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Israel tötet Journalistin in LibanonDie tödlichen Angriffe auf die Presse haben Kalkül

Julia Neumann

Kommentar von

Julia Neumann

Der Tod der Journalistin Amal Khalil war ein gezielter Mord durch Israels Militär. Es braucht internationale Konsequenzen – nicht nur in ihrem Fall.

Journalistin Amal Khalil bei der Arbeit im Südlibanon Foto: Al-Akhbar via reuters

I srael hat schon wieder eine Journalistin in Südlibanon gezielt angegriffen und Hilfe durch Beschuss der Helfer verhindert – trotz vereinbarter Waffenruhe. Die Tötung von Amal Khalil ist keine Einzeltat. Es ist die gewollte Fortsetzung eines jahrzehntelangen Musters der israelischen Armee, Medienschaffende sowohl in Palästina als auch in Libanon gezielt einzuschüchtern, anzugreifen und zu töten. Wie lange sollen wir noch über die Morde an unseren Kol­le­g*in­nen schreiben?

Israels Militär griff Ersthelfer, die nach Khalil suchen wollten, gezielt an. Das Rettungsteam vom Roten Kreuz musste auf eine israelische Genehmigung warten, um zurückzukehren. In dieser Zeit starb Amal Khalil. Auch die libanesische Armee brauchte eine Genehmigung, um einen Bulldozer zu schicken, um die Journalistin unter Trümmern zu bergen. Die Genehmigung sollte ein sogenannter „Überwachungs-Mechanismus“ der Waffenruhe ausstellen – ein Kommunikationskanal über die UN, dem Vertreter der USA und Israels angehören. In welchem Land müssen Rettungshelfer auf die Genehmigung eines anderen Landes warten, um Hilfe im eigenen Gebiet zu leisten?

Wenn nicht einmal die UN-Friedensmission unsere Kol­le­g*in­nen schützen kann – wer dann? Aufklärung und Strafverfahren wären das Mindeste. Nicht nur im Fall Khalil. Israels Militär hat seit 2023 insgesamt 14 Medienschaffende in Libanon getötet. Sowohl 2025 als auch 2024 war die israelische Armee für zwei Drittel aller Tötungen von Jour­na­lis­t*in­nen weltweit verantwortlich.

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Das Töten von Jour­na­lis­t*in­nen hat Kalkül. Israels Militär räumt so die Zeugen der Verbrechen, die es begeht, aus dem Weg, um sie zum Schweigen zu bringen – und Kol­le­g*in­nen einzuschüchtern. Diejenigen, die Kriegsverbrechen dokumentieren, werden selbst zu Opfern dieser Verbrechen.

Nur sehr wenige Fälle wurden untersucht, in keinem Fall wurde jemand zur Rechenschaft gezogen. Die Straflosigkeit für wiederholte israelische Kriegsverbrechen gegen Jour­na­lis­t*in­nen muss endlich aufhören. Sonst wird es wieder passieren, dass wir Kol­le­g*in­nen zu Grabe tragen.

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Julia Neumann
Korrespondentin Libanon
Auslandskorrespondentin für Westasien mit Sitz in Beirut. Hat 2013/14 bei der taz volontiert, Journalismus sowie Geschichte und Soziologie Westasiens studiert. Sie berichtet aus dem Libanon, Syrien, Iran und Irak, vor allem über Kultur und Gesellschaft, Gender und Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Für das taz Wasserprojekt recherchierte sie im Libanon, Jordanien und Ägypten zu Entwicklungsgeldern.
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15 Kommentare

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  • Warum wird nicht auch die Pressemitteilung der israelischen Armee im Artikel veröffentlicht? Nach Aussagen der IDF war die Journalistin Teil eines Autokonvois, der ein von der Hisbollah genutztes Gebäude verlassen und sich israelischen Bodentruppen genähert hat. Außerdem wird nicht erwähnt, dass die Journalistin für die Zeitung "Al Akhbar" geschrieben hat, die laut Media Ownership Monitor der Hisbollah nahesteht.

  • Israel darf eigentlich alles machen ohne irgendwelche Konsequenzen zu befürchten, seien es Atombomben, Foltergefängnisse, Vertreibungen, Angriffskriege mit Bomben auf Wohngebiete, Krankenhäuser, Schulen und jetzt noch die Todesstrafe für Palästinenser! Es gibt keinerlei Sanktionen egal ob militärisch, politisch, wirtschaftlich, sportlich oder kulturell. Selbst der ESC- Auftritt ist sicher. Das alles ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht aller anständigen Demokraten, die an das internationale Recht glauben (oder geglaubt haben!). Damit wird viel mehr zetszals viele denken. Und Deutschland? Ein Total Versager, weil nach den USA der größte Unterstützter Israels. Im Gazakrieg kam jede 3. Bombe aus Deutschland, macht bei 75.000 (!) Toten wie viel?

  • Mir wird wirklich übel wenn ich sowas lese. Als Jude schäm ich mich besonders. Ist es möglich diese Artikel in Englisch zu bekommen? Ich möchte das an meinen amerikanischen Freunde und Verwandten weiterleiten. MfG, D. Sikora

  • Für viele deutsche Medien, die taz eingeschlossen, sollten ihre eigene langjährige Berichterstattung kritisch hinterfragen.

    Den auch die Berichterstattung der letzten Jahre und Jahrzehnte hat zu einer "Kultur von Straflosigkeit" betreffen insrealischer Kriegsverbrechen beigetragen.

    Nicht immer aber sehr oft wurde begründete Kritik an Isreal als Antisimitismus abqualifiziert und viele Joranlisten-Kollegenund Politker wurden schnell als "Antisimiten" "abqualifiziert", wenn sie Israel-Kritik klar und hart formulieren und z.B. Sanktionen fordern.

    So aber wird berechtigte zurückgedränkt und zu "Solidaritäts-Bekundungen" verleitet die zu einer Kultur der Straflosigkeit und Folgenlosikeit beitragen.

    Nüchternne Berichterstattung, möglichst ausgewogen und mehr Verweise auf Grundlagen des Völkerrechts würde schon helfen.

    Was damit beginnt das man mit Formulierungen wie "Existensrechts Isreals" vorsichtiger umgeht.

    Es gibt im Völkerrecht kein "Existensrecht" aber etwas ähnliches, vereinfacht das Recht auf territorale Souveränität.

    Grundlage des Völkerrechts ist die "Gleichheit der Staaten".



    Israel und Palästina haben aber das gleiche Recht auf territorale Souveränität.

    • @Jörg Heinrich:

      Territoriale Souveränität begönne damit, die genauen Grenzverläufe zu benennen.

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Sie sprechen einen heiklen Punkt an der in der öffentlichen Diskussion meist ausgeblendet wird.

        "Wir" im Sinne von der deutschen Regierung und des "offizellen" Deutschlands sowie einschlägige Kommentare in Medien fordern die Anerkennung der 1967er Grenze Israels.



        Was ich im übrigen auch für völlig richtig halte.

        Diese Grenze, ursprügliche einen Waffenstillstandslinie nach 1949, ist auch vereinfacht gesprochen die völkerrechtlich anerkannte Grenze.



        (Vom (UN) IGH-Gutachen zur Besetzung Palästinas von 2024 wird diese Grenze faktisch nochmal bestätigt.)

        Israel erkennt diese Grenzen nicht an, genauer der Staat Israel bekennt sich weder in seiner Verfassung noch in völkerrechtlichen Verträgen zu irgendeiner Staatsgrenze des Staates Isreal.

        Wir haben von den Palästinänser die Anerkennung dieser Grenze gefordert, was ein erheblicher Gebietsverlust gegenüber dem 1948er Teilungsplan war

        Wir fordern generel die Anerkung der 1967er Grenze.

        Von Isreal fordern wird das aber nicht wirklich, oder zumindest nicht mit "Nachdruck".

        Wärend das IGH-Gutachten von 2024 viele Siedlungsblöcke als "defacto-Annexionen" wertet fordern wir oft "Gebietstausch" zur "Legetimierung" dieser Annxionen.

  • In Israel herrscht eine Militärdiktatur, die nur deshalb noch funktioniert, weil die einmal eingewanderten jüdischen Bewohner gegenüber den palästinensischen 'Mitbewohnern' ein Sonderrecht beanspruchen, das ihnen (unglücklicherweise?) nach der Verfolgung durch die Nazis (und andere Nationalisten!) einmal eingeräumt wurde. Und jetzt spielen sich zumindest Netanyahu und radikale Siedler ebenfalls als Nationalisten auf und können sich das leisten, weil sie aus den USA und Mitteleuropa Waffenhilfe bekommen statt Unterstützungsmassnahmen für dauerhaften Frieden. Beschämend gerade die Bundesregierung, die 'als Ausgleich' auch Brosamen für 'friedliche Palästinenser' verteilt als Abfindung für gestohlenes Land. Zeitweise sah es ja auch so aus, als ob es eine Symbiose geben könnte: Mit viel Know how wurden neue Kraftzentren geschaffen, die für beide Völker Wohlstand und Auskommen ermöglicht hätten, auch neue Experimente eines Zusammenlebens in Kibuzzims ausprobiert wurden. Religiöse auf beiden Seiten verhindern aber immer wieder einen Frieden, den der Nahe Osten so dringend zum Überleben aller Bewohner so dringend benötigt. Netanyahu ist ein gnadenloser (!) Kriegsverbrecher .....

    • @Dietmar Rauter:

      Sie sollten sich dringend mit der Geschichte Israels befassen, dessen Name schon seit dem 12. Jahrhundert vor Christus existiert. Erst nach jahrhundertelanger Einwanderung von Arabern aus umliegenden Ländern erwähnen griechische Historiker im 5. Jahrhundert vor Christus das erste Mal das Wort Palästina. Und das römische Reich benennt dann im 2. Jahrhundert ihre Provinz im heutigen Israel in "Syria Palästina" um. Und zwar als Strafmaßnahme nach einem Aufstand, um dem jüdischen Volk seine Identität zu nehmen.

      • @_Mephisto_:

        Der Name Palästina ist das erste Mal in ägyptischen Quellen des 12. vorchristlichen Jahrhunderts belegt, die Gründe warum die Römer ihre Provinz dahingehend umbenannt haben, sind hingegen unklar (es gibt nur Quellen für die Umbenennung, nicht für die Motive dahinter). Als Einwand gegen den Beitrag oben ist Ihr kleiner Exkurs ohnehin nicht geeignet: aus antiken Reichen lassen sich keine heutigen territorialen Ansprüche ableiten.

      • @_Mephisto_:

        Willkommen im Mittelalter. In der neuen Welt gibt es immer weniger 'Rechte' , auf die sich biblische Fanatiker oder islamistische Terroristen beziehen können. Sie sollten sich dringend mit der Frage von Demokratie und Menschenrechten auseinandersetzen oder sich bitte in ein stilles Kämmerlein zurückziehen in Ihrer Weltfremdheit.

  • Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis auch der letzte Volksvertreter begreift, dass der selbst zum Verbrecher wird, der mit Verbrechern paktiert.

  • Vielen Dank für diesen Artikel.

  • Und trotz der eindeutigen Situation werden sich wieder welche finden, auch hier, die das Geschehene weißwaschen und relativieren wollen (hat nicht der Libanon …? und überhaupt, die Hisbollah und der IRAN …) und der Autorin und den anderen Kommentatoren ‚haltet den Antisemit‘ zurufen.

  • "Es braucht internationale Konsequenzen"

    Die Frage ist nur auf welcher Ebene?



    Von der EU werden keine Impulse ausgehen solange Deutschland involviert ist und alle Maßnahmen mit einem Veto blockiert. Selbiges gilt für die Beschlussunfähigkeit der UN dank US Veto.

    Die Staaten Europas denen wirklich an den Menschenrechten gelegen ist, sollten dem aktuellen Beispiel der Niederlande und Islands folgen und der Klage Südafrikas gegen Israel vor dem IGH beitreten. Spanien und Belgien sind schon seit längerem dabei, andere Länder wie Irland und Norwegen zögern noch, werden aber irgendwann hoffentlich zu dem Schluss kommen, das dieser Weg der einzig gangbare in der derzeitigen Situation ist um eine Wendung herbeizuführen.

    Die erfolgversprechendste Maßnahme um Blockierstaaten wie Deutschland, Italien oder die USA an die Leine zu legen und Israel zurück in die Spur zu bringen. Politisch, diplomatisch und wirtschaftlich.

    Je mehr Staaten sich anschließen, desto umfangreicher die Beweisführung, die Möglichkeit der Klageerweiterung und das Aufdecken von weiteren israelischen Kriegsverbrechen. Journalisten gezielt zu töten gehört auch dazu.

    • @Sam Spade:

      Danke für Ihre Einschätzung. Ich frage mich auch, was wir als Einzelne tun können, um solche Verbrechen zu beenden/ Verbrechende zu stoppen.