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Schließung des TU-HauptgebäudesBröckelnde Exzellenz

Nach der Schließung des Hauptgebäudes versucht die Technische Universität, den Schaden zu begrenzen. Derweil tobt die Debatte um die Verantwortung.

Nach einer raschen Wiedereröffnung sieht es nicht aus: Am Montagmorgen ist die Evakuierung der Büros im Hauptgebäude der TU noch im vollen Gange. Eine Mitarbeiterin schiebt gerade einen stattlichen Feigenbaum mit einer Sackkarre durch die Eingangstür, ein Mitarbeiter zieht einen Bollerwagen mit Umzugskartons hinter sich her. „Das Haus bleibt vollständig geschlossen“, heißt es auf dem Zettel der Eingangstür.

Auf dem Vorplatz startet währenddessen die Protestkundgebung des Bündnisses „Campus Sanieren“. Nach der kurzfristigen Schließung eines der größten Standorte der TU am Samstagmorgen wollen die Studierenden den voranschreitenden Verfall ihrer Uni nicht weiter hinnehmen.

Auch wenn die Absperrung überraschend kam, sei sie aufgrund des desolaten Zustands des TU-Gebäudebestands nicht unerwartet, sagt Jehona Aliu, die als studentische Vertreterin im akademischen Senat sitzt. „Die Frage war immer, wann fällt das nächste Gebäude aus.“ Aliu berichtet vom Physikgebäude, in dem keine einzige Steckdose funktioniert. Und das ikonische Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz steht seit einem Wasserrohrbruch 2024 leer.

Fast alle Bestandsgebäude der Exzellenz-Uni sind sanierungsbedürftig, doch passiert ist in den letzten Jahren wenig. Schlagzeilen machen vor allem Institutsgebäude, die immer wieder wegen Wasserschäden und Rohrbrüchen komplett ausfallen. Die Universität selbst beziffert die Höhe des Investitionsstaus auf 2,4 Milliarden Euro.

Wasserschäden überall

„Seit Jahren verschlechtert sich die Lehre“, berichtet Maschinenbaustudentin Luisa, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Wenn man in der Physik-Bibliothek lernt, läuft man an Dutzenden Wannen vorbei, in die es reintropft.“ Auch im Hauptgebäude habe es diese Wannen gegeben, weil das Dach des Vorbaus undicht ist. Viele Kom­mi­li­to­n:in­nen hätten mittlerweile „extrem Angst davor, dass die Schließungswelle weitergeht“.

Am Freitag stellten die Bauaufsicht des Bezirks und die Feuerwehr bei einer Begehung erhebliche Mängel fest, die eine sofortige Schließung des Hauptgebäudes unausweichlich machten. Offenbar war für die Kontrolleure unter anderem ein leckendes Rohr ausschlaggebend, unter dem der Sicherungskasten für die Notstromversorgung lag.

Die Schließung ist ein Armutszeugnis für eine Technische Universität

Christian Gaebler, Bausenator (SPD)

Bei einer Infoveranstaltung am Montagnachmittag gab die neu gewählte TU-Präsidentin Fatma Deniz keine weiteren Details zu den Schäden bekannt. „Es ist ein historisches Gebäude, das den heutigen Brandschutzanforderungen nicht mehr entspricht. Seit den 60er Jahren wurde auch nicht mehr viel gemacht“, erklärte TU-Präsidentin Deniz.

Man arbeite mit Hochdruck daran, die schlimmsten Mängel zu beheben, wann das Gebäude wiedereröffnet wird, sei derzeit nicht absehbar. „Wir suchen nach Alternativlösungen, um arbeitsfähig zu bleiben“, sagte Deniz.

Frage nach der Verantwortung

Dies ist keine leichte Aufgabe, betroffen sind immerhin fast 400 Lehrveranstaltungen auf rund 30.000 Quadratmeter Nutzfläche. Auch das Audimax, in dem 1.200 Studierende Platz finden, fällt aus.

Neben der Verlegung in andere Räume sollen die Veranstaltungen nach Möglichkeit digital durchgeführt werden. Auch die Anmietung von Ersatzflächen werde geprüft, so Deniz. Dennoch sei klar, dass man den Wegfall des Hauptgebäudes nie ganz kompensieren werde können, sagte Deniz. „Wir werden zusammenrücken müssen.“

Umstritten ist die Frage, wer für das Fiasko verantwortlich ist. Im RBB-Inforadio kritisierte Wissenschaftssenatorin Ines Czyborra (SPD) die TU dafür, zu wenig für die Sanierung getan zu haben. „Die Bauunterhaltung ist die Aufgabe der Hochschulen“, sagte Czyborra, die Unis bekämen dementsprechend Mittel zugewiesen. Doch diese habe die TU dafür verwendet, um Rücklagen aufzubauen, die aktuell rund 400 Millionen Euro betragen würden. Nach Aussagen der TU sind es nur 210 Millionen.

In dieselbe Kerbe schlug Bausenator Christian Gaebler im Stadtentwicklungsausschuss am Montag. Die Schließung sei ein „Armutszeugnis für eine Technische Universität“, die Mängel seien lange bekannt gewesen und die Hochschule hätte ausreichend Zeit und Geld gehabt, die Mängel zu beheben.

Kaputtgesparte Infrastruktur

TU-Präsidentin Deniz sagte auf der Infoveranstaltung, sie wolle zwar das „Blame Game“ nicht mitspielen, doch die Schließung sei Folge von jahrelangem Investitionsstau und Einsparungen. Ihr FU-Kollege Günther Ziegler wird gegenüber dem Tagesspiegel deutlicher. „Das muss ein finaler Weckruf für die Politik sein, den Sanierungsstau der letzten 30 Jahre endlich ernsthaft anzugehen.“

Grundtenor von Zieglers Kritik: Bei einem Investitionsbedarf von rund 8 Milliarden Euro und gleichzeitigen Kürzungen der Investitionsmittel und Hochschuletats könne es sich die Senatsverwaltung nicht bequem machen und auf vergleichsweise mickrige Rücklagen von 400 Millionen Euro verweisen.

Unterstützt wird Ziegler von Alt-TU-Präsidenten Jörg Steinbach, der gleichzeitig SPD-Parteikollege ist. „Die bauliche Substanz der TU und auch der anderen Hochschulen ist über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahren worden“, schreibt Steinbach auf der Social-Media-Plattform LinkedIn. Das letzte Mal, das die Berliner Hochschulen ausreichend finanziell ausgestattet waren, sei zu Zeiten von Jürgen Zöllner gewesen. Zöllner war von 2006 bis 2011 Wissenschaftssenator in Berlin.

Gaebler und Czyborra nutzen die Krise der TU, um für die geplante Hochschulbaugesellschaft zu werben. Zukünftig sollen die Immobilien der Hochschulen in eine eigenständige Anstalt öffentlichen Rechts ausgegliedert werden. Die Hochschulen wären dann nur noch Mieter und könnten die Immobilien nicht mehr selbst verwalten.

Doch das Konstrukt steht unter heftiger Kritik der Universitäten, die um ihre Autonomie fürchten. Tobias Schulze, wissenschaftspolitischer Sprecher der Linken, hält den Vorschlag für eine Scheinlösung „Die Hochschulbaugesellschaft wird noch mehrere Jahre benötigen, um wirklich arbeitsfähig zu sein.“ Stattdessen bräuchte es einen Notfonds, um weitere Schließungen wie bei der TU zu vermeiden.

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3 Kommentare

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  • Also m.E. sind die Schuldigen tatsächlich in der Politik zu suchen. Wer regelmäßig mit Hilfe von pauschalen Minderausgaben die Universitätsbudgets über das Machbare hinaus kürzt, der muss sich nicht wundern, dass die Substanz als auch die Lehre und Forschung vor die Hunde geht. Da täuscht auch ein Excellenzcluster nicht darüber hinweg.

    • @Anna Bell:

      Das sehe ich genauso. Der Senat hat offenbar gerade an den wichtigsten Dingen, die Berlins Anziehungskraft begründen, das geringste Interesse - Forschung, Lehre, Kultur. Dass das auch wichtige Grundlagen für Berlins Wirtschaft sind, dass Berlin ein wichtiges Zentrum von Entwicklungen in Wissenschaft, Technik Gesundheitswesen und anderen Gebieteen ist (oder war?), spielt anscheinend keine Rolle mehr, wichtige Unternehmen geben ihre Berliner Standorte auf. Was stellen die sich eigentlich in Zukunft für eine Stadt vor? Einen Riesen-Freizeitpark mit Beschäftigungsmöglichkeiten in Tourismus, Veranstaltungen und Müllabfuhr?

  • Det is Berlin !