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Istanbuler Rockband DumanTaksim ist überall!

Auf dem Höhepunkt der Aufstände in der Türkei spielten Duman ein Konzert in Berlin-Kreuzberg. Besucher solidarisierten sich mit den Demonstranten.

BERLIN taz | „Kücük Istanbul“ (Klein-Istanbul) heißt Kreuzberg im Volksmund. Der Berliner Stadtteil ist am Samstag diesem Ruf durchaus gerecht geworden. 5.000 Menschen versammelten sich am Kottbusser Tor, um Solidarität mit den Demonstranten vom Taksim-Platz zu zeigen, die sich tagelang gewaltsame Gefechte mit der Polizei geliefert hatten.

Nur eine Straße weiter, im SO36, gab am selben Abend die regierungskritische und enorm populäre Rockband Duman aus Istanbul ein emotional geladenes Konzert – aus purem Zufall, die Tour war seit Wochen angekündigt.

Abzusehen war hingegen, dass ein Großteil der Konzertbesucher direkt von der Demo kam. Am Abend zuvor hatte die Band, die sich während der Revolte im Ausland befand, online den spontan geschriebenen Song „Eyvallah“ veröffentlicht.

Über Nacht entwickelte sich das Lied zur Widerstandshymne: „Greif mich an, ohne dich zu schämen, ohne zu ermüden / Meine Augen brennen, doch ich bin nicht traurig, nicht kleinzukriegen / Ich bin frei, sagte ich / Ich habe immer noch recht, sage ich dir.“

Regierungskritische Band

Nicht zum ersten Mal ruft Duman zum Widerstand gegen die Regierung Recep Tayyip Erdogans auf. Erst in diesem Frühjahr mussten mehrere Konzerte der erfolgreichsten Rockband des Landes abgesagt werden, weil Islamisch-Konservative sich durch das Lied „Rezil“ („Schändlich“) beleidigt fühlten.

Zwar kritisiert Duman darin die autoritäre Scheindemokratie der Türkei, doch richtete sich der Protest offiziell gegen ein angeblich satirisch verfremdetes Koranzitat.

Die Drinks und Bierflaschen werden während des ausverkauften Konzerts mehrmals kollektiv in die Luft gereckt. Die Vorgruppe Panzehir trinkt mit dem Publikum „auf die Ehre“ des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der kürzlich ein eingeschränktes Alkoholverbot durchsetzte und im selben Atemzug die beiden laizistischen Republikgründer Atatürk und Inönü als „Säufer“ diffamierte.

Kein Populismus in Kreuzberg

Duman hingegen verzichten beim Berlin-Konzert auf überschwänglichen Populismus, sie lassen lieber ihre Politsongs und Trinklieder für sich sprechen. Der leicht zerrüttete Frontmann Kaan Tangöze nickt selig mit, wenn in den Zwischenpausen das Publikum immerzu seine Parolen wiederholt: „Her yer Taksim! Her yer direnis!“ (Überall ist Taksim! Überall ist Widerstand!).

Die Band Duman hatte sich in der Folgezeit des Grunge-Hypes in den neunziger Jahren formiert und verbindet schweren Gitarrensound mit arabesken Gesangsmelodien.

Das Publikum der Band ist gesellschaftlich durchmischt und generationsübergreifend. Ganz ähnlich wie die wütende Menge von Taksim, die Präsident Erdogan am Ende des fünftägigen Aufstands als „eine Hand voll Räuber“ abtat.

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