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Frauensolidarität und Male BondingOhne Eignung geht es nicht

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

ASF-Frauen setzen sich jetzt stark für Saskia Esken ein. Das ist wichtig in Zeiten von toxischer Männlichkeit. Aber was bringt das?

E s steht offenbar gar nicht gut um die Zukunft der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken. Wenn am Wochenende gleich mehrere Frauen der so­zial­demokratischen Frauenorganisation ASF sowohl den designierten Bundeskanzler Friedrich Merz als auch ihre eigene Partei aufforderten, stärker auf Esken als politisches Schwergewicht zu setzen, dann ist das ein deutliches Zeichen für ein großes Problem. Das weibliche Solidaritätsbekunden kam zwar spät, aber immerhin kam es. Nur, was kann es bewirken?

Unabhängig von CDU-Mann Merz, der gar nicht daran denkt, sein Kabinett paritätisch zu besetzen, ist Esken in den eigenen Reihen mehr als umstritten, sie wurde gar zum Rückzug aufgefordert. Ihr Co-Chef Lars Klingbeil hingegen erntet Lorbeeren über Lorbeeren, Medienberichten zufolge wird er als neuer Finanzminister gehandelt, obwohl er auf diesem Gebiet gar keine ausgewiesene Expertise besitzt. Das nennt man male bonding, das Bilden enger persönlicher Beziehungen zwischen Männern mit gemeinsamer Identität und ähnlichen Zielen. Zu beobachten war das schon bei den Koalitionsverhandlungen, die hauptsächlich von Männern geführt wurden, Frauen waren dabei eher Makulatur. Die Botschaft war klar: Wir Jungs regeln das mal unter uns.

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In diesem Klima können es Frauen nur schwerhaben – und das ganz unabhängig von ihrer Kompetenz. Für Saskia Esken kommt noch hinzu, dass sie auch in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt ist. Wenn aber jetzt ASF-Frauen verstärkt für sie werben, ist das auch ein Zeichen dafür, dass es der SPD an fachkundigen, integrierenden, einflussreichen Frauen mangelt, zumindest an solchen, die nicht nur im eigenen Wahlkreis bekannt sind. Nun will die SPD ihre Ministerien (und auch die Doppelspitze der Partei) kompetent und paritätisch besetzen. Die schwierige Frage lautet aber offensichtlich: Mit welchen Frauen?

Nun ist Frauensolidarität in Zeiten von toxischer Männlichkeit besonders wichtig. Aber ohne Eignung geht es trotzdem nicht.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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10 Kommentare

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  • Ach Frau Schmollack. Weil nur wenige Frauen es bei der SPD zu Prominenz bringen werfen Sie die Eignungsfrage auf? Ich hatte gehofft, das wir aus dieser Steinzeitperspektive allmählich rausentwickelt sind. Erst wenn Frauen genauso inkompetent rumwurschteln können wie die Männer, ettliche von ihnen in mächtigen Positionen, und sich trotzdem weiterhin breitbeinig in den Talkshows selbst beweihräuchern können, sind wir der Gleichberechtigung etwas näher gekommen. Mit freundlichen Grüßen S.Marx

  • Was ist eigentlich toxische Weiblichkeit?



    Klischees vor!

    • @Peter Schütt:

      Interessante Frage, es gibt auch Antworten:



      www.l-iz.de/bildun...patriarchat-594483



      Zu Geschlechterstereotype vergl. auch



      bei deutschlandfunk.de



      "Mittlerweile hört man immer öfter auch von der „toxischen Weiblichkeit“. Gerade in rechten Männergruppierungen und -foren wird der Begriff oft genutzt, um Frauen und feministische Bewegungen zu diskreditieren. Was steckt hinter dem Begriff?"

  • Bei spd.de:



    "Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) hat ein neues Signet. Und einen neuen Namen: SPD FRAUEN.



    Mit Beschluss des ASF-Bundesvorstandes, dem Beschluss des SPD-Parteivorstandes am 9. Oktober und Annahme im Rahmen der ASF-Bundeskonferenz im Sommer 2023 ist jetzt offiziell die Namensänderung Arbeitsgemeinschaft der 140.000 Frauen in der SPD umgesetzt. Aus ASF wird SPD FRAUEN."



    Dazu bei vorwaerts.de



    "Neu am Signet und Namen ist eine bessere Sichtbarkeit des Wortes FRAUEN, wobei FRAUEN als Überbegriff für Frauen in all ihrer Vielfalt dargestellt werden sollen. Hinzu kommt die Faust mit Frauenzeichen als weltweites Kampfsymbol. Auch verspricht sich die Organisation vom neuen Namen eine bessere Auffindbarkeit im Netz durch mehr Eindeutigkeit, um eine Verwechslung auszuschließen."

  • Toxische Männlichkeit. Den Begriff finde ich irgendwie befremdlich. Eigentlich gänzlich unlinks. Aber vielleicht verstehe ich ihn auch einfach falsch. Inklusive Wirkung geht von ihm auf jeden Fall mal nicht aus.

  • Erinnert ihr euch noch an Christiane/Christine? Lambrecht. Und die Erleichterung als dann Boris Pistorius kam? Wundert man sich dann immer noch warum die Idee der paritätischen Besetzung gelitten hat?

    • @Marmot:

      Lambrecht ist eigentlich eine Allzweckwaffe für die SPD und konnte biografisch einige Ministerposten aufweisen.



      Nur das Verteidigungministerium war halt für sie rückblickend ein Redflag.

  • "Nun ist Frauensolidarität in Zeiten von toxischer Männlichkeit besonders wichtig. Aber ohne Eignung geht es trotzdem nicht."

    Vielleicht müssen wir einfach mehr Technokratinnen in der Bundesregierung wagen. Eignung und Weiblichkeit vereint.

    • @Ice-T:

      So funktioniert das Spiel um die Macht aber nicht. Die eigenen Truppen wollen für die Loyalität mit Posten und Ehrungen belohnt werden. Das ist heute so wie vor 5.000 Jahren...

      Hinterbänkler kommen nur zum Zuge wenn die Parteielite (hier: die Elite der SPD-Frauen) in Gänze versagt hat oder glaubt dass es auf diesen Posten nichts zu Gewinnen gibt.

      • @Chris McZott:

        Ja, leider ist es auch eine Frage der Machtkonstellation.