Brüchiger Waffenstillstand im Irankrieg: Angriffe und Gegenangriffe
Offiziell besteht der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran weiter. Tatsächlich wird gekämpft. Iran sagt weiter, die Gespräche seien ausgesetzt.
Foto: Uncredited/AP/dpa
Wie nennt man einen Konflikt mit gegenseitigem Beschuss? Anscheinend Waffenruhe.
Am späteren Dienstag hatte die Islamische Republik Iran erneut in den Golfstaaten angegriffen: Zwei Raketen wurden auf Kuwait abgefeuert, die wohl noch im Flug abstürzten. Mehrere Raketen wurden außerdem auf Bahrain abgeschossen. Laut dem Verteidigungsministerium wurden sie abgeschossen. Auf beide Länder zielte Iran außerdem mit Drohnen.
In der Nacht griffen daraufhin die USA auf der iranischen Insel Keschem in der Straße von Hormus an. Iran wiederum erklärte, er habe in Bahrain und einem weiteren Staat, ohne Kuwait zu nennen, angegriffen, weil zuvor die USA die sogenannte Waffenruhe gebrochen hätten. So habe das US-Militär auf einen Tanker gezielt, der die weiterbestehende US-Seeblockade Irans durchbrechen wollte.
Bei dem Angriff in Kuwait wurde auch der Flughafen getroffen, wohl von einer Drohne. Eine Person wurde dabei getötet, mehrere wurden verletzt, Gebäude schwer beschädigt. Erst am Montag war der Flughafen nach den Angriffen Irans im Rahmen des Krieges mit den USA und Israel wieder eröffnet worden.
Der Grundkonflikt bleibt ungelöst
Der Hintergrund dieser jüngsten Eskalation: Die USA und Iran führten bislang weiter Verhandlungen um eine Verlängerung der sogenannten Waffenruhe und einer Lösung für ein Kriegsende. Dabei kam es jüngst zu einer wenig erstaunlichen Sackgasse. Daraufhin meldeten dem iranischen Staat nahestehende Medien, dass der Austausch von Nachrichten zwischen den beiden Parteien eingestellt sei.
Die angebliche Waffenruhe ist nun theoretisch erst einmal verlängert, doch bleibt der Grundkonflikt ungelöst. Ein großer Streitpunkt dabei ist das weiterhin in Iran verbliebene angereicherte Uran. Das wollten die USA im Krieg 2025 zerstört haben. Es stellte sich aber heraus, dass das eben nicht der Fall war. Hinzu kommt der Streit über die von Iran unterstützten Milizen in der Region. Die USA wollen – so zumindest die Aussage US-Offizieller zu Beginn der Verhandlungen –, dass Iran seine Unterstützung für diese beendet. Iran wird sie aber kaum aufgeben.
Dass Iran den Austausch von Nachrichten beendet habe, wie etwa die Agentur Tasnim erklärte, hat wohl damit zu tun, dass Israel jüngst seine Militärfeldzug in Libanon intensivierte. Die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz feuert ebenfalls weiterhin Raketen auf Nordisrael ab, die lokale Bevölkerung bleibt entweder vertrieben oder lebt unter der Gefahr des Beschusses.
Die Folgen des Krieges betreffen Libanon aber noch intensiver: Im Süden des Landes, an der Grenze, wurden ganze Dörfer und Städte dem Erdboden gleichgemacht. Die südlichen Großstädte Nabatija und Sour sind fast vollständig zur Flucht aufgerufen. Auch aus dem Süden der Hauptstadt Beirut flohen jüngst die Menschen. Israel hatte zuvor Angriffe dort angekündigt.
Auf Befehl des US-Präsidenten Donald Trump wurde eine massive Ausweitung der bestehenden Angriffe aber wohl vorerst verhindert. Trotzdem wurde etwa am Mittwoch ein Fahrzeug in Khalde getroffen, nur wenige Kilometer vor Beirut.
Noch wurde die Waffenruhe nicht offiziell für beendet erklärt. Auch wenn sie es, eigentlich offensichtlich, bereits ist.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert