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Iraner Reza Pahlavi in BerlinViele Appelle, keine Lösungsvorschläge

Am Donnerstag war Reza Pahlavi in Berlin, der exilierte Sohn des gestürzten iranischen Schahs. Die Bundesregierung empfing ihn nicht. Er war sauer.

Der Schah-Sohn Pahlavi ist in Berlin zu Besuch Foto: Markus Schreiber/ap

Der exilierte Sohn des gestürzten iranischen Schahs, Reza Pahlavi, ist nach Berlin gekommen. Dort will er das politische Gespräch suchen – die Bundesregierung empfängt ihn jedoch nicht. Das sei eine „Schande“, sagte er im Rahmen der Bundespressekonferenz. Und verteilte auch sonst viele Vorwürfe, etwa gegenüber den anwesenden Journalistinnen und Journalisten.

Wo blieben, fragte er beispielsweise, die Investigativrecherchen zu den Prozessen, die den politischen Gefangenen in Iran gemacht werden? Wo blieben die Berichte über die vielen Iranerinnen und Iraner, die nach den Protesten am 8. und 9. Januar hingerichtet wurden? Die Presse solle mit Iranerinnen und Iranern reden, Informationen suchen. Tatsache ist, dass in den meisten deutschen Medien – und auch der taz – immer wieder kritisch über die Lage in Iran berichtet wird. Dass zudem die anhaltende Netzblockade seitens des Regimes die Berichterstattung erschwert, räumte auch Pahlavi ein.

Pahlavi erklärte am Donnerstag in Berlin noch einmal: Der Krieg sei eine „humanitäre Intervention“, nach der die Bevölkerung gerufen habe. Das trifft sicherlich in Teilen zu, haben sich doch auch Kontakte der taz in Iran wiederholt für Hilfe von außen im Kampf gegen das Regime ausgesprochen. Wie repräsentativ sie allerdings für die Gesamtbevölkerung sind, ist unklar.

Will Europa zum iranischen Volk stehen oder aufseiten „des Bösen“?

Pahlavi appellierte: Die europäischen Regierungen müssten sich entscheiden, ob sie aufseiten des iranischen Volkes stünden – oder aufseiten „des Bösen“. Das Regime sei „ein verwundetes Biest“.

Auch das ist an sich nicht falsch: Die iranische Führungsriege ist glaubhaften Berichten zufolge tief gespalten. Auf der einen Seite sitzen die Hardliner der Revolutionsgarden unter der Führung von General Ahmad Vahidi. Auf der anderen Seite die politische Riege von Parlamentssprecher Mohammed Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi. Sie gelten verhältnismäßig als pragmatischer und eher gewillt, einen Deal mit den USA zu einem dauerhaften Ende des Kriegs einzugehen.

Doch aus dieser Spaltung konnte die gegnerische Kriegspartei, die USA, bislang keine Vorteile ziehen. Im Gegenteil. US-Präsident Donald Trump verlängerte jüngst auf unbefristete Zeit eine ursprünglich vierzehntägige Waffenruhe – mit der Begründung, man warte auf eine „einheitliche Antwort“ Teherans auf Vorschläge in den Verhandlungen. Die USA nutzen die Pause zum Aufbau weiterer militärischer Kapazitäten im Nahen Osten – genauso wie Iran. Das Regime füllt seine Raketenbestände auf, arbeitet an der Funktionsfähigkeit der Abschussrampen.

Am Boden liegt das Regime – nach acht Wochen der Intervention seitens USA und Israel – also nicht.

Pahlavi fordert von Europa mehr Handeln

Pahlavi fordert außerdem von Europa mehr Handeln: Europa dürfe das Regime nicht legitimieren und nicht mit „Terroristen“ verhandeln. Konkret werden seine Forderungen nicht.

Tatsächlich hätte die europäische Politik beispielsweise viel früher die Revolutionsgarden auf die Sanktionsliste setzen können, hätte sich stärker hinter die finanzielle Beschneidung des Regimes klemmen können. Man denke etwa an das Frankfurter Hotel, das über eine Reihe von Umwegen wohl Mojtaba Chamenei gehört.

Doch letztlich bleibt immer die gleiche Frage im Raum stehen: Was hilft wirklich gegen dieses Regime? Sanktionen und eine Terrorlistung haben einen limitierten Effekt. Auch Verhandlungen haben in der Vergangenheit kaum etwas gebracht: Während der Atomdeal von 2015 bis 2018 zwar die nuklearen Ambitionen des Regimes zeitweise begrenzte, rüstete es in diesem Zeitraum weiter seine Milizen auf, lieferte sich Stellvertreterkriege unter anderem in Syrien und unterdrückte die eigene Bevölkerung.

Helft den Iranern, dieses Regime zu stürzen

Reza Pahlavi, Sohn des ehemaligen iranischen Schahs

Auch der Krieg von USA und Israel mit Iran konnte bislang nicht das Ergebnis erzielen, das sich die beiden angreifenden Staaten wohl gewünscht hätten. Operativ lief es für die Angreifenden nicht schlecht: Sie erreichten früh eine gewisse Lufthoheit, töteten den Obersten Führer Ali Chamenei und weitere wichtige Köpfe. Doch die wuchsen gleich nach. Und ein strategischer Vorteil ließ sich daraus bislang kaum ziehen. Auch weil die Islamische Republik ihre Geografie – vor allem die angrenzende Meerenge der Straße von Hormus – nutzte, um die Weltwirtschaft und damit auch die USA unter Druck zu setzen.

Pahlavi fordert: „Helft den Iranern, dieses Regime zu stürzen.“ Nur wie – darauf hat auch er keine Antwort. Es bleibt bei Phrasen. Und bei Vorwürfen.

Nach der Pressekonferenz wurde Pahlavi mit einer roten Flüssigkeit bespritzt. Der Täter wurde zu Boden gebracht und von der Polizei festgenommen. Ein Polizeisprecher sagte, dass der Mann zu seiner Identität und seinem Motiv befragt werde.

In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei von einem Tomatenwurf gesprochen, änderte ihre Angaben aber später und sprach dann lediglich von einer roten Flüssigkeit. Aus Pahlavis Team hieß es, es sei Tomatensoße gespritzt worden. Der Politiker wurde an Hals und Schulter beschmiert. Er reagierte gelassen auf den Vorfall und winkte anschließend seinen Unterstützern vor dem Gebäude zu.

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36 Kommentare

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  • Weil hier immer wieder unterstellt wird Pahlavi junior würde von den USA unterstützt werden:



    Das ist eben _nicht_ der Fall, Trump hält sich sehr distanziert von ihm, wie auch seine komplette Regierung, auf Nachfrage von Journalisten heißt es oft man sehe den ehemalige Kronprinz nicht einmal für eine Übergangsregierung als den geeigneten Kandidaten an.

  • Weil in den Diskussionen auch immer wieder die Frage aufpoppt, wer denn wohl legitimiert sei, den „Willen“ der iranischen Bevölkerung „besser“ zu kennen bzw. ob die Iraner so scharf darauf seien, einen Pahlavi wieder auf dem Pfauenthron installiert zu sehen (noch dazu von Israels und US-Gnaden).



    Obwohl ich historische Vergleiche eigentlich kritisch sehe: im WK2 wurde den verzweifelten Appellen der Opposition gegen die Nazis nach Unterstützung von alliierter Seite kein Glauben geschenkt. Teils sah man in der Opposition sogar jene alten Machteliten am Werk, die erst den Aufstieg des NS mit all seinen Menschheitsverbrechen ermöglicht hatten.



    Statt also auf vage, unsichere Putschplanungen der Nazi-Gegner setzten die Allierten lieber auf den totalen Bombenkrieg, um dieses System mit Stumpf und Stiel auszurotten.



    Wie steht es nun mit der Legitimität der iranischen Opposition, für das gesamte iranische Volk sprechen zu können?



    Zwei Gedanken dazu: 1. sofern es die Exil-Opposition betrifft, befindet diese sich seit nunmehr 47 Jahren „außer“ Landes. 2. ist ausgerechnet ein Repräsentant der alten Elite, also der Pahlavi-Dynastie, dazu berechtigt, die iranischen Interessen zu vertreten?

  • Ich kenne relativ viele Iraner persönlich, weil ich mal eine iranische Freundin hatte, und keine/r von denen wünscht sich ausgerechnet den Sohn des letzten Schahs als Staatsoberhaupt des Irans, und sei es auch nur für die Organisation einer Übergangsphase bis zu freien demokratischen Wahlen (ich weiß, das ist nur anekdotische Evidenz und keine repräsentative Umfrage). Ich glaube, dessen Anhänger sind auch nur besonders lautstark, aber vielleicht sind die das iranische Pendant zu unseren Reichsbürgern.

    • @Forist Grump:

      Deine persönlichen Erfahrungen in Ehren – aber genau das ist der Punkt: Anekdoten ersetzen keine belastbare Einschätzung einer hoch fragmentierten Gesellschaft. Aus einem Bekanntenkreis auf ‚die Iraner‘ zu schließen, ist methodisch schlicht zu dünn. Kronprinz Reza Pahlavi pauschal als Randphänomen abzutun oder seine Anhänger mit ‚Reichsbürgern‘ zu vergleichen, verzerrt die Realität eher, als dass es sie erklärt.

  • Der hat in 45 Jahren demokratisch nichts dazu gelernt und setzt nahtlos bei der üblichen islamistisch-kaiserlichen Dominanzkultur (seines Vaters) an: anderen zu erklären was sie seiner (unerheblichen) Meinung nach zu tun und zu lassen haben. Wer will ihn denn? Doch nur die Kaisertreuen, die ihren alten feuchten Traum träumen.

    • @AminaMia:

      Ich sehe das komplett anders. Den Kronprinzen auf solche Schlagworte zu reduzieren, wird der Sache nicht gerecht. Er steht für viele Menschen gerade nicht für irgendeine ‚Dominanzkultur‘, sondern für Kontinuität, Verantwortung und eine langfristige Perspektive, die in der Tagespolitik oft fehlt. Kritik ist natürlich legitim, aber sie sollte sich an konkreten Aussagen oder Handlungen orientieren – nicht an pauschalen Unterstellungen oder historischen Zuschreibungen. Dass es Menschen gibt, die ihn unterstützen, einfach als ‚träumerisch‘ oder unreflektiert abzutun, greift zu kurz und wird einer pluralistischen Gesellschaft nicht gerecht.

    • @AminaMia:

      Papa Pahlavi griff eher zu Kyros als zum Koran. Die 2500-Jahre-Persien-Feier damals war so eine peinliche Prass-Party, dass sich die Gäste mit Grausen abwanden. Während außerhalb Teherans Armut und Analphabetismus blieben.

      Sohnemann (das beschreibt seine Rolle wohl) hätte ja eine Chance, wenn er sich von Amerika & Co. deutlich lossagen könnte, wenn er dem Lande bescheiden dienend sich von den Menschen an seinen Rockschößen löste, die an die Tröge wollen.



      Dass nun nur rote Flüssigkeit floss, zeigt vermutlich, dass jene Feinde ihn lebend lieber hatten als tot. Mit dem Hinweis auf die grausame Zeit der Savak haben die Mullahs und Revolutionsgarden eine Ausrede.

  • Der Text versucht weniger zu informieren als zu delegitimieren. Statt sich mit Pahlavis zentraler Botschaft – Ende der Islamischen Republik und Übergang zu einer säkularen, demokratischen Ordnung – auseinanderzusetzen, wird er als ‚Schah-Sohn‘ karikiert und seine politische Rolle ins Lächerliche gezogen. Gleichzeitig bleibt komplett unterbelichtet, dass er seit Jahren als eine der sichtbarsten Oppositionsfiguren der Diaspora überhaupt auftritt und internationale Unterstützung für den Druck auf das Regime fordert.



    Dass ihm ‚keine Lösungsvorschläge‘ unterstellt werden, während gleichzeitig jede konkrete Diskussion über Übergangsmodelle, internationale Hebel oder inneriranische Opposition im Artikel kaum ernsthaft geführt wird, ist kein Mangel seiner Position – sondern der Darstellung. Kritik ersetzt hier Analyse, und Framing ersetzt Inhalt.

  • Kronprinz Reza Pahlavi hat die westlichen Regierungen aufgefordert, die Mindestforderungen des iranischen Volkes – darunter Zugang zum Internet, die Beendigung von Hinrichtungen und die Freilassung politischer Gefangener – in ihren Verhandlungen zur Sprache zu bringen.

    • @San Azsaranj:

      Welcher "Kronprinz"? So was wie dieser Reuß?



      Die Punkte sind für die Vielen sinnvoll, werden aber so nicht beachtet werden, wenn sich Pahlavi weder von seinen Vorvätern noch von Israel oder USA ausreichend zu distanzieren weiß, um nur einen der Gründe zu nennen.

    • @San Azsaranj:

      Nun ist "das iranische Volk" kein homogener Blick, der auch nur annähernd geschlossen hinter dem Mietprinzen stehen würde... Insofern sollte man sich davor hüten, ihm eine solche Sprecherposition zuzuschreiben.

      • @O.F.:

        Sie scheinen besser über die Lage im Iran informiert zu sein als wir Iraner, die mit unseren Familien und Freunden in Kontakt stehen. Könnten Sie bitte Ihre Quelle offenlegen? Vielen Dank.

        • @Cyrus:

          Ihre Quellen sind auch nur anekdotische Evidenz, oder können Sie eine repräsentative Umfrage unter der iranischen Bevölkerung vorweisen?

        • @Cyrus:

          Der Verweis auf den eigenen Familienhintergrund ist in einem anonymen Diskussionsforum wenig belastbar (meinen kennen Sie übrigens nicht). Allerdings genügt ein regelmäßiger Blick in gängige Tageszeitungen für ein diffenzierteres Bild politischer Einstellungen unter Iranern (im Land oder in der Diaspora). Und manchmal hilft auch ein wenig gesunder Menschenverstand: dass ein ganzes Volk geschlossen hinter einen Mann steht, ist jedenfalls wenig glaubwürdig...

          • @O.F.:

            Es bestreitet niemand, dass es im Iran unterschiedliche Meinungen gibt – ein geschlossenes Bild behauptet auch kaum jemand ernsthaft. Gleichzeitig greift es aber zu kurz, den Kronprinzen als Randfigur darzustellen. Viele Iraner – sowohl im Land als auch in der Diaspora – sehen in ihm eine glaubwürdige und verbindende Persönlichkeit für eine mögliche Zukunft nach dem aktuellen System.



            Eigene Kontakte und Einblicke zeigen durchaus, dass seine Unterstützung deutlich größer ist, als oft dargestellt wird. Medienberichte liefern dabei nur einen Ausschnitt und sind ebenfalls nicht frei von Perspektiven. Deshalb sollte man vorsichtig sein, ihm pauschal jede relevante Rolle oder Rückhalt abzusprechen. Am Ende zeigt sich gerade hier, wie wichtig es ist, unterschiedliche Wahrnehmungen ernst zu nehmen, statt sie gegeneinander auszuspielen.

            • @Cyrus:

              In dem Ausgangsbeitrag ist generalisierend von "dem iranischen Volk" die Rede und genau daran hat sich meine Kritik entzündet. Dass der Schah und seine Anhänger medial unterrepräsentiert wären, kann man wirklich nicht behaupten (in anderen Medien als der taz sogar noch weniger). Zumindest im Vorfeld des Krieges wurde seine Rolle eher überhöht dargestellt (ich erinnere an dem journalistischen Walk of shame, den die SZ nach eindeutig übertriebenen Teilnehmerzahlen an der Münchner Demo antreten musste). Ausgeblendet wird eigentlich nur eine Gruppe: die der Anhänger der IR, obwohl nicht zuletzt deren erstaunliche Resilienz angesichts des amerikanischen Angriffskrieges ein Grund sein sollte, die inneriranischen Kräfteverhältnisse neu zu bewerten.

  • Dieser Mann kennt den Iran doch überhaupt nicht, denn auch er ist ja seit einem halben Jahrhundert im Exil, der kennt nur andere Exil-Iraner. Das ist keine Qualifikation für irgendeine Rolle.

    Braucht man nicht ernst zu nehmen, in einem Jahr spätestens erinnert sich niemand mehr an ihn.

    • @Deutschfranzose:

      Das Argument greift zu kurz. Ja, Kronprinz Reza Pahlavi lebt seit Jahrzehnten im Exil – aber das gilt für einen großen Teil der iranischen Opposition. Gerade weil politische Betätigung im Iran lebensgefährlich ist, entstehen viele alternative Stimmen zwangsläufig außerhalb des Landes.



      Zudem ist er nicht einfach ‚irgendein Exil-Iraner‘, sondern die bekannteste Figur der Opposition, die international wahrgenommen wird und politische Aufmerksamkeit erzeugt.

      Ob man ihn unterstützt oder nicht, ist eine legitime Debatte. Ihn aber pauschal als bedeutungslos abzutun, ignoriert, dass er aktuell Teil einer realen politischen Auseinandersetzung um die Zukunft des Iran ist – sowohl im Exil als auch in der internationalen Politik.

  • Armes reiches Land. Bodenschätze, ein inzwischen auch in der Breite vorhandenes Bildungsniveau und zugleich ein Unterdrückerregime, zu dem die USA versuchen, den Repräsentanten des vorigen Unterdrückerregimes als "einzige Alternative" aufzubauen. Daneben hauen Israel und USA ein Gebäude nach dem anderen in Stücke und stärken für den gewünschten Dauerkrieg das Ayatollah/Revolutionsgarden-Regime, das davor schon deutlich schwächer da stand.



    Reiches armes Land. Mutige Menschen gibt es sogar immer noch. Nicht nur Männer, die Enkel eines fähigen skrupellosen Militärdiktators und Sohn eines unfähigen korrupten Militärdiktators sind. Sondern auch so einige Frauen. Iranische Frauen sind gebildeter, klüger und stärker, als manchmal hier angenommen wird.

    • @Janix:

      Ihr Kommentar klingt gut, vereinfacht die Realität aber ziemlich stark. Die Behauptung, die USA würden Kronprinz Reza Pahlavi als ‚einzige Alternative‘ aufbauen, ist schlicht nicht belegt. Er ist sichtbar, ja – aber vor allem, weil grosse Teile der iranischen Opposition ihn unterstützen, nicht weil Washington ihn installiert.

      Die aggressive Regionalpolitik der Islamischen Republik und ihre Rolle in Konflikten blenden Sie komplett aus.

      Und was die Abwertung seiner Person angeht: Man kann ihn kritisch sehen, aber ihn auf seine Herkunft zu reduzieren, ersetzt keine politische Argumentation. Gleichzeitig loben Sie zu Recht die Stärke iranischer Frauen – genau diese Frauen fordern aber in großen Teilen einen grundlegenden Systemwechsel. Diese Realität passt nicht so recht in Ihr Narrativ.

      Kurz gesagt: Iran ist komplexer als die einfache Geschichte von äußeren Mächten, die alles steuern, und einer einzigen ‚falschen‘ Oppositionsfigur.

      • @Cyrus:

        Und wenn ich anders, als Sie andeuten, _für einen Systemwechsel wäre? Einen, der nicht zurück zu 1977 wäre, sondern gleich sich von den Pahlavi- wie Islamisten-Cliquen verabschiedet.



        Also nicht auf den Einen setzt, der m.E. betont von den US-Amerikanern ins Spiel gebracht wurde. Sondern auf die Vielen.

        • @Janix:

          Kronprinz Reza Pahlavi wird nicht unterstützt, weil jemand zurück zu 1977 will, sondern weil er für einen strukturierten Übergang steht. Das wird gern ausgeblendet.



          Und zur Wahrnehmung: Wenn bei einer Runde mit hunderten Journalisten zentrale Themen wie die Gewalt des Regimes oder tausende Opfer gar nicht zur Sprache kommen, ist das kein Beleg gegen ihn – sondern wirft eher Fragen an die mediale Darstellung auf.

          • @Cyrus:

            Da hat jemand noch keinen für journalistische Basics im Team:



            Gewalt des Regimes ist bekanntlich bekannt.



            Das journalistische Interesse ist da nun, ob jener nun alleine steht oder nicht. Wofür er steht. Ob er dienen kann oder nicht. Ob die unguten alten Zeiten zurückkommen sollten (woran Teile seiner Entourage ja ein Interesse haben). Ob er der nützliche I_. Trumps ist oder nicht.



            Pahlavi kann daraufhin ganz ohne Publikumsbeschimpfung Fragen beantworten und zugleich seine eigenen Punkte erwähnen - das lernt man nicht nur im Medientraining rasch. Außer man hält sonst nur Monologe.

  • Hoffentlich nimmt der Sohn eines Monarchen, das ist das neutralste Wort für seinen Vater, zur Kenntnis, dass in der deutschen veröffentlichten Meinung und journalistischen Arbeit sehr viele fähige Leute mit iranischen Wurzeln aktiv sind für die Ziele Menschenrechte und Demokratie.



    Die taz ist dabei ein Lehrbeispiel.

    • @Martin Rees:

      Der Hinweis auf engagierte Journalist:innen mit iranischen Wurzeln ist richtig – aber was genau soll damit bewiesen werden? Dass diese Stimmen automatisch gegen Kronprinz Reza Pahlavi stehen oder ihn delegitimieren? Das ist eine ziemlich gewagte Unterstellung.



      Gerade in Medien wie der taz gibt es unterschiedliche Perspektiven – und auch dort ist die iranische Opposition alles andere als einheitlich. Menschenrechte und Demokratie sind gemeinsame Ziele, aber der Weg dorthin wird sehr unterschiedlich gesehen.



      Und nebenbei: Kronprinz Reza Pahlavi auf ‚Sohn eines Monarchen‘ zu reduzieren, ist eher ein rhetorischer Trick als ein Argument. Man kann seine Positionen kritisieren – aber dann bitte inhaltlich. Herkunft ersetzt keine Debatte.



      Am Ende zeigt gerade die Vielfalt iranischer Stimmen in Deutschland vor allem eins: Es gibt nicht die eine legitime Sichtweise – auch nicht die der taz

  • könnte man nicht nach einem Nachfahren Mossadeghs suchen, um diesen zu installieren?



    Die Absurdität dieser Ideen, die USA, GB, die EU oder Deutschland sollten irgendwem helfen, irgendwen irgendwo zu installieren, sollte in dieser absurdpolemischen Frage deutlich sein.

    • @Klaus Franz:

      Mossadegh war bereits gesundheitlich angeschlagen und so in seinen Handlungen eingeschränkt - doch jemanden, der weder die Militärdiktatur der Schah-Kamarilla noch die Theokratie der Langbärte verkörpert, bräuchten wir wohl. Etwas Nationalismus ist zugestanden, denn kein Land will sich von den USA, (oder: China, Russland, ...) ausschlürfen lassen.



      Der Zufall der Geburt ist wie bei anderen Fällen von Macht, Geld, ... kein guter Distributionsmechanismus. Übrigens wie in der "Islamischen" Republik gerade auch nicht.

      Es kann die Befreiung der ... nur das Werk der ... sein, ließ Brecht mal singen. Installieren können wir da gar nichts, höchstens um den Preis von 30 Jahren Besatzung und wahrscheinlich 130 Jahren Scham darüber.

    • @Klaus Franz:

      Die Idee, einen ‚Nachfahren Mossadeghs‘ politisch zu installieren, wirkt vor allem wie ein Gedankenspiel ohne realen Bezug zur iranischen Politik. Gesellschaftliche Entwicklungen lassen sich nicht über historische Namen oder symbolische Figuren steuern.



      Auch das oft idealisierte Bild Mossadeghs greift historisch zu kurz – seine Rolle wird im Westen teilweise stark vereinfacht dargestellt und blendet die politischen Spannungen seiner Zeit aus.



      Entscheidend bleibt: Die Zukunft Irans wird im Iran selbst entschieden.

      • @Cyrus:

        „Die Zukunft Irans wird im Iran selbst entschieden.“



        Ihr Wort in Gottes Ohr. Was jedoch die nähere Zukunft des Iran betrifft, so wurde diese durch das erratischen außenpolitische Handeln des POTUS bestimmt (und das ist noch neutral formuliert): Festigung des Schreckensregimes der Revolutionsgarden und der Basidj durch Wegbomben der alten Führungsclique. Hat ja prima geklappt mit dem Regime Change.



        Hatte Pahlavi jemals lautere Absichten, was das iranische Volk und seine politische Zukunft betrifft, so sind diese durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran jedenfalls nachhaltig diskreditiert worden.



        Erst recht gilt er nun als Puppe US-amerikanischer und israelischer Interessen im Iran. Und dass dürfte einer stolzen, auf Freiheit und Unabhängigkeit bedachten iranischen Nation auch nicht schmecken.



        Und ich wiederhole es: Vorsicht bei der Wahl seiner Freunde.

      • @Cyrus:

        " Die Zukunft Irans wird im Iran selbst entschieden."



        Das sei den Iranern zu wünschen, auch wenn ich es eher nicht glaube.

  • Dass Reza Pahlavi gerne hätte, dass wir einen Regime Change zu seinen Gunsten durchsetzten ist ja schön und gut. Hat ja in seiner Familie Tradition. Aber wir sollten uns vielleicht daran erinnern, dass der letzte Regime Change - der Sturz Mossadeghs durch CIA, MI6 - erst zu dem repressiven Regime unter Mohammad Reza Pahlavi geführt hat, das den Nährboden für die Islamische Revolution bildete.



    Muss man nicht unbedingt wiederholen.

    • @pumble:

      Diese Wahrnehmung verzerrt die tatsächliche Priorität der Konflikte im Iran. Der zentrale politische und gesellschaftliche Konflikt vieler Iraner richtet sich weiterhin gegen das herrschende System der Islamischen Republik – nicht gegen einzelne Oppositionsfiguren im Exil.

      • @Cyrus:

        Da möchte ich nicht widersprechen. Aber ist es ausgerechnet der Schah-Sohn, der die Legitimität des iranischen Volkes genießt, aber sich anlässlich seines Berlin-Besuches nicht einmal dazu durchringen konnte, ein Wort des Bedauerns für die iranischen Opfer der amerikanischen Bombenangriffe auszusprechen?



        Dass es um Glaubwürdigkeit und Legitimität Pahlavis nach den israelischen und amerikanischen Angriffen schlechter ddnb je bestellt ist, habe ich schon in einem anderen Kommentar erwähnt.



        Pahlavi hat sich in seinen Bemühungen, sich zum künftigen Staatsoberhaupt des Iran aufzuschwingen, einfach zu sehr an die USA und Israel, sein eigenes politisches Schicksal an den Ausgang dieses Krieges gebunden.



        Und der Kriegsverlauf war für die iranische Opposition nicht so günstig wie erwartet. Das fällt Pahlavi jetzt vor die Füße.

  • Der Schah in spe ist ratlos. Die Bundesregierung ist ratlos. Europa ist ratlos. Die USA sind ratlos. Israel ist ratlos - würde das Land aber am liebsten dem Erdboden gleich machen. Wie man das macht, haben die in Gaza und im Süd-Libanon geübt.



    Und ich - ich weiß auch keinen Rat. Sie etwa?

  • Der Golf-Krieg von 2003 ist ein Lehrstück im Versuch eines Regime-Change von außen ohne Langzeitkonzept. Was ist dabei nicht alles schief gegegangen. Afghanistan ist ein weiteres Beispiel. Nach 20 Jahren Krieg alles beim Alten. Kein europäisches Land wird sich in einen Bodenkrieg im Iran verwickeln lassen oder einheimische Milizen bewaffnen, von denen nicht klar ist, was oder wen sie nach einem potientiellen Sturz der aktuellen Regierung unterstützen werden. Niemand will für einen Bürgerkrieg im Iran verantwortlich sein. Niemand will die eigenen Soldaten für die Zeit, die ein Regime Change tatsächlich braucht,dort stationieren und dann den eigenen Wählern die Notwendigkeit für die anfallenden Verluste erklären müssen. Das hatten wir schon. Es ist ein komplexes Problem, das komplexe Lösungen braucht. Leider ist der oragne Typ, der das Problem angezettlet hat, grob unfähig und seine Speichellecker sind zu egozentrisch, um eine komplexe Lösung zu erarbeiten. Wird darauf hinauslaufen, dass das Regime bleibt, Maut erhebt und die Welt zahlt. Momentan kann nicht mal China dieses Knoten lösen.

    • @Bluewater:

      "Afghanistan ist ein weiteres Beispiel. Nach 20 Jahren Krieg alles beim Alten."



      Ich würde auch gerne noch daran erinnern, wie uns dieser Einsatz verkauft wurde:



      Mädchenschulen und Wasserleitungen ...



      Diese Art politisch-medialer Schaustellertricks funktionieren leider immer noch und werden wohl bei der Vermittlung von Medienkompetenz auch zukünftig, natürlich zu unsrem Besten (was sonst), sorgfältig ausgespart.



      Es ist so lieb, daß man uns das Denken immer an den Stellen abnimmt, wo es um Krieg und Frieden geht und gar nicht so erstaunlicherweise so gerne für den Krieg.