Kolumne Eier

Männer haften für ihre Mitmänner

Ja, es tut weh, mit Idioten und Schlägern in einen Topf geworfen zu werden. Aber die Lösung ist nicht Jammern, sondern dass der Topf leerer wird.

Fries am Eingang eines Gerichts

Sollte man nicht stets unterscheiden zwischen Männern und Tätern? Eingang des Kriminalgerichts Moabit Foto: dpa

Ja, es tut weh. Grob unfair ist es auch. Dieses Gerede über „die Männer“ und wie gewalttätig wir sind, dass wir ein Problem sind, ein Ärgernis. Es häufen sich die pauschalisierenden Aussagen über Männer – Feministinnen im Netz sprechen so, schreiben so, auch diese Zeitung titelte so, als kürzlich die Zahlen zur Partnerschaftsgewalt erschienen sind. „Männer sind ein Problem“, muss man sich dann also anhören, während man selbst zu Hause brav Töpfe schrubbt und den ganzen Tag Frauen weder angefasst noch ihnen das Wort abgeschnitten hat.

Ist das wirklich okay, ist es fair und vor allem, ist es hilfreich, Männer auf diese Weise für die statistischen Taten der anderen verantwortlich zu machen? Ist es nicht Unfug, ja am Ende gar sexistisch, dass man uns auf diese Weise, wie in der Neuen Zürcher Zeitung steht, „in Sippenhaft“ nimmt?

Warum müssen diejenigen von uns, die noch nie ihre Position in der Firma für sexuelle Befriedigung missbraucht, die noch nie geschlagen oder gewürgt haben, sich unter ein Feindbild subsumieren lassen?

Wir „guten Männer“

Mit jedem Tag, an dem wir alles richtig machen und abends trotzdem lesen, dass Männer ein Problem sind, wächst die Frustration und die Wut. Und das kann der guten feministischen Sache doch letztlich nur schaden. Sollte man nicht stets differenzieren? Unterscheiden zwischen Männern und Tätern?

Kann man machen. Aber was dann?

Erstaunlich, wie wenige Männer dann doch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen für die anderen Männer. So viel Energie geht in die Empörung über „Pauschalurteile“, dabei könnte man sich ebenso gut über das Männlichkeitsbild empören, das uns alle gefangen nimmt. Nicht die Feministinnen haben Geschlecht erfunden. Sie haben sich nicht ausgedacht, dass nun mal jeder Scheiß, den irgendein Mann baut, auf uns andere zurückfällt. Das wäre mal ein Ziel, auf das wir „guten Männer“ unsere Wut und Frustration ausrichten könnten: Männer, die Scheiß bauen. Anstatt Feministinnen vorzurechnen, dass es dann doch zu viele weibliche Täterinnen gebe, als dass man häusliche Gewalt noch ein „Männerproblem“ nennen dürfe. Oder zu orakeln, dass die ja-schon-irgendwie-berechtigte MeToo-Sache ganz bald in Männerdiskriminierung umkippt.

Männer sind ein Problem. Okay, meinetwegen ist Männlichkeit ein Problem, wenn das verkraftbarer klingt. Jedenfalls wird das Problem nicht kleiner, wenn man ständig „Aber die Ausnahmen“ ruft. Klar ist nämlich: Kein Hashtag schützt vor Typen, die zugreifen oder zuschlagen. Aber diese Typen fühlen sich nur sicher dabei, solange sie annehmen, dass wir anderen das okay finden. Und davon können sie offenbar immer noch ausgehen.

Und ja, das tut weh, macht traurig und frustriert. Welcome to Patriarchy!

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