Kollektives Zusammenarbeiten: Warum Menschen ohne Kommunikation aufgeschmissen sind
Ob Mensch oder Ameise, in Gruppen können sie Großes leisten. Nur im Wie unterscheiden sie sich – und in manchen Aufgaben sind Ameisen sogar überlegen.
Verschiedene Tierarten können als Kollektiv komplexe kognitive Aufgaben lösen. Diese Fähigkeit aber vergleichend zu untersuchen ist gar nicht so einfach, weil Arten meist vor ganz unterschiedlichen Problemen stehen. Da ist es gut, dass Ameisen und Menschen jenseits der offensichtlichen Unterschiede in Körpergröße und Sozialverhalten eine nischige Gemeinsamkeit haben: Beide sind besonders gut darin, große Objekte durch komplexe Landschaften zu navigieren.
Diese Fähigkeit macht sich eine aktuelle Studie aus dem renommierten US-amerikanischen Journal PNASzunutze, um zu untersuchen, wie eusoziale Ameisen im Vergleich zum Menschen komplexe kognitive Prozesse als Individuum und als Kollektiv lösen.
Die Studie
Im Experiment sollten beide Arten ein sogenanntes „Piano mover“-Problem lösen. Dabei handelt es sich um ein geometrisches Rätsel, bei dem ein langer, kantiger, T-ähnlicher Gegenstand durch zwei enge Schlitze geführt werden soll. Um das Rätel zu lösen, müssen ausgeklügelte Manöver gefunden werden, den Gegenstand in unterschiedlichen Winkeln durch den Raum zu führen.
Dem einzelnen Menschen gelingt das Manövrieren im Gegensatz zur einzelnen Ameise dabei sehr gut – wobei in Sachen Effizienz wohlbemerkt die besten Ameisen die schlechtesten Menschen übertreffen. Arbeiten Ameisen und Menschen hingegen in Kollektiven zusammen, sieht es anders aus. Als hochkomplexer Superorganismus erzielen die Sechsbeiner in größeren Gruppen zunehmend effizientere Leistungen und qualitativ bessere Lösungen.
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Die Forschenden konnten bei den Ameisen erst im Kollektiv typisch menschliche Verhaltensmerkmale wie Erinnerungsvermögen, das systematische Absuchen des Geländes und gerichtete Manöver beobachten. Das gelingt durch ihre hohe Uniformität: Weil sich alle Ameisen erst mal ähnlich verhalten, können sie in größeren Zusammenschlüssen umso effizienter Kräfte koordinieren und agieren wie ein gemeinsames Gehirn.
Im Gegensatz dazu nahm die Leistung von größeren Menschengruppen ab. Insbesondere dann, als das Forschungsteam einigen Gruppen verbot, miteinander über Sprache oder Mimik zu kommunizieren. Ohne die Möglichkeit, Manöver abzusprechen und Lösungswege miteinander auszuhandeln, wählten die Menschen den intuitiv naheliegenden, wenn auch kontraproduktiven Weg: Sie versuchten den Gegenstand geradewegs durch die Löcher zu bewegen.
Was bringt’s?
Menschen müssen sich austauschen, um durch Argumentieren und logisches Denken komplexe Probleme zu lösen. Nur so gelingt es bei der nächsten Gruppenarbeit, sich zu einem kollektiven Supergehirn zusammenzuschalten. Denn es reicht leider nicht aus, wenn alle so handeln, wie sie selbst glauben, dass es für die Gruppe das Beste sei – aber es niemandem erzählen.
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