Proteste in Istanbul

Eine Anzeige aus dem Internet

Drei New Yorker wollten mit einer Zeitungsanzeige auf die Proteste in der Türkei aufmerksam machen. Ihre Kampagne sammelte innerhalb von Stunden das nötige Geld ein.

Politischer Protest per PayPal. Tabelle: Indiegogo.com

BERLIN taz | „Wir sind nicht die Vertreter des Volkes. Die türkischen Menschen vertreten sich selbst“ schreibt Oltac Unsal auf Twitter. „Das ist der Punkt, der einzige Punkt“. Doch Unsals Initiative könnte tatsächlich zur Repräsentation der Proteste in Istanbul werden, zumindest in der Gestalt einer ganzseitigen Anzeige in den USA. Gemeinsam mit zwei Freunden sammelte er für eine Anzeige in der New York Times oder der Washington Post. Erfolgreich.

Keine 24 Stunden nachdem die Kampagne auf der Crowdfunding-Seite Indiegogo begann, hatte sie auch schon ihr Ziel erreicht: Die notwendigen 53.800 Dollar (41.180 Euro) waren zusammengekommen. Und noch mehr Geld wurde gespendet: Inzwischen haben 2.000 Unterstützer fast 80.000 Dollar (61.240 Euro) angeboten. „Wir haben genug für die Anzeige,“ bedanken sich Unsal und seine zwei Mitinitiatoren auf der Website. „Wir sammeln weiter und die Unterstützer dürfen dann entscheiden, was aus dem Geld wird“. 27 Tage läuft die Kampagne noch.

Während Bilder und Berichte der Proteste um die Welt gingen, kritisieren Aktivisten vor Ort, dass ausgerechnet türkische Medien kaum berichten. Vor allem nicht über die Polizeigewalt gegen die Demonstranten. Die schlimmsten Bilder jedoch verbreiten sich weltweit wie in der Türkei selbst über Social Media.

„Wir wollten den Menschen zeigen, was in der Türkei passiert“, sagt Murat Aktihanoglu, ein New Yorker Technikberater und einer der Mitinitiatoren dem Sender MSNBC. „Wenn die ganze Welt zuschaut, muss die Erdogan-Regierung sich vielleicht anpassen. Die Entscheidung sei über Facebook gefallen: Aktihanoglu und Unsal hätten mit einer Freundin darüber diskutiert, wie hilflos sie sich fühlten. Dabei sei die Idee mit der Anzeige aufgekommen.

Mittwoch, „spätestens Donnerstag“, soll die Anzeige dann erscheinen. Drei Versionen der Anzeige stehen derzeit zur Auswahl. Die Erste beginnt mit den Worten „Was als ein friedlicher Protest begann, um den Gezi Park in Istanbul vor der Demolierung zu schützen, wurde schnell gewalttätig.“ Sie ist unterschrieben mit den Worten „finanziert von besorgten Einzelpersonen aus der ganzen Welt“. (LRS)

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