Energiepreiskrise: Die Löhne trotzen der Inflation
Trotz gestiegener Inflation hatten die Beschäftigten zuletzt mehr Kaufkraft. Auch das Bruttoinlandsprodukt entwickelte sich besser als erwartet.
Trotz der wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges steigen die Löhne und Gehälter schneller als die Preise. Von April bis Juni dieses Jahres waren die Nominallöhne durchschnittlich um 4,1 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Da die Inflationsrate gleichzeitig bei 2,5 Prozent lag, stiegen die Reallöhne der Beschäftigten unterm Strich um rund 1,5 Prozent.
„Wenn die Reallöhne wachsen, ist das eine gute Nachricht – für die Beschäftigten, aber auch für die Konjunktur“, kommentierte Malte Lübker vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Im Zuge des Irankrieges ist wegen der Sperrung der Straße von Hormus insbesondere Energie teurer geworden. Im Juli waren die Preise an den Zapfsäulen 23 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Angst war groß, dass dies auch die Kaufkraft der Menschen übermäßig verringern und der Konjunktur schaden würde. Doch offenbar konnten die Löhne der Beschäftigten mehr als Schritt halten.
Auch der Rest der Wirtschaft entwickelte sich zuletzt besser als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war es real – also nach Abzug der Inflation – um 1,0 Prozent höher. „Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. „Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück.“ So konnten deutsche Firmen zuletzt deutlich mehr Waren ins EU-Ausland verkaufen.
Dadurch sehen auch Konjunkturexperten wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Wegen des Irankrieges hatten die Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognosen deutlich gesenkt. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung zum Beispiel ging im Winter noch von 1,2 Prozent Wachstum dieses Jahr aus, im Juni glaubte es nur noch an 0,6 Prozent. Nun hofft IMK-Chef Sebastian Dullien, „dürfte die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2026 um mindestens 1,1 Prozent wachsen“.
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