piwik no script img

Diskussion an der TU BerlinUiguren-Unterstützer unter Druck

Der AStA der TU Berlin will über die Lage der Uiguren informieren. Die chinesische Botschaft hat die TU wohl aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen.

Haiyuer Kuerban, Berlin-Direktor des Weltkongresses der Uiguren, 2025 bei einem Protest vor dem Auswärtigen Amt Foto: Katharina Kausche/dpa

Im Vorfeld einer Diskussionsveranstaltung zur Lage der Uiguren kritisieren die Ver­an­stal­te­r*in­nen Einschüchterungsversuche und Druck aus China. Die Gruppe „Students for Uyghurs Berlin“ plant am Donnerstag in Räumen der Technischen Universität (TU) Berlin einen Dokumentarfilm zu zeigen, außerdem ist ein Vortrag eines Anthropologen und ein Input aus der uigurischen Community vorgesehen.

In der Veranstaltung soll es um die systematische Verfolgung der Uiguren, um Internierungen und Zwangsarbeit in China gehen. Allerdings seien sowohl die Uni-Leitung als auch der AStA kontaktiert und aufgefordert worden, diese Veranstaltung abzusagen, heißt es von den Veranstalter*innen, den Angaben nach von der chinesischen Botschaft.

Außerdem habe sich die „Gesellschaft chinesischer Akademiker an der TU Berlin“ mit einem langen Brief an den AStA und die Uni gewandt. „Sie haben unmissverständlich die Absage gefordert, weil sie sich damit nicht wohl fühlen“, sagt ein Mitglied von Students for Uyghurs der taz. Insbesondere der Begriff „Ostturkistan“ habe die Gruppe wohl getriggert. Students for Uyghurs hatte diese Bezeichnung auf Plakaten und Flyern zur Veranstaltung genutzt.

Es ist denkbar, dass es zu Störaktionen kommt

Haiyuer Kuerban vom World Uyghur Congress

„Dass sie jetzt versuchen, uns einzuschüchtern, beweist nur, wie notwendig unsere Veranstaltung ist“, schreibt die Gruppe in einem Statement auf Instagram. Das Leid der Uiguren sei eines der „zentralen Menschenrechtsthemen unserer Zeit“. Der Gegenwind bestärke sie nur noch mehr.

Students for Uyghurs ist eigenen Angaben zufolge ein relativ neu gegründetes Kollektiv. Erstmals seien sie am 9. Dezember, dem Jahrestag, an dem die UN 1948 die Genozid-Konvention ratifiziert haben, mit einer Kundgebung vor der chinesischen Botschaft in Erscheinung getreten. Die Diskussion am Donnerstag ist demnach ihre erste größere Veranstaltung. Das bildungspolitische Referat des TU-AStA habe sie dazu eingeladen.

Ungewöhnliche Anmeldungen

Sorge bereitet den Veranstalter*innen, dass sich in kurzer Zeit ungewöhnlich viele Teil­neh­me­r*in­nen angemeldet hätten, und zwar überwiegend mit chinesisch klingenden Namen. „Es ist denkbar, dass es zu Störaktionen kommt“, sagt Haiyuer Kuerban vom World Uyghur Congress (WUC), der selbst auf der Veranstaltung sprechen wird. „Bei Veranstaltungen etwa in Kanada oder den USA haben wir bereits absichtliche Störungen erlebt“, sagt er. Das Schreiben von dem Verein der chinesischen Akademiker findet er „unverschämt“. Es sei eine drastische Reaktion auf unspektakuläre Aufklärungsarbeit.

Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ kritisierte in einem Statement Hinweise auf Einschüchterungsversuche. Ihnen lägen belastbare Hinweise vor, dass die chinesische Regierung Druck ausgeübt habe. Die Gesellschaft spricht in diesem Fall von „transnationaler Repression“, also staatlichen oder staatsnahen Versuchen, Menschen im Ausland einzuschüchtern – dies geschehe oft auch über Bildungseinrichtungen und Hochschulen.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

9 Kommentare

 / 
  • Die Seuche Nationalismus hat halt nicht an Europas Grenzen haltgemacht. In einem Imperium wie China mit Minderheiten hat sie besonders ungute Folgen. Geben wir da Verfolgten die ihnen zustehende Stimme. Besser dies als Messerattacken o.ä. als letzte "Meinungsäußerung".

    • @Janix:

      Spielen Sie jetzt auf die Messerattacken und andere Terrortaten an, die nationalistische Uiguren in China verübten?

      • @Egil:

        Kunming kam, als die Chinesen der Meinungsäußerung die Garotte zuschnürte. War ein zu verurteilendes wie dummes Attentat.



        In der Größenordnung fallen mir bei Terror zugleich zuerst die Untaten und Einschüchterungs-Brutalitäten der hanchinesischen KP ein ... Ihnen auch?

  • Vielleicht recherchiert die taz, was es mit der "Gesellschaft chinesischer Akademiker an der TU Berlin" auf sich hat. Deren Homepage ist rein auf chinesisch gehalten. Alle Mitglieder auf Parteilinie? Kein Einsatz für die Zivilgesellschaft in China? Und wie steht es mit Kontakten zur Vereinigten Arbeitsfront?

    Die Zentralabteilung für Vereinigte Arbeitsfront (UFWD) der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) beobachtet und beeinflusst Auslandschinesen weltweit durch ein dichtes Netz von Verbänden. In Deutschland geraten besonders Studierende, Dissidenten und Exilgruppen in den Fokus, um Regimekritik zu unterbinden.

  • Also liebe TU bitte knickt nicht ein und wenn es zu Störaktionen kommt die Störenfriede aus dem Saal entfernen sollten diese einer Diskussion oder eines Gespräches nicht zugänglich sein.

  • Die chinesischen Repräsentanten fühlen sich also unwohl?



    Gut so.



    Ich hatte schon befürchtet, sie wären ohne Empathie für die Unterdrückten.



    Und dabei faszinierend, wie blind die gegen alles westliche oppunierenden Islamisten im Gegenzug auf diesem Auge blind bleiben...

    • @Vidocq:

      Ist das so? Haben Sie das mal gegenrecherchiert?

      Und seit wann wäre China westlich?

      • @Janix:

        Von welchem islamistischen Staatschef haben Sie denn mal was Kritisches gehört?

        Wieviel islamistische Anschläge gegen chinesische Gebäude oder Menschen gab es denn in den letzten 20 Jahren?

        Die Recherche dürfte da sehr unfruchtbar ausfallen.

        Bezüglich Ihrer letzten Frage haben sie wahrscheinlich den Kommentar von Vidocq missverstanden.

        • @rero:

          Nein, aber einen Widerspruch sah ich da entsprechend wohl nicht so sehr wie er. China ist weder christlich geprägt, noch hat es zuvor den gesamten Mittleren Osten kolonisiert oder noch früher mit einem "Kreuzzug" überzogen.

          Bis China dann massiv drückte, haben sehr viele islamisch geprägte Länder die Glaubensbrüder zumindest verbal unterstützt. Und die Islamisten, für mich sind das die Bin Ladens, erst recht. Da wurde ja teils an der Waffe ausgebildet.



          Sind auch Islamisten "gegen alles Westliche"? Ich meine die mit Smartphone, Flugschein, automatischen Waffen, Social-media-Accounts.