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Eröffnungssitzung des Board of PeaceMutet an wie Realsatire, aber es ist bitterernst

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

US-Präsident Donald Trump justiert die Weltordnung neu. Nun auch mithilfe seines „Friedensrates“, dem Trump über seine Amtszeit hinaus vorsteht.

Trumps Reality TV: Ohne Substanz und Legitimität Foto: Kevin Lamarque /reuters

S elten hat man Donald Trump so verzückt gesehen wie bei der ersten Sitzung seines neuesten Geniestreichs, dem „Board of Peace“. Der „Friedensrat“ soll erst den Gazastreifen und danach, wie Trump in seiner Eröffnungsrede ausführte, „unseren ganzen Planeten“ in „einen besseren, sichereren, schöneren und friedlicheren Ort für uns alle“ verwandeln. Wer dachte, Trumps Superlative seien inzwischen aufgebraucht, liegt falsch. Trump hat in Pakistan und Indien 25 Millionen Menschenleben gerettet und 3.000 Jahre Krieg im Nahen Osten beendet. Hat er gesagt.

Das Treffen war kabarettreif. Brav ließen sie sich alle vom 79-jährigen Trump mit grenzwertigem Humor vorführen: die Präsidenten von Indonesien und Argentinien, von Aserbaidschan und Kosovo, von Paraguay, Usbekistan, Kasachstan. Der König von Bahrain, der Parteichef von Vietnam, Ungarns Viktor Orbán und viele andere mehr. Fifa-Chef Gianni Infantino versprach 36 Fußballstadien für Gaza. Der britische Ex-Premierminister Tony Blair lobte Trumps Riviera-Plan als „die einzige Hoffnung für Gaza, die Region und die weitere Welt“.

Es liegt nahe, das alles hochnäsig abzutun: Der US-Präsident spielt Reality TV mit der Wirklichkeit, ohne Substanz und Legitimität. Aber leider stimmt das nicht, wie Trump nicht vergaß zu erwähnen. Der „Friedensrat“ hat ein Mandat des UN-Sicherheitsrats. Der hat in seiner Sitzung am 17. November 2025 die Resolution 2803 ohne Gegenstimmen angenommenen – und damit die Einrichtung des Board of Peace als „übergangsweise amtierende Verwaltung mit Völkerrechtspersönlichkeit“ für den Gazastreifen „begrüßt“ und ihm bis Ende 2027 das Mandat für eine Gaza-Friedenstruppe und die Wiederaufbaufinanzierung erteilt. Natürlich sagt Trump nun, es seit gar nicht wahr, dass er von der UNO nichts halte, vielmehr werde sein Rat die Vereinten Nationen „überwachen“ und „stärken“.

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Unter Trumps Führung wird die internationale Ordnung neu justiert. Und zwar über das Ende von Trumps Amtszeit als US-Präsident hinaus. Trump ist Präsident des Friedensrats auf Lebenszeit und hält ein Vetorecht über all seine Entscheidungen. Die UNO spielt brav mit. Diejenigen in Europa, die eine regelbasierte Weltordnung gegen Trump ins Feld führen, haben übersehen, dass sie das Heft längst aus der Hand gegeben haben. Sie haben schon hingenommen, wie Russland die Ukraine zerstört und wie Israel den Gazastreifen zum Modell für die Welt von morgen gebombt hat: ein dystopisches Trümmerfeld, auf dem nichts funktioniert, wo Bürger- und Menschenrechte unbekannt sind, wo allein das Recht des Stärkeren gilt.

Die internationale Ordnung wird über Trumps Amtsende hinaus neu justiert

Man kennt solche Verhältnisse bereits aus den russisch besetzten Gebieten der Ukraine, den Bergbauzonen der Demokratischen Republik Kongo, den Migrantengefängnissen von Nordafrika und Zentralamerika. In Zukunft soll das die Regel sein, nicht die Ausnahme. In Trumps Worten: „Wir kommen rein, und es ist schön. Alles ist schön.“

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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25 Kommentare

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  • Es gibt Ereignisse, zu denen gebietet sich nur Eines: Schweigen, lautes Schweigen.

  • Ja es ist Realsatire, ja es ist zum Kotzen. Leider hat in den letzten 4 Jahren des Ukrainekriegs oder des Gazakonfliktes niemand der 'regelbaiserten' Welt aber auch nur einen Millimeter Bewegung in eine der beiden Konfliktherde gebracht. Somit ist diese Realsatire trotz allem realistischer in seiner Erfolgswahrscheinlichkeit als alles was Scholz, Macron, und Biden oder nun Merz oder Starmer je erreicht haben. Wann kommen denn die "Guten" endlich in die Gänge? Die Schäbigen abgeschmackten Typen gewinnen nämlich sonst! Macht, Geld, Länder....

  • Wenn Trumps Amtszeit vorbei ist, sitzt er allein in seinem Board of Peace.

  • Also ich finde es eher bezeichnend, dass Orban sich da in der zweiten oder sogar dritten ? Reihe versteckt. Es ist sicher an einfachsten, einen Konflikt beizulegen, wenn keiner der Beteiligten anwesend ist.

  • Problematisch sind wie immer nur die Profiteure solcher Selbstdarsteller, der geistig Gestörten. Trump könnte morgen weg sein, wenn es wirklich den Willen dazu gäbe.



    Eine einzelne Person ist leicht abzusetzen, aber nicht wenn es Menschen gibt die dadurch ihren großen Vorteil ziehen. Das war schon immer so und wird so weiter gehen, das Allgemeinwohl ist diesen Menschen egal. Lieber Trump weiter erzählen wie fantastisch er ist, ihn weiter fast unkontrolliert irre Sachen machen lassen und es nur leicht beeinflussen um das Gute dabei abzugreifen. Diese Menschen sind das größere Problem und Übel.

  • In Trumps sog "Friedensrat" versammelt sich die Rechte Inter nationale+ein paar Abhängige Mittelmächte,die auch starke theokratische Wählerpotenziale haben,fossile Mächte sowieso.Die UN zu reformieren hätte längst passieren müssen,zuvorderst die Sicherheitsrats Architektur. Das hätte in den 90gern passieren muessen,als es globale Bewegungen mit UN Bezug hatte: Wer erinnert sich noch dran dass in den Grünen mal Frauen eine Welt Frauen Sicherheitsrat forderten, der die UN Res1325 implemen-tieren helfen sollte:Sodass in Konflikten die Frauen vor Ort mit Frieden auszuhandeln Macht bekommen sollten.Was wäre wohl mit den Women wage Peace, deren Frontfrau Vivian Silver am 7. Okt.23 ermordet wurde, statt ihrer Ohnmacht, das UN Mandat bekommen hätten, Frieden auf den Weg zu bringen?Hätte sich dann auch ein Regime,dass so patriarchal-autoritär, wie das der Mullahs aber auf Jüdisch sein will ( Wahlkampfzitat Ben Gvir ),sich etablieren können? Nun sind die internationalen Antifeministen&Krieger dabei Todes-diktaturen als Frieden zu verkaufen untereinander,ob sie das bei der KI bestellt haben,die nun massen mordet?Ein destruktatives Finanzsystem nährt das Zerstören&sollte abgelöst werden Jetzt

  • Zwei Spinner - einer König von Russland, der andere König der Welt.

    Im Gegensatz zu Putin hat Trump aber auch gute Seiten. Immerhin hat er den Kriegsverbrecher Netanjahu gestoppt.

    17 Mrd. für Gaza wäre ja immerhin eine Hausnummer, die diesem geschundenen Land einen neuen Anfang ermöglichen würde. Indonesische Soldaten in Gaza wären jedenfalls besser als israelische Soldaten in Gaza.

    • @A. Müllermilch:

      Jetzt müssen Sie uns nur noch verraten, woran Sie erkennen, dass Netanjahu gestoppt wurde?

    • @A. Müllermilch:

      Solange die Hamas die Waffen nicht abgibt, wird sich jede Ordnungsmacht in Gaza extrem schwer tun. Insofern ist es von Indonesien mutig, es zumindest versuchen zu wollen. Viele andere Länder waren extrem laut mit der Kritik an Israel, schicken jetzt aber keinen einzigen Mann nach Gaza. Südafrika zum Beispiel könnte sich hier gerne mal engagieren.

  • Frei nach einem bekannten Gallier "Die spinnen doch alle"

  • Es sollte zu denken geben, dass der in fast allen Fällen zerstrittene Sicherheitsrat sich dieses Mal einig gewesen zu sein scheint.

    Man könnte zu dem Schluss kommen, dass es entweder hinter den Kulissen eine wie auch immer geartete Absprache zwischen den Vetomächten USA, Russland und China gab, oder aber, dass alle Mitglieder des Sicherheitsrates froh waren, das Problem auslagern zu können.

    Zitat:



    "Der Sicherheitsrat begrüßt die Einrichtung des Friedensrats (Board of Peace, BoP) als Übergangsverwaltung mit internationaler Rechtspersönlichkeit (....)



    (...) ermächtigt die an der BoP und der BoP teilnehmenden Mitgliedstaaten:



    (A) die zur Erreichung der Ziele des Gesamtplans erforderlichen Vereinbarungen zu treffen, einschließlich solcher, die die Vorrechte und Immunitäten des in Absatz 7 unten genannten Personals der Truppe betreffen (...)"

    Quelle: docs.un.org/en/S/RES/2803(2025)



    Übersetzung: DeepL

    Klingt für mich nach einem Freibrief.

    • @Klabauta:

      Ging es da nicht nur um Gaza?

  • Trump langweilt.

  • Ein Haufen Despoten, die die Welt retten wollen. Ist das jetzt Realsatire?



    "Ich denke, dass er, basierend auf dem Muster seines Handelns während dieser Präsidentschaft, letztendlich Anerkennung und Ruhm will - und im Idealfall den Friedensnobelpreis erhalten möchte."



    (Sina Azodi, Juniorprofessor für Nahost-Studien an der George Washington University)

  • Wenn der Alptraum der zweiten Amtszeit als POTUS endet wird dieser Quark in der Schublade verschwinden, und das völlig zurecht.



    Das quengelnde Kind, das auf die 80 zugeht muss von sinnfreier Zerstörung abgehalten werden, also darf es auch hier spielen. Wenn es dann wieder von Mutti oder Betreuer abgeholt wird ist auch dieser Irrsinn zuende.

  • ... hatten wir uns nicht darauf geeinigt, den Spinner, wo möglich, zu ignorieren?

    • @Fritz Müller:

      Man kann Spinner ignorieren, aber nicht den Spinner in Washington oder den Verbrecher in Moskau oder den "Möchtegern Eroberer Taiwans" in Peking.

      • @Donni:

        Machen wir doch ständig: Wir kaufen Gas aus den USA, Lassen alle unserer Güter in China fertigen.

  • Es ist ein Akt beispielloser Hybris: Mit seinem am 19. Februar 2026 erstmals tagenden „Friedensrat“ zimmert sich Donald Trump eine Bühne für den absoluten Weltherrschaftsanspruch. Dass er sich zum lebenslangen Vorsitzenden krönen ließ, ist kein Friedensprojekt, sondern eine feindliche Übernahme der internationalen Ordnung. Wer die UN als „unbedeutend“ abkanzelt, um sie durch eine private Despoten-Runde mit eigenem Vetorecht zu ersetzen, will keinen Frieden – er will totale Kontrolle.



    ​Dieses Gremium ist ein Zerrbild der Demokratie. Dass Trump sogar Milliardenzahlungen fordert, um in seinem Zirkel mitspielen zu dürfen, macht Diplomatie zum käuflichen Mafia-Geschäft. Er agiert nicht als Vermittler, sondern als „Peace-Lobbyist“ in eigener Sache. Wer glaubt, dieser narzisstische Alleingang bringe Stabilität, verkennt die Gefahr: Hier wird das Völkerrecht zugunsten eines imperialen Egos beerdigt. Europa muss diesen autoritären Schatten-Staat geschlossen boykottieren, bevor die Freiheit endgültig unter die Räder kommt!

  • Vieles stimmt, aber in einer Sache bin ich optimistischer als Dominic Johnson. Natürlich wird Trump versuchen, so lange wie irgend möglich Präsident, König oder Diktator der USA zu bleiben, auch nach 2028. Sollte seine Amtszeit aber irgendwann enden, dann gleichzeitig auch seine Immunität. Er wird es sofort mit Strafprozessen verschiedenster Art zu tun haben, auch wegen Epstein. Vielleicht wird er keinen Tag mehr in Freiheit verbringen. Und das "Board of peace" wird Geschichte sein.

  • Es ist vielsagend, dass sich Staatschefs einem Psychopathen so einfach und kritiklos unterwerfen, sich regelrecht in die Schleimspur stürzen. Der Mann ist auf Lebenszeit !!! bestimmt (nicht gewählt!!), er kann alle Beschlüsse des "Rates" qua Veto aussetzen. Das Vermögen des Vereins steht ihm somit zur Verfügung und er wird es nutzen: Gaza soll mit Milliarden Wiederaufbauhilfe unterstützt werden - und wer managed das? Richtig: seine Familie. Niemand kann ihn kontrollieren. Diese Bedingungen einfach so zu akzeptieren, das können nur Leute, die entweder intellektuell nicht entfernt in der Lage sind diesen Komplex zu begreifen oder die sich so willenlos und leicht manipulierbar dennoch Vorteile für sich selbst erhoffen - nicht für ihre Länder wohlgemerkt. "Farce" ist für das Projekt eine wohlwollende Untertreibung - es ist ein gigantischer Betrug.

  • Ganz genau!



    Die Trumpsche Entsprechung zu dem Weltfriedensrat, 1950 ausgerufen in Warschau, auf Stalins Gnaden. So lecker.



    de.wikipedia.org/wiki/Weltfriedensrat

  • Wenn es was bringen würde, wäre es ja prima.



    Trumps Bilanz ist allerdings kläglich:



    Der Opposition im Iran Unterstützung versprochen - aber nicht getan



    Für Gaza viel versprochen - kaum Fortschritte



    Den Ukrainekrieg schnell beenden wollen - aber kein Iota mehr erreicht als Biden

    • @T-Rom:

      Trump's Bilanz sieht doch besser aus, siehe Kambodscha und Thailand usw. Aber, er hat es z.B. bei der UA wenigstens versucht - das ist weitaus mehr als Merz, Macron. Starmer usw zusammen fertig gebracht haben. Die können anscheinend nur Geld (vorweigend aus D) in dieses Fass ohne Boden schütten. Und, was den "Friedensrat" angeht: Nur die USA haben die Mittel, weltweit irgendwo militärisch einzugreifen. Das gibt dem Friedensrat ein ganz anderes Gewicht als wenn irgendwelche "Mittelmächte" wie Deutschland den Anspruch stellen würden, denn seit Merkel sind z.B. wir nur die Karikatur einer Mittelmacht.

      • @Gerald Müller:

        Welches TV sehen Sie sich an???