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Gen Z regelt BerlinEine Bewegung formiert sich

In Berlin werden tausende Schü­le­r:in­nen zum Gen-Z-Protest erwartet. Eine neu gegründete Initiative trifft dabei auf bestehende linksradikale Strukturen.

Organisierung, Blockaden, Demonstrationen: Unter Berliner Jugendlichen regt sich seit einiger Zeit Widerstand gegen die deutsche Politik. Nach ersten Blockaden an verschiedenen Gymnasien will die Generation Z – Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 30 Jahren – ihren Frust am kommenden Samstag auf die Straßen tragen.

Aufgerufen hat die neu gegründete Initiative Gen Z regelt zum Protest um 14 Uhr vor das Brandenburger Tor. Laut der Website haben sich bislang mehr als 8.000 Menschen dafür angemeldet. Berlin ist dabei nur eine von bundesweit mehr als 20 Städten, in denen junge Menschen an diesem Tag gegen Bildungskürzungen, Sozialabbau und die Wehrpflicht protestieren wollen.

Gen Z regelt ist eine bundesweite Initiative aus Einzelpersonen, die sich erst jüngst über soziale Medien zusammengefunden haben – sie trifft aber auf bestehende Strukturen vor allem aus dem linksradikalen, antiimperialistischen Spektrum, denen es in jüngerer Vergangenheit am ehesten gelang, junge Ak­ti­vis­t:in­nen anzuwerben. Es sind Gruppen wie Sozialismus von unten, Kommunistischer Aufbau oder Young Struggle, die sich schon seit Monaten die Proteste gegen die Wehrpflicht vorantreiben.

Noch aber ist kaum auszumachen, wer am Samstag das Heft des Handelns in der Hand haben wird. Denn während die linken Polit-Gruppen die Mobilisierung pushen – oftmals mit Posts, die auch von den offiziellen Kanälen von Gen Z regelt verbreitet werden –, erklärte am Montag ihr erster offizieller Sprecher, der Berliner Influencer Gianni Matheja, seinen Rückzug. In einem Statement begründete er dies damit, dass „unterschiedliche Gruppen“ unter dem Label zusammenkämen: „Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe ich unter diesen Umständen nicht mehr ausreichend abgesichert“, so Matheja.

Angemeldet für 10.000 Teilnehmer

Verwirrung gibt es auch bei der Polizei. Nachdem es zunächst gar keine Anmeldung für den Protest gegeben hatte, wurde eine erste Anmeldung zurückgezogen. Seit Dienstag aber ist wieder eine Kundgebung von Gen Z regelt angezeigt, so eine Polizeisprecherin zur taz. Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“ sind 10.000 Teil­neh­me­r:in­nen angekündigt. Die Polizei spricht von Aufrufen „aus dem linken politischen Spektrum“, sagt aber auch: „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung liegen uns derzeit nicht vor.“ Man werde mit etwa 1.000 Einsatzkräften vor Ort sein.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach gar schon von einer „Großdemolage“. Ihr Landeschef Stephan Weh warnte: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass radikale Kräfte demokratischen Protest nicht wie in Frankreich für sich vereinnahmen, dafür nutzen, Gewaltfantasien auszuleben, die Versammlungsfreiheit zu missbrauchen und das Narrativ einer bürgerfeindlichen Polizei zu füttern.“ Ungünstig sei zudem der Termin, der auf die Halloweennacht falle, in der „auf unseren Straßen eh gern mit Pyrotechnik hantiert wird“.

Wie sich die Bewegung formt, ist seit wenigen Wochen zu beobachten. Die taz war dabei, als Mitte Oktober etwa 150 Schü­le­r:in­nen und Studis im Konferenzraum des Redaktionsgebäudes der Jungen Welt zusammenkamen – zwei Tage nach der ersten Schulblockade in Berlin am französischen Gymnasium in Tiergarten.

Zu dem Treffen eingeladen hatten Gen Z regelt und die Neuköllner Jugendorganisation der Linkspartei nur wenige Stunden vorher auf Instagram. Eigentlich traf sich an diesem Abend die Initiative Schulstreik gegen die Wehrpflicht, die seit Dezember vergangenen Jahres vier Protesttage organisiert hat. Doch auf dem Podium hing dann eine Flagge mit der Aufschrift „GenZ regelt das – Berlin.“ Eine Schülerin aus Paris erklärte den Anwesenden, wie Schulblockaden ablaufen. Durch die Reihen gingen Flyer mit der Aufschrift „Der Funke aus Frankreich ist übergesprungen“, mit einer Schritt-für-Schritt-Erklärung für den Aufbau von Schulblockaden.

Zwei Tage später, am 16. Oktober, starteten die Berliner Jugendlichen eine weite Blockade am Andreas-Gymnasium in Friedrichshain. Zwischen 100 und 200 Schü­le­r:in­nen sowie Un­ter­stüt­ze­r:in­nen aus linken Organisationen verbarrikadieren die Eingänge des Gebäudes von 7 Uhr morgens bis 13 Uhr. Neben Transparenten mit Aufschriften wie „Merz leck Eier“ war auch die Gen-Z-Fahne mit dem orangefarbenen Eichhörnchen zu sehen.

Noch ist unklar, welchen Charakter die Proteste am Samstag annehmen werden und wie viele bislang nicht politisierte oder organisierte Jugendliche sich daran beteiligen werden. Doch die Angst vor Gewalt ist vor allem Stimmungsmache. Auch wenn linksradikale Gruppen die Sehnsucht nach allem treibt, was nach Revolte klingt, blieben Randale bei Schülerprotesten bislang aus. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht verliefen allesamt friedlich. Gen Z regelt will, dass das so bleibt. Auf der Website heißt es: „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen.“

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17 Kommentare

  • Wunder Wunder

    "bestehende Strukturen vor allem aus dem linksradikalen, antiimperialistischen Spektrum" / "Gruppen wie Sozialismus von unten, Kommunistischer Aufbau oder Young Struggle" / "im Konferenzraum des Redaktionsgebäudes der Jungen Welt " / "die Neuköllner Jugendorganisation der Linkspartei"

    - danke für diese ehrliche Aufzählung .



    Echt schlimm, wie die Proteste diffamiert werden. (Ironie aus)

  • SummSumm

    Die Angst vor Gewalt ist Stimmungsmache. – Exakt!

    Mainstream ist zunehmend die AfD und eine katastrophale Politik der Altparteien, die der AFD unzweifelhaft in die Hände spielen:



    die Wahl in Sachsen-Anhalt ist bereits Vorbote der Bundestagswahl.

    Dementsprechend ist die Panikmache vor absolut berechtigtem Widerspruch junger Menschen und all jenen, die Merz' Lobbypolitik verurteilen, durchsichtig.



    Gewalttätige Ausschreitungen werden m-E. instrumentalisiert, um kritischen und/oder eher links ausgerrichteten Bürgern den Widerstand zu verleiden. Dich die Linke ist keine Partei, die von irgendeinem deutschen Gericht als egesichert linksextremistisch eingeordnet wurde.

    Polarisierung hat Methode.



    Das sollte inzwischen jede:r begriffen haben, der deutschen westlich ausgerichteten Mainstreammedien kritisch begegnet.



    Die Stimme der Bürger geht nicht nur im Berliner Parlament unter.



    Politisches Ziel ist der Abbau von Demokratie.



    Wer versteht all die Kürzungen als "Reformen"? Was dem Gros der Bürger als Verbesserung/Reform verkauft wird beinhaltet krasse Verschlechterungen.



    Richtig, sich den Protestanten anzuschließen , um klar zu verdeutlichen:



    –– DAS HABEN WIR NICHT GEWOLLT! --

  • Chaos-NRW

    Nach dem, was man aktuell so liest, scheint sich die Bewegung nicht zu formieren, sondern aufzulösen, da selbst den vorher Beteiligten offenbar suspekt ist, wer mit welchen Motiven da mitwirkt.

  • JC Kay

    Wenn ich sehe, dass die Demo unter anderem von Jungendorganisation der Linken Neukölln in den Räumen der Jungen Freiheit organisiert wird, ist abzusehen, in welche Richtung es geht.

    Ich glaube nicht, dass es bei den mitunter berechtigten Forderungen bleiben wird. Wäre ich heute noch Schüler, würdet ich mich von dieser Gruppe nicht repräsentiert fühlen. Und bei der ersten Pali Flagge würde ich die Demo umgehend verlassen.

  • Torben2018

    Bleibt spannend, ob die Gen-Z hier mehr inhaltliche Ausdauer zeigt als die FFF, und FFF, die letztendlich dann doch eigenen Urlaub und eigene Interessen als wichtiger erachtete, und sich nicht anders verhält als die vorhergeenden Generationen, die sie kritisiert.

    Hoffentlich gibt es hier nicht die Trennung zwischen Teilnehmern als politische Person und der Privatperson, die dann doch nur die Eigeninteressen verfolgt. Wünschenswert wäre es.

    Und hoffentlich schafft es die Polizei, die absolut berechtigten Demos vor der Unterwanderung durch nur am Chaos interessierten Gruppen zu schützen.

  • Soda

    Hab noch gar nichts von den Protesten gehört. Auf tagesschau.de findet man die Berichterstattung nur unter "ferner liefen" über die Suchfunktion. Der Titelbereich ist besetzt mit diversen Artikeln darüber, was Merz oder irgendein anderer Politiker sagt. Teil des Problems...

  • *Sabine*

    "... Blockade am Andreas-Gymnasium in Friedrichshain. ... verbarrikadieren die Eingänge des Gebäudes von 7 Uhr morgens bis 13 Uhr."

    Verstehe ich es richtig, dass damit auch den Schülerinnen m/w/d und Jugendlichen m/w/d, ebenso wie den Lehrkräften m/w/d, die am Unterricht teilnehmen bzw. unterrichten möchten, der Zugang verunmöglicht wurde?



    Vermutlich altersbedingt verstehe ich nicht, weshalb man durch Nicht-Inanspruchnahme und Verhinderung der Teilnahme an Bildungsangeboten für mehr Bildungsangebote demonstriert.

  • Ta Tsu

    Gen Z hat jeden Grund zu demonstrieren! Das eigentliche Problem sind aber die öffentlichen Schulden aka "Sondervermögen", die heute die Inflation antreiben und der Politik morgen jede Spielraum zur Gestaltung nehmen werden. Die Zukunft der Gen Z wird damit schon heute verfrühstückt.

  • PfoteMila

    Zum Thema: Polizei bereitet sich auf Randale von Linksextremisten vor.



    Wie will man den Nachweis erbringen, dass Randale von sog. Linksextremisten ausgehen bzw. veranstaltet werden?

    • rero

      @PfoteMila:

      Für eine Gefahrenprognose braucht man keinen Nachweis.

      Ist ja eine Prognose.

      Man sieht sich an, wer wie aufruft.

      Hat die Polizei zuviel Personal vor Ort, ist das unschädlich.

    • Hector Savage

      @PfoteMila:

      Das ist ja das Komfortable: Der Nachweis lässt sich nicht erbringen, und wenn es dann knallt, ging es natürlich von der Polizei aus.

    • Warim Wilke

      @PfoteMila:

      Weshalb Nachweis? Es geht um Einschüchterung, um das Delegitimieren von Forderungen, zudem darum, den Schwerpunkt der Berichterstattung von den Forderungen der Demonstrierenden abzulenken.

    • Franz Hofer

      @PfoteMila:

      Steht in der taz: "Eine neu gegründete Initiative trifft dabei auf bestehende linksradikale Strukturen."

    • pumble

      @PfoteMila:

      Seit wann muss man das beweisen? Das wird von der Polizei, Union und AfD behauptet und dann wird das als gegeben hingenommen.

      Und wiean hier sieht, braucht es dafür nichtmal echte Randale. Man kann auch einfach behaupten, dass es welche gibt.

      • SummSumm

        @pumble:

        Genau!

    • realnessuno

      @PfoteMila:

      Ganz einfach, so wie bisher üblich: Der "Nachweis" wird durch Ausschreitungen erbracht, die häufig von Agents Provocateurs angefangen werden.



      Darüber berichtet dann die Presse lautstark, so dass die Themen hinten runterfallen und sich alle guten Bürger nur noch über die böse "Gewalt" aufregen.



      q.e.d oder win-win *g*

      • rero

        @realnessuno:

        Das Narrativ vom Agent-Provocateur ist spannend.

        Wo die Polizei in Berlin sich heutzutage nach Ausschreitungen rechtfertigen muss, dass sie versagt hat.

        Ich hoffe ja, dass es in Berlin eine Innensenatorin der Linken geben wird.

        Damit mal die Narrative hinterfragt werden müssen.

        Allerdings befürchte ich, dass sich die Linke vor dem Posten wieder drücken wird.