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Eskalation im IrankriegIran und Israel beschießen sich wieder

Nach einem Angriff des israelischen Militärs im Libanon folgen mehrere Luftschläge. Der „Deal“ von US-Präsident Donald Trump scheint in weiter Ferne.

Lisa Schneider

Aus Tel Aviv

Lisa Schneider

Um kurz vor sechs Uhr am Montagmorgen heulen die Sirenen in Tel Aviv. Raketenalarm in Zentral- und Südisrael sowie dem südlichen Westjordanland. Kurz darauf die Entwarnung: Eine von der iranisch unterstützten Huthi-Miliz im Jemen auf Israel abgefeuerte Rakete wurde nach israelischen Medienberichten abgefangen. Verletzt wurde niemand. Auch um Jerusalem tönten wenig später die Sirenen, mehrere aus Iran abgefeuerte Raketen wurden ebenfalls abgefangen. Am späten Sonntagabend hatte Iran bereits mehrere ballistische Raketen auf Nordisrael abgefeuert, der erste solche Angriff seit zwei Monaten.

Die Vorgeschichte dieser Eskalation: Am Sonntagnachmittag hatte das israelische Militär in Dahiyeh angegriffen, also in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut. Laut der libanesischen Nachrichtenagentur National News Agency wurden dabei zwei Menschen getötet, mehrere verletzt. Laut dem israelischen Medium Haaretz galt der Angriff Wohnungen und Kommandozentralen der Hisbollah.

Der letzte Angriff Israels in Dahiyeh ereignete sich Ende Mai. Auf Bitten der USA, die derzeit mit Iran um eine Verlängerung der Waffenruhe und ein Ende des Konflikts verhandeln, hatte Israel seitdem von Angriffen dort abgesehen – auch wenn der Beschuss Israels im Südlibanon unvermindert anhielt. Auch die Angriffe der Hisbollah in Nordisrael gingen weiter.

Nach dem jüngsten Angriff in Dahiyeh hatte Teheran Vergeltungsschläge angekündigt, Israel gewarnt, „den Himmel zu beobachten“ für eine „entscheidende, schmerzhafte Antwort“. In der Nacht auf Montag war es dann so weit. Doch nach dieser ersten Welle von Raketen gen Israel erklärte US-Präsident Donald Trump, er wolle Premierminister Benjamin Netanjahu anweisen, nicht zurückzuschlagen. Das könne nämlich die anhaltenden Verhandlungen mit Iran gefährden, deren Abschluss „sehr nahe“ sei. „Jeder von ihnen hatte seinen Spaß. Israel hatte seinen Angriff und Iran hatte seinen Angriff. Wir brauchen keinen weiteren“, so der US-Präsident laut Medienberichten.

Trump warnt Israel

Wo genau der „Spaß“ lag, weiß nur Trump selbst. In Iran wurden Explosionen in Teheran, Isfahan und Tabriz gemeldet. Getroffen wurden wohl Raketenabschussstellen sowie eine petrochemische Fabrik. In Saudi-Arabien ertönte ebenfalls der Raketenalarm – kurz darauf Entwarnung, genauere Informationen gibt es bislang nicht.

Welche Folgen wird diese Runde der Eskalation für die Verhandlungen haben? Auf Telegram witzelt ein Nutzer: Israel habe den Iron Dome, Iran den Donald Dome. Die iranische Führung scheint sich bewusst zu sein, dass sich Druck seitens der USA derzeit kaum gegen sie selbst richtet – abseits der anhaltenden und teilweise funktionierenden Blockade von mit Iran verbundenen Schiffen in der Straße von Hormus.

Stattdessen richtete sich die jüngste Warnung des US-Präsidenten an Israel. Das hat einen gewissen Symbolcharakter. Aber: Laut dem saudi-arabischen Medium Al-Hadath hatte Israel wohl Washington bezüglich seiner Angriffspläne in Südbeirut informiert. Und: Normalerweise hält sich Netanjahu an die Weisungen aus Washington.

Der US-Präsident will, so die Meinung vieler Analysten, verzweifelt einen Deal. Einen Grund dafür zeigt die jüngste Eskalation: Die Preise für Rohöl stiegen sofort nach den Angriffen um über drei Prozent. Auf dem bereits geöffneten asiatischen Markt, etwa in Japan und Korea, sanken die Aktienindizes. Die wirtschaftlichen Folgen des Ende Februar mit Angriffen von USA und Israel in Iran begonnenen Krieges sind weltweit spürbar.

Wie ein solcher Deal mit Iran allerdings zustande kommen soll, ist weiter völlig unklar. Zwar ist die ökonomische Situation in Iran dramatisch – doch für die Hardliner, die derzeit wohl am Ruder sind, ist das kein Grund für einen Deal mit den USA. Auch wenn dieser die Aufhebung oder Lockerung von Sanktionen beinhalten würde. Ein Nachgeben Irans bezüglich seines Raketen- und Atomprogramms sowie bei den unterstützten Milizen etwa im Libanon und Jemen ist nicht zu bemerken.

Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf hatte vor etwa einer Woche auf X erklärt: „Wir erzwingen Zugeständnisse nicht durch Dialog, sondern mit Raketen“, „wir handeln erst, wenn die Gegenseite gehandelt hat“, und „der Gewinner eines jeden Abkommens ist derjenige, der am Tag danach besser für den Krieg gerüstet ist“. Mohsen Rezaei, führender militärischer Berater in Iran, erklärte wiederum jüngst: „Die Verhandlungen sind in einer Sackgasse“. Trumps Ankündigung vom Sonntag, ein Deal sei „nur Tage entfernt“, scheint kaum realistisch.

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