Landtagswahl in Baden-Württemberg: FDP komplett rasiert
Die FDP fliegt knapp aus dem Stuttgarter Landtag. Wäre mit einer anderen Spitzenkandidatin mehr drin gewesen?
Um Haut und Haar ging es bei der FDP im Südwesten. Und zwar wörtlich. Wenn die Partei nicht mehr in den Landtag komme, hatte die Bundesgeneralsekretärin angekündigt, werde sie sich die Haare abrasieren.
Eine kahle Generalsekretärin dürfte nun das geringste Problem der Partei sein. Sie landete bei 4,4 Prozent der Stimmen. Wenn sie noch nicht einmal im Stammland die Fünfprozenthürde schafft, könnte es nun endgültig vorbei sein mit den Liberalen.
Möglicherweise wäre es im Südwesten anders ausgegangen, wenn die Südwest-Liberalen einen echten Neuaufbruch gewagt hätten, statt mit dem Stammpersonal in den dritten Landtagswahlkampf zu gehen.
Hatten die Stammwähler Angst vor ihr?
Wie so ein Neuanfang hätte aussehen können, konnte man im Wahlkampf mit jener Generalsekretärin sehen. Nicole Büttner hat eine internationale Karriere als Investmentbankerin und Start-up-Gründerin hingelegt. Aufgewachsen ist sie zwischen Pforzheim und Karlsruhe, als Tochter einer jamaikanischen Hebamme und einem Mediziner, sie bedient vieles, was die FDP eigentlich gern sein will. Wirtschaftskompetent, weltoffen und leistungsorientiert. Vielleicht das, wovor manch Liberaler im Südwesten sogar ein bisschen Angst hat. Denn hier wird die FDP vor allem vom kleinen Mittelstand und Handwerkern gewählt.
Die Partei führt hier seit Jahrzehnten mit Michael Theurer erst ein Oberbürgermeister und dann mit Hans-Ulrich Rülke ein beurlaubter Gymnasiallehrer. Jedenfalls war man in der Landespartei wenig begeistert, als der Bundesvorsitzende Christian Dürr ausgerechnet Büttner zu seiner Generalin machte. Was gut passte, weil schon Lindner diesen Posten in Krisenzeiten an eine Frau vergab, um sie dann, als es besser lief, rüde aus dem Amt zu schubsen. In der Bundespartei war man eher angetan von dem überraschenden Vorschlag. In der Landespartei dagegen wollte man lieber andere und vor allem Männer in die Parteispitze lancieren.
Eine Frau wie Büttner als Spitzenkandidatin hätte dem Wahlkampf ums Überleben in Baden-Württemberg eine ganz andere Aufmerksamkeit geben können. Nicht wenige in der Partei folgten eher lustlos ihrem Spitzenkandidaten Hans-Ulrich Rülke, der nun auch ein drittes Mal sein Ziel verfehlt haben dürfte, seine Partei in die Regierung und auch sich selbst an den Kabinettstisch zu führen.
2016 hatte er dafür kurz vor der Wahl eine Ampel ausgeschlossen. 2020 wäre er dazu bereit gewesen, aber Kretschmann, der ein schwieriges Verhältnis zum Polemiker Rülke pflegt, verhinderte das, auch gegen starke Stimmen in seiner Partei. Das Ampelaus im Bund hat ihm wohl recht gegeben. Jetzt, im Wahlkampf, setzte die Rülke-FDP auf Verbrenner-Vorfahrt, Kernkraft und Argentinien als Vorbild und hoffte auf eine Koalition mit einer starken CDU und der SPD.
Daraus wird nun nichts. Am Wahlabend kündigte Spitzenkandidat Rülke an, Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen und vom Landesvorsitz zurückzutreten. Und auch für die kommende Wahl in Rheinland-Pfalz, wo die FDP aktuell an einer Ampelkoalition beteiligt ist, ist das Abschneiden kein gutes Omen.
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