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EU findet Kompromiss im BenennungsstreitVeggie-Wurst bleibt, veganer Speck nicht

Im Streit um die Namen für vegetarische und vegane Ersatzprodukte haben die EU-Gremien einen Kompromiss gefunden. Er sieht auch Verbote vor.

Geht auch in vegan – hier mit Patty aus Kidneybohnen Foto: picture alliance/dpa/haupstadtkueche.blogspot.com | Doreen Hassek

dpa/taz | Die Bezeichnungen „Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“ müssen nicht von Speisekarten und Produktverpackungen in der EU verschwinden. Darauf einigten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments in Brüssel, wie Verhandlungsteilnehmer der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Andere vegetarischen Produkte dürfen aber künftig nicht mehr etwa als „Veggie-Hühnchen“ oder „Tofu-Rippchen“ bezeichnet werden.

Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den europäischen Staaten angenommen werden. Er ist das Ergebnis langer Verhandlungen. Europäische Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein Verbot von Begriffen wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Das wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet.

Die Verbraucherschutz-NGO kritisierte die Entscheidung: „Die ‚Lösung‘ der EU für ein vermeintliches Problem, das in der Realität gar nicht existiert, schafft im Supermarkt nicht mehr Klarheit, sondern mehr Verwirrung – und macht Veggie-Produzenten unnötig das Leben schwer“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann.

Ende für vegetarischen Speck, Rippchen und Kotelett

Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden. Das soll nach der Einigung nun auch weiter grundsätzlich möglich sein. Untersagt werden sollen laut Vertretern des Parlaments Bezeichnungen, die sich auf Tier- beziehungsweise Fleischarten und einzelne Teilstücke („Cuts“) beziehen: zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Kotelett oder Speck.

Der Kompromiss greift damit den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission wieder auf, den das Europaparlament deutlich verschärft hatte. Letzteres sah vor, dass Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart.

Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot – eine ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Die Ja-Stimmen kamen vor allem von Fraktionen rechts der Mitte. Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist eine Mehrheit auch unter den EU-Staaten nötig. Die fehlte.

Deutschland gegen Verbot

Deutschland hatte sich gegen ein „Veggie-Burger“-Verbot ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte im Oktober, ein Verbot würde „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ sowie Bürokratie verursachen. „Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.“ Wer ein Veggie-Schnitzel kaufe, wisse, dass es nicht aus Fleisch ist.

Auch Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter lehnen das Vorhaben ab. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten Produkte umbenennen.

Die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischalternativen stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024 (jüngste verfügbare Jahreszahlen). Das war mehr als doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Der Wert der Fleischproduktion war dennoch vielfach so hoch (Fleisch und Fleischerzeugnisse: 44,3 Milliarden Euro, Fleischalternativen: 647,1 Millionen Euro).

Verband befürchtet bei Verbot Millionenschaden

Mehrere Handelsunternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King, warnten im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Brief ebenfalls vor wirtschaftlichen Schäden. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein Verbot würde den Verkauf erschweren.

Der Bundesverband für Alternative Proteinquellen (BALPro) rechnete für den Fall von Namensverboten mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für Hersteller von Fleischersatzprodukten. „Auf Basis interner Schätzungen und Rückmeldungen zahlreicher betroffener Unternehmen ist von einem Gesamtschaden in Höhe von rund 250 Millionen Euro auszugehen“, teilte der Lobby- und Branchenverband im Januar mit. Kosten entstünden demnach vor allem, weil Verpackungen neugestaltet und bisherige vernichtet werden müssten, Marketing und Kommunikation verändert werden müssten und den Unternehmen Umsätze entgehen würden.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese kommentierte: „Wenn auf einem Produkt ‚vegetarisch‘ oder ‚vegan‘ steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt.“ Die an den Verhandlungen beteiligte niederländische Volt-Abgeordnete Anna Strolenberg bedauerte, wie viel Zeit für die Namensdebatte aufgewendet wurde – und dass nun zwar nicht der Begriff „Veggie-Burger“, aber zahlreiche andere Wörter auf der schwarzen Liste landen. „Das ist schade, denn Europa sollte innovative Unternehmer unterstützen, anstatt ihnen neue Hindernisse in den Weg zu legen.“

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60 Kommentare

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  • Wann endlich befassen sich die " EU er " mit den Parteien - damit auch wirklich drinnen is, was drauf steht 😁

  • Isses nicht wurscht? Wenn ein Hersteller ein pflanzliches Produkt "Hühnchen" nennt, so wird davon zwar nicht das Abendland untergehen. Aber ist so eine Benennung sinnvoll und "innovativ", oder ist sie nicht vielmehr bescheuert?

  • Ein ehemaliger, sehr populärer, Regierungspräsident zu Köln, pflegte Vorgänge dieser Art, wie folgt, zu kommentieren :



    " Da sind Herrschaften am Werk, die bei der Erfindung des Schiesspulvers in der ersten Reihe gestanden haben ". Morgen gehe ich zum Frühschoppen in mein Lieblingsbrauhaus und bestelle ne Halve Hahn.

  • Und ist mit "Fleischpflanzerln" (bayrisch für Frikadelle)? Oder wie man im Saarland sagt "Fleischküschelscher" (Fleischküchelchen)?



    Da wird Fleisch als Pflanze oder Kuchen geframt. Gibt's da eigentlich schon eine Klage vor dem Verfassungsgericht?

    Oder beschäftigen die sich immer noch mit gänzlich unwichtigeren Dingen? Mit einem AfD-Verbot oder der verfassungsfeindlichen Regierung, die die Klimakatastrophe de facto leugnet (oder keinerlei Ahnung hat, was das ist - siehe: youtu.be/dXjxuqX60xM?t=168) beschäftigen sie sich zumindest nicht.

    Dabei gäb's soviel, was die tun könnten. Bei einem Innenminister, der täglich dem Rechstaatsprinzipien ins Gesicht tritt, oder eine Kulturstaatsminister, der sich Sorgen um den Fortbestand des Blutes macht und Freiheit von Forschung, Lehre und Kunst verletzt:

    • @Jalella:

      Ich habe noch nie eine Packung im Laden gesehen, suf der " Fleischküsxhelschen" oder " Fleischpflanzerln" draufsteht.

      Aber wenn das passiert, werde ich an Sie denken.

      Statt " veganer Leberwurst" habe ich aber schon Leberwurst gekauft.

      Und vergleichbare Fehler gemacht.

      "Abenteuer-Streich" finde ich viel cooler.

      Ich mag die klarere Regelung.

      Hilft mir im Alltag.

      Klar gibt es wichtigere Dinge.

      Aber so lange man sich immer noch mit Wortbinnenzeichen gendert, die in keinem Satz einen Informationsmehrwert haben, scheint Klimaerwärmung und AfD nicht so schlimm zu sein.

      Sie haben recht, es gibt so vieles, was man mit dieser Zeit tun könnte.

      Außerdem würde man der AfD nicht noch Wähler und Wählerinnen zutreiben.

      • @rero:

        Fleischpflanzerl stehen z. B. in praktisch jedem deutschen Restaurant in München auf der Speisekarte.

  • Eine unübersehbare Kennzeichnung schon im Produktname z.B. "Vegetarisches Schnitzel" hätte mir gereicht.

    • @Hans Dampf:

      Für rein pflanzlich ernährte Schweinchen und deren Schnitzel würd der Name ja dann auch passen 🤪

    • @Hans Dampf:

      Die meisten Hersteller schreiben das auch ganz groß drauf, weil sie damit werben.

      Wichtiger wäre, die Zutaten aus dem Chemiebaukasten größer zu schreiben.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das wäre bei allen Produkten sehr wünschenswert. Auch grade bei hochverarbeiteten Fleischprodukten.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Hauptbestandteile (vegane Wurst):

        Basis: Trinkwasser, Rapsöl.



        Eiweißquelle: Meist Weizengluten oder Erbsenprotein.



        Struktur/Konsistenz: Stärke, Methylcellulose, Carrageen, Flohsamenschalen.



        Geschmack: Natürliches Aroma, Gewürze, Salz, Zwiebeln, Branntweinessig.



        Farbe: Färbende Lebensmittel (Rettich, Paprika, Karotte, Rote Bete).



        (Carragen ist auch enthalten in Sahne, Pudding, Eiscreme, Ketchup, Fertigsoßen)

        Hauptinhaltsstoffe und Zusatzstoffe Wurst:

        Wurst besteht primär aus



        Muskelfleisch (meist Schwein, Rind oder Geflügel), Fettgewebe (Speck), Wasser (oft als Eis) und Salz.

        Hauptinhaltsstoffe und Zusatzstoffe im Detail:



        Fleisch & Fett: Schweinefleisch, Speck, Rindfleisch, seltener Kalb oder Geflügel.



        Wasser: Als Trinkwasser oder Eis zur Herstellung.



        Gewürze: Pfeffer, Ingwer, Muskat, Koriander, Knoblauch, Kardamom, Majoran, Paprika.



        Salze: Kochsalz, Meersalz, Nitritpökelsalz (E 250) zur Konservierung.



        Zusatzstoffe:



        Stabilisatoren: Diphosphate (E 450) zur Bindung.



        Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure (Vitamin C, E 300) /Natriumascorbat.



        Konservierungsstoffe: Natriumnitrit.



        Sonstige: Zuckerstoffe (Dextrose) Farbstoffe, Emulgatoren.



        Können uns ja streiten, wo mehr Chemie drin ist

        • @Thomas Böttcher:

          Kleine Ergänzung. Zutaten der Chorizo, die heute mein essen würzt:

          Schweinefleisch und Fett



          Paprika



          Salz



          Knoblauch



          Naturdarm vom Schwein

          Kommt also stark darauf an, was man vergleicht. Man kann nicht Müllregal mit Qualität vergleichen. Egal ob es sich um Veggi handelt oder nicht.

        • @Thomas Böttcher:

          Mir geht es um alle Produkte. Besonders hoch verarbeitete.

          Am besten ist es immer noch, Zutaten zu kaufen und selbst zu kochen etc. Egal ob mit oder ohne Tier.



          Und dann kann man auch gut auf Ersatzprodukte verzichten...

    • @Hans Dampf:

      Die Lebensmittelkonzerne haben regelrecht im Regulierung gebettelt, da in vielen Fällen der Zusatz vegan oder vegetarisch nur klein und/oder abgesetzt dasteht. Wie immer überschwingt das Pendel.

      • @MK:

        Was mich immer am Argument wundert, die Kennzeichnungen seien zu klein, zu ungenau etc. Warum passiert es dann nicht ständig, dass Vegetarier und Veganer ausversehen Fleisch kaufen? Ist mir noch nie passiert, obwohl ich seit Jahren die Zutatenlisten nicht mehr studiere, weil das Packungsdesign und die Kennzeichnung so einseitig ist, auch wenn die Sachen mittlerweile eben zwischen der z.B. Fleisch-Salami liegen und nicht in einem extra Regal. Also warum tritt das Problem nie umgekehrt auf?

    • @Hans Dampf:

      Und womit sollen Gremien, Arbeitskreise, Ausschüsse, Gerichte und was weiß sich die Zeit vertreiben? Etwa mit ernsthaften Angelegenheiten?????

  • Es ist kein Kompromiss ... Die Fleischindustrie fordert Sprachverbote gezielt und ausschließlich gegen Fleischlose Produkte um angeblich Verbraucher zu schützen ... Dabei gibt es zum Beispiel in 'Leberwurst' zumeist keine Leber und ein Steak ist von der ursprünglichen Bedeutung her lediglich ein Stück das in der Pfanne gebraten wird - egal woher es kommt. Die Informationen darüber woher es stammt muss so oder so immer mit einem Zusatz mitgeliefert werden. Hähnchen-Steak, Schweine-Steak, Rinder-Steak, Kangaroo-Steak, Sellerie-Steak, Soja-Steak ... Und aus welchem Grund sollte der Fleischindustrie nun die alleinige Deutungshoheit über auch nur eine einzige dieser Bezeichnungen zugesprochen werden ...? Weshalb? Was ist dann eigentlich mit all den tatsächlichen Fakes der tierischen Nahrungsmittelindustrie? Leberwurst, Seelachsfilet und Erdbeer-Joghurt sind nur einige der zahllosen Beispiele. Die Forderungen sind absolut unanständig und greifen tief in die Rechte anderer ein und müssten komplett abgeschmettert und eingestampft werden. Es ist ein alter Trick der Rechten unverschämte und unerfüllbare Forderungen zu stellen um dann ihren Triumph wie einen Kompromiss aussehen zu lassen ...

    • @Peter Blunt:

      In Leberwurst ist immer Leber enthalten. Meinen Sie Leberkäse?

    • @Peter Blunt:

      "Es ist ein alter Trick der Rechten unverschämte und unerfüllbare Forderungen zu stellen"



      Heute Thema "feministaz"



      Eine durchaus erfüllbare Forderung:



      "Wie sprichst du selbst mit deinen Kindern über Fleisch?



      Meine Kinder wissen, dass für Fleisch Tiere sterben müssen. Sie kennen die Theorie. Das hält sie allerdings nicht davon ab, in einen Hotdog zu beißen, wenn ihnen jemand einen hinhält. Sie wollen eigentlich keine Tiere essen, können die Verbindung zwischen dem toten Tier und der leckeren Wurst aber nicht herstellen. Ich persönlich fände es gut, wenn alle Kinder frühzeitig mal eine richtige Schlachtung sehen, riechen und auch hören würden. Das ist eine Erfahrung, die heute kaum noch jemand macht. Auch die meisten Erwachsenen haben keine Ahnung, was da eigentlich passiert. Niemand mag ein Tier leiden oder sterben sehen. Da wenden alle den Blick ab."



      2018 b. zeit.de



      Titel:



      "Die Bilderreihe "About Meat" zeigt, wie absurd unser Verhältnis zu Fleisch ist"



      Zusammenhang:



      "Mit einigen Tieren wird gekuschelt, andere landen auf dem Teller und werden gegessen. Die Berliner Illustratorin Caroletta macht mit ihrer Bilderreihe About Meat deutlich, wie absurd das ist. Ein Interview"



      Lesenswert!

      • @Martin Rees:

        Die Annahme, jemand würde kein Fleisch essen, weil er beim Schlachten zugesehen hat, ist aber gewagt.

        Bis vor wenigen Jahrzehnten haben über Jahrtausende hinweg Kinder beim Schlachten zugesehen und das Fleisch gegessen.

        Man ist damit aufgewachsen.

        Vielleicht ist der Kausalzusammenhang umgekehrt.

        Weil man beim Schlachten nicht mehr zuschauen muss, möchte man kein Tier mehr sterben sehen.

        • @rero:

          "Weil man beim Schlachten nicht mehr zuschauen muss, möchte man kein Tier mehr sterben sehen."



          /



          In der Gesellschaft einiger Proms kann sich mancher Tierschütz_er wohlfühlen.



          "Vor einem Jahrzehnt veröffentlichte PETA Paul McCartneys Video „Wände aus Glas“. Seitdem hat sich in der Welt der Tierrechte einiges verändert. Fast-Food-Ketten hatten damals keine oder kaum vegane Optionen. Mittlerweile finden Veganer eine reiche Auswahl in vielen Restaurants, von McDonald’s über Burger King bis hin zu Domino’s Pizza. In Hollywood sind die meisten Menüs bei Preisverleihungen heute größtenteils oder komplett tierfrei, und auch die Berlinale war 2020 vegan-vegetarisch."



          Mir reicht schon als erster "Etappensieg", wenn mensch sich anständig verhält und die brutalen Praktiken unterlässt, die immer wieder zu abscheulichen Videos geführt haben.



          Quelle und Plattform:



          www.peta.de/promin...y-waende-aus-glas/



          Die Sätze der Illustratorin Caroletta nehme ich deswegen ernst, weil sie verdeutlichen, welche Defizite Menschen entwickeln, wenn sie über ihre Ernährung nicht nachlesen.



          Mein neuer Weg fing damit an:



          "Jonathan Safran Foers „ Tiere essen“ ist das originellste Buch zum Thema"

      • @Martin Rees:

        Meine Erfahrung ist, dass schon fünfjährige, die regelmäßig über Almwiesen wandern und beim Sonntagsspaziergang an Schafherden oder Wildgehegen vorbeikommen, den Zusammenhang erfassen. Wenn ich beim Fischhändler bin, wundere ich mich oft über Kinder vor mir in der Schlange, die ganz gebannt zuschauen, wie ein Fisch aus dem Becken geholt und der zappelnde Fisch erschlagen wird. Ich esse zwar Fisch, aber hinschauen kann ich nicht. In meiner kargen Kindheit gab es nur Seelachsfilet (gottseidank keine Fischstäbchen), deshalb habe ich da Schwierigkeiten. Ich sehe auch des öfteren, wie kleine Kinder gegrillte Langusten kopfüber in den Mund stecken und auslutschen. Ich war schon über 20 Jahre alt, als ich zum ersten Mal ein Krustentier auf dem Teller hatte, und muß mir heute noch von jemand anderem den Kopf entfernen lassen, bevor ich das essen kann. Die jüngeren, die von klein auf Urlaub in mediterranen Ländern gemacht haben, machen sich immer über mich alte Zimperliese lustig.

      • @Martin Rees:

        Bei uns in der Gegend gibt es noch Hausschlachtung und ein paar Orte weiter auch eine "gläserne" Schlachterei. Wenn echte Profis schlachten fliesst zwar Blut, es sieht aber nicht wie ein Gemetzel aus. Mit Billiglöhnern unter Zeitdruck in Großschlachtereien wird das aber nichts.



        Wer schon mal Kaninchen geschlachtet hat kommt auch über den Kuschelfaktor hinweg.

  • Ich habe die ganze Diskussion von Anfang an nicht verstanden, eigentlich hätte doch die vegane Szene laut jubeln können. Ihre überlegenen hochverarbeiteten Nahrungsmittel setzen sich nun endlich im Namen von den primitiven tierischen Produkten ab. Klare Kante zeigen. Der Kreativszene wären bestimmt geniale Bezeichnungen eingefallen. Nun ist die Chance vertan. Ach wäre ARIWA doch viele Millionen Jahre früher gegründet worden, man hätte den Jägern und Sammlern das Jagen gründlich ausgetrieben .

  • "Verbraucherschutz-NGO"? Das ist aber übergriffig udn anmaßend. Die Verbraucherschutzverbände können damit nicht gemeint sein.

    "'… und macht Veggie-Produzenten unnötig das Leben schwer', sagte foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann."

    Ist ja richtig so. Veggie-Produzenten sind Lebensmittelindustrie, oft an der Börse gelistet, oft mit Patenten ausgerüstet. Das hat nichts mit Landwirtschaft und Landschaftsschutz, Nahversorgung, Landschaftspflege, Kulturraumbewirtschaftung zu tun.

    Warum soll Landwirtschaft und Lebensmittel verarbeitendes Handwerk denen die Claims überlassen? Das ist die gleiche Denke wie bei herkungsgeschützten Lebensmitteln - ob jetzt der Bordeaux aus Frankreich, der Harzer Käse aus Deutschland oder die Coppa di Parma aus Italien.

    In meinem Rezept darf zwar Teigwurst stehen, aber man darf das nicht als Teigwurst verkaufen. Das ist schon richtig.

    Veggieburger ist unverdächtig. Veggie-Wurst nicht. Die ist schon mehrfach versehentlich in meinem Einkauf gelandet. Vermutlich weil die Schrift so verschämt klein war und man nicht immer eine Brille auf hat. Ein Bissen und ich musste sie entsorgen. Nicht genießbar.

    Der Kompromiss jetzt ist gut.

    • @rakader:

      Ich frage mich immer wie es mir in 20 Jahren zwischen vegetarischem und veganen Essen trotz der ach so schlechten Kennzeichnung nicht einmal passiert ist, dass ich ausversehen Fleisch gekauft habe, obwohl ich seit gut 10 Jahren fast nie die Inhaltslisten lese und seit ein paar Jahren vegetarische und vegane Produkte deutlich vermehrt einfach bei dem jeweiligen Fleisch zu finden sind. Ich kenne auch keine anderen Veganer oder Vegetarier denen das irgendwie passiert. Wäre die Kennzeichnung so schlecht müsste das ja nicht nur Menschen passieren die Fleisch essen.

    • @rakader:

      Das Wort Wurst bezeichnet eigentlich nur die Form.

      • @Francesco:

        Nö.

        • @rakader:

          "Danach rolle ich die Knete zu einer Wurst" ist falschen Deutsch? Oder eine messianische Transformation?

          Über das "nur" von Francesco lässt sich streiten, plausiblerweise hat das Lexem einfach verschiedene Lesarten.

  • Vegane Leberwurscht isch ower, oder?



    Aber was wird aus "veganem Zwiebel-Schmalz" mit Apfel und Kräutern aber "ohne Tier" in der Zubereitung und der Weiterverarbeitung?



    Bei Wikipedia steht:



    "Schmalz (von mittelhochdeutsch smalz; verwandt mit schmelzen), auch Schmer (von mittelhochdeutsch smër; verwandt mit schmieren), ist als ausgelassenes tierisches Fett von hochviskoser Konsistenz ein weiterverarbeitetes Schlachtfett, vor allem von Schweinen und Gänsen, früher auch von Hühnern, Enten, Katzen und Hunden. Das Schlachtfett von Rindern hat einen höheren Schmelzpunkt und wird Talg genannt."

    • @Martin Rees:

      Vegane Leberwurst ist Fleisch von mit Pflanzen vegan ernährten Tieren!

  • Also der Vorschlag der EU, ist eine Regelung die noch komplizierter ist, Ausnahmen geregelt werden usw. Warum ist das nicht wirklich überraschend?



    Grosse Frage ist aber immer noch: was wird jetzt aus Lakritzschnecken, Gummibärchen oder Hamburger Speck?

  • "Jetzt folgt wieder Leberkäs statt Tofu Tümelei" - so stellte Markus Söder den Parteifreund und neuen Landwirtschaftsminister Alois Rainer vor.



    Dieser, ein gelernter Metzger, sprach sich anfangs auch für ein Verbot von Bezeichnungen wir Veggie - Burger aus.



    Anschließend machte er eine 180 Grad Wende.



    Offenbar wurde ihm geholfen, über die eigene Kühltheke zu schauen.



    Es ist schon seltsam, dass dieser Umstand im Bericht keinerlei Erwähnung findet und statt dessen die Union scheinbar lupenrein bei der Tofu Wurt abschneidet...

  • OMG die EU hat meinen Vorschlag angenommen

  • Wieso wird mit Umsatzeinbußen argumentiert, wenn die Unterscheidung so klar und eindeutig ist?



    Ich würde Veggie Schnitzel nicht für ein tierisches Produkt halten. Es muss aber Menschen geben denen es so geht. Sonst gäbe durch noch eindeutigere Kennzeichnung keine Einbußen.



    Außerdem scheinen mir 250 Millionen Euro für die gesamte Branche in Deutschland nicht wirklich der Rede wert. Wenn damit sichergestellt ist, dass niemand der das wirklich nicht möchte Tofu Wurst essen muss.

    Beim Schulfest letzten Sommer waren die Fleisch Bratwürste alle. Weil die Hausis alles richtig machen wollten und 80 Prozent veggie Produkte gekauft haben (obwohl keiner von denen veggie ist haben sie die problemlos gefunden). Jedenfalls haben die 97 Prozent männlichen Schüler ab dem Zeitpunkt ohne zu Murren die Saitan Würste gegessen. Und das obwohl sie es sogar wussten.



    Der Hunger treibst rein.

    • @Zange:

      Kannst du ja gerne glauben. Aber warum sollten Metzger ihre Schweineschnitzel nicht unter dem Begriff vegan verkaufen dürfen wenn die Schweine vegan ernährt wurden? Menschen nennen sich ja auch vegan

    • @Zange:

      Das find ich mal eine sinnvollere Aufteilung. Ich hab es eher öfter erlebt, dass es bei Buffets zB 5 Auswahlmöglichkeiten gibt, davon dann zwei vegetarische. Da natürlich alle Fleischkonsumierenden auch davon mal probieren wollen, bleibt für vegetarisch Essende am Ende nicht genug übrig, von den Fisch-, Fleisch-, Geflügelrichten ist dann aber gern noch etwas da.

      Seitan habe ich noch keins gefunden, was mir nicht geschmeckt hat. Tofu ist manchmal bissl labbrig, meist kommt es aber auf Zubereitung und Würze an.

    • @Zange:

      Das ist dann aber auch eine Art von Zwang. "Du isst, was auf den Tisch kommt, oder gehst hungrig ins Bett", das klingt nach 50er jahre.



      Und was sind "Hausis" ?

    • @Zange:

      Der Aussage zur Industrie und Abneigung gegen Tofu stimme ich zu. Ich kann z.B. kein Tofu essen. Finde ich ekelig. Und leider bin ich schon mehrfach darauf hereingefallen. Zu kleine Schrift auf der Verpackung. Zufall?

      Ihren Test würde ich stark anzweifeln. Das riecht mir so, als seien die Schüler vorher getriggert worden. Und wohl gab es keine Kontrollgruppe.

      Wir haben vor zwei Jahren eine Blindverkostung mit Lammwürstchen vom Metzger, selbstgemachten Steinpilzwürstchen und Saitan-Würstchen gemacht. Es kosteten Veganer, Vegetarier und Carnivoren. Immerhin 80 Testpersonen. Es gewannen die Steinpilzwürstchen, knapp dahinter die Lammwürstchen. Die Saitan-Würstchen fielen komplett durch - sogar bei allen Veganern.

      • @rakader:

        Steinpilze liebe ich, aber nur halbiert oder geviertelt und dann in der Sauteuse zubereitet. Kleingematscht und in Wurstform gebracht klingt eher gruselig. Womit bindet man die Masse überhaupt? Ei ist nicht vegan, also muss da vermutlich die Chemieindustrie helfen?



        Seitan habe ich einmal probiert und nicht mehr als zwei Bissen von dem trockenen Zeug geschafft. Für den Preis bekommt man auch saftiges Biofleisch.



        Ich verstehe nicht, wieso man Gemüse in Fleischform bringen muss. Ich will auch kein Karottenimitat aus Mettwurst haben. Wenn ich Lust auf Erdbeeren habe, will ich richtige Erdbeeren und keinen Erdbeerjoghurt oder -pudding mit Aromastoffen. Und wenn ich Lust auf Fleisch habe, möchte ich auch kein Fake. Wobei ich zugebe, dass ich kleinen Kindern, die kein Gemüse essen wollen, schon mal ebendieses in die Bolognesesauce oder den Kartoffelbrei mogle.

        • @Oma:

          Bin voll bei Ihnen. Vom Publikum war es halt gewünscht und ein Kompromiss, weil ich mich weigere mit veganer Industrieware zu kochen.



          Die Würstchen macht man entweder mit Eiweiß oder Cashewkernen in einer Art Foie gras. Rezept habe ich aus einem orthodoxen Kloster.

        • @Oma:

          Nix Chemie. Die Würstchen wurden. mit Cashewkernen und ein wenig Johannisbrotkernmehl gemacht. Eine Art Foie gras, mit Steinpilzen, bzw. mit Eiweiß.

    • @Zange:

      "Ich würde Veggie Schnitzel nicht für ein tierisches Produkt halten. Es muss aber Menschen geben denen es so geht."

      Stimmt, wegen der 0,00x% der Bevölkerung, die trotz ständiger Präsenz in den Medien nicht wissen, was "Veggi" bedeutet, musste das unbedingt geregelt werden. Schließlich könnten die sterben, wenn sie mal falsch abbeißen 😁

      Hier verschwenden ein paar Populisten Steuergelder, indem sie sich mit Unfug beschäftigen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ich glaube nicht, dass es bezüglich der Wortwahl Verwechslungen geben könnte.



        Der letzte Satz in Ihrem Kommentar trifft voll ins Schwarze

  • Was können wir alle froh und glücklich sein, dass sich die Politik derart wichtiger Themen annimmt. Es so viel besser als sich um die Kriege in Europa oder Nahost zu bemühen, das sind doch nur Kleinigkeiten. Der Klimawandel ist sowieso Pillepalle und der Vormarsch der Faschisten (fast) überall beruhigt alle Demokraten sehr.

    • @Perkele:

      Wer ist bei Ihnen denn " die Politik "?

      Den Kanzler treiben ja gerade wirklich andere Sachen um.

      Den Außenminister ebenfalls.

      Die EU-Gremien sind hingegen dafür da.

      Wenn die im Iran einmarschieren würden, um dort Frieden herzustellen, wäre das komisch.

      • @rero:

        Ja, so kann man das auch sehen, doch das geht weit an der Thematik vorbei. Selbstverständlich kann ein Merz solchem Unsinn ein Ende machen, ER bestimmt (besser: sollte es tun) die Richtlinien der Politik und nicht der Agrarminister, der diese Lobbyarbeit der Fleischindustrie zuliebe durchzieht. Zudem geht es um mehr: weniger Fleischkonsum ist klimafreundlich, mehr ökologische Ernährung ebenso - doch es sind spinnerte GRÜNE, die dahinterstecken. Da bleibt die Politik einiger Parteien dann doch gerne iedologisch. Darum geht es nicht an letzter Stelle.

        • @Perkele:

          Die jetzige Landwirtschaftspolitik und Ernährungspolitik trägt immer noch den Stempel. von Özdemir und sicher nicht von "IHM".

        • @Perkele:

          Es geht um die Entscheidung eines EU-Gremiums.

          Deren Entscheidung soll der Kanzler ein Ende machen?

          Nicht Ihr Ernst, oder?

          • @rero:

            Formal mag das richtig sein. Dennoch: hätte er sich laut und deutlich gegen diesen Blödsinn geäußert und die deutschen Repräsentanten entsprechend vorbereitet - es wäre deutlich anders verlaufen. Doch genau das ist Merz' Schwäche: er ist zum Einem zu sehr der konservativen Fleisch-Lobby verpflichtet und zum Anderen grundsätzlich gegen alles, was fortschrittlich auch nur zu sein scheint.

  • War einfach zu spät, die Begriffe waren schon „gekapert“. Welcher Politiker würde es schon noch ernsthaft wagen den Megahype zu behindern? Habe auch immer noch nicht verstanden, warum die Pflanzenkostabteilung es nötig hatte ihre oftmals durchaus guten Produkte mit geschmacklichem Fleischversprechen in den Markt zu drücken. Aber vielleicht sind viele Verbraucher:innen wirklich zu blöd, ohne diese Krücke zu konsumieren. Scheint ja auch nötig zu sein, alle von Natur aus veganen Produkte jetzt auch plakativ so kennzeichnen zu müssen.

    • @vieldenker:

      "warum die Pflanzenkostabteilung es nötig hatte ihre oftmals durchaus guten Produkte mit geschmacklichem Fleischversprechen in den Markt zu drücken."



      Es ist nicht nur das Fleisch:



      Wie sollen wir "veganes Schmalz" nennen?



      Muss "Kunstpelz" auch verschwinden?



      Fellimitat und Schmalz-Imitat find ich "ungelenk" im täglichen Leben.



      www.peta.de/themen...lz-oder-kunstpelz/

  • Die Logik ist so offensichtlich wie zweckmäßig: Wurst, Schnitzel, Burger bezeichnen Zubereitungen und können auch pflanzenbasierte Produkte sein; Speck, Kotelett, Steak etikettieren Fleischsorten und können daher nicht aus Pflanzen sein.

    • @Holger Westermann:

      Dennoch gibt es seit vielen Jahrzehnten "Mäusespeck".

  • Der Leberkäse ist kein Käse. Verbot, jetzt!

    • @Troll Eulenspiegel:

      Ich sach nur 'Scheuermilch'!🍼



      Der ganze Komplex ist doch bescheuert,



      wie selbst ein Schalk bestimmt beteuert,



      der selbst dann dieses noch beisteuert:



      Den Zweiflenden von der Union



      empfohlen sei 'ne Petition,



      die Idee dazu gab es schon:



      /



      Bei change.org



      Zur Scheuermilch:



      "Diese Irreführung kann unerfahrenen Verbrauchern, insbesondere in Mehrpersonenhaushalten, wo nicht jeder mit den Putzmitteln vertraut ist, gefährlich werden. Man stelle sich vor, jemand schüttet in der Annahme, es handele sich um ein ungewöhnliches Milchprodukt, "Scheuermilch" in das Müsli oder den Kaffee. Die Folgen könnten verheerend sein." 🙈

  • Namen sind das eine. Fehlsubventionen für die Fleischindustrie ein für allemal zu beerdigen das andere. Der Zeigefinger geht dabei nicht auf Menschen, sondern auf die Daten und Fakten.

    • @Janix:

      Warum nur für die Fleischindustrie.



      Subventionen sollten grundsätzlich unterbleiben. Es werden damit doch meistens nur noch tote Pferde weitergeritten oder nicht wirklich notwendiges, aber halt ideologisch für manche wichtiges "zwangsernährt". Für technologische oder ökologische Anpassungen und Weiterentwicklungen fehlt doch dann die Motivation, wenn man ansonsten öffentliche Mittel verliert.

      • @Oleg Fedotov:

        Kein Widerspruch. Es war dabei m.E. etwa richtig, die Entwicklung der Solartechnik zu beschleunigen (Deutschlands größte Tat für die Welt dieses Jahrhunderts), und irgendwann ist's genauso auch gut.



        Steinkohle war stehend übertot, die Verbrennererzeugung zuckt noch, während die Union (und teils die SPD) ständig versteckte Staatsgelder hinüberschiebt.