Lieder über Wale: Zu Ehren Timmys – das sind die besten Wal-Songs
Ruhe in Frieden, Timmy. Hätte der Wal vom Timmendorfer Strand anstelle einer Seebestattung eine Beerdigung bekommen, hätten diese Songs laufen müssen.
Timmy, der Wal vom Timmendorfer Strand, ist nicht der tote Wal, der vor dänischen Insel Anholt angespült worden war. So erklärte es bei einer Pressekonferenz am Mittwoch zumindest die Kleintierärztin Kirsten Tönnies aus dem „Team Hope“, in der Tasche ein paar dubiose DNA-Analysen. Wir finden das vollkommen nachvollziehbar – Trauer braucht schließlich Zeit. Und geht es bei jedem Wal, der leidet, nicht auch um viel mehr? Um die großen Gefühle, unser Weltverhältnis, das Menschsein? Die ganz fetten Brocken eben? Zu Timmys Ehren haben wir darum die definitiv allerbesten Lieder über Wale zusammengetragen. Diese Wal-Songs dürfen bei keiner Seebestattung fehlen.
1. Rettet die Wale – Gustav (2004)
… und stürzt das System! In ihrem revolutionären Chanson für die Ewigkeit fängt die österreichische Musikerin Eva Jantschitsch unerbittlich schön die wichtigsten – und einfachsten – Dinge im Leben ein: Tauben füttern, Müll trennen, Kinder kriegen, Jugend vergeuden, Liebe machen.
„Rettet die Wale“ ist eine unbeschwerte und gleichzeitig ziemlich traurige Anleitung zum Menschsein. „Lasst den Kindern ihre Meinung, oder treibt sie lieber ab“ kann als Ratschlag für jede und jeden gelesen werden, aber auch als Maßstab für eine Zivilisation.
Zutiefst menschlich ist daran auch das innige Bedürfnis, einfach mal gesagt zu bekommen, wie das mit dem Leben so funktioniert, selbst wenn es mal bitter endet. Wer weiß, vielleicht hat Timmy sich die eine oder andere Zeile zu sehr zu Herzen genommen. Wem das gefällt, der oder dem gefällt auch: „Tragt Sonnenschutz“ von Faktor 7.
2. Songs of the Humpback Whale – Dr. Roger Payne, Katy Payne (1970)
Das wichtigste und meistverkaufte Wal-Album aller Zeiten ist „Songs of the Humpback Whale“ von Dr. Roger Payne und Katy Payne. Die beiden Zoologen und Bioakustiker zeigten erstmals einer breiten Öffentlichkeit, wie Wale wirklich klingen. Die aufgenommenen Buckelwale singen, schreien, sprechen, dichten – und traten mit ihren Liedern eine beispiellose Lawine los: Der gigantische Erfolg trieb Umweltbewegte auf der ganzen Welt in die kollektive Wal-Manie. Über 100.000 Mal wurde das Album verkauft. Die Walgesänge gaben der Natur eine Stimme, der Wal wurde zum Symbol für Umweltschützer*innen weltweit.
Künstlerinnen und Künstler der Zeit griffen das Sujet auf und machten Wale zum popkulturellen Phänomen – bis in den 90er-Jahren sogar in der Bravo Mini-Schallplatten mit Wal-Sounds erschienen.
Die Geschichte hinter den Aufnahmen verrät so viel über Wale wie über die Menschen selbst. Roger Payne hörte Ende der 60er-Jahre von einem gestrandeten Wal in der Nähe von Boston und fuhr kurzerhand zum Strand. Dem dort liegenden Kadaver hatten Souvenir-Jäger bereits die Flossen abgehackt, irgendjemand hatte seine Initialen in die Flanke geritzt. Im Blasloch steckte ein Zigarrenstummel. „Jeder hat solche Erlebnisse, die einen fürs Leben prägen“, schrieb er danach im Album-Booklet. „Diese Nacht war meins.“
3. Rettet die Wale – Die Ärzte (2000)
Irgendwie sind Wale doch auch ganz schön kitschig. Die traurigen Gesänge, diese ostentative Einsamkeit im weiten Meer, die ganze Öko-Romantik drumherum. Aber können Wale nicht doch Punk sein? Das fragten zur Jahrtausendwende die Ärzte und antworteten auch gleich selbst: Ja, denn „hier geht es um viel mehr. Wale sind die größten Sympathieträger.“
„Ihr habt bestimmt gerade was Besseres zu tun, als mir zuzuhören. Ihr seid bestimmt damit beschäftigt, euer Hirn völlig zu zerstören“, singen zeitlos aktuell Bela, Farin und Rod. „Doch diesmal ist es ernst, diesmal ist es wirklich wichtig: Passt schön auf, fahrt vorsichtig und RETTET DIE WALE!“. Warum? „Wir haben Wale einfach lieb!“, reicht als Erklärung. Nebenbei bewiesen sie lässig: Wer’s richtig macht, darf auch „Yeah, yeah“ und „Oh, oh“ singen.
Das funktioniert genauso gut in der japanischen Version des Liedes, „Kujira wo Sukue“, ebenso von Die Ärzte. Angesprochen ist damit natürlich die ewige Grande Nation des Walfangs, Japan. Der Schlussgruß passt auch: „Und schaltet die Atomkraftwerke aus!“
4. Der Wal – Funny Van Dannen (2005)
Dass in Liedern über Wale für gewöhnlich die ganz großen Themen verhandelt werden, dürfte inzwischen klar geworden sein. In „Der Wal“ covert Funny Van Dannen die Toten Hosen („Walkampf“, 2004) und singt über Ohnmacht und Verantwortung, Selbstzweifel und die Gewalt der Natur – nur eben besser als die rockigen Kollegen um Frontsänger Campino.
„Schieb den Wal, schieb den Wal, schieb den Wal zurück ins Meer!“, singen bei Funny Van Dannen der Wind, die Wellen, die Sterne, aber auch die Polizei und die Familie. Der Mensch fleht, bettelt, schiebt und kämpft, aber schafft es einfach nicht. „Der Wal lag unverändert da, er hat mich angesehen.“ Die Möwen schreien: „Wieder nicht geschafft.“ Ein Monument des Scheiterns.
Was wir daraus lernen: dass Bezwungenwerden schön, die Niederlage auch ganz gemütlich sein kann. Besonders natürlich, wenn man so gut mitsingen kann wie hier – und zwar bis alle Sterne fiepen: „Schieb den Wal, schieb den Wal …!“
5. Er hat sich das nicht ausgesucht – Valkyra Solara (2026)
„ER HAT SICH DAS NICHT AUSGESUCHT! NICHT DAS LEID, NICHT DIESEN ORT!“, singt, nein brüllt Melanie Rohloff a.k.a. Valkyra Solara mit rauchiger Stimme ins Smartphone. Und wer da nicht gleich laut mitschreien möchte, kann einfach kein Herz haben.
Geradeaus, wie der Schlager nun mal so ist, vertont hier eine KI Timmys stilles Leiden: „Müde Flossen“, „ein letzter Blick ins Licht“, der Herzschlag-Beat reißt mit. Das Video kommt Tiktok-tauglich im Hochkantformat daher. „Natürlich haben wir da Mitgefühl“, kommentiert Zeit-Feuilletonistin Elisabeth von Thadden. „Weil wir das nur zu gut kennen, dass wir auf irgend so einer Sandbank festhängen – seelisch, physisch, irgendwie.“
Die Verzweiflung schlägt hier in Wut um und wird zur Anklage, die im Abgang etwas bitter nach Volkszorn schmeckt. „Er hat sich das nicht ausgesucht“ ist ein verzweifelter und allzu menschlicher Rundumschlag. Mit Sätzen wie „Und ihr steht da und redet!“ oder „Für mich ist das kein Tierschutz mehr“ sucht aber jemand einen Sündenbock.
Für die Ewigkeit? Nein. Bitte auch nicht für den offiziellen Teil von Timmys Trauerfeier. An der Bar darf dazu aber sicher die eine oder andere Träne fließen.
6. Sprengt den Wal! – TULPE
Auch TULPE, eine bis dato weniger bekannte junge Rockband aus Münster, landeten mit ihrem Song einen Social-Media-Erfolg.„Sprengt den Wal!“ ist eine Satire auf wilde Reaktionen auf Timmy, den Wal – und ein Ohrwurm wie aus dem Liederbuch.
In der Zeile „Sprengt den Wal, macht ihn weg, lasst es Wal-Salami regnen und Kotelett“ wird die Trauer um Timmy auf links gedreht. „Wenn man Timmy einfach sprengt, wär das kosteneffizient“, singen TULPE und kommentieren damit laut vorgetragene, einfache Lösungen.
„So viel Ärger um ein Fischstäbchen“ ist natürlich ignorant, aber ein echter Volltreffer als Kommentar auf KI-generierte Lieder über Wale, die im Mai 2026 massenhaft das Internet fluteten. Für Neugierige: „Wir nennen dich HOPE“ von Claudia Voss, „Hope, der Wal“ von DarkSedas, „Wal H-O-P-E Song“ von Mando Project, „HOPE (STILLE WELLEN)“ von MusicGrooveSphere Global Realmetallove.
Der perfekte Abschluss für jede Wal-Beerdigung. Oder fehlt da nicht doch noch ein ganz bestimmtes Lied?
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