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Klimaprotest in Österreich„Zukunft wäre schon geil“

In Wien und sechs weiteren österreichischen Städten protestieren Tausende für mehr Klimaschutz. Die Regierung bremst derweil die Spritpreise.

Florian Bayer

Aus Wien

Florian Bayer

Der sonst vielspurige Praterstern, einer der wichtigsten Verkehrsknoten Wiens, ist an diesem Freitagnachmittag für einen Moment autofrei. Er gehört einer Bewegung, die viele schon totgesagt haben. „Es ist schon möglich, dass Menschen überleben bei 3,5 Grad oder 6,5 Grad mehr. Aber ob das so leiwand (wienerisch für „toll“) ist?“, sagt ein Mann zu seiner Begleitung und spricht damit allen hier aus der Seele.

Fridays for Future hat zum „Klimastreik“ aufgerufen. Auch in Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Bregenz gingen jeweils Hunderte auf die Straße. Anlass ist laut Organisatoren „die fehlende politische Antwort auf den Hitzesommer“. Die Gesundheitsagentur AGES schätzt 995 Hitzetote von Juni bis August, mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebungen 2017. „Tausend Hitzetote sind tausend zu viel. Bundeskanzler Stocker, übernehmen Sie Verantwortung, benennen Sie die Opfer und garantieren Sie zukünftigen Schutz für Menschen“, fordert Fridays for Future.

In Wien sind mehrere Tausend Menschen gekommen. „Zukunft wäre schon geil“, steht auf einem Schild bei der Wiener Demo, „Hört auf die Wissenschaftler!“ auf einem anderen. Aus mehreren Wagen schallt Musik, andernorts im Protestzug sorgen Trommler für Stimmung. Global 2000 fordert „Stop Dirty Data Centers“ in Anspielung auf jenes im oberösterreichischen Kronstorf, das Google gerade baut. Auf Schildern wird der Lobautunnel abgelehnt, der als Teil einer neuen Schnellstraße unter dem Nationalpark Donau-Auen verlaufen soll.

Vom Praterstern zieht der Zug zuerst zum Landwirtschaftsministerium, wo es zu ersten Kundgebungen kommt. Minister Norbert Totschnig (ÖVP) ist zugleich für Landwirtschaft und Klima zuständig – für viele ein Widerspruch in sich. „Wir sind hier, wir sind viele, haltet euch an Klimaziele!“, skandiert die Menge am Weg dorthin. Von den Balkonen schauen Leute zu, Fahrradboten warten geduldig an der Kreuzung und zeigen ihre Unterstützung.

Spritpreisbremse sorgt für Kritik

„Schön, dass ihr alle hier seid, auch wenn es schon der x-te Klimastreik ist und wir keine Lust mehr haben zu kämpfen“, ruft eine Rednerin vom Wagen. Und weiter: „Wir sollten längst ein Klimaschutzgesetz haben, nicht nur ein Klimagesetz!“ Gemeint ist der Entwurf, den die Regierung nach jahrelanger Verzögerung im September in Begutachtung geschickt hat. Er hält zwar an der Klimaneutralität 2040 fest und will – noch zu definierende – Zwischenziele festlegen. Strafen bei verfehlten Zielen gibt es aber keine, eine „Standortklausel“ lässt sogar Abstriche zu, wenn die Wirtschaft leidet.

Für Unmut sorgt auch die Verkehrspolitik. Ende September hat die Regierung eine neue Spritpreisbremse beschlossen. Öffi-Fahren wird dagegen teurer anstatt billiger, wie jüngst bekannt wurde. Die Wiener Jahreskarte soll ab 2027 mehr kosten, nachdem sie erst zu Jahresbeginn um 28 Prozent teurer wurde.

Für die Zukunft der Enkel

Pensionistin Edith, in Wien mit dabei, ist wegen des Rekordsommers und ihrer Enkelkinder gekommen. Sie fordert weniger Autos: „Am Land gibt es Gegenden ohne Öffis, da ist es einzusehen. Aber dass bei uns in Hietzing (ein nobler Außenbezirk, Anm.) alle einen SUV haben, ist nicht einzusehen.“

Student Eddi ist seit Beginn bei Fridays for Future dabei. Er könne sich nicht erklären, warum es nicht endlich eine vernünftige Klimapolitik gebe. Seine Kollegin Emilie findet die Lage „ernüchternd“, hofft aber, dass es jetzt wieder mehr Proteste gibt und die Politik irgendwann mehr für den Klimaschutz tut. Momentan sieht es nicht danach aus.

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