Israel und Libanon: Waffenstillstand Hunderte Male gebrochen
Die Waffenruhe zwischen Libanon und Israel soll um drei Wochen verlängert werden. Aber sowohl Israel als auch die Hisbollah schießen weiter.
Foto: Gil Eliyahu/reuters
Drei Wochen mehr, um durchzuatmen. Das verspricht die Einigung zwischen Israel und dem Libanon auf eine Verlängerung des Waffenstillstands. Botschafter der beiden Länder hatten sich am Donnerstag getroffen, US-Präsident Donald Trump verkündete danach einen augenscheinlichen Erfolg: die Verlängerung der bisher 10-tägigen Waffenruhe, die am Sonntag ausgelaufen wäre.
Doch tatsächlich ist es ein Waffenstillstand auf dem Papier.
Im Südlibanon hält das israelische Militär weiter 55 Orte besetzt. Die israelische Armee verhindert die Rückkehr der Bewohnenden. Anwohnende berichten, das israelische Militär habe auf sie geschossen, als sie in ihre Heimat zurückkehren wollten. In der De-fakto-Sperrzone plünddern israelische Soldaten Fernseher, Teppiche und Gemälde. Das israelische Militär demoliert und zerstört trotz Waffenruhe weiter systematisch Häuser und Straßen, berichten libanesische Medien und die israelische Zeitung Ha’aretz.
Auch israelische Luftangriffe gehen weiter, in der Nacht auf Donnerstag wurden dadurch drei Menschen getötet. Zwei israelische Luftangriffe trafen die Umgebung von Touline, einer davon begleitet von Artilleriebeschuss, meldet die libanesische Zeitung L’Orient-Le Jour. Eine weitere Bombardierung galt Majdal Zoun in der Region Sour. Ein Luftangriff am Dienstag traf eine Moschee in der südlibanesischen Stadt Jibchit, die Moschee wurde schwer beschädigt. Über der Hauptstadt Beirut fliegen weiter laute israelische Überwachungsdrohnen.
Seit Dienstag schießt auch die Hisbollah wieder Raketen
Am Mittwoch hatte das israelische Militär die libanesische Journalistin Amal Khalil und ihre Kollegin Zeinab Faraj gezielt angegriffen, Khalil wurde dabei getötet. Israels Militär beschoss zudem das Rettungsteam des Roten Kreuzes, das die zwei Journalistinnen und zwei weitere Zivilisten bergen wollte.
Israel hat den Waffenstillstand seit Inkrafttreten am 17. April 478-mal gebrochen. Dazu zählten: 18 Bombardierungen, 87 Artillerieangriffe, 142 Sprengungen und Zerstörungen von Infrastruktur, 35 Schüsse mit Maschinengewehren sowie 12 Phosphorbomben und Überschallknalle sowie zahlreiche militärische Überflüge, unter anderem über der Hauptstadt Beirut.
Das zählen das libanesische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung und das Nationale Zentrum für Naturgefahren und Frühwarnung. Bei den Verstößen wurden acht Menschen getötet und 20 verletzt, darunter sechs Sanitäter.
Seit Dienstag schießt auch die Miliz der Hisbollah wieder Raketen auf Israel. Zuletzt Donnerstagnacht. Laut israelischer Armee haben die Abwehrsysteme die Raketen abgefangen.
Libanons Regierung hatte die militärischen Aktivitäten der Hisbollah am 2. März für illegal erklärt und Israel wiederholt um Gespräche gebeten. Israel hatte die Bitte seit Kriegsbeginn zurückgewiesen und erklärt, die bisherigen Bemühungen des Staates zur Entwaffnung der Hisbollah seien zu langsam gewesen. Auf Anordnung der USA willigte Israel dann in ein historisches Treffen vergangene Woche ein: Zum ersten Mal seit 40 Jahren haben sich die Botschafter beider Länder getroffen. Es folgten optimistische Äußerungen beider Seiten.
Die Hisbollah hält an ihrer kompromisslosen Haltung gegen die Entwaffnung im ganzen Land fest und lehnt die laufenden Verhandlungen offen ab. Sie bevorzugt stattdessen, dass der Libanon in die Verhandlungen zwischen Iran und den USA einbezogen wird. Das wiederum lehnt Israel ab.
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