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Entwurf durchgesickertBundesregierung schreibt schwaches Klimaschutzprogramm

Bis März muss die Bundesregierung ein Klimaschutzprogramm vorlegen. Ein geleakter Entwurf zeigt: Den Klimazielen kommt sie damit wahrscheinlich gar nicht näher.

Das Dach lässt sich doch sicher auch in 10 Jahren dämmen Foto: Zoonar/imago

Der Bundesregierung sitzt die Zeit im Nacken: Bis Ende März muss sie ein Klimaschutzprogramm vorlegen, in dem sie darlegt, wie sie die Klimaziele einhalten will. So steht es jedenfalls im Klimaschutzgesetz. Leicht ist das nicht, denn aktuell verfehlt Deutschland laut Umweltbundesamt sein Klimaziel für 2030 um 35 Millionen Tonnen CO2, das sind fast 6 Prozent mehr Klimaschaden als gesetzlich erlaubt. Bis 2040 sind es dem Expertenrat Klima zufolge sogar 554 Millionen Tonnen CO2 oder 20 Prozent zu viel.

Der taz liegt nun ein Entwurf des Klimaschutzprogramms vor, über den der Spiegel zuerst berichtete. Diese frühe Fassung hat noch viele Lücken. Deutlich wird: Eine Idee, wie die Klimaziele noch zu erreichen sind, hat die Bundesregierung nicht. Darin sind sich Be­ob­ach­te­r*in­nen einig.

Der Entwurf sei eine Enttäuschung, sagt Swantje Michaelsen, verkehrspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion. Violetta Bock, klimapolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, formuliert es schärfer: Der Entwurf sei „kein Klimaschutzprogramm, sondern eine Ideensammlung ohne Rückgrat“. Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe DUH, hält diese frühe Fassung für eine „ehrliche Abbildung der Ohnmacht der Regierung, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen“.

Die DUH hatte erst vor zwei Wochen vor dem Bundesverwaltungsgericht ein Urteil erwirkt, das der Bundesregierung große Sorgen machen dürfte: Das Gericht befand, dass die Bundesregierung kein absehbar unzureichendes Klimaschutzprogramm vorlegen darf. Im konkreten Fall ging es um das Programm der Ampelregierung von 2023. Resch nannte das Urteil eine „schallende Ohrfeige“ für die Bundesregierung.

Gebäude und Verkehr reißen EU-Vorgaben

Der vorliegende Entwurf enthält eine Fülle von Maßnahmen. Der Anhang, der CO2-Einsparpotenzial sowie wirtschaftliche und soziale Folgen der einzelnen Vorhaben auflistet, beläuft sich auf 222 Seiten. Ob das ausreicht, um die CO2-Lücken 2030 und 2040 zu stopfen, geht daraus trotzdem nicht hervor: Für viele Maßnahmen fehlt die Angabe, wie viel CO2 sie einsparen können.

„Der Entwurf offenbart die gleichen methodischen Mängel wie das Klimaschutzprogramm 2023, zu dem wir die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts erreicht haben“, sagte Resch.

Besonders im Verkehrs- und Gebäudesektor müsste die Bundesregierung drastische Schritte ergreifen: Laut Expertenrat Klima werden dort bis 2030 224 Millionen Tonnen CO2 mehr ausgestoßen als EU-rechtlich erlaubt.

Im Verkehrsbereich „liest sich manches auf den ersten Blick gut“, sagte die Grüne Michaelsen. „Nur leider findet sich davon kaum etwas in der realen Politik der schwarz-roten Koalition wieder.“ Die im Entwurf vermerkten 800 Millionen Euro für den Ausbau von Radwegen seien im Haushalt der Bundesregierung nur zu einem „Bruchteil“ gedeckt. Ebenso solle das Deutschlandticket zwar auf Dauer erhalten werden. „Nur leider wird es jedes Jahr einseitig für die Fahrgäste teurer, sodass steigende Abozahlen ausbleiben“, kritisierte Michaelsen.

Wer sollte sich denn an Gesetze halten, wenn nicht die Bundesregierung?

Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe

Schaut man sich die vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor an, wird ein weiteres Problem deutlich: Der Entwurf adressiert nicht, dass Klimaschutz auf deutscher und europäischer Ebene derzeit stark unter Druck steht. Der EU-weite CO2-Preis fürs Heizen und Tanken wurde um ein Jahr verschoben. Der CO2-Preis für Strom und Industrie soll auf Druck der Industrie lockerer gehandhabt werden, so jedenfalls ein Vorschlag der EU-Kommission. Und CDU und CSU wollen bei der Reform des Gebäudeenergiegesetzes zentrale Klimaschutzvorgaben abschwächen.

DUH: Werden „natürlich“ wieder klagen

Davon unbeeindruckt steht im Entwurf der Vorschlag, die Förderung für Heizungstausch und Gebäudesanierung stärker an Haushalte mit geringen Einkommen zu richten.

„Jetzt neue Maßnahmen für den Gebäudesektor ins Schaufenster zu stellen, für die es weder die politischen Mehrheiten noch entsprechende Finanzierungszusagen gibt, ist verantwortungslos“, sagte die Linke Bock. „Diese Art von Wünsch-dir-was-Politik wird den Menschen mit ihren aktuellen Sorgen um explodierende Miet- und Heizkosten nicht weiterhelfen.“

Um den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes zu genügen, seien deutlich weitreichendere Maßnahmen nötig, sagte Jürgen Resch von der DUH: eine Sanierungsoffensive für Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Gebäude; ein Tempolimit, das „sofort wirken und nichts kosten“ würde, sowie eine Umgestaltung der Fördersätze für den Heizungstausch von der derzeitigen prozentualen Förderung auf einen Festbetrag.

Sollte das finale Klimaschutzprogramm nicht deutlich ambitionierter ausfallen als der durchgesickerte Vorschlag, werde die DUH „natürlich“ wieder klagen, sagte Resch. „Es ist absurd, dass wir überhaupt darüber diskutieren, welche Zwangsmittel wir einsetzen müssen. Wer sollte sich denn an Gesetze halten, wenn nicht die Bundesregierung?“

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16 Kommentare

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  • Die Fossilis haben Springerpresse, die Blaubraunen und große Teile der Union. Abgekocht werden wie eh und je die Vielen.



    Klimaschutz-_Verschnarchen_ ist sehr, sehr teuer.

    • @Janix:

      Ja. Das ist sehr, sehr teuer. Doch das interessiert die meisten Zeitgenossen überhaupt nicht. Denen geht es um kurzfristige Vorteile, die ihnen sehr persönlch JETZT nutzen. Das ist in der Politik so und das ist im Geschäftsleben nicht anders. Das Denken an die Zukunftsfolgen heutiger Handlungen oder Unterlassungen beschränkt sich auf die nächsten Landtags- oder Bundestagswahlen oder die nächste Sitzung des Aufsichtsrates, der Boni festlegt.

  • Dass diese Lobbyisten-Regierung mitnichten an Klimaschutz interessiert ist, das konnte man schon lange hören: Merz selbst hat den Klimaschutz "bejaht" : "falls es der Wirtschaft nicht schadet" -- eine unintelligente Offenbarung und ein Schlag ins Gesicht künftiger Generationen.

  • Was in der ganzen Klimadiskussion fehlt, ist die Frage der Kosteneffizienz: Was kostet die mit einer bestimmten Maßnahme eingesparte Tonne CO2? Wie kriege ich mit dem vorhandenen Geld möglichst viel CO2 eingespart?



    Eine ganze Reihe von Maßnahmen (z.B. E-Autos, Deutschlandticket, Wärmepumpen und deren Folgekosten...) erinnern eher an das schwäbische Motto: "Bei ons wird g'schbart, egal, was koscht'".

    • @sollndas:

      Dann beginnen wir mit Tempo 100: billiger geht's kaum. Da gab es aber auch schon Gegenstimmen.



      Dann Flugverkehr und Autoherstellung wie -nutzung mal vollkostengerecht bepreisen statt versteckt beschussen: Bringt sogar Geld.



      Fossil generell seine Schäden zahlen lassen, am besten im europäischen Konzert.



      Die Effizienzen sind zumeist abgeschätzt. Anpacken, um das Ziel zu erreichen, geht und sollte keine Ablenkungsversuche oder Kapitulationserklärungen wie derzeit erfahren, sondern beherztes Anpacken.

    • @sollndas:

      Ja, das ist so. Die letzten 10% kosten so viel wie ersten 90%. Das verfügbare Geld ist lieber dort anzulegen, wo es am meisten bringt, und nicht um irgendwo noch die letzte einzusparende kWh zu schaffen.

      Klimaschutz ist eine globale Angelegenheit. Warum im trüben Brandenburg Solarflächen auf die Felder stellen, wenn für das gleiche Geld eine mehrfache Menge an Energie in Andalusien oder Marokko gewonnen werden kann.

      Und ja, auch das energieintensive Stahl- oder Zementwerk kann man da gleich daneben stellen, da erübrigt sich auch die übliche Frage nach dem Energietransport in den Norden.

    • @sollndas:

      Die Folgekosten der Klimakatastrophe sind schon jetzt klar und deutlich spürbar. Und da soll man bei der Bekämpfung der Ursachen mit Erbsenzählen beginnen? Die gesammelten Hülsenfrüchte bringen im Vergleich zur Gesamtsituation ein paar Cent, mehr nicht. Die Lage ist ernster als viele wahrhaben wollen...

      • @Perkele:

        Eben weil die Lage so ernst ist, sollte mit dem "Erbsenzählen" begonnen werden. Wir haben nicht unendlich viel Geld, und wir können es uns nicht leisten, es für un- oder wenig wirksame Spielereien zum Fenster hinaus zu werfen. Sonst wird das mit dem Klimaschutz nämlich nichts.

  • Natürlich kritisieren Grüne und Linke das Programm als unzureichend. Sie sind die Opposition. Das Programm lönnte auch ambitionierter ausfallen, und es würde immer noch als unzureichend kritisiert. Und natürlich wird Herr Resch klagen, es ist schließlich auch das Profil der DUH.

    Umweltschutz ist ein hehres Anliegen, und es ist teuer. In Zeiten einer krisenhaften Wirtschaft, Wohnungsmangels und zunehmender Arbeitslosigkeit ist 'teuer bauen' vielleicht nicht das Erfolgsrezept. Mir wären ausreichend halbwegs gedämmte Sozialwohnungen wichtiger als ein paar Null-Energie-Häuser.

    • @TomDePhazz:

      Weniger bauen, weniger fliegen, weniger autofahren, weniger sonstig raushauen. Alle Generationen vor uns haben das geschafft, und wir mit unserem technischen Niveau sollten das nicht schaffen?



      Wenn bei der Wärme denn die Wende geschafft wird, ist Dämmung nicht mehr ganz so zentral. Aber arbeiten wir doch an mehreren Stellen zugleich.

  • Dann sollte die Bundesregierung mal endlich anfangen, die unrealistischen und vom Volk nicht gewollten Klimaziele zu reduzieren. Was nicht machbar ist, sollte man eben abändern.



    Die Klimaziele sind zu einer Zeit ausgedacht worden, als es weder einen Krieg in der Ukraine gab (bei dem die Kriegsgegner andere Nöte haben, als an das Weltklima zu denken) und auch keinen US-Präsidenten, der mit seiner Zollpolitik die Weltwirtschaft abwürgt.



    Wie sollen die abenteuerlichen Klimaziele denn bezahlt werden?

    • @Dirk Osygus:

      Geld sparen?



      Klimaschutz machen!



      Institute rechneten es auch für Sie bereits aus.

      Abschied von Fossil und Verplemperung hat ja auch etwas Schönes - die Trauerphase können wir doch langsam beenden, oder?

  • Ich formuliere es mal salopp: lieber etwas weniger klimaschützend bauen als gar keine neuen Niedrigenergiewohnungen.

    Gerade im Gebäudesektor hat man sich mit immer restriktiveren Vorgaben massiv verrannt. Um beispielhaft die Energiebilanz um weitere 3 Prozent zu verbessern, hat sich das bauen/sanieren um 10 Prozent verteuert.

    ".. das sind fast 6 Prozent mehr Klimaschaden als gesetzlich erlaubt."



    Die Summe 'Klimaschaden' definiert sich wie? Und nochmals: wenn die Bürger und Investoren wegen zu hoher Kosten kapitulieren, bewegt sich beim Klimaschutz gar nichts.

    • @Mopsfidel:

      Es wäre auch Klimaschutz, z.B. wieder etwas zusammenzurücken oder statt Neubaughettos Omas Wohnung im Ortskern zu renovieren. Was ja durchaus häufiger geht als gedacht.



      Doch dass auch Dämmen eine Preis-Ergebnis-Kalkulation haben sollte, zumindest, wenn Wärmepumpen effizienteres Heizen ermöglichen: das auch

  • Greta Thunberg: "I Want You to Act as If Our House Is on Fire. Because It Is”.







    (Paraphrasiert dazu): Fr. Merz: " Sie glauben doch nicht im ernst, daß wir die Priorität irgendwelcher Löscharbeiten so hoch legen, daß wir deswegen unsere fossile Party unterbrechen, die uns in der Vergangenheit ermöglicht hat, unser schönes Haus zum Partykeller umzuwidmen".







    Tja diese Regierung lebt halt in einer *Vergangenheitsblase*..ganz im Sinne ihrer überalterten Wähler:innenschaft, die sich Hoffnungen machen darf, die Zerstörung ihres "Hauses" nicht mehr erleben zu müssen.







    Aber so lange der "fossile Alkohol" weiter in Strömen fließt, läßt sich die physikalische Realität ja auch ganz gut verdrängen. Und wozu sich an Gesetze halten, wenn es einen doch nur marginal betrifft..







    Also bauen wir doch lieber wieder schöne Autobahnen, verarschen die Grünen indem der Klimainvestitionsfond für Wahlgeschenke ausgegeben wird und machen so ganz nebenbei die LG zu einer kriminellen Vereinigung.







    Sorry..aber klimapolitisch ist diese Regierung derart unterbelichtet, verantwortungslos und arrogant..ohne gesalzene Polemik läßt sich das nicht mehr ertragen..







    ..also ganz ehrlich: Pfui Deibel.!!

    • @Wunderwelt:

      Jo, das war aber mal deutlich und treffend.