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Entwurf des BundeshaushaltsSolarforschern drohen deutliche Kürzungen

Kernfusion bleibt der Bundesregierung wichtig, aber sonst soll bei der Energieforschung heftig gekürzt werden. Unklar ist, woher der Druck kam.

Die Bundesregierung möchte die Gelder für angewandte Energieforschung erheblich kürzen – das offenbart der Entwurf des Bundeshaushalts. Das Wirtschaftsministerium begründet den Schritt damit, dass man „unter der besonderen Herausforderung“ stehe, „den Haushalt und die Finanzplanung des Bundes zu konsolidieren“. An den betreffenden Forschungsinstituten fürchtet man einen erheblichen Personalabbau, sollten die Pläne umgesetzt werden.

Entscheidend für die Förderung neuer Forschungsprojekte sind die sogenannten Verpflichtungsermächtigungen im Haushalt. Sie sichern finanzielle Zusagen für die Folgejahre ab. Nur so kann ein Forschungsprojekt bewilligt werden, das über mehrere Jahre läuft. Werden die Verpflichtungsermächtigungen gekürzt, können entsprechend weniger neue Projekte finanziert werden.

Im Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds (KTF), der Teil des Haushaltsentwurfs für 2027 ist, wurden nun die betreffenden Verpflichtungsermächtigungen empfindlich beschnitten. Der Titel „Energieforschung“ des Wirtschaftsministeriums wurde gegenüber 2026 um ein Drittel von 576,9 Millionen auf 385,8 Millionen Euro gekürzt, der Titel „Reallabore der Energiewende“ wurde sogar um 40 Prozent von 142 Millionen auf 85,3 Millionen Euro zusammengestrichen. Nur minimal gekürzt wurde hingegen der Titel „Energieforschung und Energietechnologien“ des Forschungsministeriums, in dem auch die Fusionsforschung enthalten ist.

80 Stellen im ISE

Solarforscher blicken jetzt bang auf die anstehenden Haushaltsberatungen. Bliebe das Zahlenwerk unverändert, könnte das allein für das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) einen Verlust von bis zu 80 Vollzeitstellen bedeuten. Denn die Forschung am ISE ist stark abhängig von den entsprechenden Haushaltstiteln. Das Institut finanziert sich zu etwa 60 Prozent aus öffentlichen Mitteln, die zu einem großen Teil nicht fix, sondern projektbezogen bewilligt werden. Umgerechnet auf Vollzeitstellen verfügt das ISE aktuell über rund 700 Mitarbeiter.

Institutsleiter Andreas Bett weist darauf hin, dass von einer Kürzung vor allem Jungwissenschaftler betroffen wären, die über Zeitverträge angestellt sind: „Wenn wir weniger öffentliche Forschungs- und Entwicklungsaufträge haben, wird dies einen signifikanten Einfluss auf die künftig bereitstehenden Fachkräfte im Energiebereich haben.“ Durch einen „Transfer durch Köpfe“ trage das ISE „substanziell“ dazu bei, dass die Energiewende auch in der Praxis umgesetzt wird.

Woher kommt der Druck?

„Forschung braucht Kontinuität“, sagt auch Niklas Martin, Geschäftsführer des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien, dem 17 einschlägige Institute in Deutschland angeschlossen sind. Noch hoffen die Institute der Energieforschung, dass der Bundestag im parlamentarischen Verfahren Mittel umschichten wird. Unklar ist derweil, wer die Kürzungen im aktuellen Entwurf überwiegend zu verantworten hat.

Aus den Instituten hört man, dass der Schritt sogar mehr auf Druck des Finanzministeriums (BMF) erfolgt sein könnte als auf Betreiben des Wirtschaftsministeriums (BMWE). Während ein Sprecher des BMF auf Anfrage mitteilt, dass die betreffenden Haushaltstitel vom BMWE bewirtschaftet werden, betont das BMWE, dass es die Bundesregierung war, die den Wirtschaftsplan des KTF beschlossen hat.

Die endgültige Entscheidung über die Fördermittel wird im November in der sogenannten Bereinigungssitzung fallen. Dann wird der Haushaltsausschuss des Bundestags den Finanzplan für das kommende Jahr abschließen. Bis dahin wird noch um die Mittel gerungen. Eine Schlüsselrolle wird dabei der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt spielen, denn er ist der Hauptberichterstatter für den KTF im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags. Auf Anfrage positionierte er sich zu den geplanten Kürzungen allerdings nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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7 Kommentare

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  • Martin Rees

    "Kernfusion bleibt der Bundesregierung wichtig, aber sonst soll bei der Energieforschung heftig gekürzt werden"



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    Die Weichen werden jetzt auch hier gestellt:



    "Rund 2,7 Milliarden Euro möchte die Bundesregierung in den nächsten drei Jahren in die weitere Erforschung der Kernfusion stecken. Kritiker halten das für zu teuer, das Geld könne besser angelegt werden. Schließlich hat es in den vergangenen 70 Jahren niemand geschafft, einen Reaktor zu bauen. All denen sei gesagt: Einfach mal weiter denken!"



    Quelle:



    www.marktundmittel...ion-in-deutschland



    Tatsächlich ist Deutschland im internationalen Projekt Iter in Südfrankreich auch schon sehr lange beteiligt, der Durchbruch lässt aber noch auf sich warten.

  • Perkele

    Woher kommt der Druck? Bei dieser Regierung kann man sich über nichts mehr wundern. Frau Reiche folgt ungebremst dem Druck der Lobby der Nuklear- und Fossilindustrie - auch wenn das möglicherweise in dieser Kürzungsorgie nicht so deutlich sichtbar sein mag. Dass jedoch auch der Finanzminister an DIESEN Stellen kürzt, zeigt dass auch er andere Interessen hat, als den Fortschritt in Zukunftsforschung und dem Klimaschutz. Das alles ist für die derzeitige sPD offenbar völlig uninteressant, die achten nur auf kurzfristige, möglichst populistische Ergebnisse und werden damit scheitern, hoffentlich.

  • Karl Schmidt

    Wir erleben gerade, dass enorme Kosten für Wirtschaft, Landwirtschaft und Industrie entstehen durch die immer akuteren Zeichen des Klimawandels. Trockenheit, Ernteausfälle, still gelegte Kraftwerke aufgrund trockener Flüsse, Waldbrände, ausgefallene Schiffsverbindungen aufgrund nie dagewesener Tiefstände in den Flüssen (was wiederum zusätzlich die Erwärmung der Flüsse beflügelt).

    Und ausgerechnet in *dieser* Situation will die Regierung durchsetzen, dass Forschungskosten in Technologien, die uns kurzfristig mehr Resilienz und Eigenversorgung bescheren könnten und gleichzeitig zukunftsträchtige Technologien in einem Bereich, in dem weltweiter Bedarf besteht, zusammen gestrichen werden. Statt dessen soll bevorzugt auf eine Technik gesetzt werden, bei der es seit Jahrzehnten kaum Weiterentwicklung gibt und die selbst, wenn sie heute fertig entwickelt wäre, Jahrzehnte zum Bau benötigen würde? Man kann das ja gerne zusätzlich probieren. Aber Kernfusion kommt zu langsam, um irgend ein konkret existierendes Problem zu lösen.

    Wie kann man denn so Wirtschaft und Land vor die Wand fahren? Das darf doch alles nicht wahr sein.

  • Andreas Bartholomäus

    „Der Wert des Geldes besteht einzig in seiner Verkehrung: je öffter es aus einer in eine andere Hand rouliret, je mehr bringet es seinem Eigenthümer ein. Wann aber in Cästen es verschlossen lieget, ist es kein Gold, sondern eine Todte und inutile Erde; und je mehr davon steril liegend […]: je stärker wird dadurch aller Handel und Wandel geschwächet und verhindert.“ – Theodor Ludwig Lau: Entwurff einer wohleingerichteten Policy (1717)

    Indikator Jahr 1990 (Basis/Index = 100):

    Nominales BIP: 1.463,6Mrd€ zu 2025 305,4 ~4.469,8Mrd.€ = +205,4%

    Reales BIP (Wirtschaftswachstum): 100 ~ 164 ~ = +64%

    Reallohnindex (tatsächliche Kaufkraftentwicklung): 100,0 ~ zu aktuell 111,0 ~ = +11,0%

    Abgabenquote (% des BIP): 1990 = 38,% (Steuern: 22,2/Sozialabgaben: 16,4%) zu 2025/2026 = 41,2% (Steuern: 24,3%/Sozialabgaben: 16,9%)

    Steuereinnahmen des Bundes (Gesamt): 100 ~143,7Mrd.€ (281Mrd. DM) zu 2026 695 ~ 998,7Mrd.€ = +595,0%

    Siehste der Staat hat kein Geld übrig für solche Ausgaben. Die "Starren Ausgabenquoten" (Investitionsquote 2-2,5%) hat Der Wissenschaftliche Beirat in Stellungnahme Feb. 2019 zu „Probleme der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse" belegt, = keine steigende Ausgabenquote!

    • Christine_Winterabend

      @Andreas Bartholomäus:

      Ich habe gehört, der Bundespräsident spart gerade Geld, indem er die neuen Minister erst nach der Sommerpause vereidigt.



      Wieviel mehr Geld könnte man sparen, wenn man sich mal die Mühe machen würde zu prüfen, ob die verbleibenden Bundesminister ihren Amtseid überhaupt erfüllen und alle rausschmeißen würde, die dem Deutschen Volk Schaden zufügen, statt Schaden von ihm abzuwenden.



      Und hat eigentlich Dobrindt schon angefangen zu ermitteln, wer diese Minister beauftragt hat, die deutsche Wirtschaft langfristig zu zerstören?



      Möglichst noch bevor sie sich endgültig in einen Scherbenhaufen verwandelt? Die Linksextremisten in der Energielobby sollten doch nicht so schwer zu identifizieren sein?

      • Perkele

        @Christine_Winterabend:

        Linksextremisten? Ist das Satire????

  • Aurego

    Offensichtlich hat unsere Bundesregierung nichts kapiert, immer noch nicht! Null! Nada!

    Deutschland lässt sich bei einem der wichtigsten Themen international freiwillig zurückfallen! Ich fasse es nicht.

    Nachher wundert man sich über Deindustrialisierung, über den Erfolg US-amerikanischer, chinesischer und indischer E-Autos und bastelt in irgendwelchen Hinterhöfen weiter am knatternden, museumsreifen Verbrenner.

    Wie blöd kann man eigentlich sein?