israelis vertrauen auch nach mehreren Wochen des zerstörerischen Krieges, der weder in Iran noch im Libanon erkennbare Sicherheitsgewinne brachte, weiterhin dem Regierungschef.

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Und das, obschon Netanjahu Zahlungen an die Hamas tätigte, Geld aus Katar annahm und die Verantwortung für das Massaker vom 7. Oktober sowie den längsten Krieg in der Geschichte Israels trägt. Diese Themen werden in den etablierten Nachrichtensendern kaum erwähnt. Die Regierung beharrt darauf, dass die Verantwortlichen für das Scheitern der Ereignisse vom 7. Oktober nahezu ausschließlich in den Reihen der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) zu finden sind.

Unbequeme Fragen unerwünscht

Der Krieg in Iran wird derweil dauerhaft thematisiert. Die Sender hatten einen möglichen US-Angriff erwartet und loben nun regelmäßig den Mut der Piloten sowie die militärischen Erfolge der israelischen Streitkräfte. Die Diskussionsteilnehmer vermeiden ungemütliche Fragen wie die, ob die Zerstörung Irans und Libanons überhaupt der Sicherheit Israels nützt. Regelmäßig zu sehen ist stattdessen der Armeesprecher, wenn er vor Journalisten die offiziellen Stellungnahmen vorträgt.

Nach den Attentaten auf hochrangige Offiziere der Revolutionsgarden beanspruchte Netanjahu diese militärischen Erfolge zunächst für sich. Als klar wurde, dass das iranische Regime durch den Krieg nicht gestürzt werden würde, schob Netanjahu die Schuld für die Kriegsentscheidung auf Mossad-Chef David Barnea. Die Methode ist banal: Wenn die israelischen Streitkräfte oder andere Sicherheitskräfte versagen, trägt Netanjahu keine Verantwortung. Wenn sie siegreich sind, erntet er die Lorbeeren.

Wenn die Armee versagt, trägt Netanjahu keine Verantwortung. Wenn sie siegt, erntet er die Lorbeeren.

Todesfälle und Vertreibungen in Iran und Libanon sind selbstredend kein Thema im israelischen Rundfunk. Ähnlich wie während des Krieges im Gazastreifen werden die etablierten Medien instrumentalisiert. Nach dem Massaker vom 7. Oktober besteht ihre Aufgabe darin, die öffentliche Moral und die Einheit im Volk zu stärken. Externe Experten kommen nicht zu Wort. Es sind jüdische Israelis, die über die Entwicklungen in Israel berichten. Nachrichten aus dem Ausland spielen eine untergeordnete Rolle.

Gleichzeitig wird politischer Druck ausgeübt, wenn Medien nicht die offizielle Regierungslinie vertreten. Während und nach dem Gaza-Krieg starteten regierungsnahe Aktivisten Kampagnen, um Journalisten zu schikanieren, die die Regierung oder die israelischen Streitkräfte kritisierten. So erhielt der Journalist Guy Peleg von Kanal 12 nach seinem Bericht über die Misshandlung eines palästinensischen Gefangenen durch israelische Reservisten Morddrohungen von Anhängern der nationalistischen Koalition.

Krieg für Netanjahus Wahlkampf

In einem anderen Fall geriet Yonit Levi, Chefmoderatorin von Kanal 12, die es wagte, der Regierung mit Blick auf das Aushungern der Menschen im Gazastreifen „moralisches Versagen“ vorzuwerfen, ins Visier von rechtsgerichteten Aktivisten und Journalisten. Im Januar 2026 kündigten Minister von Netanjahus Likud-Partei und andere Knesset-Abgeordnete sogar einen Boykott von Kanal 12 an wegen der Berichterstattung über den Missbrauchsskandal im fraglichen Gefängnis. Kommunikationsminister Schlomo Karhi bezeichnete den Sender als „Propagandaorgan“, das dazu diene, „Lügen“ zu verbreiten und Israel in Kriegszeiten zu diffamieren.

Infolge dieser politischen Zwänge, darunter aktuell die geplante Kürzung der Mittel für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die mögliche Schließung des eher linksgerichteten Armeeradios sowie mehr Kontrolle über die Berichterstattung von staatlicher Seite, gleiten gemäßigtere und verlässlichere Sender (wie Kanal 12) immer weiter nach rechts und gleichen zunehmend Kanal 14, dem ultranationalistischen Propagandaorgan der Regierung. Kanal 14 nahm 2021 den Sendebetrieb auf und erreichte während des Krieges im Gazastreifen höchste Einschaltquoten.

Bild: privat
Tamar Ziff

ist Redakteurin bei der israelischen Zeitung „Ha’aretz“ und lebt in Tel Aviv.

Kommentatoren und sogar rechtsgerichtete Minister forderten so häufig die Zerstörung Gazas, dass eine Gruppe israelischer linker NGOs versuchte, den Sender wegen „Anstiftung zu Kriegsverbrechen, Gewalt und Rassismus“ zu verklagen – natürlich erfolglos. Der Sender empfängt den Premierminister regelmäßig zu schmeichelhaften Interviews in einer seiner Flaggschiff-Sendungen, „Die Patrioten“.

Die Chancen auf eine objektive oder kritische Analyse der Regierungsmaßnahmen und der darauffolgenden Proteste in Israel schwinden zusehends. Der aktuelle Krieg zwischen Iran, Libanon und Israel dient Netanjahu als Wahlkampfinstrument und Ablenkungsmanöver. Er will seine militärischen Erfolge bei den Wählern vermarkten und sich von seinem Korruptionsprozess sowie dem Versagen am 7. Oktober 2023 distanzieren.

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30 Kommentare

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  • Die Verantwortung für das Massaker vom 7. Oktober 2023 tragen ausschließlich die, die es begangen haben: die in Gaza noch immer regierende Hamas und die mir ihr verbündeten übrigen arabischen Terrorgruppen!

    Hier eine Verantwortung der israelischen Regierung zu konstruieren, ist eine unglaubliche Verdrehung der Tatsachen und eine beschämende Täter-Opfer-Umkehr!

    • @SeineKaiserlicheUndKöniglicheApostolischeMajestät:

      Die Verantwortung ein derartiges Massaker zu verhindern, tragen die israelischen Sicherheitskräfte. Das gehört mit zu den Aufgaben eines Staates.

      Das Versagen hat die IDF in ihrem Untersuchungsbericht selbst eingestanden. Können sie überall nachlesen oder den Link der Deutschen Welle folgen.

      Etwas anderes sagt der Artikel auch nicht aus.

      www.dw.com/de/isra...all-ein/a-71779317

  • Und Deutschland ist Komplize mit massiven Waffenexporten und Sanktionsblockaden, niemals vergessen bitte.

    Nach 4 Völkermorden und 2 Weltkriegen im letzten Jahrhundert, ist Deutschland nun wieder aktiv an Menschheitsverbrechen beteiligt und wer was dagegen sagt, wie der Palästinenser in der Berlinale, der wird als Antisemit diffamiert und mundtot gemacht.

    • @Schahin Heydari Moghaddam:

      Dafür, daß die, die etwas gegen die angebliche aktive Beteiligung an Menschheitsverbrechen - was ist das eigentlich? - mundtot gemacht werden, sind sie aber in den sozialen Medien, verschiedenen Kommentarspalten und gerade auch auf den Straßen Berlins in den letzten Monaten ziemlich laut gewesen. Oder meinen Sie eigentlich, daß Sie diese Behauptungen gerne unwidersprochen der Welt kund tun möchten?

      • @SeineKaiserlicheUndKöniglicheApostolischeMajestät:

        "die angebliche aktive Beteiligung an Menschheitsverbrechen - was ist das eigentlich?"

        Hier hilft ihnen das Völkerstrafrecht weiter.

        Aktive Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Völkerstraftaten stellt u.a. die Beihilfe dar.

        Dazu zählen unterstützende Handlungen, wie die orgarnisatorische Beteiligung in Form von Waffenlieferungen, bei systematischen Angriffen auf die Zivilbevölkerung.

        Kurz zur Erinnerung, die Motoren und Getriebe für die in Gaza eingesetzten Panzer wie der Merkava 4, werden in Deutschland von Renk und MTU produziert.

        • @Sam Spade:

          Meine Frage bezog sich in erster Linie auf den Begriff des "Menschheitsverbrechen", den es, wenn ich das richtig sehe, juristisch nicht gibt, auch wenn er sich natürlich in einem Kommentar sehr bedeutsam anhört und einen schlagartig in die luftigen Höhen des moralischen Rosses katapultiert.



          Und jede Beteiligung, ob in Form der Beihilfe oder in anders, setzt ersteinmal ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit voraus - und dieser Beweis wurde bis jetzt noch nicht erfolgreich angetreten.

          • @SeineKaiserlicheUndKöniglicheApostolischeMajestät:

            Nun gut, wir sind hier ja nun auch nicht im Schulthess Forum für Völkerrecht, insofern ist ihr Hinweis auf den Begriff "Menschheitsverbrechen" des Foristen Moghaddam reine Wortklauberei.

            Beweise für die Kriegsverbrechen Israels in Gaza gibt es genügend, daran mangelt es nicht. Und da sie schon die juristische Komponente erwähnt haben, es bedarf nicht erst einer gerichtlichen Bestätigung um Verstöße gegen die Menschenrechte als erwiesen zu betrachten. Das kann auch eine UN Kommission attestieren.

            Die rechtliche Wirkung ist dabei ein anderes Thema. Da geht es um die strafrechtliche Verfolgung und dafür bedarf es natürlich eines Rechtsurteils.

    • @Schahin Heydari Moghaddam:

      ""...der Palästinenser während der Preisverleihung in Berlin""



      =



      Abdallah Alkhatib hat der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, "Partner des Völkermords in Gaza zu sein". Alkhatib weiter: "Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war."



      =



      Berlins Regierender Bürgermeister Wegner erklärte daraufhin es geht den Pro-Palästina-Aktivisten nicht um Menschenrechte. Es gehe ihnen allein um "Israel-Hass".



      =



      Darüber hinaus - abseits des abstrusen seltsamen Vorwurfs von Alkhatib: Die Bundesrepublik ist mit Sicherheit aus vielen Gründen nicht der Ort seinen Israel - Hass auszuleben.

      • @zartbitter:

        Sie betreiben nur Politik. Behauptung über Behauptung. "Abstrus" zum Beispiel. Wieso abstrus? Was ist miT Nicaraguas Klage? Was mit rechtlichen Gutachten zu Waffenlieferungen an kriegsführende Staaten unter Mitwisserschaft von deren Einsatz? Das ist nicht abstrus.



        Auch hat da snichts mit Israelhass zu tun, nächste Behauptung. Das ist Kritik an sehr großen Verbrechen in Gaza gewesen und an dem nun eingetretenen Zustand dort. Daran ist nichts abstrus, das sind Fakten was dort vorgefallen ist und was nun dort übrig ist.



        Was Wegener sagt soll er sagen, aber das mache ich mir im Gegensatz zu Ihnen nicht zu eigen. Es ging wohl um protest aus meiner sicht und es war auch keine "Drohung" aber das wurde auch hier bei der Taz schon ausreichend analysiert und diskutiert wie weit der Vorwurf hergeholt ist.



        Sie machen hier nur Politik mit Behauptungen, etwas anderes sind ihre Beiträge nicht.

  • Israel reiht sich nahtlos in die länger werdende Reihe der zunehmend autokratischen Staaten ein, und eine Mehrheit der jüdischen Israelis scheint das zu befürworten. Sage mir Keine*r, dass das nur mit dem 7. Oktober zu tun hat.

    • @Klabauta:

      ""Sage mir keiner......""



      =



      Zitat: ""Wer aber überrascht ist über diesen Angriff, ( oder positiv formuliert nach Antworten sucht) hat die vergangenen Jahrzehnte verschlafen. Israel kann nicht akzeptieren, dass Teheran die Bombe - (odere ballistische Langstreckenraketen die Europa erreichen) - bekommt. Niemand kann das – und doch wurde die Gefahr kleingeredet.



      =



      Man glaubte an Verträge. An Diplomatie. Auch bei Russland glaubte man das. Bis Panzer rollten. Der Westen glaubte an das Gute im Mullah. Aber religiöse Fanatiker geben nichts auf weltliche Versprechen. Sie leben für den Tod.



      =



      taz.de/Israels-Pra...ivschlag/!6092623/

      • @zartbitter:

        Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mich verstanden haben. Meiner Meinung nach ist die Autokratisierung Israels (die sich u.a. in der Einschränkung der Pressefreiheit äußert) keine Folge des 7. Oktobers, sondern einer Politik der israelischen Rechten, deren Ziel u.a. ein Großisrael (siehe Aussagen dazu von Smotrich), ein ethnisch "reiner" jüdischer Staat mit einer marginalisierten arabischen Bevölkerung (Nationalstaatsgesetz) und die Verhinderung eines Palästinenserstaates ist. Begleitet von der in Autokratien üblichen Korruption und Selbstbereicherung.



        Um diese Ziele zu erreichen, braucht es die Wagenburgmentalität einer sich ständig von außen bedroht wähnenden Bevölkerung, die jedes, wirklich jedes Handeln der Regierung Netanjahu mitträgt.



        Ich bin schon jetzt gespannt auf Frau Zinghers nächsten Beitrag in dieser Zeitung.

        • @Klabauta:

          Könnten Sie bitte einmal erklären, was so ein "Großisrael" eigentlich sein soll? Der Begriff macht sich propagandistisch recht gut, aber wenn Sie einmal in die Bibel schauen, da finden Sie an drei Stellen (Genesis 15,18–21; Numeri 34, 2–12; Ezechiel 47, 15–20) doch sehr stark von einander abweichende Versionen.

          • @SeineKaiserlicheUndKöniglicheApostolischeMajestät:

            Um das zu verstehen bedarf es doch etwas mehr als nur Bibelstellen zu vergleichen.

            Bin ich im taz Forum aber mittlerweile schon dran gewöhnt, daher zu früher Stunde die Fortsetzung meiner kleinen Rubrik "falsche Interpretationen von Bibeltexten"

            Nehmen wir als Grundlage die hebräische Bibel.

            Gott hatte Abraham in Genesis 17:8 das Land Kanaan verheißen, ohne jedoch die genauen Grenzen zu benennen.

            Diese Ausgestaltung findet sich in groben Zügen erst in Genesis 15 wieder. Die Grenzen hier liegen weiter östlich, als die in Numeri 34 festgelegten.

            Kurzgefasst in der Auslegung des Philippus: Gott hat den Israeliten beim Einzug das wesentlich kleinere Land zugewiesen und damit den Ungehorsam ihm gegenüber bestraft.

            Gemäß der Bibel sind die Grenzen in Numeri 34 von Gott festgelegt und das Gebiet wurde unter den neun Stämmen aufgeteilt.

            Das Land Kanaan erstreckt sich auf das Land zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan sowie den heutigen Libanon und einen Teil des heutigen Syrien.

            Das ist gemeint wenn heute von einem Großisrael die Rede ist.

            Die genauen Verläufe sind auch in Numeri 34 aufgeführt und weichen auch nur in zwei Punkten von denen des Propheten Ezechiel ab.

      • @zartbitter:

        Israel und Russland waren doch bis 2023 enge Verbündete in Nahost. Israel hat die russische Invasion in die Ukraine nie verurteilt, weil man Russland damals noch brauchte. Und nach dem 7. Oktober steht Russland zwar aufseiten der Israelkritiker, aber Israel immer noch nicht klar im Lager der Putinkritiker.

        • @Günter Picart:

          Nach dem 7. Oktober 2023 nahm Russland eine israelkritische Haltung ein. Es dauerte 10 Tage, bis Putin Netanjahu kondolierte. Dabei vermied er es, das Massaker als solches zu benennen. In den folgenden Monaten wurde deutlich, dass die Positionierung Russlands im Nahostkonflikt der Logik folgt, die auch im Ukrainekrieg vorherrscht.



          =



          Putin behauptete, der Krieg in Gaza wäre die Konsequenz westlicher Ambitionen und insbesondere der Politik der USA, die den Nahostkonflikt "monopolisiert" und sich damit über die internationale Ordnung hinweggesetzt hätten. Der Krieg in Gaza würde sich in die imperialen Bestrebungen des Westens einfügen und gegen Antikolonialisierungsbewegungen des sogenannten globalen Südens gerichtet sein.



          =



          Israel positioniert sich heute so, als hätte es von Anfang an auf ukrainischer Seite gestanden. Während der Gedenkveranstaltung zum bereits 2 Jahre andauernden Krieg in der Ukraine hielt der israelische UN-Botschafter Erdan im Februar 2023 eine Rede vor der General-



          versammlung. Er sprach davon, dass sowohl die Ukraine als auch Israel für die eigene territoriale Integrität & Souveränität kämpften. Damit verglich er implizit die Hamas und Russland,

  • zu @Okti: Mit der Ausnahme dass Russland seit Jahrzehnten ein stark autokratisches Regime ist, und in Israel immernoch auf dem Papier die Meinungsfreiheit herrscht, aber die wenigsten fühlen sich moralisch dazu hingezogen gegen diese Kriegsverbrechen zu demonstrieren.

  • ""Die Chancen auf eine kritische Analyse der Regierungs-maßnahmen und der darauffolgenden Proteste in Israel schwinden zusehends. ""



    ""Die große Mehrheit der Bevölkerung konsumiert eine unkritische Berichterstattung.""



    =



    Das es Aktivitäten gibt den israelischen Soldatensender/Radio zu schliessen wurde auch in anderen Medien -- Washington Post und Deutsche Welle -- beschrieben. Das aber die Mehrheit der Israelis unkritische Berichterstattung konsumier sieht eher nach einem Kurzschluss aus.



    Aktuelle Umfragen in Israel (Anfang 2026) zeichnen ein komplexeres Bild der sozialen und sicherheitspolitischen Lage:



    66 % der Israelis befürworten ein Ende des Gaza-Krieges und



    64 % der Israelis fordern den Rücktritt von Premierminister Netanjahu. Die Sorge um die nationale Sicherheit in Israel ist groß.



    Das Netanjahu die Mehrheit in Umfragen verloren hat ist doch ein Ergebnis, das sich kritische Berichterstattung gegen Netanjahu mehrheitlich durchgesetzt hat.



    =



    Beim Vergleich der Inhalte von deutschen und israelischen Medien existiert eine tiefe Kluft - es scheint ein Vorurteil zu existieren selbst klare Fakten aus israelischen Medien nicht in deutschen Medien zu zitieren.

    • @zartbitter:

      Die Autorin schreibt für Haaretz. Da denke ich, dass sie vermutlich einen guten Einblick über den Medienkonsum in Israel hat.

  • Was soll Netanjahu machen? Er steht mit dem Rücken zur Wand, und er weiß schon jetzt, dass dieser Krieg ein böses Ende nehmen wird. Die Feinde Israels werden nämlich nicht vernichtet sein, eine uneingeschränkte regionale Hegemonie Israels wird es nicht geben und die Gefahr für Israels Sicherheit und Existenz wird größer denn je sein. Netanjahu ist gescheitert wie Trump gescheitert ist - am eigenen Größenwahn.



    Denn was jetzt geschieht war lange absehbar!



    Die Propaganda, das Einschränken der Pressefreiheit dienen jetzt nur noch dazu, die Stunde der Wahrheit hinauszuzögern. Wir kennen das aus der eigenen Geschichte ! Wichtig für Netanjahu: die MAGA-Gemeinde, die fanatischen Evangelikalen in den USA müssen mit den richtigen Informationen gefüttert werden . Das stützt Trump, denn ohne die massive finanzielle u. militärtechnische Unterstützung der USA stünde Israel sehr schnell blank da. Schließlich steht für Israel ungleich mehr auf dem Spiel als für die USA . Ob Netanjahu und Trump in ihrer misslichen Lage auch den Standpunkt vertreten, dass wenn dieser verdammte Krieg nicht das gewünschte Ende nimmt, alles um sie herum eben auch untergehen soll, lässt sich schwer sagen.

  • Der Versuch der Gleichschaltung der Medien ist traditionell eine der wichtigsten Strategien des rechten Randes. Egal, ob in den USA, Russland oder Israel

  • Kennt mensch aus Russland. Wenn ein Völkerrechtswidriger Angriffskrieg geführt wird, radikalisiert sich die Bevölkerung (und damit natürlich alle gesellschaftlichen Bereiche), um die moralische Verwerflichkeit, und die damit einhergehende internationale Ächtung, kollektiv zu verdrängen. Aber sowie Russland, hat auch die israelische Bevölkerung sich für einen korrupten, faschistischen Führer entschieden und wird später mit den Folgen des eigenen Handelns zu kämpfen haben.

    • @Okti:

      Rußland hat sich für einen korrupten, faschistischen Führer entschieden? In demokratischen, d.h. geheimen, freien und gleichen Wahlen?

      • @SeineKaiserlicheUndKöniglicheApostolischeMajestät:

        Freie Wahlen, nein. Aber eine Bevölkerung kann jederzeit eine Regierung loswerden. Oder meinen Sie der Zweite Weltkrieg war Hitlers persönlicher Krieg und die arme deutsche Bevölkerung konnte nix dafür? Regierungen, seien sie autoritär oder demokratisch, entstehen nicht im luftleeren Raum. Billigung, Apathie, etc. sind indirekte Unterstützung. In Russland unterstützt eine signifikante Minderheit das faschistische Regime, und der Rest duckt sich weg, ist schon geflohen, oder sitzt in Gulags bzw. wird an der Westfront verheizt.

        Abgesehen davon, Demokratien gibt es auf dieser Welt ohnehin nicht. Dieses politische System ist mit dem Kapitalismus nicht kompatibel, und die paar verbleibenden "kommunistischen" Staaten sind alle Diktaturen, meines Wissens.

        • @Okti:

          Eine Bevölkerung kann jederzeit eine Regierung loswerden? Das finde ich interessant, weil dann erklären Sie doch bitte, wieso die Bevölkerung in Gaza seit 20 Jahren die Hamas nicht los wird, wenn sie das doch Ihrer Meinung nach jederzeit könnte? Oder sagen Sie damit implizit, daß die Bevölkerung in Gaza hinter der Regierung der Hamas und damit natürlich auch dem 7. Oktober 2023 steht? Wobei es für die Unterstützung des 7. Oktober 2023 nicht nur ausreichend Video- und Tonmaterial gibt - man denke nur an den berüchtigten Mitschnitt eines Telephonats am 7. Oktober 2023, in dem ein junger Mann seinem Vater ekstatisch mittteilt, daß er gerade zehn Juden mit eigenen Händen ermordet hat -, sondern auch recht vertrauenswürdige Umfragen (www.pcpsr.org/en/node/1000).

  • Klingt fast schon nach Russland (und Ungarn und Trumpistan und und und...).

    • @Gothograecus:

      Menschliche Gemeinschaften neigen dazu, sich an Ereignisse und Umstände zu gewöhnen, die erstmal ein Schock für sie waren. Und in Ländern wie dem autoritären Russland, wo die Menschen das Gefühl haben, sie hätten keine Macht, um politische Prozesse zu beeinflussen, werden Anpassung und Normalisierung dann zu Überlebensstrategien.

      Das hat weniger mit Radikalisierung zu tun, als damit das sie sich mit einer Beurteilung des Krieges zurückhalten, sich Werturteilen zu der Situation enthalten und sich eher zurückziehen.

      Aus Umfragen zur Befürwortung eines Krieges kann man daher nicht viel ableiten. Das Ergebnis wird schon allein durch die Fragestellung beeinflusst. Um sich ein genaueres Bild vom Zustand der Gesellschaft machen zu können, bedarf es in der Breite angelegter Feldforschungen. Zu Russland gibt es die schon seit längerer Zeit, in Deutschland und in anderen Ländern.

      Aus diesen lässt sich erkennen, das die Gesellschaft gespaltener in ihren Positionen, aber nicht grundlegend radikaler geworden ist. Mit einer ähnlichen Konstellation dürften wir es auch in Israel zu tun haben.

      Die Bevölkerung vorschnell als radikalisiert oder rechts zu beschreiben trifft es daher eher nicht.

      • @Sam Spade:

        Es gibt genug Befragungen und Interviews mit einfachen Bürger: innen in und außerhalb Russlands, und auch wenn diese mit Vorsicht zu genießen sind, ist der grundlegende Tenor eine Unterstützung des Krieges, und seit einiger Zeit auch eine zusehende Verherrlichung. Das mag natürlich nicht auf alle zutreffen, aber wenn sich eine Bevölkerung an eine faschistische Regierung und ihr imperialistisches Gebahren "gewöhnt", wie Sie selbst sagen, dann ist das von außen betrachtet eine Radikalisierung.

      • @Sam Spade:

        War eigentlich als Antwort auf den Kommentar von Okti gedacht.

        • @Sam Spade:

          Ich hab mich schon gewundert :)