Klimakrise bei der WM: Hauptsache, der Ball rollt
Was diese WM der Rekorde für die weitere Erderhitzung bedeutet, ist trotz klimatisierter Stadien schon zu spüren. Aber interessiert es jemanden?
Die Hitze ist ein brutaler Begleiter dieses Turniers. Montagsspiel in Houston, zwölf Uhr mittags, 35 Grad. Wie immer ist der Fußweg zum Stadion weit. Die Sonne brennt, Stationen mit kostenlosem Wasser erwarten Fans am Straßenrand, sie füllen die Becher im Akkord. Abkühlungszelte mit Klimaanlagen sind aufgestellt, viele Fans schauen zumindest mal vorbei.
Ordner:innen und Volunteers haben sich nasse Lappen unter die Kappen geklemmt. Ein von der Fifa aufgebautes Mini-Fußballfeld steht verwaist da, nicht die ideale Beschäftigung gerade. Nur wer mit dem VIP-Shuttle vor die Stadiontür gefahren wird, muss sich keine Gedanken machen. Im klimatisierten und geschlossenen Stadion von Houston kann man das Wetter dann für eine Spiellänge vergessen. Bis man wieder nach draußen tritt wie gegen eine heiße Wand.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Aus Deutschland, das im Juni wie andere europäische Länder unter der extremsten Hitzewelle seit Messbeginn litt, stöhnten ebenfalls Familie und Kolleg:innen. Es ist die nächste Kostprobe in der rapide eskalierenden Klimakatastrophe.
Und doch ist da etwas merkwürdig: Wie wenig sich das aufs Image der WM auswirkt. Wir erinnern uns, diese WM ist die klimaschädlichste Fußball-WM aller Zeiten. Sie wird voraussichtlich rund 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen, mehr als doppelt so viel wie die auch schon ökologisch desaströse Katar-WM.
Dämmerzustand auf dem Sofa
Forscher der Uni Lausanne legten kürzlich nach: Diese WM hinterlasse „den größten CO2-Fußabdruck in der Geschichte des internationalen Sports“. Vor allem, aber nicht nur, wegen der Dauerfliegerei über den nordamerikanischen Kontinent. Und jetzt? Kümmert es wen? Offenbar nein.
Es hat dem Fußball nicht geschadet. Es tangiert ihn gar nicht. Fans sitzen vor Ventilatoren in ihrer Wohnung und schauen ein Spektakel, das nicht aus Not, sondern in völliger Gleichgültigkeit Leben zerstört.
Laut WHO sind seit dem 21. Juni in Europa über 1.300 Menschen hitzebedingt gestorben. Diese WM sorgt dafür, dass in Zukunft noch mehr sterben werden. Wo bleibt der Protest? Was muss noch passieren? Nein, die Überreichen wird es erst mal nicht treffen. Der Fußball rollt weiter, die klimatisierten Stadien sind ein gutes Bild dafür. Vielleicht bekommen Fußballer die Hitze zwischen klimatisiertem Hotel, klimatisiertem Flieger und klimatisiertem Stadion gar nicht sehr mit. Sterben werden vor allem einige derer, die ihnen applaudieren.
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