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Ein Mieter über Verdrängung„Aufgeben ist keine Option“

Daniel Diekmann wohnt seit über 20 Jahren in einem Plattenbau in Berlin. Das Haus steht inzwischen fast leer, denn der Eigentümer will es abreißen lassen.

Erik Peter
Jonas Wahmkow

Interview von

Erik Peter und Jonas Wahmkow

taz: Herr Diekmann, Sie wohnen hier in der Habersaathstraße als einer der letzten Mieter in einem Plattenbau, den der Eigentümer abreißen lassen will. Fühlen Sie sich hier noch zu Hause?

Daniel Diekmann: Ja, das hier ist nach wie vor nicht nur das Dach über dem Kopf, sondern auch mein Zuhause. Es wird einem mit all den Katastrophen natürlich schwer gemacht, das noch so zu empfinden. Aber wenn man so lange darum kämpft, kann man auch nicht einfach aufgeben.

taz: Ist es noch lebenswert, wenn der Vermieter es einem so ungemütlich macht, dass man möglichst auszieht?

Im Interview: Daniel Diekmann

Das Haus

Der Wohnkomplex in der Habersaathstraße 40 bis 48 wurde 1984 errichtet. Die „Papageienplatte“, wie sie aufgrund ihrer einst bunten Fassade genannt wurde, diente als Schwesternwohnheim der nahegelegenen Charité-Universitätsklinik. 2017 kaufte die Arcadia Real Estates das ehemals landeseigene Wohnheim, die das Haus abreißen und durch Luxuswohnungen ersetzen will.

Der Mieter

Daniel Diekmann ist in Ostwestfalen geboren und Anfang der 1990er-Jahre nach Berlin gezogen. Seit 2005 wohnt er in der Habersaathstraße. Zusammen mit vier weiteren Mietparteien und engagierten Ak­ti­vis­t:in­nen konnte Diekmann bislang erfolgreich den Abriss des Gebäudes verhindern. Sämtliche Verwertungsklagen, die darauf abzielten, die Mietverträge zu kündigen, scheiterten bislang vor Gericht.

Diekmann: Es ist umständlich, wenn man keine Heizung hat, kein Wasser und alles schleppen muss. Früher habe ich sündhaft teures französisches Mineralwasser hochgeschleppt, jetzt nur noch aufgefüllte Wasserkanister. Ich sehe das positiv: Bauch, Beine Po, dafür zahlen Leute viel Geld im Fitnessstudio – ich hab’ das gratis.

taz: Seit wann haben Sie kein Wasser mehr?

mietenkampf

Die Mietenkrise ist existenziell. Wie ist es dazu gekommen? Warum drängen sich Studierende in Mehrbettzimmern, während Immobilien-Influencer Reichtum durch Mietrendite versprechen? Wie können sich Mietende wehren? Und was bedeutet der Erfolg von Deutsche Wohnen und Co. enteignen für die Berlin-Wahl am 20. September?

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Diekmann: Ohne heißes Wasser lebe ich hier seit dem 9. August 2023, ohne Heizung seit dem 11. November 2025 und ohne Trinkwasser seit dem 22. Januar 2026. Ab dem 9. August 2023 war ich auch vier Tage ohne Strom, nachdem hier die Stromzähler rausgerissen wurden.

taz: Wieso wissen Sie die Daten so genau?

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Diekmann: Weil ich so ein Akten- und Zahlenfresser bin, sagen zumindest andere. Und auch, weil das einschneidende Erlebnisse sind.

taz: Wie wehren Sie sich gegen die ganzen Schikanen?

Diekmann: Ich habe eine Standleitung zum Amtsgericht: Da gibt es dann eine Strafankündigung für den Vermieter über 250.000 Euro und dann geht das auf einmal ganz schnell. So war es zumindest beim Strom. Beim Trinkwasser haben wir das jetzt nicht gemacht. In den Wohnungen drunter und drüber sind die Leitungen abgeschlagen, da kann ich ja bei mir nicht aufdrehen. Ich möchte ja nicht im Schwimmbad wohnen.

taz: Aber duschen müssen Sie schon?

Diekmann: Es gibt viele solidarische Nachbarn. Ich kann mir hier fast in jedem Haus in der Nachbarschaft aussuchen, wo ich duschen kann. Das ist kein Problem. Und es schweißt die Nachbarschaft auch zusammen. Das ist eine ganz andere Art von Haustürwahlkampf: Da geht man hin und spricht mit den Leuten und ist im Austausch. Die sind damit immer auf dem neuesten Stand.

taz: Die letzte Eskalation im Haus war im Januar. Was ist da passiert?

Diekmann: Da kam der Eigentümer Andreas Pichotta mit einem Schlägertrupp, so paramilitärische Typen, albanische Mafia, keine Ahnung. Die hatten Baseballschläger, Eisenstangen, Vorschlaghammer und haben dann zunächst in einem Aufgang alle Türen eingetreten, Türgriffe abgeschlagen, Schlösser kaputt gemacht. In den Badezimmern wurde alles kurz und klein geschlagen: Spülkästen, Toiletten- und Waschbecken, Badewannen. Dann haben sie noch auf die Wasserleitungen im Versorgungsschacht draufgekloppt, sodass dann hier alles überflutet war. Dann haben sie in einem zweiten Aufgang weitergemacht. Es sollte sichergestellt werden, dass in den Wohnungen niemand mehr leben kann.

taz: Zahlen Sie noch Miete?Diekmann: Na ja, mit der Mietminderung ist das ja so eine Sache. Wenn man zwei Mieten nicht gezahlt hat, ist das ein kündigungsrelevanter Grund. Und deswegen zahlen wir die Mieten unter Vorbehalt. Ich zahle für meine 40 Quadratmeter 300 Euro warm: 200 Euro Miete, 50 Euro Vorauszahlung für Nebenkosten und 50 Euro für Heizung, die es ja auch nicht mehr gibt.

taz: Wie war die Situation, als Sie hier eingezogen sind?

Diekmann: Das war 2005 und das war ganz verrückt, Zeiten, an die sich heute keiner mehr erinnern kann. Über die Schwiegereltern hatte ich Kontakt zur Hausverwaltung – das Haus gehörte ja zur Charité – und dann habe ich hier den Verwalter getroffen und der hatte zehn Schlüssel mitgebracht. Ich durfte mir eine Wohnung aussuchen.

taz: Wieso sind Sie nach Berlin-Mitte gezogen?

Diekmann: Nachdem meine Freundin damals verstorben war, konnte ich unsere große Wohnung in Wilmersdorf nicht halten. Da habe ich gesagt: Okay, der Lebensabschnitt ist beendet, jetzt kommt was Neues. Nach Mitte wollte ich eigentlich nie wegen den ganzen Hipstern. Aber es hat sich so ergeben. Und hier haben überwiegend Charité-Mitarbeiter gewohnt, von Putzkräften über Pflegekräfte bis hin zu Ärzten, viele davon Vietnamesen, die einst als Arbeiter aus dem sozialistischen Bruderland in die DDR geholt wurden. Ich habe da nur gute Erinnerungen dran.

taz: Dann ging das Ungemach los?

Diekmann: Das Haus wurde von der Charité 2006, ein halbes Jahr nach meinem Einzug, für 2 Millionen Euro – unter 400 Euro pro Quadratmeter – verkauft. Der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin versprach uns als Mieterbeirat damals, dass sich für uns nichts ändern wird. Doch das Theater begann direkt mit einer Modernisierungsankündigung: neue Fenster, Wärmedämmung. Mehrere Nachbarn haben sich vor Gericht erfolgreich gegen die hohe Modernisierungsumlage gewehrt. Doch die Ankündigung war: Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

Wohnen ist ein Menschenrecht, und nur weil die fette Rendite machen wollen, gehen wir nicht einfach

taz: Wollten Sie nicht sofort wieder raus?

Diekmann: Nein, daran habe ich gar nicht gedacht. Ich hatte gerade hier neu angefangen, das Umfeld erkundet, die Nachbarn kennengelernt. Ich bin ja kein Nomade. Aber es ging mir auch damals schon um den Kampf um günstigen Wohnraum. Wohnen ist ein Menschenrecht, und nur weil die fette Rendite machen wollen, gehen wir nicht einfach.

taz: Was haben Sie also gemacht?

Diekmann: Wir haben die Interessengemeinschaft Habersaathstraße gegründet, denn uns war völlig klar, dass wir uns dagegen organisieren müssen. Ich wurde direkt deren Sprecher. Ich bin ein alter Gewerkschafter, ich weiß, wie das geht. Aber viele, vor allem ältere Nachbarn, haben gesagt, das machen wir nicht mit und sind ausgezogen. Alle leer stehenden Wohnungen wurden dann saniert und nur noch befristet als möblierte Appartements vermietet. Viele standen auch leer. Das war Zweckentfremdung, und das haben wir angezeigt. Der Eigentümer hatte angesichts der drohenden Strafen die Schnauze voll und hat den Komplex direkt weiterverkauft – für 28 Millionen an die heutige Eigentümergesellschaft.

taz: In dieser Zeit brannte Ihr Auto.

Diekmann: Ja, 2018 war das; vorm großen Mietengipfel mit Merkel und Seehofer. Ein paar Wochen vorher stand auf der Windschutzscheibe in den Staub geschrieben: „Ausziehen oder brennen.“ Das habe ich gar nicht ernst genommen.

taz: Hat Ihnen das Angst gemacht?

Diekmann: Nein, ich halte das mit den Worten meines Vaters: Angst und Geld hatten wir nie.

taz: War Ihr Elternhaus auch schon politisch?

Diekmann: Oh ja. Ich komme aus einer westfälischen Großfamilie mit 17 Leuten. Wenn man von dort kommt, hat man eine stramme katholische Ausbildung hinter sich. Da geht es um Achtung vor dem Mensch, dem Tier, vor dem Nächsten. Mein Vater war Dekorateurmeister in Bochum, aber nach dem Umzug mit meiner Mutter in den Hochsauerlandkreis völlig orientierungslos. Dann ist er Mitte der 60er-Jahre zur Polizei gewechselt und war eine Art Dorf-Sheriff. Ich kann mich erinnern, wie ich einmal auf den Funkwagen geklettert bin, um Republikaner-Plakate abzumachen. Ich hatte Angst und habe gefragt, was ist, wenn die die Polizei rufen. Mein Vater sagte nur: „Die Polizei bin ich und die ist schon da.“

taz: Sind Sie hier im Kampf um dieses Haus zum Aktivisten geworden oder waren Sie es vorher schon?

Diekmann: Ich bin mit 19 in die Gewerkschaft eingetreten, mit 20 war ich das erste Mal Betriebsratsvorsitzender. Da hatte ich schon das erste Mal zerstochene Reifen und ein zerkratztes Auto, weil es Leute überhaupt nicht toll fanden, dass ich schon damals das Betriebsverfassungsgesetz umzusetzen wusste. Das war eine gute Vorbereitung für das, was noch kommen sollte.

taz: Welche berufliche Laufbahn haben Sie eingeschlagen?

Diekmann: Ein bisschen Privatsphäre muss ich wahren, aber so viel kann ich sagen: Ich hab in jungen Jahren eine mittlere Schule besucht, dann auf einer höheren Handelsschule Abitur und eine Ausbildung in einem Handwerksberuf gemacht: Aber das gefiel mir gar nicht. Ich war immer eher der weiche, softe Typ, keiner, der morgens um acht auf der Baustelle Bier gesoffen hat. Später habe ich eine kaufmännische Ausbildung bei einem großen Dienstleistungsbetrieb gemacht, bin Abteilungsleiter geworden. Ich war also schon früh in Verantwortung für Kollegen und Mitarbeiter. Das ist auch eine gute Schule.

taz: Haben Sie heute neben dem ganzen Kampf um das Haus überhaupt noch Zeit für eine Erwerbsarbeit?

Diekmann: In Berlin habe ich lange noch in dem Dienstleistungsberuf gearbeitet. Seit 15 Jahren arbeite ich für einen Verwaltungsbetrieb. Das ist in der Regel vormittags. Mittags bin ich dann zu Hause, dann geht das Elend und das Chaos hier weiter.

taz: Wie viele Altmieter leben noch im Haus?

Diekmann: Es sind noch fünf Altmietparteien. Bei insgesamt 120 Wohnungen in dem Häuserkomplex.

taz: Wie ist die Situation Ihrer Mitstreiter:innen?

Diekmann: Ambivalent. Es brauchte viele Durchhalteparolen in dem arschkalten Winter, der hinter uns liegt. Die Zeit mit Eis und Minusgraden war lang und ohne Heizung war das ein absoluter Härtetest. Statt der im Mietvertrag zugesicherten Fernwärme haben wir Ölradiatoren gekriegt. Die Kosten kriegen wir dann, wenn überhaupt, in 10 Jahren erstattet.

taz: Durchhalten wollen alle?

Diekmann: Es ist eine Dauerbelastung. Neulich hat mir eine Nachbarin gesagt, sie wolle jetzt doch verhandeln und gucken, welche Abfindung sie bekommen könnte. Ich kann verstehen, wenn es nicht mehr geht, aber es wäre schade. Ich hab ihr gesagt: Wir sind fünf. Wie fünf Finger an einer Faust.

taz: Hat Ihnen der Eigentümer jemals Geld für einen Auszug geboten?

Diekmann: Ja, das hat er immer wieder. Erst waren es 2.000 Euro, dann 5.000. Dann waren es 30.000 und schließlich 50.000. Ich hab irgendwann mal bei einem Interview gesagt, ab 250.000 Euro könnte es losgehen. Das hat er dann gelesen und unseren Anwalt angerufen und gesagt: Wir können doch über alles reden.

taz: Und haben Sie geredet?

Diekmann: Nein, ein Zuhause ist ja mehr als ein paar Euro. Ich weiß, wenn das einer liest, denken die Leute: „Mann, ist der bescheuert. Dem wurde Ersatzwohnraum angeboten, dem wurde Geld angeboten, warum nimmt er das nicht an?“ Das ist diese kapitalistische Verwertungslogik: Wenn ich dir was gebe, kann ich dir was wegnehmen. Da mache ich nicht mit. Und: Es gab auch Nachbarn, den wurden 30.000 Euro versprochen, aber sie haben am Ende nur die Hälfte bekommen.

taz: Wie gucken Sie auf Ihren Eigentümer?

Diekmann: Ich habe mich immer an Recht und Gesetz gehalten, sämtliche Prozesse um meine Wohnung gewonnen und habe immer dafür gesorgt, dass es den Menschen um mich herum besser ging. Nur dann scheint die Sonne auch auf mich. Das sehe ich bei Andreas Pichotta völlig anders. Der guckt ja in erster Linie danach, dass es ihm gut geht und er seine Rendite hat. Und er verfährt hier nach dem Motto: legal, Illegal, scheißegal.

taz: Neben Altmietern wie Ihnen wohnen in der Habersaathstraße noch etliche Be­woh­ne­r:in­nen ohne Mietvertrag. Wie ist es dazu gekommen?

Diekmann: Die Besetzung war mitten in der Pandemie. Da gab es den Satz „Stay at home“. Aber wie geht das, wenn man kein Zuhause hat? Damals hat sich die Initiative „Leerstand hab ich Saath“ dazu entschieden, mit einer Gruppe von Wohnungslosen einen Teil der leer stehenden Wohnungen zu besetzen. Die erste Besetzung im Dezember 2020 wurde geräumt, bei der zweiten ein Jahr später konnte man das nicht mehr halten, die Leute durften bleiben. Etwa 60 Wohnungslose durften sich beim Sozialamt melden und einziehen.

taz: Wie viele sind es heute noch?

Diekmann: Vielleicht 30, die noch hier wohnen. Nach diesen ganzen Verdrängungsstrategien …

taz: Im August 2023 ließ der Eigentümer allen Be­woh­ne­r:in­nen ohne Mietvertrag den Strom abstellen.

Diekmann: Genau. Und im vergangen Oktober gab es 12 Räumungstitel. Die meisten Betroffenen haben die Wohnungen schon vorher verlassen. Viele, die von der Straße kommen, haben schon eine Geschichte hinter sich und sagen: Noch eine Zwangsräumung, das halt’ ich nicht aus.

taz: Wie ist das Verhältnis zu den neuen Bewohner:innen?

Diekmann: Für mich war es von Anfang an eine schwierige Lage, da ich ja die Interessen der Langzeitmieter vertreten musste. Dazu kommt: Ich halte es für keine gute Idee, Leute von der Straße in eine Wohnung zu sperren und dann sich selbst zu überlassen. Weil, die Menschen brauchen Hilfe. Es heißt zwar „Housing first“, aber das heißt nicht „Housing only“ oder „Housing lonely“.

taz: Eigentlich plante der Bezirk nach der Besetzung, dauerhaft zwei Sozialarbeiter vor Ort einzusetzen, doch das Angebot wurde schon nach anderthalb Jahren eingestellt.

Diekmann: Ja, dabei wäre das notwendig gewesen. Viele der Menschen hatten eine massive Drogen- und Suchtproblematik, viele sind heroinabhängig, viele alkoholabhängig, viele mit massiven Gewalterfahrungen, psychischen Erkrankungen, Paranoide, Schizophrene. Da standen Leute am Fenster und haben laut geschrieben oder nachts Geister gesehen.

taz: Der Bezirk hat dem Treiben des Eigentümer nie so wirklich Grenzen gesetzt, ihm sogar eine Abrissgenehmigung erteilt. Ist Ihr Glauben an die Politik erodiert?

Diekmann: Das kann man so nicht sagen. Ich bin in diesen ganzen Prozessen aber erwachsener geworden. Ich lasse mich einfach nicht so schnell verarschen. Diese Hinhaltestrategien von diesen ganzen Politikern. Das ist schon schwierig. Diese Untätigkeit. Wenn ich immer höre vom Bezirksamt, uns sind die Hände gebunden, wir suchen noch nach dem Hebel, damit wir was machen können. Da halte ich überhaupt nichts von. Was ich sagen kann, die meisten Politiker, mit denen wir in den letzten Jahren zu tun hatten, sind Geschichte und uns gibt es immer noch.

taz: Im September sind Abgeordnetenhauswahlen. Verbinden Sie Hoffnungen damit?

Diekmann: Mein Herz schlägt links, ich hoffe dass wir nach den Wahlen im September eine stabile linke Regierung haben, die dafür sorgt, dass endlich die Volksentscheide „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ und „100 Prozent Tempelhofer Feld“ umgesetzt werden. Ich will keine Wohnsilos auf dem Tempelhofer Feld. Wir haben genügend Leerstand in Berlin, wir haben genügend Wohnraum, wir haben einen demografischen Wandel. Wir brauchen nicht Tausende neue Wohnungen, die kein Mensch bezahlen kann. Ich will es noch mal sagen: Mieten steigen nicht, Mieten werden erhöht. Und dafür brauchen wir wirksame Instrumente, die dem einen Riegel vorschieben.

taz: Was ist Ihr Best-Case-Szenario für das Haus und Ihre Zukunft hier?

Diekmann: Im Dezember stehen die Entscheidungen der fünften Klagewelle bei unseren Räumungsklagen an. Wenn wir auch die gewonnen haben, hoffe ich, dass der Bezirk, wie angekündigt, die Abrissgenehmigung wieder zurückzieht. Und grundsätzlich wäre es das Beste, wenn die Wohnungen in eine Genossenschaft überführt werden.

taz: Wenn es aber doch so weitergehen solle wie bisher, wie lange halten Sie es noch durch?

Diekmann: Aufgeben ist keine Option. Wir dachten immer, es kann nicht schlimmer kommen und dann kam es schlimmer. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. So lange ich gesund bleibe, werde ich weitermachen. Ich bin ja nicht allein.

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